Rosemarie Böhmchen erhält Kunstpreis des Landkreises Elbe-Elster 2025; für ihr Lebenswerk.

Kulturreise Elbe-Elster - Kunst1

Begründung für die Auszeichnung von

mit dem „Kunstpreis“ des Landkreises Elbe-Elster

Der Auswahl Rosemarie Böhmchens zum Kunstpreis Elbe-Elster stimme ich voller Überzeugung zu.

Durch Gespräche und gemeinsame Ausstellungstätigkeit konnte ich mir über die Jahre einen umfangreichen Eindruck ihrer künstlerischen Biografie machen. Sie bringt eine in mehrfacher Hinsicht fundierte Ausbildung im Designbereich und einen interessanten beruflichen Lebenslauf mit, der in die freie künstlerische Arbeit mündet.

Rosemarie Böhmchen hat in den 60er Jahren eine Ausbildung als Tuchmacherin mit Abitur bei der VEB Feintuch in Finsterwalde absolviert. Danach studierte sie an der damaligen Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein und machte den Abschluß als Diplom-Formgestalterin. 1984 wurde sie Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR, in den sie nach 3-jähriger Kandidatenzeit schließlich aufgenommen wurde.

Die ‚Burg‘ in Halle ist als eine der Nachfolgeschulen des Bauhauses anzusehen, daher rühren bei Rosemarie Böhmchen auch viele Bezüge in Kunst und Design.

Der Unterricht in Halle beinhaltete unter anderem die Farbenlehre von Johannes Itten, einem der bekanntesten Bauhaus-Meister der Weimarer Jahre. Das Studium umfasste damals die Beschäftigung mit einer Vielzahl an Materialien und Werkstoffen sowie die Durchdringung dieser.

In ihrer folgenden Tätigkeit als Textilgestalterin und Designerin hat Rosemarie Böhmchen u.a. für die VEB Modedruck Gera Fliesendekore und Möbelfolien entworfen. Auch für VVB und TKC Cottbus hat sie an Entwürfen gearbeitet. Eins ihrer Dekore ist auf der Titelseite des renommierten Kunstforum Bd. 263 von 2019 zu sehen, aufgenommen von der bis heute namhaften Fotografin Helga Paris, die durch ihre Alltagsfotografien in der DDR bekannt wurde.

Zurück zu Rosemarie Böhmchen: Ein Höhepunkt war ihre zweimalige Teilnahme an der Internationalen Miniaturtextil- Biennale in Szombathely (Ungarn) 1986 und 1988, wo ihre Arbeiten durch eine Jury ausgewählt wurden. Sie schuf textile Wandgestaltungen für öffentliche Einrichtungen in Berlin und im Bezirk Cottbus und beteiligte sich überregional an Ausstellungen. Sie arbeitete freiberuflich, was sicher nicht einfach war.

Mit der politischen Wende kamen neue Aufgaben auf sie zu, die sie zunehmend in die freie Kunst führten. Parallel bildete sie sich fort und arbeitete im Grafikdesignbereich. Auch hier gab es erfolgreiche Projekte wie die Entwicklung des Corporate Design mit Logo und Preisfigur für den Unternehmerinnen- und Gründerinnentag des Landes Brandenburg. Zu nennen ist das Ausstellungsdesign ‚Zeitmaschine Lausitz‘ bei der IBA ‚Fürst-Pückler-Land‘ Großräschen.

Rosemarie Böhmchen zeigt seit 1998 alle zwei Jahre ihre Arbeit in der Berufskunstausstellung Elbe-Elster. 2011 baute sie gemeinsam mit ihrem Mann ihr Atelier auf dem eigenen Grundstück, das sie seither für Workshops, Veranstaltungen und Interessierte und auch zu den offenen Ateliers Brandenburg öffnet.

Beeindruckend für mich ist sowohl die Materialvielfalt, aus der sie schöpft als auch der unbeschwerte, oft grenzüberschreitende Umgang damit. Hinzu kommt die Beschäftigung mit der Fotografie, diese ist zu einem eigenständigen künstlerischen Medium geworden. In all ihren Bereichen kreist Rosemarie Böhmchen um die Struktur, die sich in vielen Facetten findet, in der Fotografie, in der Fotografik, in ihren Objekten, Wand- und Bodenarbeiten, in Landart und Installationen. Sie kombiniert Materialien frei, wie das Besticken von Fotoarbeiten, entwickelt unerwartete Raumdimensionen, in denen nicht zu erkennen ist, ist das Gegenstand oder Abstraktion. Rosemarie Böhmchen ist vielseitig und immer ­– wie ich finde ­– am Puls der Moderne, der zeitgenössischen Kunst.

Ihre Motive sind der Wandel in der Lausitz, stillgelegte Industrieanlagen, Kleingärten und Landschaften. Ihre Themen sind die Veränderungen in Gesellschaft, Industrie und Natur ihrer Region. Wie ein roter Faden zieht sich durch ihre Arbeiten die Beschäftigung mit Zusammenhängen und Strukturen.

Rosemarie Böhmchen durchbricht Sehgewohnheiten und überschreitet immer wieder gewohntes Terrain. Dabei bleibt sie bodenständig. Ihre stetige künstlerische Auseinandersetzung mit der Tuchmacherei stellt einen starken regionalen Bezug her. So freue ich mich und empfinde es als überaus passend, dass Rosemarie Böhmchen für ihr Lebenswerk den Kunstpreis des Landkreises Elbe-Elster erhält. Ich wünsche ihr für ihre weitere Arbeit immer wieder den wachen Blick, frische Inspiration und Energie.

Herzlichen Glückwunsch zum Kunstpreis Elbe-Elster für das Jahr 2025.

v.l.n.r. Iris Stöber, Anja Miersch, Rosemarie Böhmchen, Landrat Christian Jaschinski