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title: "Parlamentarischer Beirat für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen beschloss öffentliche Fachgespräche in Berlin zu Klimaveränderungen im mikrobiologischen Sektor und nachhaltiger Ernährung; einstimmig beschlossen"
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Parlamentarischer Beirat für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen beschloss öffentliche Fachgespräche in Berlin zu Klimaveränderungen im mikrobiologischen Sektor und nachhaltiger Ernährung; einstimmig beschlossen

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Protokoll-Nr. 21/10
21. Wahlperiode

Parlamentarischer Beirat für nachhaltige
Entwicklung und Zukunftsfragen

21. Wahlperiode
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Wortprotokoll
der 10. Sitzung

Parlamentarischer Beirat für nachhaltige
Entwicklung und
Zukunftsfragen
Berlin, den 14. Januar 2026, 17:30 Uhr
Paul-Löbe-Haus
E 700
Vorsitz: Elisabeth Winkelmeier-Becker, MdB
Tagesordnung

Tagesordnungspunkt 1
Seite 4
Beschlussfassung gemäß § 70 Abs. 1 Satz 2 GO-BT
über die Durchführung öffentlicher Fachgespräche
a)

zum Thema „Klimaveränderungen und ihre
Auswirkungen im mikrobiologischen Sektor“
am 25. Februar 2026
b)

zum Thema „Nachhaltige Ernährung“ am
4. März 2026

Parlamentarischer Beirat für nachhaltige
Entwicklung und Zukunftsfragen

21. Wahlperiode
Protokoll der 10. Sitzung
vom 14. Januar 2026
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Tagesordnungspunkt 2
Seite 4
Nachhaltigkeitsprüfungsbewertung -
Beschlussfassung über die Votenliste
Ausschussdrucksache 21(26)15

Tagesordnungspunkt 3
Seite 6
Berichte zu zentralen Nachhaltigkeitsthemen in den
Ausschussberatungen

Tagesordnungspunkt 4
Seite 6
Verschiedenes

Tagesordnungspunkt 5
Seite 6
Fachgespräch zum Thema „Gesundheitsökonomie“
mit Prof. Josef Hecken

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Mitglieder des Beirates

Ordentliche Mitglieder
Stellvertretende Mitglieder
CDU/CSU
Beek, Sascha van
Bosbach, Caroline
Brinkhaus, Ralph
Mayer-Lay, Volker
Weiss, Dr. Maria-Lena
Winkelmeier-Becker, Elisabeth
Aeikens, Anna
Bilic, Florian
Lenz, Dr. Andreas
Mack, Klaus
Schreiner, Felix
Stefinger, Dr. Wolfgang
AfD
Groß, Rainer
Hilse, Karsten
Kraft, Dr. Rainer
Reck, Christian
Martel, Johann
Pauli, Denis
Rentzsch, Matthias
Schmidt, Dr. Paul
SPD
Abdi, Sanae
Bollmann, Hendrik
Kreiser, Dunja
Michel, Kathrin
Kleebank, Helmut
Zierke, Stefan
BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN
Lübcke, Dr. Andrea
Wagner, Johannes
Vriesema, Mayra
Wagener, Niklas
Die Linke
Fahl, Dr. Fabian
Hermeier, Mareike
Bock, Violetta

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Tagesordnungspunkt 1
Beschlussfassung gemäß § 70 Abs. 1 Satz 2 GO-
BT über die Durchführung öffentlicher
Fachgespräche
a) zum Thema „Klimaveränderungen und ihre
Auswirkungen im mikrobiologischen Sektor“ am
25. Februar 2026
b) zum Thema „Nachhaltige Ernährung“ am
4. März 2026
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Ich eröffne die 10. Sitzung des
Parlamentarischen Beirats für nachhaltige
Entwicklung und Zukunftsfragen. Die Sitzung ist
öffentlich.
Wir beginnen mit Tagesordnungspunkt 1. Dabei
geht es um Beschlussfassungen gemäß § 70
Absatz 1 Satz 2 Geschäftsordnung des
Bundestages über die Durchführung öffentlicher
Fachgespräche, so wie wir dies gerade in der
Obleuterunde schon besprochen hatten. Für das
Fachgespräch am 25. Februar 2026 zum Thema
„Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen auf
den mikrobiologischen Sektor“ haben wir Herrn
Prof. Dr. Josef Penninger vom Helmholtz-Zentrum
für Infektionsforschung als Sachverständigen
eingeladen.
Darüber hinaus werden wir am 4. März 2026 ein
Fachgespräch zum Thema „Nachhaltigen
Ernährung“ mit Frau Prof. Dr. Antje Risius und
Dr. Thomas Ellrott führen.
Wer stimmt für die Durchführung dieser
öffentlichen Fachgespräche?
Ich stelle fest, dass der Beirat einstimmig
beschlossen hat, die öffentlichen Fachgespräche
am 25. Februar 2026 und am 4. März 2026
durchzuführen.
Tagesordnungspunkt 2
Nachhaltigkeitsprüfungsbewertung -
Beschlussfassung über die Votenliste
Ausschussdrucksache 21(26)15
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Damit kommen wir zu
Tagesordnungspunkt 2 –
Nachhaltigkeitsprüfungsbewertung und
Beschlussfassung über die Votenliste.
Bei einem Gesetzentwurf sind die Berichterstatter
der Koalition und der Opposition
unterschiedlicher Meinung. Wir haben einen
strittigen Prüfvermerk zum Entwurf eines Zweiten
Gesetzes zur Änderung des
Luftsicherheitsgesetzes. Vor diesem Hintergrund
werde ich beide Berichterstatter bitten, ihre
Begründungen kurz vorzutragen. Im Anschluss
werden wir darüber abstimmen, ob wir hierzu
eine Prüfbitte abgeben oder nicht. Ich würde
bitten, dass die Fraktion der CDU/CSU zunächst
ihren Standpunkt vorträgt.
Abg. Volker Mayer-Lay (CDU/CSU): Ich würde
sagen, andersherum würde es eigentlich mehr
Sinn machen, denn die Nachhaltigkeit wird ja von
der Fraktion Die Linke angezweifelt. Ich kann aber
auch anfangen. Ich möchte dabei auf das
rekurrieren, was der Kollege hier vorgebracht hat,
warum es nicht nachhaltig sei.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Herr Dr. Fahl, sind Sie
einverstanden?
Abg. Dr. Fabian Fahl (Die Linke): Ich fange gerne
an. Grundsätzlich ist es ja so, dass hier
verschiedene Dimensionen der Nachhaltigkeit
gegeneinander abgewogen werden müssen.
Sowohl in dem Gesetzentwurf der
Bundesregierung als auch in der Begründung der
CDU/CSU-Fraktion wird sich ausgiebig auf das
Thema „Sicherheit“ konzentriert. Das ist
tatsächlich nicht nachhaltig, weil gleich zwei
andere Rechtsgüter nicht beachtet werden. Das ist
der Grund, warum ich hier die Beachtung der
Nachhaltigkeitsziele anzweifle. Dabei geht es zum
einen um die Versammlungsfreiheit, die hier nicht
beachtet wird. Wir haben nämlich einen
Zielkonflikt zwischen den Sicherheits- und
Gewinninteressen auf der einen Seite sowie
demokratischer Teilhabe und dem Ermöglichen
von Demokratie zum Beispiel auch an Flughäfen
auf der anderen Seite.
Es gibt noch einen anderen Punkt, der noch dazu
kommt und den ich anführen möchte. Es wird von
einer abstrakten Gefährdung durch Proteste an
Flughäfen gesprochen. Das nehme ich so zur
Kenntnis. Wir haben aber auch eine abstrakte
Gefährdung von Menschen durch Flugverkehr,
nämlich durch die Emissionen in Bezug auf das
Klima. Gerade wenn ich mir die Klagen im

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Bereich des Klimas ansehe – man könnte in den
nächsten Jahren beispielsweise Klagen gegen die
Fraport AG erwarten. Wir haben hier drei
verschiedene Dimensionen, die wir miteinander
berücksichtigen müssen. Sich nur auf
„Sicherheit“ zu konzentrieren, widerspricht genau
dem Zweck unseres Beirats, nämlich verschiedene
Dimensionen von Nachhaltigkeit gegeneinander
abzuwägen. Es geht hier nicht um eine politische
Bewertung, das wäre eine ganz andere Debatte. Es
geht einfach darum, dass hier verschiedene
Rechtsgüter abgewogen werden sollen, und das ist
meiner Auffassung nach eben nicht passiert.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Vielen Dank. Dann hat Abg. Volker
Mayer-Lay das Wort.
Abg. Volker Mayer-Lay (CDU/CSU): Vielen Dank,
Frau Vorsitzende. Vielen Dank, Herr Kollege, für
Ihre Begründung. Ich möchte zum einen
einleitend festhalten: Wir sind hier nicht das
Bundesverfassungsgericht, sondern der
Parlamentarische Beirat für nachhaltige
Entwicklung und Zukunftsfragen. Deshalb ist es –
glaube ich – nicht das richtige Gremium, sich mit
eventuellen Grundgesetzverstößen
auseinanderzusetzen. Gleichwohl möchte ich kurz
darauf eingehen.
Wir haben in Artikel 8 Absatz 2 des Grundgesetzes
einen einfachen Gesetzesvorbehalt. Das heißt, die
Versammlungsfreiheit kann zum Schutz der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung, zum Schutz
der Rechte anderer und der verfassungsmäßigen
Ordnung durch Gesetz eingeschränkt werden.
Genau darüber sprechen wir natürlich.
Was passiert derzeit an Flughäfen? Wir haben bei
den vergangenen Demonstrationen an Flugfeldern
oftmals gesehen, dass sich diese dann sehr schnell
auch auf Flugfelder verlagert haben. Wenn wir
uns dann ansehen, welches Chaos teilweise im
gesamtdeutschen Flugverkehr durch einzelne
Demonstrationen verursacht wurde, dann glaube
ich, dass, wenn wir abwägen wollen, welches
Recht stärker wiegt, ob die Versammlungsfreiheit
an einem solchen Ort schwerer wiegt als die
Störung der Sicherheit und Ordnung teilweise
eines ganzen Landes, dann geht diese Abwägung
ganz klar in eine Richtung.
In unserer Begründung haben wir uns auch ganz
stark auf das SDG 16 (Sustainable Development
Goal, Ziel für nachhaltige Entwicklung)
konzentriert. Wir haben gesagt, eine solche
Einschränkung des Luftsicherheitsgesetzes
unterstützt Frieden, Gerechtigkeit und starke
Institutionen, weil sie die öffentliche Ordnung
aufrechterhält. Deswegen sind wir der Meinung,
dass die Nachhaltigkeitsziele nicht tangiert,
sondern vielmehr erfüllt sind. Vielen Dank.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Gibt es weitere Wortmeldungen
dazu? Frau Abg. Dunja Kreiser.
Abg. Dunja Kreiser (SPD): Ich möchte den
Kollegen Mayer-Lay nur noch einmal
unterstützen, weil die Kriterien, die hier
angezweifelt worden sind, so nicht richtig sind.
Denn wir haben die Nachhaltigkeitsziele in
SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke
Institutionen), SDG 9 (Industrie, Innovation und
Infrastruktur) und SDG 11 (Nachhaltige Städte
und Gemeinden) dementsprechend abgebildet
und dies in der Gesetzgebung auch festgehalten.
Insofern möchte ich das unterstützen.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Herr Abg. Groß.
Abg. Rainer Groß (AfD): Dem würden wir uns
anschließen, insbesondere vor dem Hintergrund,
dass es sich um eine sicherheitsrelevante
Infrastruktur handelt, wie es ja jetzt auch gerade
von Ihnen dargestellt wurde. Folglich ist es
natürlich notwendig, dass da entsprechende
Sicherheit herrscht.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Dann lasse ich über den Antrag der
Fraktion Die Linke, zum vorliegenden
Gesetzentwurf eine Prüfbitte abzugeben,
abstimmen.
Wer möchte dem zustimmen? Das ist die Fraktion
Die Linke und die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN gegen die Stimmen der Fraktionen der
SPD, der AfD und der CDU/CSU. Das ist die
Mehrheit. Damit ist beschlossen, keine Prüfbitte
abzugeben.
Ich darf dann abstimmen lassen über die
Votenliste auf Ausschussdrucksache 21(26)15.
Deshalb meine Frage, ob Sie der Votenliste
zustimmen.
Ich stelle fest, dass der Beirat der Votenliste

