Pro Helvetia unterstützte 4867 Kunst- und Kulturvorhaben in 113 Ländern weltweit; Internationale Sichtbarkeit des Schweizer Schaffens gestärkt.

Jahresbericht 2025 - Pro Helvetia

Der Druck auf die Kulturförderung nimmt schweizweit zu; umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller und vorausschauender Umgang mit den verfügbaren Ressourcen.

Die Schweizer Kunstszene geniesst den Ruf der Exzellenz, Vielfalt und Originalität. Diese Qualitätsmerkmale sind keine Selbstverständlichkeit. Sie beruhen auf kontinuierlicher Arbeit, soliden institutionellen Strukturen sowie einer zielorientierten und effizienten Förderung.

Die Inlandaktivitäten von Pro Helvetia umfassen die Förderung des vielfältigen künstlerischen Schaffens in der Schweiz sowie dessen Verbreitung und den Austausch zwischen den verschiedenen Landesteilen. Die Stiftung fördert auf Gesuchsbasis kulturelle Projekte von gesamtschweizerischer Bedeutung und setzt neue Impulse.

Die fünf Tätigkeitsbereiche von Pro Helvetia in der Schweiz:

2025 hat Pro Helvetia rund 2000 Kunst- und Kulturvorhaben in der ganzen Schweiz unterstützt. Sie belegen die grosse Vielfalt des zeitgenössischen Kunst- und Kulturschaffens. Der Kulturbetrieb befindet sich im konstanten Wandel. Neue Arbeitsrealitäten, technologische Entwicklungen, finanzielle Restriktionen und andere Erwartungen des Publikums verlangen nach einer verlässlichen und flexiblen Kulturförderung. Pro Helvetias Kernanliegen ist es, im Rahmen ihres Bundesauftrages, Kunst- und Kulturschaffende aus der Schweiz und deren Wirken mit entsprechenden Fördermassnahmen bestmöglich zu unterstützen.

Unter«Zugesprochene Beiträge»publiziert die Stiftung auf ihrer Website jährlich Informationen zu Projekten, die sie im Berichtsjahr unterstützt oder realisiert hat. Entdecken Sie hier Projektbeispiele:

Die von Pro HelvetiaunterstützteRetrospektive«Disco»der schweizerisch-argentinischen Künstlerin Vivian Suter im Palais de Tokyo in Paris versammelte knapp 500 grossformatige, farbintensive Werke, die in den letzten zehn Jahren im Garten der Künstlerin in Panajachel, Guatemala, entstanden sind. © Vivian Suter, Courtesy Karma International, Zurich; Gladstone, New York

Seoul; Gaga, Mexico DF; Proyectos Ultravioleta, Guatemala City, Credit: Aurélien Mole

DJ und Musikproduzentin Noria Lilt spielte ein Live-Set am«Festival de la Cité»in Lausanne. Gemeinsam mit drei anderen Kunstschaffenden aus der elektronischen Musikszene aus der Schweiz, Argentinien und China nahm Lilt am von Pro Helvetia initiierten Netzwerkprogramm«Circuit Mixers»teil. © Malik Beytrison

Das von Pro Helvetia und Arts at CERN initiierte duale Programm«Connect Argentina»lud 2025 die Schweizer Künstlerin Céline Manz und den argentinischen Künstler Juan Sorrentino zu einer gemeinsamen Residenz am CERN in Genf sowie am Pierre-Auger-Observatorium in Mendoza (Argentinien) ein. © Presente Continuo

Eine ortsspezifische Klanginstallation transformierte denSchweizer Pavillonan der 19. Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia in einen multisensorischen Erfahrungsraum und lud die Besuchenden zum Eintauchen in eine widerhallende Architektur ein. © Samuele Cherubini

Pro Helvetia spricht auf Basis von Gesuchen Beiträge an Kunst- und Kulturprojekte aus der Schweiz, die im Ausland präsentiert werden. Damit trägt die Stiftung zur internationalen Wahrnehmung des Schweizer Kunst- und Kulturschaffens bei. Mit ihrem Aussennetz unterstützt Pro Helvetia den Aufbau professioneller internationaler Netzwerke in allen von der Stiftung geförderten künstlerischen Sparten und stärkt den Kulturaustausch und Kollaborationen auf internationaler Ebene.

