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title: "ETH Zürich Studierende demontieren Gebäude, katalogisieren Materialien, arbeiten an realen Projekten auf Abbruchbaustelle; Nominiert für KITE Award 2026"
sdDatePublished: "2026-04-28T06:04:00Z"
source: "https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2026/04/studierende-geben-altem-baumaterial-neues-leben.html"
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ETH Zürich Studierende demontieren Gebäude, katalogisieren Materialien, arbeiten an realen Projekten auf Abbruchbaustelle; Nominiert für KITE Award 2026

Studierende geben altem Baumaterial neues Leben | ETH Zürich

Studierende geben altem Baumaterial neues Leben

Studierende der ETH Zürich demontieren Gebäude, katalogisieren Materialien und entwickeln daraus neue Bauprojekte: In einer Lehrveranstaltung direkt auf der Baustelle lernen sie, Kreislaufwirtschaft und digitale Werkzeuge und in realen Projekten umzusetzen.

Der Kurs «Digital Creativity for Circular Construction» verbindet Architektur, Ingenieurwissenschaften und Informatik. Teams arbeiten an realen Projekten für externe Auftraggebende und Nutzende.

Mithilfe von digitalen Werkzeugen wie Laserscanning, künstlicher Intelligenz und Extended Reality planen Studierende aus altem Material neue Baustrukturen.

Die Arbeiten der Studierenden wurden unter anderem in der Kunsthalle Zürich, auf der Kunstmesse Art Genève und auf der Architekturbiennale in Venedig gezeigt.

Ein Studierendenteam steht auf einer Abbruchbaustelle einer alten Sporthalle und scannt die Form von Holzbalken mit einem Laserscanner. Andere katalogisieren Fensterrahmen oder messen Stahlträger aus. Was normalerweise auf der Deponie landet, wird hier zum Ausgangspunkt eines neuen Entwurfs. Was für viele der Studierenden neu ist: «Wir begannen mit einem vielfältigen Materialbestand und mussten unsere Entwürfe daran anpassen – ein neuer und herausfordernder Ansatz», sagt Studentin Carole Allenbach.

Im ETH-Lehrprojekt «Digital Creativity for Circular Construction» untersuchen Studierende, wie sich Baumaterialien wiederverwenden und sinnvoll weiterverwenden lassen. Jedes Jahr steht dabei ein anderes Gebäude im Mittelpunkt, das gemeinsam mit Praxispartner:innen zerlegt, inventarisiert oder neu gedacht wird. Die entstandenen Strukturen werden unter anderem in der Kunsthalle Zürich, der Art Genève oder auf der Architekturbiennale in Venedig gezeigt und anschliessend von den jeweiligen Auftraggebenden weiterverwendet.

Die Lehrveranstaltung wurde von Prof. Dr. Catherine De Wolf entwickelt und richtet sich an Studierende der Ingenieurwissenschaften und weiteren Fachrichtungen wie Architektur oder Informatik. Wolf forscht an der ETH Zürich zu zirkulärem Bauen und digitalen Planungsmethoden. Für ihr Engagement in der Lehre und die Entwicklung dieses praxisnahen Kursformats ist sie für den KITE Award 2026 nominiert. Sie ist eine von drei Finalist:innen für diesen Preis.

Der Kurs ist als projektbasierte Lehrveranstaltung aufgebaut. Während eines Semesters arbeiten die Studierenden an einem realen Bauprojekt. Jede Woche beginnt mit kurzen Inputs von Dozierenden oder externen Fachpersonen. Anschliessend setzen die Studierenden das Gelernte direkt um, etwa bei Baustellenbesuchen, Workshops oder in der Werkstatt.

Rund 70 Prozent der Zeit verbringen die Studierenden mit praktischer Arbeit. Sie lernen, wie man Materialien aus bestehenden Gebäuden sorgfältig ausbaut, digital dokumentiert, in neue Entwürfe integriert und schliesslich umsetzt. Gleichzeitig diskutieren sie die ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.

