Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht neue Rahmenordnung Priesterbildung in Deutschland; Dezentralisierung der Ausbildung
Neue Rahmenordnung für Priesterausbildung: Deutsche Bischofskonferenz
Bischof Gerber: „Die Kirche der Zukunft braucht qualifizierte Priester“
Mit derRatio Nationalis Institutionis Sacerdotalisveröffentlicht die Deutsche Bischofskonferenz heute (28. April 2026) eine neue Rahmenordnung für die Priesterbildung. Diese wurde am 11. März 2026 vom vatikanischen Dikasterium für den Klerus bestätigt. Sie ersetzt das Vorgängerdokument aus dem Jahr 2003. DieRatio Nationalisorientiert sich an der römischenRatio Fundamentalis, die am 8. Dezember 2016 von Papst Franziskus approbiert worden ist. DieRatio Nationaliswurde in mehrjähriger Arbeit in einer Redaktionsgruppe der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste der Deutschen Bischofskonferenz erarbeitet.
Der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste, Bischof Dr. Michael Gerber, erklärt: „Während der Erarbeitung des Textes haben wir zu Zwischenergebnissen ein kritisches Feedback unterschiedlicher Bezugsgruppen eingeholt, darunter Ausbildungsverantwortliche und Theologieprofessoren sowie Seminaristen und der auf der Ebene der Deutschen Bischofskonferenz gebildete Beirat von Betroffenen sexualisierter Gewalt. Deren Rückmeldungen wurden zusammen mit weiteren Fachexpertisen in die Redaktionsarbeit eingebunden. Mit den zuständigen römischen Stellen waren wir gerade auch in Bezug auf spezifische Fragen, die für den deutschen Kontext relevant sind – etwa die Bedeutung staatlicher Fakultäten für die Priesterausbildung –, im konstruktiven Austausch. Ich bin sehr dankbar, dass wir jetzt ein Dokument vorlegen können, das auf die Herausforderungen unserer Zeit mit Erkenntnissen aus der Humanwissenschaft, aber auch mit geistlicher und theologischer Tiefe reagiert. Mein Dank gilt allen, die sich bei der Erarbeitung dieses Dokumentes eingebracht haben.“
DieRatio Nationalisformuliert verbindliche Standards für die Priesterausbildung in den deutschen (Erz-)Diözesen. Analog zur römischen Grundordnung beschreibt dieRatio Nationalisden Ausbildungsweg der Priester als ständige, ganzheitliche, gemeinschaftliche und missionarische Bildung. Dies entspricht einem Verständnis von Berufung als lebenslanges, dialogisches Geschehen, das sich in der Beziehung zu Jesus Christus und den Menschen sowie in einem Hineinwachsen in die kirchliche Communio vollzieht.: „Die Ausprägung einer dialogischen Existenz ist wesentlich für einen Priester. Deshalb soll die Ausbildung nicht allein den Erwerb einzelner Fertigkeiten, sondern vor allem die Persönlichkeitsentwicklung fördern“, so Bischof Gerber. Er fügt hinzu: „Das bedeutet, dass der angehende Priester ein möglichst realistisches Bild von sich selbst gewinnt und in einen Modus findet, mit dem er lebenslang jeweils neue Erfahrungen in einen Prozess der fortdauernden Reifung seiner Persönlichkeit integrieren kann.“
Bei der Beschreibung wesentlicher Elemente der Priesterausbildung liegt dieRatio Nationalisauf einer Linie mit dem ebenfalls im März veröffentlichten Abschlussbericht der Studiengruppe der Weltsynode, die mit einer Revision derRatio Fundamentalisaus synodaler, missionarischer Perspektive beauftragt war und die enge Verwobenheit der Priesterberufung mit dem Volk Gottes herausgearbeitet hat. Beide Dokumente setzen Akzente, z. B. durch eine dezentralere Ausbildung, also einen Wechsel zwischen dem Leben im Seminar und dem Wohnen in Pfarrgemeinden, oder durch gemeinsame Ausbildungseinheiten angehender Priester mit anderen pastoralen Berufsgruppen. Kompetente Frauen sollen auf allen Ebenen der Ausbildung mit in die Verantwortung genommen werden. Die Bedeutung der Psychologie wird gestärkt. „Zudem zeigen beide Dokumente deutlich, dass ein synodaler Stil in der Priesterbildung verankert werden soll, aber auch umgekehrt, dass die Ausbildung der geistlichen Berufe auf allen Ebenen grundlegend für den Aufbau einer synodalen Kultur in der Kirche ist. An unserer synodalen Haltung und Unterscheidungsfähigkeit müssen wir ein Leben lang arbeiten“, so Bischof Gerber.
„Priester werden, ist nicht leicht. Es ist ein Weg und ich weiß aus meiner früheren Verantwortung in der Priesterausbildung um die Schwierigkeiten, die auf dem persönlichen Weg einer Priesterberufung liegen oder durch die aktuellen gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen entstehen. Diese sind herausfordernd, aber für mich kein Grund zur Entmutigung“, sagt Bischof Gerber. Vielmehr gelte es, sie realistisch und zuversichtlich anzunehmen, dass es genau diese Zeit sei, in der Gott zum Zeugnis herausruft. Bischof Gerber: „Ich wünsche mir sehr, dass Seminaristen wie Ausbildungsverantwortliche die Impulse derRatio Nationalisaufnehmen und zur Grundlage ihres Handelns machen. Die Kirche der Zukunft braucht qualifizierte Priester, die zusammen mit den unterschiedlichen Gliedern des Volkes Gottes angesichts der großen Herausforderungen die Gegenwart in Kirche und Gesellschaft gestalten können.“
Die neue Rahmenordnung für PriesterausbildungRatio Nationalis Institutionis Sacerdotalis(Die deutschen Bischöfe Nr. 118) kann in der RubrikPublikationenals PDF-Datei heruntergeladen werden. Das Dokument erscheint als Broschüre im Mai 2026 und kann dort bereits vorbestellt werden.
Ebenso kann das DokumentDas Geschenk der Berufung zum Priestertum. Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalisin der RubrikPublikationenals Broschüre bestellt oder als PDF-Datei heruntergeladen werden. Sie ist erschienen in der Reihe Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 209.