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einstimmig zugestimmt hat.
Tagesordnungspunkt 3
Berichte zu zentralen Nachhaltigkeitsthemen in
den Ausschussberatungen
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Dann darf ich fragen, ob es Berichte
zu zentralen Nachhaltigkeitsthemen in den
Ausschussberatungen oder Vorschläge für
künftige Berichte gibt? Ich sehe für die heutige
Sitzung keinen Berichtsbedarf.
Tagesordnungspunkt 4
Verschiedenes
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Gibt es Anliegen unter
Tagesordnungspunkt 4 – Verschiedenes? Das ist
nicht der Fall.
Tagesordnungspunkt 5
Fachgespräch zum Thema
„Gesundheitsökonomie“ mit Prof. Josef Hecken
dazu verteilt:
PowerPoint-Präsentation
Ausschussdrucksache 21(26)14
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Dann kommen wir zu
Tagesordnungspunkt 5, dem für heute geplanten
Fachgespräch zum Thema
„Gesundheitsökonomie“ – nachhaltige
Finanzierung und Versorgung im
Gesundheitswesen, im demografischen Wandel.
Ergänzend möchte ich den Zusammenhang mit
dem Klimawandel ansprechen, denn wir haben in
einer vorherigen Sitzung erfahren, dass sich dieser
durchaus auf neue gesundheitliche Probleme bei
vielen Menschen auswirkt gerade auch im
Zusammenhang mit der demografischen
Entwicklung und dass wir es mit einer
zunehmend älter werdenden Bevölkerung zu tun
haben.
Ich darf hierzu Professor Josef Hecken begrüßen.
Er ist Vorsitzender des Gemeinsamen
Bundesausschusses, des obersten
Beschlussgremiums der gemeinsamen
Selbstverwaltung im deutschen
Gesundheitswesen, und Vorsitzender des
Innovationsausschusses. Außerdem hat er in einer
früheren Funktion maßgeblich an der Einführung
des Gesundheitsfonds im Rahmen der
Gesundheitsreform vor etwa 18 Jahren mitgewirkt.
Das und noch vieles mehr qualifiziert ihn heute
als unseren Gesprächspartner, auf den wir uns
freuen. Sie haben das Wort.
Sachverständiger Prof. Josef Hecken (Vorsitzender
Gemeinsamer Bundesausschuss): Herzlichen
Dank, Frau Vorsitzende, meine sehr verehrten
Damen und Herren Abgeordnete. In der Tat ist der
Klimawandel ein relevantes Problem, zum einen,
weil bei einer zunehmend multimorbid
werdenden Klientel infolge der demografischen
Entwicklung relevante Klimaveränderungen neue
Morbiditäten hervorrufen oder verstärken können.
Zum anderen stellen sich auch Anforderungen an
die bauliche Ausstattung von Krankenhäusern. Da
hat früher kaum jemand über Klimaanlagen
nachgedacht. Ich will mich aber heute auf die
Finanzierung beschränken, weil ich glaube, dass
das auch ein sehr elementares Thema für die
Nachhaltigkeit der Gesundheitsversorgung ist.
Wir haben eine langfristige und aus meiner Sicht
auch generationengerechte
Gesundheitsversorgung als eines der zentralsten
Elemente der Daseinsvorsorge natürlich immer im
Blick zu halten und verschiedene Schwachstellen
im bestehenden System, weil man sich aus meiner
Sicht in der Vergangenheit zu sehr und viel zu oft
und das in allen Regierungskonstellationen auf
das „Hier und Jetzt“ beschränkt hat und nicht so
vorausschauend durch Prävention und andere
Fokussierungen versucht hat, bestehende oder
eintretende Morbiditäten hinauszuschieben.
Wir müssen uns vor Augen führen, dass wir in der
Bundesrepublik Deutschland elf Prozent des
Bruttoinlandsproduktes für Gesundheit ausgeben.
Das sind 560 Milliarden Euro. Das ist mehr als der
Bundeshaushalt. Davon verantworte ich mittelbar
370 Milliarden Euro im Bereich der gesetzlichen
Krankenversicherung. Der Rest entfällt auf
Renten, Rehabilitationen, das SGB XI (Elftes Buch
Sozialgesetzbuch), auf freie Heilfürsorge, auf
betriebliche Gesundheitsförderung etc. pp. Wir
sprechen also über einen sehr relevanten Anteil
der Wertschöpfung in der Bundesrepublik
Deutschland, der in die Finanzierung des
Gesundheitswesens fließt. Vor diesem
Hintergrund ist es für mich eines der zentralen

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Elemente, dass man, wenn auch zu spät, doch
jetzt – und das ist ja auch in der letzten
Wahlperiode schon begonnen worden – über
Strukturveränderungen und über mehr
Nachhaltigkeit nachdenkt. Wenn Sie sich das
Gesundheitssystem anschauen, dann ist das
zentrale Element die dauerhafte Finanzierbarkeit,
institutionelle Tragfähigkeit und verlässliche
Versorgung.
Dass hier Nachhaltigkeit heute schon in vielen
Dimensionen nicht nur nicht mitbedacht wird,
sondern Nachhaltigkeit auch ein Stück weit
konterkariert wird, will ich an dieser Stelle an
zwei Beispielen klar machen: Schauen wir uns die
institutionelle Tragfähigkeit an, und da nehme ich
das Beispiel der Krankenhausfinanzierung: Sie
alle erleben ja in Ihren Wahlkreisen, dass wir im
Augenblick eine kalte Strukturbereinigung haben.
Krankenhäuser gehen in Konkurs. Das liegt zum
Teil an geringen Fallzahlen. Das liegt zum Teil
auch an nicht sachgerechten
Versorgungsangeboten. Es liegt aber auch daran,
dass in der bundesstaatlichen Ordnung das
Gesundheitssystem und die Finanzierung der
Krankenhäuser dual verfassungsrechtlich
konzipiert war. Das heißt, die Länder sind für die
Investitionskostenfinanzierung verantwortlich
und wir als Gemeinsamer Bundesausschuss für
die Kosten der Krankenbehandlung.
Wir haben, als die duale Finanzierung eingeführt
wurde, mit einem Investitionskostenanteil von
25 Prozent begonnen, den die Länder erbracht
haben, um die Krankenhäuser auf dem neuesten
Stand der Technik zu halten. Wir geben im
Krankenhaus im Augenblick etwas über
100 Milliarden Euro pro Jahr aus. Das heißt, in der
Anfangsphase hätten im Status quo die Länder
25 Milliarden Euro dazu gesteuert, um eben in
den 1 700 Krankenhäusern Investitionen und
Modernisierungen zu bewerkstelligen. Wir liegen
heute aufgrund der Finanzknappheit der Länder
bei einer Investitionsquote von 4 Prozent. Das
heißt, aus den Kosten der Krankenbehandlung
muss von den Krankenhausträgern finanziert
werden, was sie von den Ländern als
Investitionskosten nicht erhalten. Das ist eine
strukturelle Verwerfung, die die Nachhaltigkeit
der Gesundheitsversorgung natürlich gefährdet.
25 Milliarden Euro kann man nicht einfach so
„aus den Socken schwitzen“. Ich sage das bewusst
in dem Wissen, dass ein Wortprotokoll erstellt
wird.
Zweiter Punkt bei dauerhafter Finanzierbarkeit
Wir haben ordnungspolitische Verwerfungen. Wir
haben versicherungsfremde Leistungen, von
denen alle Gesundheitsminister, die ich kenne –
und ich kenne alle seit 15 Jahren, weil ich seit fast
15 Jahren im Amt bin, also ich erlebe derzeit
meine fünfte Ministerin –versucht haben, zum
Beispiel eine kostendeckende Steuerfinanzierung
für Empfänger von Bürgergeld zu implementieren.
Man hat sich aus haushälterischen
Gesichtspunkten dazu entschieden, zu sagen: Der
Bundeshaushalt ist ohnehin defizitär in einer
problematischen Situation, also bezahlen wir hier
Beiträge pauschal in Höhe von 5 Milliarden Euro
pro Jahr. Die tatsächlichen Ausgaben liegen aber
bei knapp 16 Milliarden Euro, sodass wir allein in
diesem Bereich 10 Milliarden Euro über Beiträge
finanzieren, die eigentlich als Mehreinnahmen für
eine ordnungsgemäße und gute
Gesundheitsversorgung zur Verfügung stünden.
Diese Schleife dreht sich immer mehr mit der
Folge, dass nachhaltige Strukturveränderungen,
die Geld kosten, in vielen Fällen überhaupt nicht
möglich sind, weil wir Löcher stopfen müssen,
weil man sagt, es ist immer bequemer, dieses der
Solidargemeinschaft der Beitragszahlenden
aufzubürden. Da bezahlen die halt ein Prozent
Zusatzbeitrag mehr, und dann ist die Baustelle zu.
Und dann beschweren wir uns auch noch über die
steigenden Beiträge. Das sind eben diese
strukturellen Verwerfungen, auf die ich am
Anfang hinweisen will.
Ich sage das bewusst nicht parteipolitisch. Alle
Minister – Minister der Freien Demokratischen
Partei (FDP), der Christlich Demokratischen
Union Deutschlands (CDU) und der
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD),
später wieder CDU-Minister – haben versucht,
beim Bundesminister der Finanzen, die auch
verschiedenen Parteien angehört haben, das in
irgendeiner Form umzusetzen. Alle sind an die
Wand gelaufen. Das sind eben Sachen, die wir
bedenken müssen, weil das in die
Lohnnebenkosten hineingeht. Deshalb ist das aus
meiner Sicht ganz wichtig.
Zweiter Punkt, der auch ganz wichtig ist:
Nachhaltige Gesundheitspolitik lebt eigentlich
davon, dass ich Krankheit erst gar nicht eintreten

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lasse. „Krankheit erst gar nicht eintreten zu
lassen“, ist ein hehres Wort in einer Situation, in
der wir in der demografischen Situation sind, in
der wir uns heute befinden, und in der wir schon
über 17 Prozent Beitragssatz brauchen, um
Krankheiten zu behandeln. Wenn ich jetzt noch
Prävention bezahle, dann müsste ich noch 3 oder
4 oder 5 Beitragssatzpunkte obendrauf setzen, um
dann eben in 20 oder 30 Jahren ein „Return of
invest“ zu bekommen.
Dass sich das rentiert, können Sie alle sehen und
die Älteren unter uns erinnern sich: Im Bereich
der Zahnmedizin hat man vor 50 Jahren
angefangen, durch Reihenuntersuchungen an
Schulen – ich kenne das noch, bei denen Teams
mit einem Bus kamen und die Zähne kontrolliert
haben – dann eben präventiv die Mundgesundheit
zu befördern. Wenn man nicht nach sechs
Wochen mit dem abgestempelten Blättchen vom
Zahnarzt kam, musste man nachsitzen oder was
auch immer. Dann hat man
Mundgesundheitshefte eingeführt und gesagt, die
Festzuschüsse werden reduziert, wenn man nicht
regelmäßig Vorsorge wahrnimmt. Mit der Folge,
dass wir hier zwar sehr viel Geld am Anfang
investiert haben, heute aber den besten
Mundgesundheitsstatus weltweit haben und auch
relativ geringe Ausgabenprofile, aber der „Return
of invest“ kam erst nach vielen Jahren.
Jetzt sehe ich auch die Finanzsituation, und
deshalb war mein Vorschlag – der inzwischen
zum Glück wieder häufiger genannt wird, bereits
seit sechs oder sieben Jahren, aber keiner hat
darauf gehört – zu sagen: Wenn ich sehe, dass ich
heute aus den bestehenden Beitragsmitteln keine
vernünftige Prävention bezahlen kann, dann muss
ich versuchen, neue Finanzquellen zu
erschließen, um Prävention zu finanzieren. Da ist
mein Vorschlag, obwohl ich selbst Kettenraucher
bin, die Tabaksteuer signifikant zu erhöhen, weil
sie eben gewisse Risikoneigungen hat, und über
Alkoholbesteuerung nachzudenken. Und ich
nehme auch das böse Wort einer „Zuckersteuer“
in den Mund. Es ist für mich nicht
nachvollziehbar, wieso zuckerhaltige
Lebensmittel, etwa Snickers oder was auch sonst
angeboten wird, im Lebensmitteleinzelhandel mit
einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz abgegeben
werden, weil das zu den Grundbedürfnissen des
bundesrepublikanischen Bürgers gehört, wir aber
für Arzneimittel zur Bekämpfung von Diabetes
mellitus 19 Prozent Mehrwertsteuer bezahlen. Das
sind einfach die kleinen „Perversitäten“ im
Gesundheitssystem. Deshalb würde ich hier dafür
plädieren, und das wird im Augenblick diskutiert,
ernsthaft in den Blick zu nehmen, ob man nicht
hier Einnahmen allokieren kann, mit denen man
dann gezielt Primärprävention betreiben kann, um
hier wirklich in diese Nachhaltigkeitsschiene
hineinzukommen.
Primärprävention ist nicht billig. Sie sehen auf
der nächsten Folie, die ich gleich zeige, dass wir
heute einen marginalen Betrag in der gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) für irgendwelche
Schulungsmaßnahmen ausgeben. Prävention kann
auch nicht allein durch die GKV finanziert
werden. Prävention muss in Lebenswelten
stattfinden. Es sind aber, das wissen diejenigen
von Ihnen, die seit mehreren Wahlperioden im
Bundestag sind, drei Anläufe für ein
Präventionsgesetz daran gescheitert, dass man
sich zwischen Bund, Ländern und Kommunen
nicht auf eine gemeinsame Finanzierung einigen
konnte.
Prävention beginnt mit Gesundheitserziehung und
gesunder Ernährung in Kindertagesstätten,
beginnt mit Kindervorsorgeuntersuchungen, geht
dann über Sport und Ernährungsangebote in
Schulen. Hier kommen wir immer in die gleiche
Konfliktlage, dass die Länder und die Kommunen
sagen, wir haben kein Geld. Dann soll es die
gesetzliche Krankenversicherung bezahlen, die es
aber nicht bezahlen kann, ohne dass es
signifikante Beitragssatzerhöhungen gibt. Einfach
einmal ein Seminar zu machen oder ein Plakat der
ehemaligen Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung aufzuhängen, ist keine Prävention. Ich
sage in meinen Reden immer, dass mich das ein
bisschen an die Kirchbesuche aus meiner Jugend
erinnert, wo der Pfarrer von der Kanzel diejenigen
beschimpft hat, die nicht in der Kirche sind. Bei
unseren Präventionsangeboten sind regelmäßig
die Leute, die auch schon gesundheitsaffin sind,
die fünf Apps auf dem Handy haben und die sich
noch optimieren wollen. Aber diejenigen, die der
Trunksucht frönen oder sonstige Dinge machen,
kommen nicht dahin. Deshalb müssen wir diese
Leute in ihren Lebenswelten abholen. Das geht
nur, indem wir hier vernünftige Ressourcen