Digitale Werkzeuge für neue Bauprozesse

Ein zentraler Bestandteil des Kurses ist der Einsatz digitaler Technologien. Die Studierenden nutzen unter anderem Lidar-Scanning, Photogrammetrie und 3D-Modellierung, um bestehende Gebäude zu erfassen. «In jeder Vorlesung wurden uns verschiedene Technologien vorgestellt, von Blockchain bis hin zur Mensch-Roboter-Zusammenarbeit», sagt Allenbach. Mit «Computer Vision» und generativer künstlicher Intelligenz analysieren sie Materialien und entwickeln Entwürfe für neue Strukturen.

Auch Extended Reality, etwa Virtual-Reality-Brillen, und digitale Fertigung kommen zum Einsatz. Damit können die Teams ihre Entwürfe visualisieren, testen und anschliessend mit digitalen Hilfsmitteln wie zum Beispiel CNC-Maschinen produzieren. Viele dieser digitalen Technologien werden laufend in der Forschungsgruppe weiterentwickelt und fliessen direkt in den Unterricht ein. Die digitalen Werkzeuge helfen ihnen, vorhandene Bauteile präzise zu planen und wiederzuverwenden.

Ein wichtiges Element des Kurses ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit. In den Teams arbeiten Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen zusammen. Diese Mischung soll helfen, komplexe Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Die Projekte haben oft konkrete Auftraggeber und entstehen in Zusammenarbeit mit externen Partnern wie Architekturbüros, Bauunternehmen oder Kunstinstitutionen. Studierende entwickelten beispielsweise Spielplatzkonstruktionen aus wiederverwendeten Materialien, die zunächst in der Kunsthalle Zürich ausgestellt und anschliessend in einer Kita aufgebaut und genutzt wurden. In anderen Projekten entstanden Versammlungs- und Vortragsräume im Freien, die später etwa als Hochzeitslocation, für Gemeindeanlässe oder als Gemeinschaftsgarten dienten. Fachleuchte geben Feedback zu den Entwürfen, sodass die Studierenden lernen, ihre Ideen vor unterschiedlichen Zielgruppen zu präsentieren und auf Rückmeldungen zu reagieren.

Solche Projekte bringen zusätzliche Herausforderungen mit sich. Materialien sind nicht immer in der gewünschten Menge oder Form vorhanden. Deshalb müssen die Teams ihre Entwürfe immer wieder anpassen. Dieser Prozess vermittelt ihnen, wie Planen und Bauen unter realen Bedingungen funktioniert.

Der Bausektor verursacht weltweit grosse Mengen an Abfall und Treibhausgasemissionen. Kreislaufwirtschaft gilt deshalb als wichtiger Ansatz, um Ressourcen zu sparen und Materialien länger zu nutzen. Der ETH-Kurs will Studierende darauf vorbereiten, diese Veränderungen mitzugestalten.

Neben technischem Wissen erwerben sie Kompetenzen in Projektmanagement, Kommunikation und Teamarbeit. Die Erfahrung, ein Gebäude zu demontieren und aus denselben Materialien etwas Neues zu bauen, zeigt ihnen, wie sich nachhaltige Bauweisen praktisch umsetzen lassen, nicht nur in der Theorie, sondern direkt auf der Baustelle.

Innovation in Learning and Teaching Fair

Die Preisverleihung des KITE Awards findet im Rahmen der drittenLearning and Teaching Fair 2026am 6. Mai 2026 statt. Bei dem Anlass tauschen sich ETH-Dozierende bei einer grossen Ausstellung in der Haupthalle über innovative Lehrprojekte und -ideen aus.

Der KITE Award zeichnet Lehrprojekte aus, die zugleich innovativ, wirksam und nachhaltig sind, also die Kompetenzen nachhaltig festigen. Sie sollen sich aber auch potenziell auf andere Fächer und Gebiete übertragen lassen. Der KITE Award 2026 fokussiert auf innovative Lehrformate, die Studierende aktiv einbinden, ihr Engagement fördern, nachweislich wirksames und reflektiertes Lernen ermöglichen und zugleich nachhaltig auf andere Lehrkontexte übertragbar sind.