Die fünf Tätigkeitsbereiche von Pro Helvetia international:

2025 unterstützte Pro Helvetia im Rahmen ihrer internationalen Aktivitäten 4867 Kunst- und Kulturvorhaben in 113 Ländern. Durch Promotion, Vernetzung und die Unterstützung von Schweizer Auftritten an internationalen Festivals, Messen und Biennalen stärkt Pro Helvetia die weltweite Sichtbarkeit des zeitgenössischen Kunstschaffens aus der Schweiz. Wichtige Bühnen für dessen internationale Wahrnehmung boten 2025 das «House of Switzerland» während der Milano Design Week, der Schweizer Pavillon an der 19. Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia oder die Schweizer Fokusse am «Montreal Comic Arts Festival» und am «Ars Electronica Festival» in Linz.

Das Genfer Kollektiv Ouinch Ouinch präsentierte sein Stück «Happy Hype» am«Spring Forward Festival», einer wichtigen internationalen Nachwuchs-Plattform für das professionelle Tanzschaffen, die im Jahr 2025 in Gorizia (Italien) und Nova Gorica (Slowenien) stattfand. © Vincent Muteau

Im Rahmen der Werkbeiträge Game Design unterstützte Pro Helvetia im Jahr 2025 23 Projekte in derVorproduktion,ProduktionundPostproduktion(Auswahl Frühling|Auswahl Herbst). Im Bild: Das Rollenspiel «Sil and the Fading World» des Solothurner Game-Studios IceCrack Games. © IceCrack Games

«Als Game-Designerin ist es wichtig, sich mit einem möglichst diversen Publikum auszutauschen. Feedback von ausserhalb der eigenen Bubble hilft dabei, die eigene Arbeit im internationalen Kontext zu situieren. An Game-Messen bietet sich die Möglichkeit, wertvolle Kontakte zu knüpfen. Durch die Anwesenheit am SwissGames-Stand tritt man in direkten Austausch mit Besuchenden. Da wir gleich zwei sehr unterschiedliche Games anspielen liessen, ergaben sich Gespräche über die langfristige Strategie als Studio. Die positiven Reaktionen haben uns zusätzliches Vertrauen in unsere Entscheidungen gegeben.»

Die von Pro HelvetiaunterstützteGruppenausstellung«Knowing Bodies»im Casa Rusca Museo in Locarno versammelte Arbeiten von Schweizer und internationalen Kunstschaffenden verschiedener Generationen und Sprachregionen. Im Bild: Werke von Jeanne Tara und Isaac Chong Wai. © Cosimo Filippini

Das Aussennetz von Pro Helvetia ermöglicht die Präsenz von Kunstund Kulturschaffenden aus der Schweiz bei wichtigen kulturellen Anlässen und fördert den Austausch und die Zusammenarbeit mit lokalen Kulturinstitutionen und Kunstschaffenden.

Zum Aussennetz gehören die fünf Verbindungsbüros und das Centre culturel suisse (CCS) in Paris. Ergänzt wird dieses Netzwerk durch die beiden Partnerinstitutionen Istituto Svizzero in Italien und Swiss Institute in New York.

Mit dem Ziel, Kunst- und Kulturschaffenden aus der Schweiz ein Angebot und ein Netzwerk mit globaler Reichweite zu bieten, betreibt Pro Helvetia seit vielen Jahren mehrere Verbindungsbüros, und zwar im arabischen Raum (Kairo, 1988), im südlichen Afrika (Johannesburg, 1998), im südlichen Asien (New Delhi, 2007), in China (Shanghai, 2010) und als erste dezentrale Struktur inSüdamerika(Bogotá, Buenos Aires, La Paz, Santiago, São Paulo, 2021).

Die Verbindungsbüros von Pro Helvetia sind in sehr unterschiedlichen kulturellen und politischen Kontexten aktiv. Ihre Förderaktivitäten werden ausschliesslich von lokalen Mitarbeitenden verantwortet. Die Verbindungsbüros unterstützen in ihren jeweiligen Tätigkeitsregionen Projekte in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen in allen von Pro Helvetia geförderten Sparten. Ausserdem ermöglichen sie Recherchereisen und ein Residenzprogramm.