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allokieren, um eben diese Spirale, die Sie hier
sehen, zu durchbrechen.
Ich habe im laufenden Jahr mittelbare
Verantwortung für 369 Milliarden Euro. Ich hatte
eben fälschlich gesagt 370, aber eine Milliarde ist
bei mir mittlerweile Rundungsdifferenz. Sie
sehen, dass davon 33 Prozent, also 102 Milliarden
Euro, in den Krankenhausbereich gehen, dass
mittlerweile 18 Prozent, also 55,3 Milliarden
Euro, in den Arzneimittelbereich gehen und
16 Prozent in die ambulante Behandlung. Der Rest
ist „Verschiedenes“ und „Vermischtes“. Der Trend
ist weiter so, dass wir zunehmend trotz der
erhobenen Zusatzbeiträge eine permanente
Deckungslücke haben bei hohen
Sozialversicherungsbeiträgen und bei hohen
Krankenversicherungsbeiträgen, die wir heute
schon haben. Deshalb muss es
Strukturveränderungen geben.
Hier sehen Sie noch einmal, dass wir im
Augenblick bei einem historisch hohen
Beitragssatz von 17,5 Prozent liegen, der dann je
nach Kassenart durch den entsprechenden
Zusatzbeitrag noch höher sein kann.
Wir sehen hier die Szenarien, die in Abhängigkeit
von der Entwicklung der Arzneimittelkosten in
die Zukunft weisen. Diese Szenarien sagen eben:
Wenn das so weiterläuft, brauchen wir uns nicht
über Nachhaltigkeit zu unterhalten, sondern dann
sind wir an dem Punkt, den Herr Streeck
unglücklicherweise vor einigen Wochen
aufgemacht hat, indem er die Frage gestellt hat, ob
man jeden älteren Menschen mit irgendwelchen
Medikamenten versorgen solle. Das ist für mich –
ich bin Mitglied einer christlichen Partei – ein
Gesichtspunkt, der für mich so überhaupt nicht
vertretbar ist. Gerade dann, wenn die Menschen
auf Solidarität angewiesen sind, bedürfen sie auch
der Hilfe. Da kann man nicht sagen: Sie sind zu
alt. Das macht man in Großbritannien. Da gibt es
qualitätskorrigierte Lebensjahre (QALYs), da sagt
man „30 000 Pfund pro gesundes Lebensjahr“.
Wenn sie eine Erkrankung haben, die sich von
den Behandlungskosten her nicht mehr
amortisiert, bekommen sie nichts. Das bedeutet,
ab 70 Jahren gibt keine künstliche Hüfte und
keine onkologische Behandlung mehr. Das ist
nicht das soziale Weltbild, das ich vertrete. Aber
wenn wir das nicht wollen, dann müssen wir
andere Maßnahmen ergreifen, denn hier sehen
Sie, wie die Demografie aussieht.
Wir haben die Situation – gehen wir nur zum
Vergleich zwischen dem Jahr 2020 und dem
Jahr 2030, das sind die Babyboomer, zu denen ich
gehöre, ich bin jetzt 67 Jahre –: Wir werden im
Jahr 2030 1,8 Millionen weniger Erwerbstätige
und 2,5 Millionen mehr Menschen über 65 Jahre
beziehungsweise 67 Jahre haben, also die
Generationen, die dann langsam in die
Multimorbidität abgleiten. Wir haben komplexere
Krankheitsverläufe. Wir haben aufgrund des
medizinischen Fortschritts Krankheiten, die Gott
sei Dank behandelt und chronifiziert werden
können, die früher maximal noch eine
Sterbegeldzahlung ausgelöst haben, die für den
Patienten übel, aber für das System preiswert war.
Gott sei Dank sind wir da weiter.
Krebserkrankungen können wir in vielen Fällen
chronifizieren. Wir haben aber
Jahrestherapiekosten von 800 000 Euro, einer
Million Euro, je nachdem, um welche Erkrankung
es sich handelt, die dann finanziert werden
müssen. Deshalb ist ganz wichtig, dass wir hier im
Bereich der Strukturveränderungen
weiterkommen.
Wir haben heute eine Einzelleistungslogik im
System. Das ist der falsche Weg. Jeder wird für
eine einzelne Behandlung bezahlt. Wir müssten
versuchen, Krankheitspfade insgesamt zu
finanzieren, egal ob sie stationär oder in
verschiedenen ambulanten Settings erbracht
werden. Wir haben eine absolut fehlende
Koordination. Die freie Arztwahl stellt niemand
infrage, aber der Zugang von jedermann zu
jederzeit nach freiem Belieben zu jedem Arzt,
führt dazu, dass lange Wartezeiten entstehen, weil
Patienten sich um Termine bemühen, die am Ende
des Tages nicht krank sind, sich aber krank
fühlen, die aber zuvor von keinem
Allgemeinmediziner begutachtet worden sind,
während diejenigen, die ernsthaft
behandlungsbedürftig sind, auf der Strecke
bleiben. Wir bräuchten deshalb hier – ganz
wichtig – ein Primärversorgungssystem. Wir
müssen die Vergütungssystematik ändern. Das
muss also der Gesetzgeber machen. Das kann ich
nicht machen. Wir bezahlen heute
Einzelleistungen und wir bezahlen keine Qualität.
DRGs (Diagnosis Related Groups) bezahlen

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Menge. Je mehr ich mache, desto mehr Geld
verdiene ich. So funktioniert das System. Wenn
man nach Qualität bezahlen würde, dann würde
in vielen Fällen die Behandlungsstruktur ganz
anders aussehen.
Wir haben fragmentierte Versorgungsstrukturen,
die wir auch beseitigen müssen. Hier haben wir
verschiedene Instrumente. Ich hatte das DRG-
System erwähnt, das aus meiner Sicht ersetzt
werden muss. Da ist man jetzt bei der
Krankenhausreform dabei, weil es Mengen
beeinflusst. Wir haben die sektorale Trennung, die
man in der Finanzierung durch pfadabhängige
Finanzierung ersetzen muss, und wir haben eine
viel zu minimale Qualitätsorientierung.
Rechts habe ich Ihnen mal abgetragen das, was
mich am meisten politisch ins Kreuzfeuer bringt.
Ich bin die letzten zwei Jahre mit der
Mindestmenge in der Perinatal-Versorgung,
Level 1, durch die Republik getrieben worden,
war in zwölf Petitionsausschüssen diverser
Landtage, weil wir hier eine Mindestmenge
festgelegt haben, weil es hier einen
Zusammenhang zwischen Menge und
Behandlungsqualität gibt. Das habe ich auch beim
Mammakarzinom, beim Kolonkarzinom und
vielen anderen Fällen gemacht. Das wird
natürlich aber dann kommunalpolitisch vor Ort
immer wieder bekämpft und infrage gestellt.
Weil ich nur noch eine Minute und 30 Sekunden
habe, werde ich ein wenig überziehen, wenn Frau
Vorsitzende das gestattet. Ich habe hier ein ganz
einfaches Beispiel. Mammakarzinom: Da habe ich
eine Mindestmenge von 100 festgelegt. Wir hatten
vor dieser Mindestmenge 732 Krankenhäuser, die
beim Mammakarzinom operativ tätig waren –
auch in den kritischen Fällen prämenopausaler
Mammakarzinome, wo es wirklich auf eine R0-
Resektion ankommt, wo es auf eine optimierte
Chemotherapie ankommt, weil man die
Betroffenen dann wirklich heilen kann. Von
diesen 732 Krankenhäusern hatten 200 weniger
als zehn Fälle pro Jahr. Das heißt, die mussten
sozusagen den „großen Chirurgen aus dem Regal
holen“, bevor sie zu einer solchen Operation
geschritten sind. Das ist keine nachhaltige
Versorgung. Wir haben durch die Reduzierung der
Einrichtungen jetzt auf 377 Krankenhäuser immer
noch eine absolute Versorgungssicherheit in der
Bundesrepublik Deutschland. Sie haben einmal
im Leben die Chance, ob so eine Operation gelingt
oder ob sie nicht gelingt. Da kommt es auch nicht
auf 20 Kilometer Fahrweg an. Wir haben damit die
Kosten reduziert und die Behandlungsqualität
gesteigert. Das ist das, was ich unter
„Nachhaltigkeit“ verstehe.
Dasselbe – die Folien zeige ich Ihnen jetzt nicht –
gilt im Bereich der Arzneimittelbewertung. Im
Bereich der Arzneimittelbewertung haben wir seit
15 Jahren, ich durfte das von Anfang an begleiten,
ein Verfahren eingeführt, das AMNOG
(Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz), in dem
wir jeden neuen Wirkstoff bewerten, ob er besser
ist als der alte. Hat er weniger Nebenwirkungen
oder verlängert er das Überleben? Um es jetzt
einmal ganz banal zu machen: Durch dieses
AMNOG-Bewertungsverfahren, das politisch
immer wieder Anlass ist, mich zu beschimpfen –
aber das ist mir auch ziemlich egal, das gehört
zum Gehalt dazu –, sparen wir jedes Jahr zehn
Milliarden Euro gegenüber den Einstandspreisen
der pharmazeutischen Unternehmer, weil jeder
kommt und sagt: „Mein Wirkstoff ist super“. Und
wir stellen durch diese Überprüfung fest, ob
dieses Heilversprechen wirklich gerechtfertigt ist
oder nicht. Ist es gerechtfertigt, dafür auch mehr
Geld auszugeben? Ja oder Nein? Das ist ein
wichtiger Beitrag, um langfristig
Finanzierungssicherheit und
Finanzierungsgerechtigkeit zu erhalten. Hier –
kleiner Schlenker – findet jetzt der Pharmadialog
statt. Den hat es auch unter vorherigen
Konstellationen, auch in der letzten Wahlperiode
gegeben. Hier wird jetzt wieder diskutiert, ob ich
nicht höhere Arzneimittelpreise bezahlen soll, um
den Wirtschafts- und Pharmastandort Deutschland
zu befördern. Ich trage Verantwortung für die
Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, nicht für
die Beförderung der Wirtschaftsstandortpolitik der
Bundesrepublik Deutschland. Das ist keine
Aufgabe, die die Beitragszahlerinnen und
Beitragszahler in der gesetzlichen
Krankenversicherung haben.
Letzter Satz zu den größeren Projekten:
Primärversorgungssystem. Ich war lange ein
überzeugter Anhänger der nicht freien Arztwahl,
die ja auch aufrechterhalten bleibt, aber des
Direktzugangs zu Ärzten. Ich sehe insbesondere
im Bereich der Psychotherapie, aber auch in
anderen fachärztlichen Spezialitäten, die

