Sandra Spörl läuft Transalpine Run (Lech am Arlberg–Reschensee); Spenden für sportmedizinische Beratungsstelle Erlangen.

Ihr Herz spornt sie an - Sozialverband VdK Bayern e.V.

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Ihr Herz spornt sie an

VdK-Mitglied Sandra Spörl rennt für eine bessere sportmedizinische Versorgung chronisch kranker Menschen – trotz eigener Erkrankung

Das Laub unter ihren Turnschuhen raschelt, als Sandra Spörl Ende März durch den Erlanger Meilwald joggt. Neben ihr prescht Hütehund Janosch den Pfad entlang. Gerade schien noch die Sonne, nun weht ein kühler Wind. Rechtzeitig bevor das Wetter umschlägt und ein Graupelschauer über das Gebiet zieht, ist die Oberfränkin zurück am Parkplatz, um sich in ihrem Kleinbus aufzuwärmen.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem die 49-Jährige nicht weite Strecken in schnellem Tempo zurücklegt – weit über das normale Maß hinaus. Ihre Smartwatch zeigt im Schnitt knapp 200 000 Schritte pro Woche an – das erreichen sonst nur Ultraläufer. „Die klassischen 42,195 Marathon-Kilometer waren mir irgendwann zu wenig.“ Sie beschreibt sich selbstironisch als eine Person, „die gerne durch die Gegend rennt“. Am liebsten in der Natur. Ihr Hund teilt ihre Leidenschaft und ist immer dabei.

Was Sandra Spörl antreibt, hat ausgerechnet mit ihrem Herzfehler zu tun. Es war kurz vor ihrem 18. Geburtstag, als sie im Fitnessstudio zusammenbrach. Herzstillstand. Sie konnte zum Glück von einem Trainer wiederbelebt werden. Ein Kardiologe stellte dann nachträglich eine Herzmuskelentzündung fest. Am Schlimmsten war für die junge Frau, dass der Arzt ihr ein absolutes Sportverbot erteilte. „Innerlich rebellierte ich. Wer mich kennt, weiß: Ich bin nicht der Typ, der sein Leben auf dem Sofa verbringt. Für mich war körperliches Training schon immer wichtig. Es bedeutet für mich Lebensqualität.“ Als der Mediziner ihr nicht begründen konnte, warum sich die Herzerkrankung und Sport ausschließen, fing sie wieder an zu laufen.

Auch die nächste Hiobsbotschaft, dass sie an Multipler Sklerose (MS) leidet, bremste ihre sportliche Leidenschaft nicht. „Die MS führt bei mir immer wieder dazu, dass ich umknicke oder stürze. Dadurch muss ich mich sehr gut konzentrieren, um die Beine richtig zu setzen. Das ist sehr anstrengend“, sagt die 49-Jährige. Der Herzfehler beeinträchtigt sie in der Leistungsfähigkeit. „In den Bergen fehlt mir irgendwann die Luft.“

Eine Bergtour der besonders harten Sorte bewältigte sie erst vergangenen Herbst gemeinsam mit ihrer Laufpartnerin und Kardiologin Dr. Isabelle Schöffl. Die beiden nahmen am Transalpine Run teil, einem extrem anspruchsvollen Lauf über 243 Kilometer und über 15 000 Höhenmeter. Mittendrin hätte Sandra Spörl fast abgebrochen, weil sie starke Probleme in der Höhe bekommen hatte. „In diesem Moment dachte ich mir – entweder ich schaffe es, mich wieder auf Spur zu bringen, oder das Rennen ist vorbei.“ Sie schaffte es. Als sie in sieben Tagen von Lech am Arlberg zum Reschensee liefen, hatten sie eine Mission im Gepäck: Spenden zu sammeln, um den Ausbau der neu eingerichteten sportmedizinischen Beratungsstelle von Isabelle Schöffl an der Uniklinik Erlangen voranzutreiben. Die Initiative haben sie „Heart on Trails“ genannt.

Die Beratungsstelle richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche mit Herzfehler, ist aber auch für Erwachsene mit anderen schweren, chronischen Erkrankungen gedacht. Die Betreuung soll Betroffenen mehr Sicherheit geben. Denn es ist in fachärztlicher Obhut sehr wohl möglich, Sport zu treiben. „Es muss ja nicht gleich Extremsport wie das Ultralaufen sein“, sagt Sandra Spörl mit Augenzwinkern.

Es war viel Mut nötig und manchmal auch ein bisschen Waghalsigkeit, dass die Oberfränkin ihren Weg trotz der Warnung ihrer Ärzte weiterging. „Ich habe gelernt, auf die Signale meines Körpers zu hören. Ich kenne inzwischen meine Grenzen.“ Janosch ist dabei ihre wichtigste Stütze: „Er spürt, wenn bei mir etwas nicht stimmt, bevor ich es selbst merke“, sagt Sandra Spörl und krault ihren altdeutschen Hütehund dankbar hinter den Ohren.