Das Centre culturel suisse (CCS) in Paris

Das von Pro Helvetia betriebeneCentre culturel suisse (CCS)in Paris präsentiert und verbreitet zeitgenössisches Kunstschaffen aus der Schweiz in Paris und ganz Frankreich, insbesondere in den Bereichen Darstellende Künste, Musik und Visuelle Künste. Es fördert dabei die Beziehungen zwischen den Kunst- und Kulturszenen aus der Schweiz und aus Frankreich. Die Räumlichkeiten des CCS waren im Berichtsjahr wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Bis zu seiner Wiedereröffnung 2026 entfaltete das CCS ein «On Tour»-Programm in verschiedenen Regionen Frankreichs.

Pro Helvetia unterstützt auf der Basis von Leistungsvereinbarungen die Kulturprogramme zweier Schweizer Institutionen im Ausland: dasIstituto Svizzeromit Aktivitäten in Rom, Mailand und Palermo sowie dasSwiss Institutein New York.

Als Liegenschaft der Eidgenossenschaft sowie als Honorarkonsulat und Plattform zur Förderung des Schweizer Kunst- und Kulturschaffens setzte Pro Helvetia 2025 im Palazzo Trevisan degli Ulivi in Venedig das Veranstaltungs- und Residenzprogramm«New Echo System»um. Darüber hinaus fungiert der Palazzo während derBiennaleals Plattform für das begleitende Rahmenprogramm zum Schweizer Beitrag im Pavillon sowie für weitere Formate des fachlichen Austauschs und der internationalen Zusammenarbeit.

2025 unterstützte das Aussennetz von Pro Helvetia den kulturellen Austausch und die Vernetzung von professionellen Kunst- und Kulturschaffenden aus der Schweiz und den Regionen der Aussenstellen in sehr unterschiedlichen Kontexten. Geopolitische Konflikte und unsichere politische Verhältnisse stellten die Stiftung dabei vor operative Herausforderungen. Zahlreiche langjährige Partnerschaften der Verbindungsbüros und die enge Zusammenarbeit mit den Abteilungen der Stiftung ermöglichen die Lancierung und die Erhaltung von Austausch-, Netzwerk- und Förderformaten mit dem Ziel, den Kunst- und Kulturschaffenden einen Zugang zu neuen kulturellen Kontexten zu eröffnen und ihre beruflichen Perspektiven zu erweitern. So wurde 2025 von der Abteilung Musik das multilaterale Netzwerkprogramm«Circuit Mixers»lanciert, das die Sichtbarkeit von FINTA-DJ-Produzentinnen fördert. Die Pilotausgabe – in enger Zusammenarbeit mit den Verbindungsbüros in Shanghai und Südamerika – ermöglichte Auftritte und den Austausch von vier DJ-Produzentinnen aus China, Argentinien und der Schweiz an Festivals in allen drei Ländern.

Die Schweizer Tänzerin und Choreografin Mélissa Guex präsentierte ihre Performance «Down (full album)» am Théâtre d’Orléans anlässlich desSchweizer Gastlandauftrittsam Festival «Meet Mit Com Con» in Frankreich, an dem insgesamt 24 Schweizer Darbietungen verschiedener Sprachregionen zu erleben waren. © Valentin Duciel

«‹[…] das Gebiet gehörte früher zum heutigen Italien. Damals waren die Familien kinderreich. Die Kindersterblichkeit war hoch und falls sie das Erwachsenenalter erreichten, entschieden sich viele auszuwandern, oft nach Amerika, da sie keine Aussichten auf Arbeit, Land oder sonstige Verdienste hatten›: so beschreibt Patricia Highsmith das Tessin, mein Ursprungskanton. Meinerseits spüre ich immer noch eine Zugehörigkeit zu Italien. Ohne die finanzielle Unterstützung seitens Pro Helvetia für meine Tätigkeit als Übersetzerin – in diesem Fall von der wunderbaren Erzählung von Patricia Highsmith ‹A Long Walk from Hell› – hätte auch ich vielleicht meine berufliche Heimat verlassen müssen, weit entfernt von der von mir als so bereichernd empfundenen Auseinandersetzung mit Sprachen.»

«Der Förderbeitrag, den ich von Pro Helvetia erhalten habe, hat massgeblich dazu beigetragen, dass ich meinen experimentellen künstlerischen Ansatz im Umgang mit Keramik weiterentwickeln und umfassend ausloten konnte. Während dieses Prozesses schuf ich Arbeiten, die meine Erwartungen weit übertrafen. Im Rahmen der Autostrada Biennale in Prizren, Kosovo, nahm ich zum ersten Mal an einer internationalen Biennale teil und konnte meine Werke einem breiten Publikum aus aller Welt vorstellen. Dies an einem absolut einzigartigen Ort, dem Hammam Gazi Mehmet Pasha, einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. Die Kunstszene in dieser spannenden Region gewinnt zunehmend an Bedeutung, wir sollten ihre Weiterentwicklung mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen.»