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Situation, dass es einige gibt, die sich krank
fühlen und gnadenlos einen Termin nach dem
anderen in Anspruch nehmen und damit sehr
viele Ressourcen beanspruchen, die wir mit Blick
auf die demografische Entwicklung nicht mehr
haben. Demgegenüber gibt es andere
Multimorbide, die nicht diese Durchsetzungskraft
haben, die sich nicht mit Doctolib oder so etwas
einen Termin holen können, die dann wirklich
mit ihrer Morbidität allein zu Hause sitzen und
keine adäquate Versorgung bekommen. Das
merken Sie ja auch in der Bevölkerung. Das
Vertrauen ins Gesundheitssystem schwindet
rapide wegen dieser Wartezeitproblematik.
Deshalb brauchen wir eine Primärversorgung, in
der jeder gezwungen wird – oder er muss mehr
Geld bezahlen –, sich zunächst einmal in die
Obhut eines ärztlichen Lotsen zu begeben, der
dann entscheidet: Ist eine fachärztliche
Behandlung erforderlich oder nicht? Daneben ist
ganz klar die Digitalisierung – die elektronische
Gesundheitskarte, um Doppel- und
Dreifachuntersuchungen zu vermeiden.
Erweiterung der Kompetenzen, das ist jetzt
wirklich der letzte Block, Frau Vorsitzende, der
nichtärztlichen Fachberufe. Das ärgert mich seit
15 Jahren: Der Standesdünkel, dass gesagt wird,
bestimmte Leistungen kann man bestenfalls
delegieren, man kann sie aber nicht substituieren.
Das führt dazu – ich komme vom Land, aus dem
Westerwald, das merken Sie ja am bäuerlichen
Auftreten –, dass ich 5 000 Hausärzte in der
Fläche habe, die ich nicht habe, weil die Sitze
nicht besetzt sind, dass die paar, die noch da sind,
multimorbide Patienten in der Häuslichkeit so gut
wie möglich versorgen, aber die Hausbesuche
nicht machen können. Ich habe aber ambitionierte
medizinische Fachkräfte, die man vielleicht im
Beruf halten könnte, wenn man ihnen mehr
Verantwortung übertragen würde, die auch
Hausbesuche machen können, die, mit digitalen
Überwachungsinstrumenten mit dem Arzt
verbunden, den Verbleib der Patienten in der
Häuslichkeit ermöglichen könnten. Da wird aber
seit 15 Jahren darüber diskutiert, ob die
Patientinnen und Patienten in der Fläche sterben,
wenn das passiert, mit der Folge, dass Patienten
hospitalisiert werden. Ich behaupte, sie sterben
nicht, weil wir hochqualifiziertes Personal haben.
Das ist nicht nur die teuerste Art der
Krankenversorgung und auch die am wenigsten
nachhaltigste Art der Krankheitsversorgung,
sondern auch für viele Patienten die inhumanste
Art der Krankenversorgung, weil es eigentlich das
Bestreben jedes Menschen ist, so lange wie
möglich in seiner angestammten Umgebung zu
bleiben.
Damit – jetzt mit vier Minuten Überzug – ein
kurzes Fazit. Die Folien haben Sie auch als
Drucksache bekommen. Da gibt es einige ganz,
ganz große Baustellen, die jetzt auch gesetzlich
angegangen werden müssen. Nur Löcher zu
stopfen und drei Milliarden Euro
zusammenzusuchen und dann zu sagen, jetzt
haben wir für das nächste halbe Jahr wieder Ruhe,
wird dazu führen, dass wir spätestens in zehn
Jahren dann wirklich über die von Herrn Streeck
aufgeworfene Frage nachdenken müssen. Da
möchte ich nicht dran teilnehmen. Das ist dann
auch eine Entscheidung, die der Gesetzgeber
treffen müsste. Das wäre aber für eine adäquate,
nachhaltige und die Menschen auch
mitnehmende Gesundheitsversorgung aus meiner
Sicht die allerschlechteste Alternative. Deshalb
brauchen wir jetzt auch ein bisschen Mut, um die
Dinge mal von der Struktur her umzugestalten.
Ganz herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Vielen Dank für den sehr guten
Überblick, den Sie uns gegeben und damit
sicherlich auch einige Fragen aufgeworfen haben,
die wir im weiteren Diskussionsverlauf gerne
vertiefen können. Ich selbst würde auch gerne
sofort anfangen.
Zum einen würde ich fragen: Da klang ein
bisschen durch, dass Menschen, die es eigentlich
nicht bräuchten, teilweise viele Termine
wahrnehmen und dadurch Ressourcen in
Anspruch nehmen, die besser für andere
eingesetzt werden könnten. Gibt es dazu eine
Rückmeldung aus der Ärzteschaft, wie stark
dieses Phänomen verbreitet ist und wie viel
Potenzial bestünde, Ressourcen anderweitig zu
nutzen? Der Weg dahin wäre dann, wenn ich das
richtig verstanden habe, das Hausarztsystem.
Eine zweite Frage: Sie haben angesprochen, dass
man stärker nach Qualität bezahlen sollte. Was
kann da der Maßstab sein? Ich glaube, wir ringen
seit Jahren darum, was das beste
Vergütungssystem ist. Jedes hat seine Vor- und

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Nachteile. Aber wenn man jetzt Qualität zur
Grundlage machen würde, wie kann man die
objektiv feststellen? Das wären zunächst einmal
meine Fragen.
Gibt es weitere Fragen, dann könnten wir jetzt
zunächst sammeln? Frau Kollegin Dr. Weiss, Sie
haben das Wort.
Abg. Dr. Maria-Lena Weiss (CDU/CSU): Ja, vielen
Dank zunächst für Ihre Ausführungen, die ich
uneingeschränkt fast teilen würde.
Zum Primärversorgungssystem: Wir haben uns
vorgenommen, dass das eines der oder vielleicht
das zentrale Projekt in der Gesundheitspolitik in
dieser Legislatur sein soll. Jetzt packen wir da
natürlich ganz, ganz viele Fragen und Themen
unter dieses System. Ich habe manchmal die
Befürchtung, ob wir, sage ich mal, angesichts der
Themenfülle, die wir mit dem
Primärversorgungssystem lösen wollen, nicht
Gefahr laufen, uns da vielleicht auch ein Stück
weit überfordern, weil es einfach so viele Themen
sind.
Jetzt nur mal ein Beispiel, Sie haben ja ganz viele
genannt, die man darunter packen könnte: Wieso
bekommt ein Arzt zum Beispiel einen Bonus,
wenn er weniger Blutuntersuchungen in einem
Quartal macht, als wenn er alle macht, also Dinge,
bei denen man belohnt wird, indem man etwas
unterlässt? Solche Fragen sollen ja offenbar jetzt
auch gelöst werden. Sind das nicht Dinge, bei
denen wir vielleicht sagen müssten, man müsste
das Schritt für Schritt angehen? Oder was würden
Sie der Politik ein Stück weit als Agenda
vorschlagen, damit das Projekt nicht ob seiner
Fülle dann doch irgendwie scheitert oder nicht
auf den Weg gebracht wird?
Eine zweite Frage betrifft noch einmal das Thema
„Finanzen“. Es gab im Herbst des letzten Jahres
eine Prognos-Studie, die untersucht hat, welchen
Beitrag die industrielle Gesundheitswirtschaft
leisten kann, indem Effizienzpotenziale gehoben
werden. Wie bewerten Sie die Vorschläge, die ja
teilweise auch ganz konkret gemacht wurden?
Welche Möglichkeiten sehen Sie von Seiten des
Gemeinsamen Bundesausschusses und der
Politik, diese Vorschläge umzusetzen? Ich nehme
es jetzt vorweg: Ich finde die sehr, sehr gut. Wir
reden ja von fast 20 Milliarden pro Jahr, die hier
realisiert werden könnten. Wie schaffen wir es,
möglichst viel davon schnell umsetzen zu
können?
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Wir sammeln noch ein bisschen.
Abg. Rainer Groß, Sie haben das Wort.
Abg. Rainer Groß (AfD): Vielen Dank, Frau
Vorsitzende, und vielen Dank für den
interessanten Vortrag. Sie sprachen von
strukturellen Problemen im Gesundheitswesen.
Wir sind uns möglicherweise einig, dass natürlich
der Zuzug von Personen, die nicht in dieses
System einzahlen, seit dem Jahr 2015 ganz
erheblich zu den Problemen beigetragen haben
dürfte. Insofern wäre es auch eine Möglichkeit,
und das ist die konkrete Frage, dieses
Primärarztsystem oder eine Grundversorgung an
diesen Status zu knüpfen: Wer nicht in das
System einzahlt, erhält eine Grundversorgung.
Das wäre dann im Einklang mit den Vorstellungen
von „Brot, Bett und Seife“, wenn man es pointiert
ausdrücken will. Würde das das
Gesundheitssystem zunächst auch entlasten und
uns Zeit kaufen, um bestimmte grundlegende
Weichenstellungen neu zu fassen? Danke.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Als letzter in dieser Runde
Abg. Dr. Fahl, und dann machen wir eine
Antwortrunde.
Abg. Dr. Fabian Fahl (Die Linke): Vielen Dank,
auch für Ihre offenen Worte. Man hatte ja
phasenweise das Gefühl, Sie kennen unser
Parteiprogramm. Sie haben von
Strukturveränderungen gesprochen. Ich muss
noch einmal dafür plädieren, dass alle einzahlen,
gerade auch Vielverdiener, Selbstständige,
Beamte, auch wir Abgeordnete. Wir haben ja die
Möglichkeit. Ich bin zum Beispiel freiwillig
gesetzlich versichert und mache da entsprechende
Erfahrungen. Der Blick nach Österreich oder
Spanien zeigt ja auch, dass das als Solidarsystem,
in dem alle einzahlen, funktionieren kann. Das
wollte ich noch einmal hervorheben.
Prävention war ein wichtiges Thema. Was haben
Sie denn noch für weitere Punkte, die Sie
vielleicht anführen könnten? Also mir würde zum
Beispiel einfallen, eine frühere Rehabilitation
(Reha) zu ermöglichen. Das hat historisch gesehen
auch schon mal anders funktioniert. Zuckersteuer,

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Softdrinks, Alkohol hatten Sie teilweise schon
genannt.
Dann möchte ich noch auf den Mehrbedarf
eingehen. Es ging gerade ein bisschen um das
Thema „Überversorgung“. Das Problem ist aber
eigentlich eine Unterversorgung, die wir haben.
Zum Beispiel psychische Gesundheit, da gibt es
viel zu wenig Plätze. Sehen Sie da eigentlich noch
Spielraum im jetzigen System, um diesen
Mehrbedarf zu decken? Auch bei ME/CFS
(Myalgischen Enzephalomyelitis, dem
Chronischen Fatigue Syndrom), also chronischer
Erschöpfung, gibt es noch einen Mehrbedarf, nicht
nur in der Forschung, auch in der Versorgung von
Menschen, die daran leiden. Wo ist da der
Spielraum im jetzigen System?
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Das war ja schon ein ganz schöner,
bunter Strauß.
Sachverständiger Prof. Josef Hecken (Vorsitzender
Gemeinsamer Bundesausschuss): Das geht noch.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Dann im Stakkato.
Sachverständiger Prof. Josef Hecken (Vorsitzender
Gemeinsamer Bundesausschuss): Ja, herzlichen
Dank. Dann fange ich mit Ihrer Frage an, Frau
Vorsitzende. Wie kann man die
Fehlinanspruchnahme beziffern? Die
Kassenärztliche Bundesvereinigung geht nach
Rückmeldungen von Vertragsärzten davon aus,
dass man in etwa einen Anteil von 30 Prozent der
Patienten hat, die keiner fachärztlichen
Behandlung bedürftig sind, aber trotzdem dort
unmittelbar aufschlagen. Das sind natürlich
30 Prozent Kapazitäten, die man für wirklich
Behandlungsbedürftige hätte.
Um jetzt aber die Ärzteschaft hier nicht über
Gebühr zu loben: Ich bin als Vorsitzender der
gemeinsamen Selbstverwaltung zwar sowohl der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) als
auch der Kassenzahnärztlichen
Bundesvereinigung (KZBV), der Deutschen
Krankenhausgesellschaft (DKG) und auch dem
Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-
Spitzenverband) zur Loyalität verpflichtet, aber
ich beschimpfe sie immer alle gleichmäßig. Das ist
auch eine Art von Loyalität. Wir haben natürlich
auch eine absolute Fehlentwicklung, die auch
vergütungsrechtlich getriggert ist. Es ist in vielen
Fällen für den bundesrepublikanischen
Kardiologen ökonomisch wesentlich sinnvoller,
permanent Wiedereinbestellungen zu machen,
auch bei Patienten, die stabil sind, weil ich
wieder einbestellte Patienten sehr genau vom
Zeithorizont her kontrollieren kann. Nehmen Sie
einen Patienten mit Herzschrittmacher. Ganz
einfach: Der ist dreimal bei mir zur Kontrolle
erschienen, und ich merke, da tut sich gar nichts.
Es ist noch genug Kapazität in der Batterie. Es hat
kein Vorhofflimmern, kein Vorhofflattern, keine
sonstigen Entgleisungen gegeben. Dann könnte
man äußerst hilfsweise darüber nachdenken,
diesen Patienten vielleicht auf ein Jahr zu
schieben. Das tut man aber nicht, weil man genau
weiß, im Praxisalltag dauert die
Wiedereinbestellung exakt 20 Minuten. Da kann
ich am Tag 87 Patienten durchschleusen. Wenn
ich aber Neupatienten habe, da weiß ich nicht, ob
der wirklich krank ist. Da muss ich eine
Generalanamnese machen. Dafür bekomme ich
zwar zehn Euro mehr, dafür mache ich aber
30 Patienten am Tag weniger. Das heißt, hier eine
Differenzierung in die Vergütung einzubringen, ist
heute gesetzlich nicht möglich. Hier eine
Differenzierung einzubringen, welchen Fall ich
behandle, wäre schon ein wesentlicher Schritt,
um dahin zu kommen.
Im Bereich der Psychotherapie, ich komme darauf
zu sprechen, weil Sie die psychische Gesundheit
ansprachen, ist das mit dem Direktzugang für
mich eine ganz dramatische Entwicklung. Wir
haben in der Psychotherapie sehr kleine
Strukturen. Wir haben da keine Riesenpraxen. Der
Psychotherapeut hat im Schnitt im Quartal
maximal 15, 16 Scheine. Also mehr Patienten
behandelt er nicht. Wenn er jetzt einen freien
Termin hat, habe ich ihn gezwungen, einmal die
Woche eine Sprechstunde zu machen. Dann sitzt
der erste Patient da und sagt, er habe ein Problem.
Dann nimmt er diesen Patienten. Es findet also
keine Priorisierung statt. Die kann auch bei ihm
gar nicht stattfinden, weil er ja nur diesen einen
oder zwei Patienten sieht, mit der Folge, dass wir
hier eben Leute in der Behandlung haben, die
möglicherweise gar nicht so primär
behandlungsbedürftig sind.
Ich weiß nicht, ob Sie das mitbekommen haben.
Ich hätte fast einmal zurücktreten müssen, als der

