Bischof Tilman Jeremias predigte im Dom zu Güstrow beim Johanniterorden-Rittertag; 800-jähriges Jubiläum des Doms.

Bischof Tilman Jeremias: „Die guten Früchte des in Taten gelebten Glaubens haben immer mit der Verwurzelung zu tun.“

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Bischof Tilman Jeremias: „Die guten Früchte des in Taten gelebten Glaubens haben immer mit der Verwurzelung zu tun.“

Am Sonntag, dem 26. April predigte der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern in der Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) Tilman Jeremias im Güstrower Dom bei dem Festgottesdienst des Johanniterordens zum diesjährigen Rittertag. Neben Neuaufnahmen und Abendmahl griff der Gottesdienst am Jubilate-Sonntag thematisch das symbolträchtige Bild Jesu vom Weinstock und den Reben auf.

Anlässlich ihres diesjährigen Rittertags feierte die Mecklenburgische Genossenschaft am 26. April 2026 einen feierlichen Gottesdienst im Dom zu Güstrow. Die Planungen hierfür liefen bereits seit zwei Jahren. Der Ort hätte dabei kaum symbolträchtiger gewählt werden können: Der Dom begeht in diesem Jahr sein 800-jähriges Jubiläum und bot somit einen würdigen Rahmen für die Zusammenkunft.

“Ohne mich könnt ihr nichts tun” (Joh. 15,5)

Den geistlichen Rahmen rund um die feierliche Aufnahme neuer Ordensmitglieder und das gemeinsame Abendmahl bildete die Predigt von Bischof Tilman Jeremias im Festgottesdienst. Ausgehend vom Predigttext des Sonntags Jubilate (Johannes 15, 1-8) entfaltete der Bischof das Bild vom Weinstock und den Reben. Seine zentrale Botschaft: Christlicher Glaube zeigt sich in seinen Früchten – und diese wachsen nur aus einer tragfähigen Wurzel. „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ sei dabei nicht als Einschränkung, sondern als Einladung zu verstehen, das eigene Leben fest in Christus zu verankern und so noch viel mehr tun zu können. Denn Glaube, so Bischof Tilman Jeremias, bleibe nicht abstrakt, sondern werde im konkreten Handeln sichtbar.

Dass dieser Zusammenhang von Glauben und Tat keine Theorie bleibt, zeigt das Wirken der Johanniter seit Jahrhunderten: Seit mehr als 900 Jahren helfen die Johanniter Menschen in allen Lebenslagen und stellen sich in den Dienst der Gesellschaft, getragen von christlicher Nächstenliebe. Der Johanniterorden gründete im Laufe der Jahre vier Ordenswerke und zahlreiche Einrichtungen, welche mit über 90.000 Mitarbeitenden weltweit in In- und Ausland Hilfe leisten. Aus christlicher Überzeugung heraus engagieren sie sich in vielfältigen Bereichen, von Rettungsdienst und Pflege über Jugendarbeit bis hin zu internationalen Hilfsprojekten. Ihr Einsatz gilt Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen und folgt einem klaren Leitgedanken: „Hilfe aus Liebe zum Leben“. Sie folgen damit dem Doppelgebot der Liebe Jesu: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Daher formuliert die Ordensregel: “Der Johanniter lässt sich rufen, wo die Not des Nächsten auf seine tätige Liebe und der Unglaube der Angefochtenen auf das Zeugnis seines Glaubens warten.”

Geistlicher Ritterorden mit lebendiger Tradition

Der Johanniterorden versteht sich dabei nicht nur als Hilfsorganisation, sondern ausdrücklich als geistlicher Ritterorden. Sein Fundament ist das Bekenntnis zu Jesus Christus, aus dem sich ein doppelter Auftrag ableitet: der Einsatz für den Glauben und die Hilfe für Kranke und Bedürftige. Diese Verbindung von Spiritualität und tätiger Nächstenliebe prägt den Orden bis heute. Die Rückbesinnung auf den geistlichen Kern in der materialistischen modernen Welt ist zugleich Grundlage seiner anhaltenden Wirksamkeit. Symbolisch steht dafür auch das achtspitzige Kreuz, das auf die Seligpreisungen der Bergpredigt verweist und die Orientierung am Evangelium sichtbar macht.

Glaube als tragende Kraft für Gegenwart und Zukunft

Der Festgottesdienst im Güstrower Dom machte eindrücklich deutlich, wie eng Tradition, Glaube und sozialgesellschaftliches Engagement miteinander verbunden sind. In einer Zeit vielfältiger Herausforderungen bleibt der Anspruch des Johanniterordens aktuell: den Glauben zu bezeugen und dort zu helfen, wo Menschen Unterstützung benötigen. So wurde der Rittertag nicht nur zu einem feierlichen Ereignis im Jubiläumsjahr des Doms, sondern auch zu einem sichtbaren Zeichen dafür, dass gelebter Glaube bis heute wirksam und unersetzbar ist.

Bischof Tilman Jeremias bei der Predigt im Festgottesdienst zum diesjährigen Rittertag des Johanniterordens im Güstrower Dom.