MitUnterstützungvon Pro Helvetia Shanghai präsentierte die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist grossräumige, immersive Video-Installationen in einer umfassenden Einzelausstellung in Beijing. Im Bild: Ausstellungsansicht von«Your Palm is My Universe»im UCCA Center for Contemporary Art. © UCCA Center for Contemporary Art, 2025. Courtesy Pipilotti Rist Studio

Das von Pro HelvetiaunterstützteFestival«Klang Moor Schopfe»im appenzellischen Gais präsentierte Schweizer und internationale Klangkunst und audiovisuelle Arbeiten. Zu erleben gab es Klangkunst-Installationen in alten Scheunen, Artists Talks und Soundwalks. Im Bild: Tim Shaw, Soundwalk. © Nicholas Schärer

Von den 44,5 Millionen Franken, die Pro Helvetia 2025 zur Verfügung standen, wurden 86,9 Prozent direkt in die Förderung von Kulturaktivitäten investiert. Der Anteil der Administrationskosten lag bei 13,1 Prozent. Im Jahr 2025 erhielt Pro Helvetia insgesamt 7235 Gesuche, von denen 2448 bewilligt wurden. Die Stiftung hat zur Realisierung von 6842 Kunst- und Kulturvorhaben in der Schweiz und in 113 Ländern auf der ganzen Welt beigetragen.

Als öffentlich-rechtliche Stiftung erhält Pro Helvetia ihre Mittel vom Bund und nimmt ihren Auftrag im Zusammenspiel mit den Kulturförderaktivitäten von Kantonen, Städten, Gemeinden und Privaten wahr. Gemäss dem Kulturförderungsgesetz und den strategischen Zielen des Bundesrates ist Pro Helvetia tätig im Bereich der Förderung des zeitgenössischen künstlerischen Schaffens sowie von dessen Verbreitung und Promotion, der Nachwuchsförderung, der Förderung der Volkskultur, der Kunstvermittlung und des Kulturaustauschs im Inland sowie im Ausland und setzt neue kulturelle und thematische Impulse.

Zu diesem Zweck setzt Pro Helvetia verschiedene Förderinstrumente ein. Dies sind öffentliche Förderangebote, für welche Kunst- und Kulturschaffende sowie kulturelle Institutionen Gesuche einreichen können. Die Förderangebote reichen von Beiträgen für Kreation, Recherche und Übersetzung über die Unterstützung internationaler Auftritte und Tourneen bis hin zu Teilnahmen an Plattformen, Workshops und Residenzprogrammen. Die Beurteilung der Gesuche erfolgt – abhängig von Beitragshöhe sowie geografischer und spartenspezifischer Verortung – durch die zuständigen Abteilungen und Aussenstellen, durch Jurys oder durch die Fachkommission. Projekte in den Regionen der Verbindungsbüros werden durch die betreffende Aussenstelle sowie die zuständige Abteilung beurteilt. Bewilligte Gesuche erfordern die Gutheissung beider Parteien.

Neben den öffentlichen Förderangeboten pflegt Pro Helvetia langfristige Partnerschaften und leistet Subventionsbeiträge an Institutionen wie das Istituto Svizzero in Italien oder das Swiss Institute in New York und trägt so zur Erfüllung ihrer Aufgabe bei, das Schweizer Kunstschaffen international sichtbar zu machen. Ebenso initiiert Pro Helvetia Eigenvorhaben, verantwortet die Beiträge im Schweizer Pavillon an der Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia sowie der Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia und engagiert sich in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, digitale Transformation und neue Kollaborationsformen im Kultursektor.

Den aktuellen Finanzrahmen der Stiftung bestimmt das Parlament mit der Kulturbotschaft 2025–2028. Für die aktuelle Vierjahresperiode wurden der Stiftung 186,9 Millionen Franken zugesprochen, für das Jahr 2025 ist in der Kulturbotschaft ein Betrag von 45,8 Millionen Franken vorgesehen. Der effektiv ausbezahlte Betrag für das Jahr 2025 liegt aufgrund von Kreditkürzungen bei 44,3 Millionen Franken. 86,9 Prozent der im Jahr 2025 eingesetzten Mittel flossen direkt in Kulturaktivitäten. Der Anteil der Administrationskosten, berechnet nach demZEWO-Standard, lag bei 13,1 Prozent.