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Spiegel geschrieben hat: „Gesundheitsfunktionär
empfiehlt Bier statt Psychotherapie“. Dem lag ein
ganz einfacher Lebenssachverhalt zugrunde. Ich
habe bei einer Veranstaltung gesagt: „Wenn wir
früher im Westerwald Liebeskummer hatten, dann
haben wir einen Kasten Bier getrunken, eine
Flasche Jägermeister.“. Ich wiederhole das: Am
nächsten Tag ein Aspirin, dann war der
Liebeskummer vorbei. Wenn ich aber heute
irgendwo hingehe und sage, „Ja, ich habe da ein
Problem und bin da ein bisschen depressiv“, dann
werde ich möglicherweise behandelt, obwohl
Menschen mit Schizophrenie auf einen Termin
warten. Ich habe im Bereich der Psychotherapie in
den letzten fünf Jahren einen Aufwuchs von 5 000
Sitzen, von 23 000 auf 28 000 Psychotherapeuten.
Ich habe nur 60 000 Hausärzte, damit Sie einfach
einmal einen Vergleichsmaßstab haben. Also
insgesamt habe ich 180 000 Ärzte. Trotzdem
haben sich die Wartezeiten nicht verkürzt, weil es
keine Priorisierung gibt. Da wäre es eine
wunderbare Möglichkeit, entweder über dieses
Primärarztsystem dann wieder in eine Zuweisung
zu kommen, was natürlich die Psychotherapeuten
ablehnen, weil das früher mal der Status quo war,
oder zumindest die psychotherapeutischen
Berufsverbände dazu zu zwingen, zu sagen „Dann
müsst ihr zumindest eine zentrale Anlaufpraxis
haben, wo dann mal 20 Patienten eingeschätzt
und nach Priorität zugewiesen werden. Ansonsten
verläuft sich das.“
Wie kann man Qualität messen? In den
wesentlichen Bereichen ist „Pay for Performance“
möglich, zum Beispiel im stationären Bereich.
Ganz einfache Indikatoren: Gibt es eine Sepsis?
Gibt es die Notwendigkeit einer
Wiedereinweisung? Wenn ein Patient heute
wieder ins Krankenhaus eingewiesen wird, dann
ist es nicht so, dass Sie einen Vergütungsabschlag
bekommen, sondern Sie bekommen zwar einen
verminderten Vergütungssatz, aber Sie bekommen
mehr Geld dafür, dass Sie „reparieren“. Wenn ein
Patient eine Sepsis bekommt, kann das passieren,
aber wenn in dem Haus die Sepsisrate deutlich
oberhalb der normalen Sepsisrate liegt, muss man
sagen, es muss doch irgendwelche Gründe haben.
Dann wird eben Vergütung abgezogen und im
Notfall ihm dann auch die Kompetenz zur
Behandlung entzogen. Ich habe auch ein
Qualitätsversprechen einzulösen. § 12 des SGB V
(Fünftes Buch Sozialgesetzbuch) zwingt mich
dazu, wirtschaftliche, zweckmäßige und
angemessene, das Maß des Notwendigen
darstellende Versorgung nicht zu überschreiten.
Auf der anderen Seite habe ich aber auch das
Qualitätsgebot des § 2 zu erfüllen, wonach jeder
Anspruch auf bestmögliche Versorgung hat. Da
muss man irgendwann dann auch die Konsequenz
ziehen und sagen „Na ja, der eine oder andere
wird das ja dann zum Geschäftsmodell machen“
und sagen „Dann mache ich es halt ein bisschen
schlechter, kriege ein bisschen weniger Geld, habe
aber auch weniger Personal.“ Das kann natürlich
nicht sein.
„Pay for Performance“ ist möglich. „Pay for
Performance“ ist auch im Arzneimittelbereich
möglich. Da bin ich mittlerweile mit den
Gesundheitspolitikern im Gespräch, weil ich im
AMNOG bei den neuen Wirkstoffen langsam an
Grenzen stoße. Sie alle kennen das Schlagwort der
personalisierten Medizin. Früher hat man einen
Wirkstoff gehabt, den man bei Krebs eingesetzt
hat. Dann gab es Cisplatin und Carboplatin. Die
Nebenwirkungen sind bei jedem Patienten
eingetreten. Ob der Patient davon profitiert hat,
war eine Glückssache. Heute mache ich
Gensequenzierungen und kann passgenau für den
Patienten eine Medikation zusammenstellen, die
natürlich unheimlich viel Geld kostet. Ich habe
aber zum Zeitpunkt der AMNOG-Bewertung keine
Studien mehr und bin im Prinzip darauf
angewiesen zu sagen „Na ja, könnte funktionieren
oder nicht“. Hier kämpfe ich jetzt beim
Gesetzgeber – also bei Ihnen, nur in einem
anderen Ausschuss – dafür, dass man sagt, man
muss hier flächendeckend Versorgungsregister
aufsetzen, damit ich bei den Patienten, die in
bestimmten onkologischen Settings sind, dann
auch sehen kann: Wie entwickelt sich der Patient
unter einer Therapie, um dann
kohortenspezifische Erstattungsmodelle zu
machen. Es hat eben nicht funktioniert, dass wir
die Überlebensrate um drei Jahre verlängert
haben, also geht der Preis dieses Wirkstoffes nach
unten. Es gibt also eine ganze Reihe von
Bereichen, die diesem „Pay for Performance“
zugänglich sind. Die Geriatrie nicht. Da muss man
tagesgleiche Pflegesätze machen. Oder bei einem
Diabetiker, also bei einer chronischen Erkrankung,
ist das schwierig.

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Thema „Primärarztsystem“, Frau Abgeordnete
Weiss: Mein Rat an Frau Bundesministerin
Warken und auch zuvor schon an Herrn
Bundesminister Lauterbach war: Machen Sie es
schrittweise und wählen Sie zunächst eine
Modellregion aus, sonst gibt das den Supergau in
der deutschen Gesundheitspolitik. Ich habe heute
5 000 Hausarztsitze, die nicht besetzt sind. Bei
mir im Westerwald – Verbandsgemeinde Asbach,
früherer Wahlkreis von Erwin Rüddel, die
Vorsitzende kennt ihn – haben wir sechs
Hausarztsitze, davon sind zweieinhalb seit mehr
als drei Jahren nicht besetzt. Wenn ich den Leuten
sage, ich mache ein Primärarztsystem, sie müssen
jetzt dahingehen, dann sagen die „Ich kriege ja
keinen Termin“. Dazu kommt: Die drei Hausärzte,
die da sind, können in ihrer Praxis mit einer
medizinischen Fachangestellten doch nicht den
Patienten steuern und coachen. Ich brauche kein
Primärarztsystem, damit einer eine flotte
Überweisung ausstellt, sondern der soll wirklich
den Patienten steuern. Der soll auch mit dem
Facharzt kommunizieren, Medikationen
überprüfen, etc. pp. Deshalb ist es für mich ganz,
ganz wichtig, dass wir hier nicht von einem
„Primärarztsystem“ sprechen, sondern von einem
„Primärversorgungssystem“.
In Baden-Württemberg gab es einen wunderbaren
Selektivvertrag der AOK Baden-Württemberg
(Allgemeine Ortskrankenkasse), in dem die
Hausärzte mit zwei, drei wesentlichen
Facharztdisziplinen zusammengearbeitet hatten.
Zehn Prozent der Termine der Fachärzte waren
reserviert, damit der Hausarzt Patienten, die
dringlich behandlungsbedürftig waren, sofort
dahin schicken konnte. Das hat am Ende des
Tages minimal Kosten gespart. Das ist jetzt nicht
der entscheidende Punkt. Der entscheidende
Punkt war, dass am Ende eines zehnjährigen
Zeitraumes die in diesem Hausarzt- oder
Primärversorgungsvertrag angeschlossenen
Patientinnen und Patienten gesagt haben, „Wir
wären auch bereit, mehr Geld dafür zu bezahlen,
obwohl wir zuerst zu diesem Doktor mussten,
weil die Versorgung besser war.“. Wir haben die
größte Rendite in diesem Bereich erzielt, weil
Krankenhäuser Patienten zum Beispiel früher
nach Hause geschickt haben und gesagt haben,
„Wir wissen, dass er in diesem System, in dem
auch ein Facharzt im Hintergrund ist, gut
aufgehoben ist, weil wir ansonsten ja den
Drehtüreffekt haben. Wir schicken die Leute
freitags um 11 Uhr mit der Plastiktüte vor die
Haustür, und freitags nachmittags um 17 Uhr sind
sie wieder in der Notaufnahme.“. Das ist dort
vermieden worden. Deshalb wäre mein Rat, zu
sagen „Wir müssen hier in zwei, drei
Modellregionen oder mit einem willigen
Ärzteklientel, das auch bereit ist, sich da
einzubringen, beginnen, um dann
„Learning by doing“ zu machen.“. Wenn Sie
sagen, wir führen das flächendeckend in der
Bundesrepublik Deutschland ein, dann weiß ich
nicht, wo ich die Ärzte herholen soll. Dann
werden viele alte Ärzte, die das nicht kennen, die
allein in der Praxis sitzen, die jetzt aber ein paar
medizinische Fachangestellte einstellen müssten,
egal welchen Geschlechts, sagen „Das mache ich
doch nicht. Dann nagele ich meine Bude zu, egal
ob ich einen Praxisnachfolger habe oder nicht“.
Dann verschlechtern wir die Versorgung. Denn
dieses System kann nur funktionieren, wenn es
auf der Basis von Substitution oder qualifizierter
Delegation, ich sage mal, in dieser Praxis auch
eine Reihe von nichtärztlichen Fachberufen gibt,
wo die Patienten zuerst einmal abgefangen
werden, wo man sagt „Was ist Ihr Anliegen?“, wo
man mit denen Befundberichte erörtern kann,
damit der Arzt am Ende des Tages auch Zeit hat,
sich um die schwierigen Fälle zu kümmern.
Ansonsten geht das nicht. Also, es geht nur
schrittweise, Frau Abgeordnete, und es geht nur
zusammen mit Delegation oder Substitution. Ein
Arzt mit zwei Angestellten kann diese
Primärversorgung nicht erfüllen. Die sollen ja
auch fallabschließend behandeln können. Deshalb
müssen die mindestens mal ein Röntgengerät oder
ein Ultraschallgerät haben. Sie müssen ein Labor
haben. Das ist heute nicht in jeder Praxis der
Standard.
Zu den Effizienzpotenzialen, die Sie erwähnt
haben: Ob das jetzt 20 Milliarden Euro sind, weiß
ich nicht. Aber hier gibt es aus meiner Sicht ganz,
ganz große Effizienzpotenziale. Ich spreche jetzt
nicht von den digitalen Anwendungen, die man
sich aufs Handy lädt, wo dann manchmal der
Nutzen, ich sage mal, fragwürdig ist. Aber wir
haben, und das müssen wir auch zwingend
nutzen, eine Reihe von Möglichkeiten, die die
Compliance der Patienten erhöhen, die die
Qualität der Patientenversorgung erhöhen und
Ärzte gleichwohl entlasten. Ich habe zum Beispiel

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in die Finanzierung die Fernüberwachung
kardialer Implantate aufgenommen. Wir hatten
eben die Wiedereinbestellung des
Herzschrittmacherpatienten. Das ist völlig
unnötig, wenn ich dem Patienten mit dem
Herzschrittmacher so einen kleinen Sensor
einsetze, der permanent funkt und auch die
Möglichkeit schafft, dass der Arzt proaktiv, bevor
der Patient eine Entgleisung bekommt, einen
Alarm erhält und merkt: Ja, jetzt muss ich aktiv
eingreifen. Oder der dann sagt – mein Vater ist vor
zwei Jahren mit 96 gestorben, das war so ein
Patient – „Du brauchst jetzt nicht hier
hinzukommen, obwohl du die Knochen nicht
mehr bewegen kannst. Ich drücke auf den Knopf
und gucke, dein Herzschrittmacher läuft
ordnungsgemäß. Bleib lieber daheim, dann hast
du einen schönen Tag, und ich habe einen
schönen Tag.“. Das setzt aber voraus, dass wir eine
Infrastruktur haben, in der diese Dinge rund um
die Uhr überwacht werden. Es nützt nichts, wenn
der Kardiologe freitags um 12 Uhr seine Praxis
zumacht und am Samstagnachmittag, beim Baden
– was man im Westerwald üblicherweise samstags
macht – entgleist dann eben dieser Patient.
Überall klingelt es, und keiner merkt es. Und
montags sagt man, „Da müssen wir mal hinfahren,
der müsste jetzt mittlerweile bestattet werden.“.
Da haben wir die Möglichkeit geschaffen. Hier
haben wir aber als G-BA (Gemeinsamer
Bundesausschuss) keine Möglichkeit, die Ärzte
auch zu zwingen, in geeigneten Fällen diese
technischen Möglichkeiten, die Kosten sparen, zu
nutzen. So ein Ding amortisiert sich nach zwei
Wiedereinbestellungen, weil es für den Arzt
lukrativer ist, wieder einzubestellen. Das ist zum
Beispiel ein Bereich, wo man gigantisch sparen
kann.
Wir hatten kürzlich das Urteil zu Schulbegleitern
für Kinder mit unkontrolliertem Diabetes. Da gab
es einen Streit, ob die GKV das bezahlen muss
oder die kommunalen Gebietskörperschaften als
Träger der Jugendhilfe. Da hat, ich glaube, das
Bundessozialgericht oder ein anderes Gericht
jedenfalls entschieden, dass das die GKV bezahlen
muss. Jetzt schicken wir die Kinder mit
Schulbegleitern in die Schule. Es gibt Closed-
Loop-Systeme, die, wenn sie funktionieren,
sekundengenau messen und steuern. Es hat jetzt
bei einem großen Hersteller eine fehlerhafte
Charge gegeben, aber das kann immer passieren,
bei der die Messungen falsch waren, was
natürlich ganz gefährlich ist, wenn automatisch
dann Insulin in den Menschen abgegeben wird.
Aber das sollte man ja nicht zum Regelfall
machen. Es gibt hier super Systeme, die eine
permanente Kontrolle ermöglichen, die diesen
Kindern auch die Freiheit geben, sich zu bewegen
und nicht immer so eine Art „Dackel“ hinter sich
herlaufen zu haben. Das hat doch auch etwas mit
Freiheit und Entwicklung zu tun. Jetzt hast du die
Eltern einmal abgeschüttelt, und dann kommt
dieser Diabetes-Messbegleiter, der vielleicht noch
schlimmer ist als die Eltern. Also Entschuldigung
für diese etwas „rustikale Ausdrucksweise“. Es
wäre wesentlich günstiger, das mit diesen
Systemen zu machen. Man müsste das nur in den
Fällen, in denen es geboten ist, gesetzlich
implementieren und in die elektronische
Gesundheitskarte integrieren. Wenn das Ding
irgendwann einmal funktioniert und nicht
doppelt und dreifach Untersuchungen aus
haftungsrechtlichen Gründen gemacht werden
müssen, weil eben die Daten, die auf der
elektronischen Gesundheitskarte sind,
Laborparameter, Computertomografie Aufnahmen
(CT) und so was, dann eben belastbar sind, würde
das gigantische Potenziale freisetzen, die
natürlich auch Personal freisetzen. Das ist ja ganz
klar. Insofern sehe ich hier große Chancen. Die
Welt ist nicht nur schlecht. Aber ich sehe
natürlich auch das Entwicklungstempo in der
Bundesrepublik Deutschland. Da gibt es eben
Optimierungspotenziale.
Herr Abgeordneter Groß, der Zuzug von
Nichtbeitragszahlenden mag möglicherweise ein
gesamtgesellschaftliches Problem sein, betrifft
aber nicht meinen Zuständigkeitsbereich, weil für
die Nicht-Beitragszahlenden, jedenfalls
diejenigen, die mit Asylstatus in die
Bundesrepublik Deutschland kommen, die
Kommunen die Ausgaben für Gesundheit
bezahlen. Sie adressierten hier die
Grundversorgung, also Brot, Seife, Bettlaken. Der
Leistungsanspruch ist in den ersten drei Jahren,
der von den Kommunen bezahlt wird, auf
unaufschiebbare notwendige medizinische
Maßnahmen zur Schmerzbehandlung oder zur
Behandlung akuter gesundheitlicher
Imponderabilien beschränkt. Also dass – was
wenn Nessie nicht auftaucht im Sommer und
deshalb Loch Ness nicht bespielt werden kann,

