Pfarrer Michael Seifert erhält Preis für Heimatpflege Elbe-Elster; Auszeichnung für Engagement in Graun-Musikpflege
Kulturreise Elbe-Elster - Heimatpf
Begründung für die Auszeichnung von Pfarrer Michael Seifert mit dem “Preis für Heimatpflege” des Landkreises Elbe-Elster
Im ersten Akt der Oper L’Orfeo von Carl Heinrich Graun wendet sich Orpheus sinngemäß an seinen Vertrauten Cleo: „Ich habe von dir ein Geschenk bekommen, das meinem Herzen unendlich viel bedeutet. Weil du mich glücklich machst, wird dir mein Herz immer dankbar sein.“
Diese Worte eignen sich in besonderer Weise, um das Wirken von Michael Seifert zu würdigen. Denn auch er hat uns ein Geschenk gemacht – eines, das uns glücklich macht. Musik tut das fast immer. Für dieses Geschenk sind wir ihm dankbar und ehren ihn heute mit dem Preis für Heimatpflege 2025 des Landkreises Elbe-Elster.
Michael Seifert, in Groß Chüden in der Altmark geboren, kam 1999 mit seiner Familie aus dem sächsischen Raum in das Pfarrhaus nach Wahrenbrück. Dort stieß er auf ein musikalisches Erbe, das zwar nie wirklich vergessen war, aber lange Zeit ein Schattendasein führte: das Werk der Brüder Carl Heinrich, Johann Gottlieb und August Friedrich Graun. In der Fachwelt geschätzt, in der Alte-Musik Szene präsent – doch fernab des klassischen Mainstreams. Michael Seifert sah und hörte die Schönheit dieser Musik. Mit offenen Ohren und weitem Herzen verfolgte er die regionalen und internationalen Wettbewerbe um den Gebrüder-Graun-Preis ebenso wie Projekte, die das Werk der Grauns in die Gegenwart übersetzten – etwa das Puppenspiel Montezuma oder die Rockoper Orpheus an der Elster. Initiativen des Landkreises Elbe-Elster, die bei ihm auf Resonanz stießen. 2010 war er Mitbegründer der Graun-Gesellschaft Wahrenbrück e. V., deren Vorstandsvorsitzender er bis heute ist. Die Gesellschaft feierte 2025 ihr 15-jähriges Jubiläum und widmet sich der Erforschung des Lebens und Wirkens der Brüder Graun sowie der Pflege ihres musikalischen Erbes.
Ein anspruchsvolles Vorhaben – zumal ohne große finanzielle Mittel. Doch Michael Seifert bringt Herzblut, Beharrlichkeit und Leidenschaft mit. Er öffnete die Wahrenbrücker Kirche für musikalischen Nachwuchs und für Ensembles, die Graun’sche Musik zum Klingen bringen. Renommierte Ensembles wie die lautten compagney BERLIN folgten seiner Einladung und berührten mit herausragender Barockmusik. 2024 fanden bereits die 6. Wahrenbrücker Graun-Festtage statt – ein vielfältiges Programm aus Musik, Tanz und Vortrag, gemeinsam mit dem Landkreis und dem Heimatverein organisiert und immer wieder bewusst mit jungen Ensembles gestaltet. Ein besonderer Fokus von Michael Seiferts Wirkens liegt auf der Vernetzung der Graun-Freunde. Denn Musik lebt vom Erklingen – und vom Zugang. Seit Jahren sammelt und archiviert Michael Seifert Noten der drei Grauns und stellt seinen beachtlichen Bestand Musikerinnen und Musikern aus aller Welt zur Verfügung. Enge Verbindungen pflegt er zudem zur Berliner Musikwissenschaftlerin Claudia Terne, die maßgeblich zu den Biografien der Gebrüder Graun geforscht hat. Eine aktuelle Großbaustelle ist sicherlich die inhaltliche Ausgestaltung des Graun-Zentrums Wahrenbrück, das seit 2022 Raum für Konzerte und Ausstellungen bietet. Die geplante Dauerausstellung ist ein dickes Brett – aber eines, das Michael Seifert mit Geduld und Ausdauer bearbeitet. Er lebt die Grauns mit Leib und Seele: Seifert sang 2014 das Graun’sche Weihnachtsoratorium mit und scheut auch unkonventionelle Wege der Vermittlung nicht – ganz handfest etwa, indem er regelmäßig die „Graun-Kruste“ der Wahrenbrücker Bäckerei ersteht.
Seit Oktober 2025 ist Michael Seifert Pfarrer im Ruhestand – und natürlich wurde er musikalisch verabschiedet. Wir hoffen sehr, dass er seine Zeit und Energie weiterhin der Heimatpflege und den Grauns widmet und uns weiter musikalische Geschenke macht, die unser Herz erfreuen.
v.l.n.r. Anja Miersch, Pfarrer Michael Seifert, Landrat Christian Jaschinski