KLIMAready unterstützt KMU bei Förderprogrammen in Hamburg; Regionale Förderwege kürzer, Hürden niedriger.
KLIMAready: Wie Förderprogramme Unternehmen bei der Transformation unterstützen - HAMBURG AVIATION e.V.
KLIMAready: Wie Förderprogramme Unternehmen bei der Transformation unterstützen
Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen ein zentrales Zukunftsthema – zugleich schrecken Investitionskosten und vermeintlich hoher Aufwand häufig ab. Genau hier setzt das clusterübergreifende ProjektKLIMAreadyan: Es unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) dabei, Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen und passende Förderprogramme zu finden. Wie das konkret funktioniert und worauf Unternehmen achten sollten, erklärtJuliet Weischedel,Projektmanagerin Nachhaltigkeitbei Hamburg Aviation und Projektmanagerin für KLIMAready, im Interview.
Frau Weischedel, welche Rolle haben Sie im Projekt KLIMAready – und womit beschäftigen Sie sich konkret?
KLIMAready ist ein clusterübergreifendes Projekt, an dem insgesamt sieben Hamburger Cluster beteiligt sind, darunter auch Hamburg Aviation. Ich bin als Projektmanagerin für KLIMAready angestellt und arbeite an verschiedenen Arbeitspaketen mit.
Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf demrWissenshubvon KLIMAready: Dort bereiten wir unter anderem Fördermittelübersichten, regulatorische Informationen, Best-Practice-Beispiele aus unserer Community sowie Hinweise auf Beratungs- und Anlaufstellen für nachhaltige Unternehmensentwicklung auf. Darüber hinaus organisiere ich Veranstaltungen, zum Beispiel Webinare oder Seminare – etwa zu Fördermöglichkeitenoder, zur CO₂-Bilanzierung oder Mobilitätsthemen. Ein weiterer wichtiger Baustein sind die sogenanntenCluster-Brücken, also Kooperationsprogramme zwischen Unternehmen unterschiedlicher Branchen, die wir als Projekt initiieren, begleiten und koordinieren.
Warum spielt das Thema Förderung im Projekt KLIMAready eine so zentrale Rolle?
Wir fokussieren uns bei KLIMAready bewusst auf kleine und mittelständische Unternehmen. Unser Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, Maßnahmen nicht nur zu identifizieren, sondern auch realistisch umzusetzen. Gerade für KMU stellen Investitionen in Nachhaltigkeit oft eine besondere Herausforderung dar – sowohl personell als auch finanziell. Es fehlen häufig die Ressourcen, um größere Transformationsprojekte einfach anzustoßen.
Förderprogramme können hier eine entscheidende Lücke schließen. Sie helfen, Investitionskosten zu reduzieren, schaffen Planungssicherheit und ermöglichen es Unternehmen, Maßnahmen umzusetzen, die sonst vielleicht nicht realisierbar wären. Am Ende geht es darum, ins Handeln zu kommen – und genau dabei können Fördermittel unterstützen. Gleichzeitig wollen wir zeigen, dass der Weg zur Förderung oft weniger aufwendig ist, als viele vermuten. Häufig scheitern Projekte an der Annahme, dass der bürokratische oder personelle Aufwand zu hoch sei – das stimmt so gerade auf regionaler Ebene oft nicht.
Viele Förderprogramme sind bekannt, werden aber trotzdem nicht genutzt. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?
Das höre ich tatsächlich häufig. Ein zentraler Punkt ist, dass der Aufwand überschätzt wird – insbesondere bei großen Programmen auf Bundes- oder EU-Ebene. Diese können komplex sein, keine Frage.
Unsere Erfahrung – auch aus Gesprächen mit derHamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB)– zeigt aber: Auf regionaler Ebene sind die Wege sehr kurz und die Hürden deutlich niedriger. Wenn ein Unternehmen sein Vorhaben gut vorbereitet und klar formulieren kann, ist der Schritt zur Förderung oft gar nicht mehr so groß.
Natürlich fehlt es in KMU oft an personellen Kapazitäten. Aber manchmal reicht bereits einhalber Tag, um sich zu informieren oder ein Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen – viele davon sind kostenfrei. Ein direktes Gespräch mit Förderstellen oder Förderlotsen kann hier sehr schnell Klarheit schaffen.
Angenommen, ich bin Unternehmer*in und habe bisher keine Erfahrung mit Förderprogrammen. Was wäre ein sinnvoller erster Schritt?
Ich würde empfehlen, klein anzufangen. Ein klassisches Beispiel ist die Umstellung aufLED-Beleuchtung– eine Maßnahme, die vergleichsweise einfach umzusetzen ist und häufig gefördert wird.
Der nächste Schritt kann dann ein direktes Gespräch mit einer Förderstelle oder Förderberatung sein, zum Beispiel mit den Förderlotsen der IFB oder über Angebote der Handelskammer. Wichtig ist, dass man sein Projekt bereits grob durchdacht hat: Welche Maßnahme plane ich? Welche Energieeinsparung ist zu erwarten? Welche CO₂-Reduktion ergibt sich daraus?
Diese Zahlen müssen nicht perfekt sein, aber eine fundierte Abschätzung hilft enorm – und verkürzt den Weg zur Förderung deutlich.
Gibt es neben LED-Umstellungen weitere „Quick Wins“, die Sie Unternehmen empfehlen würden?
Ja, durchaus. Neben LED-Beleuchtung werden zum Beispiel auch (Lasten‑)Fahrräder, Energieberatungen, Maßnahmen zur Gebäudesanierung, die Nutzung erneuerbarer Energien oder die Abwärmenutzung gefördert.
Ein besonders guter Einstieg ist aus meiner Sicht diegeförderte Energieberatung. Dabei kommt eine Fachperson in den Betrieb und analysiert, wo überhaupt Einsparpotenziale liegen. Das eröffnet oft ganz neue Perspektiven auf Maßnahmen, die vorher gar nicht auf dem Radar waren.
Welche Fehler oder Missverständnisse sollten Unternehmen bei Förderanträgen unbedingt vermeiden?
Ein ganz entscheidender Punkt ist: Die Maßnahme darf erst gestartet werden, nachdem der Förderantrag genehmigt wurde. Sobald ein Auftrag vergeben oder eine Umsetzung begonnen hat, verfällt in der Regel der Förderanspruch.
Außerdem sollten Fristen unbedingt eingehalten und Anträge vollständig eingereicht werden. Zwar lassen sich Rückfragen oder Korrekturschleifen oft klären, aber idealerweise vermeidet man das von Anfang an durch eine gute Vorbereitung.
Ihr Fazit: Lohnt sich der Einstieg in Förderprogramme?
Definitiv. Förderprogramme können ein wichtiger Hebel sein, um Nachhaltigkeitsmaßnahmen wirtschaftlich tragfähig umzusetzen – gerade für KMU. Mit der richtigen Vorbereitung, kompetenter Beratung und einem realistischen Einstieg sind Förderungen oft deutlich zugänglicher, als zunächst angenommen.
KLIMAready möchte Unternehmen genau dabei unterstützen: Orientierung geben, Hemmschwellen abbauen und konkrete Wege aufzeigen, wie Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit zusammengehen können. Auf der KLIMAready Websitesteht auch ein Leitfaden zur Verfügung.
Frau Weischedel, Vielen Dank für das Gespräch!