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auftaucht – sich hier zu Lasten der
Solidargemeinschaft Patientinnen und Patienten
mit Gebissen oder mit Hörhilfen versorgen lassen,
ist eine Mär. Denn wenn das passiert, ist es
gesetzlich nicht gedeckt. Der Anspruch ist
wirklich auf unaufschiebbare
Schmerzbehandlungen und elementare
Operationen und so etwas beschränkt. Das ist der
Status quo, und das bezahlen wir nicht, sondern
das bezahlen die Kommunen in der
Bundesrepublik Deutschland.
Die Problematik Bürgerversicherung diskutieren
wir ja seit 100 Jahren. Das ist natürlich eine ernst
zu führende Diskussion. Das tun Sie und andere
Parteien auch. Ich schaue jetzt mal hier so in die
Runde. Ich persönlich sehe das ein bisschen
differenzierter. Am Anfang wird die
Bürgerversicherung ein paar Verfassungsprobleme
aufwerfen, weil ich die alte Last habe, also die
Leute, die seit langen Jahren in der PKV (privaten
Krankenversicherung) versichert sind und damit
Altersrückstellungen erworben haben, auf die ein
eigentumsrechtlich geschützter Anspruch besteht.
Das heißt, diese Personen kriege ich nicht. Die
wird man auslaufen lassen müssen. Wenn man sie
sofort in die GKV holen würde, ohne dass die
Rückstellungen übertragen werden könnten, wäre
es ein Minusgeschäft, weil Menschen wie ich
dann eben eher, sage ich mal, Negativsalden
aufwerfen. Das ist eine Entscheidung, wie gesagt.
Ich bin Gott sei Dank nur Vorsitzender des
Gemeinsamen Bundesausschusses und nicht zur
politischen Entscheidung befugt. Ich habe
evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen und
sage: Ob das das System rettet oder nicht, das
vermag ich an der Stelle nicht zu beurteilen. Wir
hatten das vor vielen Jahren, als ich noch
politisch tätig war, als ich Büroleiter bei Herrn
Blüm war, auch mal in der gesetzlichen
Rentenversicherung diskutiert. Da hatten wir auch
damals die Kapitaldeckung und so weiter, und da
hat man immer auf Brasilien gezeigt. Da wäre alles
so toll. Dann ist in Brasilien auf einmal die
Börsenblase geplatzt, und da mussten die Leute
dann alle Flaschen sammeln gehen. Wobei es
schon bedrohlich ist, wie das Rentenniveau in der
Bundesrepublik Deutschland ist, will ich an der
Stelle auch ausdrücklich sagen. Das tut mir weh,
wenn ich manche Leute sehe, die von der
Bekleidung her erkennbar jetzt nicht diejenigen
sind, die nicht gearbeitet haben, wenn die
Flaschen sammeln. Aber das kann ich an der
Stelle nicht beurteilen.
Der Mehrbedarf für psychische Gesundheit: Wir
haben für dieses Chronische Fatigue Syndrom
und für alle Post-Covid-Erkrankungen als
Gemeinsamer Bundesausschuss schon eine
spezielle Behandlungsleitlinie erarbeitet. Hier
haben wir das Problem, dass wir im Moment ja
noch keine zugelassenen oder vernünftigen
Therapieoptionen haben. Wir haben im
Augenblick, damit Sie sehen, dass wir auch
praktische Dinge machen, auf der Basis der
Empfehlung, die die Kommission unter
Beteiligung von Prof. Wörmann und anderen
Professoren erarbeitet hat, für verschiedene alte
Wirkstoffe „Off-Label“-Genehmigungsanträge
laufen, bei denen die Zulassung erweitert wird,
um den Einsatz in den von Ihnen beschriebenen
Krankheitsbildern darzustellen. Große Sorge
macht mir die stationäre Psychiatrie. Ich habe hier
eine PPP-Richtlinie (Personalausstattung
Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie), in der
ich Qualitätsanforderungen mit speziellen
personellen Vorgaben definiert habe, die sehr
anspruchslos sind. Als wir das damals
beschlossen haben, haben mir die
Fachgesellschaften vorgeworfen, Hecken
katapultiere die Psychiatrie in die 70er Jahre
zurück. Faktum ist aber: Die Richtlinie ist jetzt
seit acht Jahren in Kraft, und wir schaffen es nur
in 40 Prozent der Einrichtungen, den
Personalschlüssel zu erfüllen, der in den 70er
Jahren damals Standard war, weil der Abfluss von
stationär behandlungsbedürftigen Patienten in die
ambulante Versorgung nicht funktioniert, weil es
dort zu wenig Therapieplätze gibt oder zu wenige
Therapeuten, die bereit sind, auch schwerkranke
Patienten zu behandeln. Das ist dann der letzte
Satz, weil ich Sie jetzt nicht mit Details
langweilen will. Hier habe ich der Politik auch
schon einen Vorschlag gemacht. Den habe ich
Herrn Lauterbach fünfmal im Rahmen einer
kleinen Feierstunde überreicht und Frau Warken
auch schon zweimal im Rahmen einer kleinen
Feierstunde. Wir haben diesen Aufwuchs bei der
Zahl der ambulanten Psychotherapeuten dadurch,
dass wir gesagt haben: Ihr könnt eure Sitze teilen,
wenn ihr keine Lust mehr habt, einen vollen Sitz
zu erfüllen, könnt aber auf einem halben Sitz
trotzdem 100 Prozent abrechnen. Das geschieht
doch flächendeckend. Da hatte ich die Idee, um

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jetzt schwerkranke Patienten einfach in
Behandlung zu bekommen, weil ich gelernt habe,
mit Taschengeld kann man mehr Steuerung
erreichen als durch andere erzieherische
Maßnahmen, dass ich sage, okay, wenn du einen
halben Sitz hast, dann kannst du 100 Prozent
abrechnen oder 110 Prozent, aber alles, was über
60 Prozent geht, dafür bekommst du nur Geld,
wenn du auch Patienten mit bestimmten
Schweregraddiagnosen behandelst. Eigentlich ein
ganz einfacher Vorschlag, der für mich auch eine
gewisse Plausibilität hat. Das bedürfte aber einer
gesetzlichen Regelung. Bislang haben die mir
bekannten Gesundheitsministerinnen und
Gesundheitsminister – ich habe jetzt meine erste
weibliche Ministerin, Ulla Schmidt habe ich nur
als Sprecherin der B-Länder im
Gesundheitsausschuss des Bundesrates erlebt –
gesagt: Nein, wir möchten keinen Ärger mit der
Bundespsychotherapeutenkammer, die da
möglicherweise involviert […] wäre. Deshalb ist
der Status quo da. Hier sehe ich also Potenziale.
Wenn ich mit Druck im Sinne von finanziellen
Anreizen arbeite, ich glaube, dann bekäme man
den Abfluss hin, denn wir haben ohnehin einen
Mangel beim Pflegepersonal. Und die Psychiatrie,
insbesondere die Stationen, die für mich wichtig
sind, das sind diese Kriseninterventionsstationen.
Das sind so, sage ich mal, die Bereiche, in die sich
ein normaler, im Pflegebereich tätiger Mensch
nicht unbedingt gerne hinbewegt, weil wir da
wirklich Patienten haben, die akut entgleisen,
aufgrund welcher Dinge auch immer – völlig
unkontrollierbare Behandlungsabläufe.
Vor diesem Hintergrund ist es ganz wichtig, dass
wir es schaffen, die Patienten nicht unnötig lange
im stationären Setting zu haben. Ich bin
mittlerweile so weit, obwohl ich ein
leidenschaftlicher Anhänger auch einer
ambulanten fachärztlichen Versorgung bin, zu
sagen: Wenn es im ambulanten Bereich nicht
klappt, dann müssen wir den psychiatrischen
Institutsambulanzen mehr Möglichkeiten geben,
auch Akutpatienten zu behandeln, bevor die
Leute in den Suizid gehen, weil sie keinen
Behandlungsplatz kriegen, oder bevor wir sie im
Krankenhaus im Bett liegen lassen. In den PIAs
(Psychiatrische Institutsambulanzen) habe ich
motivierte, junge, frisch ausgebildete Leute, die
auch den Umgang mit schwerkranken Patienten
gewohnt sind. Da muss man die in diesem
krankenhausnahen Setting behandeln. Es kann
aber nicht sein, dass ich die Patienten auf der
Strecke verliere. Wenn Sie sich mal angucken, wie
die psychischen Erkrankungen wachsen, was das
für eine Belastung ist, was das auch am Ende beim
Krankengeld ausmacht. Wenn einer eine
Blinddarmentzündung hat, ist der nach zehn
Tagen wieder auf der Arbeit. Wenn einer eine
manifeste Depression oder sonst etwas hat, das
sind ja auch Belastungen auf Dauer, dann geht es
eben nur mit solchen Maßnahmen. Das ist aber
alles schon in die politische Diskussion
eingebracht worden. Aber warten wir mal, was
herauskommt.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Vielen Dank, so weit. Wir wollen jetzt
noch eine zweite Fragerunde machen. Ich habe
bisher Fragen von Frau Abg. Dr. Lübcke und
Abg. Ralph Brinkhaus. Gab es auch eine Frage von
der SPD? Gut, dann machen wir es in der
Reihenfolge. Frau Abg. Dr. Lübcke, Sie haben das
Wort.
Abg. Dr. Andrea Lübcke (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN): Vielen Dank für diese wirklich sehr
lebhaften Einblicke in eine Welt, die mir bisher
relativ verschlossen blieb. Sehr spannend, vielen
Dank.
Ich würde gerne einmal auf Prävention
zurückkommen. Die Bilder, die Sie gezeigt haben,
waren ganz offensichtlich. Klar, man muss die
Leute dort abholen, wo sie sich aufhalten, wo sie
sich bewegen. Und klar, zu einer Einladung zum
Präventionsworkshop kommen sie eher nicht. Was
haben Sie denn da für Ideen? Wie kommt man an
die Menschen ran?
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Abg. Ralph Brinkhaus.
Abg. Ralph Brinkhaus (CDU/CSU): Ja, herzlichen
Dank, Herr Hecken. Ganz herzlichen Dank für Ihr
Engagement seit 15 Jahren und auch für die
ausführliche Beantwortung der Fragen. Aber ich
glaube, in dieser Diskussion, in dieser Fragerunde,
die wir haben, haben wir eigentlich erkannt, was
schiefläuft. Da konnten Sie nichts für. Aber Sie
haben jetzt ein buntes Kaleidoskop von
kleinteiligen und größeren Maßnahmen genannt.
Aber mir fehlte – also wie gesagt, da können Sie
nichts für, das waren so die Fragestellungen –
eigentlich die Klammer. So, und jetzt stelle ich

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einfach mal folgende These auf: Wir sind hier der
Parlamentarische Beirat für nachhaltige
Entwicklung und Zukunftsfragen, wir sind den
SDGs, den Sustainable Development Goals,
verpflichtet, und wir haben beispielsweise SDG 3,
Gesundheit und Wohlergehen. Das ist auch in
Deutschland operationalisiert. Es geht darum,
dass die Menschen gesund leben. Dazu gehört
insbesondere Unterziel 3.4, das auf die
Verringerung der vorzeitigen Sterblichkeit zielt.
Wir haben das sogar weiter konkretisiert. Wir
haben einen Indikator, den man infrage stellen
kann. Ich halte ihn für falsch, man kann ihn
gleichwohl zugrunde legen, und zwar die
vorzeitige Sterblichkeit. Das ist bezogen auf
Menschen unter 75 Jahren. Und wir reden
komischerweise bei allen gesundheitspolitischen
Diskussionen, die wir führen, nie darüber, was
eigentlich das Ziel von Gesundheitspolitik ist:
Dass Menschen nämlich möglichst lange gesund
leben. Da redet kein Mensch drüber. Wir reden
über Krankenhäuser, wir reden über Apotheken,
wir reden über Psychotherapeuten, wir reden über
die Arbeitsbelastung von Krankenpflegern, wir
reden über Wartezeiten. Aber kein Mensch redet
in diesem Land darüber, dass wir eigentlich eine
höhere Lebenserwartung wollen. Und, liebe
Kolleginnen und Kollegen, wir sind bei dieser
Lebenserwartung verdammt schlecht. Darüber
wird auch nicht geredet. Wir haben ein
unglaublich ineffizientes Gesundheitssystem. Wir
haben die Situation, dass wir die höchsten
Bruttoinlandsproduktanteile im Bereich der OECD
(Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung) haben oder mit die höchsten, je
nachdem, wie man es rechnet. Das heißt, wir
geben ein Höllengeld für Gesundheit aus. Aber
wir haben im Vergleich zu unseren Benchmark-
Ländern – das ist nicht Polen, die haben andere
Voraussetzungen –, unseren westeuropäischen
Nachbarländern, der Schweiz, Österreich und den
südeuropäischen Ländern, eine lausige
Lebenserwartung. Und jetzt muss man sich doch
mal eins vor Augen führen: Wir haben unser Ziel
nicht erreicht. Wir geben ein Höllengeld aus. Und
niemand, aber auch niemand, der in diesem
System ist, egal ob ein Patient oder ein
Leistungserbringer, ist zufrieden. Das ist die
Situation, die wir haben. Und was machen wir?
Also ich bin ja schon ein bisschen länger im
Bundestag. Jetzt müssen wir da mal ins Detail
gehen und handeln. Da vorne ist es eben schon
geflüstert worden: Wir wissen, was zu tun ist. Wir
geben unglaublich viel Geld dafür aus, im letzten
Lebensdrittel Menschen zu reparieren, wo wir
vorher etwas verpasst haben, nämlich dafür zu
sorgen, dass dieses letzte Lebensdrittel ein
bisschen gesünder ist. Es weiß jeder. Aber was
machen wir als Abgeordnete? Sie haben ja im
Grunde genommen die Widersinnigkeit auch
genannt. Wir kämpfen um jedes
Kreiskrankenhaus, weil wir nicht den Mut haben,
zu sagen, dass dieses Kreiskrankenhaus keine
Sekunde zusätzliche Lebenserwartung bringen
wird.
Wenn ich diese Diskussion im Wahlkreis führe,
habe ich ja auch diese Situation. Dann sage ich: Ja,
toll, dass du jetzt dein Krankenhaus vor Ort hast.
Wirst du deswegen fünf Sekunden länger leben?
Nee, wahrscheinlich nicht. Ist es vielleicht nicht
viel wichtiger, dass du eine gute notärztliche
Versorgung hast? Dass der Notarzt mit dem
Krankenwagen bei dir vor der Tür steht? Ja, ist
wahrscheinlich wichtiger. Ich so: Warum
diskutieren wir über das Krankenhaus und
diskutieren nicht über die notärztliche
Versorgung? Und ich glaube, wenn wir es nicht
schaffen, diese ganze Diskussion auf das Ziel
zurückzuführen, das wir haben, dann werden wir
in 100 Jahren hier noch sitzen und werden nur
unzufriedene Leute haben, und wir werden es
noch nicht mal den Bürgerinnen und Bürgern
erklären können. Und das liegt zuerst bei uns in
der Politik. Da müssen wir auch wirklich mal
sagen: Wenn wir uns selber mit auf diese
Demonstrationen stellen, wo es darum geht, in
irgendeiner Gruppe irgendwas, was ich ja gut
verstehen kann, zu erhalten, und ich will das jetzt
gar nicht an Krankenhäusern festmachen, wir
könnten es an Apotheken, wir könnten es an
allem festmachen, oder auch an Wartezeiten, die
vielleicht, und Sie haben es gerade in der
Kardiologie gesagt, sogar gerechtfertigt sind: Wenn
wir nicht den Mut haben, jetzt tatsächlich mal zu
sagen, nein, wir müssen es aufs Ziel
zurückführen, und wir sind da ganz, ganz
konsequent, und zwar parteiübergreifend, dann
werden wir scheitern.
Also ich will es nur an einem Beispiel nennen,
und Herr Dr. Fahl, Sie bzw. Ihre Partei sind
betroffen, es hätte jede andere auch sein können:

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Da plakatieren die Linken im
Bundestagswahlkampf: „Gute Gesundheit muss
nah sein“, oder so ähnlich. Ja, so ein Blödsinn.
Gute Gesundheit muss mir ermöglichen, länger zu
leben. Und ehrlich gesagt, wenn ich einen
schwierigen onkologischen Eingriff habe, dann
würde ich, wenn ich es mir leisten könnte, dafür
auch irgendwo nach Hamburg oder München
fahren. Das ist doch kein Argument, dass gute
Gesundheit nah sein muss. Aber auf diesem
Niveau – es tut mir jetzt leid, ich will jetzt nicht
die Linken angreifen, weil wir es genauso hätten
bringen können – führen wir die
gesundheitspolitischen Diskussionen. Deswegen
würde ich die Frau Vorsitzende auch
nachdrücklich darum bitten: Wir sind den SDGs,
den Sustainable Development Goals, verpflichtet.
Lassen Sie uns darüber diskutieren, warum sie
nicht eingehalten werden. Übrigens: Beim
Unterziel 3.4, also bei der vorzeitigen
Sterblichkeit vor dem 75. Lebensjahr, sind wir
definitiv nicht im grünen Bereich. Und deswegen,
Entschuldigung, dass ich da jetzt so ein bisschen
emotionaler geworden bin: Wenn wir das
politische Narrativ, die politische Geschichte,
nicht erzählen, dass es darum geht, dass wir den
Menschen möglichst viele gesunde Lebensjahre
ermöglichen, dann werden wir die Sache
verlieren. Und ganz ehrlich – für alle, die jetzt
irgendwo Wahlkampf haben –: Was ist denn ein
größeres Versprechen, was ich als Politiker
machen kann, als dass ich den Menschen die
Chance erhöhe, länger gesund leben? Sorry, ich
würde da eine Wahlentscheidung ziemlich stark
nach treffen. Und dementsprechend die herzliche
Bitte, dass wir die Diskussion anders führen als
kleinteilig. Aber das sage ich jetzt als Nicht-
Gesundheitspolitiker. Die Gesundheitspolitiker
werden mir wahrscheinlich sagen, das ist alles
irgendwo ganz anders, und wahrscheinlich haben
sie sogar teilweise recht.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Ja, danke für das Plädoyer, dann noch
mal auf das Big Picture zu schauen. Und jetzt hat
Frau Abg. Michel das Wort.
Abg. Kathrin Michel (SPD): Kollege Brinkhaus hat
oft gesehen, wie ich genickt habe, weil das ganz
viele Sachen sind, die mich genauso umgetrieben
haben. Ich habe die ganze Zeit überlegt, was
unsere Kraft hier in diesem Beirat ist, nämlich
zehn Meter weiter weg zu stehen als ein
Fachpolitiker und zu sagen: Ich habe das große
Bild hier oben, ich habe den Purpose, da müssen
wir hin, und wir müssen in unserer
Argumentation ganz anders vorgehen. Ich wäre
froh, wenn das, worüber wir heute sprechen,
unser einziges Problem wäre. Das ist es leider
nicht. Aber die Argumentation, Kollege
Brinkhaus, könnten wir bei jedem anderen Thema
genauso bringen: Dass wir uns einfach verfangen
in der Kleinteiligkeit, und die
Verharrungsmechanismen sind unheimlich groß.
Ja, wenn man dann neu irgendwo hineinkommt,
hat man zwar einen frischen Blick, aber dann
sagen die Kollegen schon: Na ja, das gibt sich
nach zwei, drei Jahren. Dann haben wir Dich auf
Spur gebracht. Es ist wirklich so: Wir wissen im
Grunde unseres Herzens alle, und ich bin
Haushaltspolitikerin, wir geben Unmengen an
Geld aus, und wir sagen immer: Ja, wo ist denn
unsere Haushaltspolitik nachhaltig? Auch die ist
der Nachhaltigkeit unterworfen, nämlich Geld für
Dinge auszugeben, die die Nachhaltigkeit auch
wieder in anderen Segmenten befördern. Deshalb
bin ich erst mal froh, dass Sie mit dieser, ja, es ist
keine Attitüde, das kommt Ihnen aus jedem
Knopfloch und solche Menschen mag ich sehr, die
ein Thema verfolgen und sagen: Ich sage das in
einfachen Worten, damit es jeder versteht. Ich
frage mich, wie wir es gemeinsam schaffen, dass
wir diese Verharrungsmechanismen, egal ob die
jetzt im Gesundheitsausschuss oder im
Ministerium vorhalten, gemeinsam lockern
können, damit wir noch eine Chance haben, hier
aus der Misere rauszukommen.
Sachverständiger Prof. Josef Hecken (Vorsitzender
Gemeinsamer Bundesausschuss): Okay. Dann
fange ich zuerst mit Frau Dr. Lübcke an.
Prävention. Alle Lebenswelten sind relevant. Herr
Abgeordneter Brinkhaus, Sie haben auf mich
eingeprügelt, aber den Falschen. Denn ich werde
gleich auch ausführen, dass hier ganz klar ist: Wir
haben ein miserables Input-/Output-Verhältnis in
allen Bereichen in der Bundesrepublik
Deutschland. Wir haben die höchste Sterblichkeit
bei Myokardinfarkten, also bei trivialen Sachen.
Da liegen wir weit hinter Spanien, Portugal und
sonstigen Staaten, die nicht die finanziellen Mittel
haben. Aber bei der Prävention ist aus meiner
Sicht wichtig: Wir müssen zuerst mal darüber
reden. Prävention kriegt man nicht ohne die

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entsprechenden Mittel. Prävention ist
unabdingbar, um dieses Ziel „Vorzeitiges Sterben“
zu vermeiden. Man muss versuchen, die
Menschen von Kindesbeinen an auf einen
vernünftigen Weg zu bringen. Da muss man nicht
irgendwelche Druckhefte machen, sondern sagen:
Was haben wir an Geld und wie verteilen wir das?
Und da – vielleicht fällt Ihnen etwas Besseres ein
– war meine Idee zu sagen: Wenn man jetzt die
Tabaksteuer, sage ich mal, um 50 Prozent erhöhen
würde und damit fünf bis sechs Milliarden Euro
allokieren könnte, wenn man über
Alkoholabgaben und über was auch immer dann
Geld allokieren könnte und das nicht nur bei der
GKV festmachen würde, sondern auch sagen
würde: Da muss man den Kommunen, den
Schulträgern, den Kindertagesstätten etc. pp.
möglicherweise einen Anreiz geben, um hier aktiv
zu werden. Dann würde man die Menschen
erreichen.
Wir haben, Frau Dr. Lübcke, eine ganze Reihe von
Settings ausprobiert. Die letzte Station war in
Billstedt-Horn, wo man in einem sozialen
Brennpunkt, in dem die Probleme besonders
deutlich zutage treten, gesagt hat: Wir laden jetzt
nicht in die Volkshochschule ein, sondern wir
gehen wirklich dahin, wo die Probleme
tatsächlich liegen, und machen da einen
Gesundheitskiosk, also Ansprechpartner vor Ort,
die auch aktiv auf Leute zugehen und versuchen,
diese in irgendeiner Form zu sensibilisieren. Das
Projekt ist am Ende gescheitert, weil die
Nachhaltigkeit nicht gegeben war. Sie mussten da
bestimmte Leute jeden Tag morgens aus dem Bett
holen, damit diese überhaupt mal affin wurden
für die Angebote, die man gemacht hat. Und da
will ich sagen: Wir haben damals gesagt, wir
schmeißen die Kassen in den Wettbewerb und
versuchen, möglichst viele große Kassen zu
haben. Für mich ist es eine Traumwelt, wenn ich
an viele ehemals geschlossene
Betriebskrankenkassen zurückdenke. Das war das,
was auch am Ehesten das erreicht, was Herr
Brinkhaus erwähnt hat. Die haben gesagt, „Ich
habe ein Interesse daran, dass meine Leute
möglichst wenig krank werden.“ Das war nicht
christliche Nächstenliebe, sondern ich habe ein
Interesse daran, dass die funktionieren. Und wie
kann ich das am besten erreichen? Indem ich bei
intensiver betriebsärztlicher Betreuung,
Früherkennung von irgendwelchen Sachen,
frühzeitig darüber nachdenken: Kann ich den auf
einen anderen Arbeitsplatz setzen? Wenn der
Rücken hat, muss er nicht die Achse
reinschrauben, sondern kann vielleicht auch im
Lager Schrauben sortieren oder sonstige Dinge, bis
hin zur Rehabilitation, die man früher dann den
Leuten hat zugutekommen lassen, die das
betrieben haben.
Ich will da ein Beispiel bringen, Herr Brinkhaus,
damit Sie einfach sehen, dass ich da auch so
meine Erfahrungen habe. Ich war einmal
Gesundheitsminister im Saarland. Da ist ja ein
kleines Land, und da hat man auch gewisse Zeit
für kleinteilige Sachen. Da habe ich mal eine
gesunde Ernährungskampagne in
Kindertagesstätten gemacht. Da bin ich
hingegangen und habe da Äpfel geschält. Einen
Tag hat es gedauert, bis man den Kindern
beigebracht hat: Du stirbst nicht, wenn du einen
Apfel isst, weil manche noch Schneewittchen im
Kopf hatten. Heute kennt das keiner mehr. Die
haben gedacht, dann sterbe ich, wenn ich in den
Apfel beiße. Und wo ist der Prinz, der mich dann
nach 100 Jahren wach küsst? Das funktionierte
dann. Freitagabends war der Elternabend. Dann
kamen die Eltern. Dann haben wir nicht
diskutiert, ob es toll ist, die Kinder an gesunde
Ernährung heranzuführen, sondern ob man die
Zeit dafür hat, zu kochen, ob das nicht teurer ist,
wenn man selber kocht. So eine Fertigpizza von
Wagner aus heimischer Produktion sei doch
wesentlich schneller zubereitet. Dass man Sachen
einfrieren kann, dass man portionieren kann oder
so was, das hatten die überhaupt nicht auf dem
Schirm. Dann bin ich hingegangen, habe mir mit
der Knappschaftsklinik und mit der Klinik für
Naturheilkunde, folgernd aus der Erkenntnis,
„dicke Kinder, ungesunde Kinder haben in der
Regel auch ungesunde Eltern“, fünf Familien
gesucht, die wir relativ engmaschig betreut haben.
Vater hat geraucht, Flaschenbier auf dem Tisch,
also wie man sich dieses Idyll so vorstellt. Wir
haben die zwei Jahre begleitet. Nach zwei Jahren
hatte man die einigermaßen auf der Spur. Dann
war das Geld alle. Im dritten Jahr haben wir eine
Nachevaluation gemacht, da waren die in der
Amplitude hinter dem Stand, auf dem sie vor
Eintritt in dieses Programm waren.
Ich will damit sagen: Wir müssen das wirklich
penetrieren. Angefangen von der Kindertagesstätte

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über die Schule, über dann eben auch
Bonusmodelle, wo man sagt: Wenn du jetzt nicht
zur Vorsorgeuntersuchung gehst, dann musst du
eben möglicherweise statt 5 Euro 6,30 Euro für
das Medikament bezahlen. Das funktioniert bei
den Zahnärzten ja auch: Wenn du da keinen
Stempel in deinem Heft hast, dann kriegst du
deinen Festzuschuss nicht, damit die Leute
notfalls auch zu ihrem Glück gezwungen werden.
Das ist der entscheidende Punkt. Aber dafür muss
irgendwann einmal einer den Mut haben, und das
erkenne ich weder bei Ihrer Fraktion noch bei den
anderen Fraktionen im Hohen Haus, jedenfalls
mehrheitlich zu sagen, wir sind bereit, auf diese
erkennbar gesundheitsschädlichen Produkte
irgendetwas zu erheben, wo man frisches Geld
generieren kann. Denn – ich sage das an die
Haushaltspolitikerin – aus dem Bundeshaushalt
kriege ich nichts. Wenn das so ist, dann muss ich
daraus die Konsequenz ziehen. Und was höre ich
dann? Ich werde gelegentlich auch traumatisiert,
so wie Sie jetzt ein bisschen traumatisiert sind.
Ich war in der Sozialstaatskommission, die sich
ordnungspolitisch mit dem System
auseinandersetzen sollte, und habe da mein
Schalmeienlied von den versicherungsfremden
Leistungen gesungen und gesagt, die sollen sich
mit Ordnungspolitik beschäftigen. Da sagt mir der
Vertreter des Bundesministers der Finanzen: Ja,
was willst du, du kannst ja nur um Steuergeld
betteln. Da habe ich gesagt: Ich bettle nicht. Ich
erhebe einen legitimen Anspruch, dass das, was
mir geraubt worden ist, mir auch zurückgegeben
wird, damit eben gesundheitsförderliche
Maßnahmen ergriffen werden. Also, wir müssen
wirklich in diesen Lebenswelten aktiv werden.
Herr Abgeordneter Brinkhaus, die Klammer ist für
mich ganz einfach. Wenn wir keine
Primärprävention machen, und das war vielleicht
der Zeit geschuldet, dann sind wir ein
Reparaturbetrieb. Das ist ganz klar. Das Leben
wird immer dynamischer, und ich habe so 20, 25
Prozent, die verhalten sich gesundheitsaffin, und
die wollen nicht sterben. Die kennen die Risiken
eines nimmer endenden Lebens wahrscheinlich
noch nicht. Dem Rest ist das einigermaßen egal,
solange ihm nichts wehtut. Und wenn es wehtut,
ist es zu spät. Also ist für mich ganz wichtig, hier
mit Geld in der Hand in die Primärprävention zu
gehen. Herr Lauterbach hatte die gute Idee, statt
der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung, die nur Plakate drucken konnte, ein
Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit zu
implementieren. Das Ding wird im Moment
kommissarisch von dem von ihm bestimmten
Leiter geführt, stirbt aber so langsam vor sich hin,
weil die von Herrn Lauterbach verfolgte Idee, das
als gesamtstaatliche Aufgabe auch mit einem
Anteil aus Steuergeld zu finanzieren, bislang vom
Haushaltsgesetzgeber – der Sie ja auch sind –
nicht erfüllt worden ist. Also, außer
Plakatdruckerei, fünf Büros und
22 Kugelschreibern haben die nichts, haben aber
einen schönen Namen. Finde ich toll. Erste
Maßnahme.
Zweite Maßnahme: Krankenhaus. Ich hatte Ihnen
eben die Mindestmengen gezeigt, nur damit Sie
einfach sehen, wo die Kritik hingehen muss. Ich
schaue jetzt in Ihr Bundesland, schaue auch auf
das Bundesland der Vorsitzenden. Die
Mindestmengen sind ein probates Mittel, um
Strukturbereinigung und Qualitätssicherung
voranzutreiben. Was tun die Bundesländer? Drei
Bundesländer, ein CDU-Land, ein grünes Land
und ein SPD-Land haben beim
Bundesverfassungsgericht Klage erhoben, einen
Normenkontrollantrag gestellt, um es juristisch
korrekt zu formulieren. Das waren Baden-
Württemberg – Grüne –, Schleswig-Holstein
– CDU und Grüne – und Sachsen-Anhalt. Die drei
Länder haben einen Normenkontrollantrag gestellt
und dem Bundesverfassungsgericht die Frage
vorgelegt, ob es von der demokratischen
Legitimation des Gemeinsamen
Bundesausschusses gedeckt sei, diese
Mindestmengen festzulegen, weil dadurch in die
Krankenhausplanungshoheit der Länder
eingegriffen werde und ich mich „einen Teufel
darum zu scheren hätte“, ob dadurch die Qualität
verbessert werde oder nicht. Das ist der falsche
Weg. Wenn Sie meine Stellungnahme zum
Krankenhausanpassungsgesetz ansehen, das jetzt,
in dieser Koalition, kurz vor Weihnachten noch
im Deutschen Bundestag beraten worden ist, dann
können Sie darin erkennen, dass ich die
Aufweichungstendenzen, die jetzt zugunsten der
Länder Ausnahmen von nahezu allen
Qualitätskriterien für die Krankenhäuser zulassen,
etwa wenn Kooperationen mit Krankenhäusern
50 Kilometer entfernt eingegangen werden, das
eine Krankenhaus einen Operationssaal hat, das
andere eine Positronen-Emissions-Tomografie und

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Computertomografie, und beide dadurch die
Voraussetzungen für eine hohe Leistungsgruppe
erfüllen, als Schritt in die völlig falsche Richtung
hin zu einer Gelegenheitsversorgung, zu einer
schlechten qualitativen Versorgung, die den
Patienten nicht nützt und die Kosten in die Höhe
treibt, bezeichnet habe. Da ist an der Spitze der
Bewegung der von mir ansonsten sehr geschätzte
Karl-Josef Laumann. Mit dem habe ich in der CDA
(Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft)
schon Plakate geklebt. Da war er in der ersten
Wahlperiode im Bundestag, da war ich Büroleiter
bei Blüm, und Karl-Josef saß das erste Mal im
Wasserwerk in Bonn. Er hat an der Spitze der
Bewegung gemeinsam mit Manfred Lucha aus
Baden-Württemberg – da haben wir mit Herrn
Lucha die Grünen, von dem von Frau Kappert-
Gonther gesagt worden ist, dass er einfach
beratungsresistent ist, also die Fraktion war da ein
bisschen anderer Meinung als Herr Lucha – da ist
eben ganz klar die Entscheidung getroffen
worden, dass man hier gegen diese
Steuerungsinstrumente und gegen diese
vernünftigen Maßnahmen einschreitet. Im
Augenblick, und da habe ich vor Weihnachten
noch einen Brief an die Fraktionen geschrieben,
wird jetzt darüber diskutiert,
Krankenhausstandorte auf 15 Kilometer
auszudehnen und so was. Das sind ja alles so
Kleinigkeiten, wo ich sage: Wenn das eben das
Ziel ist, um 75 oder vielleicht 80 Lebensjahre wie
in Spanien zu erreichen, dann ist das aus meiner
Sicht der absolut falsche Weg.
Letztes Beispiel, um das zu belegen, was Sie
gesagt haben: Wie gesagt, ich war
Gesundheitsminister im Saarland:
28 Krankenhäuser für 800 000 Einwohner, zwei
Maximalversorgungskrankenhäuser. Vor fünf
Jahren hat sich die Tragödie zugetragen, dass in
Wadern von der Marienhaus GmbH ein nicht
mehr rentables Krankenhaus mit 65 Betten, mit
50 Prozent Belegungsquote geschlossen wurde.
15 Kilometer entfernt gab es vom gleichen
Krankenhausträger ein Notfallkrankenhaus mit
allem Drum und Dran, neu gebaut, alles
wunderbar. Die Minderbelegung des
Krankenhauses war nicht auf fehlende Einwohner
zurückzuführen, sondern auf den Umstand, dass
eigentlich jeder in seiner Patientenverfügung
stehen hatte: Fahrt mich bitte im Falle der
Bewusstlosigkeit an diesem Krankenhaus vorbei,
weil ich das Ziel habe, das 75. Lebensjahr zu
erreichen. Deshalb war keiner da. Als das Haus
geschlossen wurde, haben sich alle Fraktionen vor
diesem Krankenhaus angekettet und gesagt: „Wir
müssen jetzt sterben“, obwohl eigentlich der
gegenteilige Effekt eingetreten ist. Hier fehlt mir
auch so ein bisschen die Inkongruenz in dem
Wollen der Fraktionen und in dem, wie die
Länder bereit sind, solche Prozesse dann eben
mitzutragen. Da sehe ich bei den Ländern
keinerlei Bereitschaft. Ich höre immer: Franz-Josef
Strauß hat mal gesagt, wer die Herrschaft über die
Krankenhäuser hat, der hat auch die Lufthoheit
über die Politik. Deshalb wird um jedes
Krankenhaus, ob es gesundheitsförderlich ist oder
zumindest den Status quo hält oder unter
Umständen sogar schädigend für den Patienten
ist, die Diskussion in unerbittlicher Härte geführt.
Das ist aber nicht meine Baustelle.
Entschuldigung, Herr Brinkhaus.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Ich glaube, wir sind in anderthalb
Stunden wieder sehr viel klüger geworden und
haben auch etliches erläutert oder im
Zusammenhang dargestellt bekommen, was wir in
unsere Wahlkreisarbeit ebenso wie hier in die
Diskussionen mit den Fachpolitikern und auch
für diesen Beirat hier mitnehmen können. Es war
sehr interessant. Die Aufgabe stellt sich uns allen,
dem Anspruch der Bürger gerecht zu werden, für
sie besonders gut und angemessen zu sorgen und
auf der anderen Seite auch das Geld der Bürger
zielgerichtet auszugeben. Dass da noch Luft nach
oben besteht, das haben wir jetzt, denke ich, auch
aufgezeigt bekommen.
Vielen lieben Dank für all diese Ausführungen, für
die ganze Expertise, die dahintersteckt, und auch
für das große Engagement, das deutlich wurde.
Ganz lieben Dank, und wir werden das
weitertragen.
Sachverständiger Prof. Josef Hecken (Vorsitzender
Gemeinsamer Bundesausschuss): Danke.
Vorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker
(CDU/CSU): Und ich schließe die Sitzung.

Parlamentarischer Beirat für nachhaltige
Entwicklung und Zukunftsfragen

21. Wahlperiode
Protokoll der 10. Sitzung
vom 14. Januar 2026
Seite 24 von 24

Schluss der Sitzung: 19:07 Uhr

gez.

Elisabeth Winkelmeier-Becker, MdB
Vorsitzende