Überblick über die eingegangenen Gesuche Dritter

2025 haben die verschiedenen Abteilungen und Verbindungsbüros von Pro Helvetia 7235 Gesuche Dritter erhalten.

2025 ist kein Rekurs gegen Entscheide von Pro Helvetia eingegangen.

Entwicklung der Anzahl Gesuche Dritter

Im Jahr 2025 ist die Zahl der eingereichten Gesuche im Vergleich zum Vorjahr um rund 2,7 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg der Gesuche bei einer gleichzeitigen Reduktion der Mittel führte zwangsweise zu einer erhöhten Selektivität: Der Anteil bewilligter Gesuche sank im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozentpunkte auf 33,8 Prozent.

Die Zusagequote wird ausschliesslich für Gesuche Dritter erhoben. Eigenvorhaben werden nicht miteingerechnet.

Pro Helvetia publiziert jährlich die zugesprochenen Beiträge (Gesuche Dritter und Eigenvorhaben). DieOnline-Datenbankgibt Auskunft über die beteiligten Kunstschaffenden oder Kulturinstitutionen, die Art der Projekte oder Formate und die Höhe der Beiträge. Sie umfasst den Zeitraum der Beschlüsse der letzten fünf Jahre und ergänzt den Jahresbericht.

Beiträge unter Berücksichtigung der sprachlichen Vielfalt

Die Beiträge von Pro Helvetia (Gesuche Dritter und Eigenvorhaben) berücksichtigen die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Schweiz.

Hauptsprachen nach Sprachgebiet. Quelle: Bundesamt für Statistik (Stand: 2023)

Beiträge in der ganzen Schweiz

Aus einem zugesprochenen Beitrag (Gesuche Dritter und Eigenvorhaben) können mehrere Kunst- und Kulturvorhaben wie Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Recherche- oder Atelieraufenthalte entstehen. Im Jahr 2025 hat Pro Helvetia zur Realisierung von 1975 Kunst- und Kulturvorhaben in der Schweiz beigetragen. Diese verteilten sich auf 197 Ortschaften im ganzen Land – von Gemeinden in ländlichen Regionen wie Mels (SG), Mesocco (GR) oder Lavigny (VD) über Städte wie Bellinzona, Schaffhausen oder Montreux bis zu bevölkerungsreichen Ballungszentren wie Bern, Genf, Basel oder Zürich.

Kulturschaffen aus der Schweiz weltweit gefördert

Neben ihren Inlandaktivitäten unterstützte Pro Helvetia im Jahr 2025 4867 Schweizer Kunst- und Kulturvorhaben in 113 Ländern.

Geografische Verteilung der zugesprochenen Beiträge (Basis: monetär):

Zum dritten Mal bot Pro Helvetia mit der«OFF Bühne Schweiz»an der Frankfurter Buchmesse eine internationale Plattform für das Schweizer Literaturschaffen. Das Programm reichte von Podiumsgesprächen und Kurzlesungen, über Workshops bis zu «Yoga mit Buch»-Sessions. © Holger Menzel

Das prozessorientierte Langzeitprojekt«BRICKS – Chorale for bricks and bodies»war im Herbst 2025 in Freiburg

Fribourg zu sehen. Die Zusammenarbeit zwischen der Schweizer Choreografin Nicole Morel und der kolumbianischen Klangkünstlerin Violeta Cruz wurde im Rahmen des Formats«Ko-Kreation»gefördert. © Carlos Mario Lema

«Einer der prägendsten Aspekte dieser Zusammenarbeit war die Offenheit und die gegenseitige Neugier, die alle Beteiligten an den Tag legten: Kuratorinnen und Kuratoren, Tänzerinnen und Tänzer, Organisatorinnen und Organisatoren sowie das Publikum. Die Erfahrung hat gezeigt, dass inklusives künstlerisches Schaffen in vielerlei Kontexten möglich ist – trotz praktischer Herausforderungen wie etwa Zeitmangel, technischer Verzögerungen und eingeschränkter Zugänglichkeit. Zudem wurde deutlich, wie wichtig es ist, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, einander zuzuhören, sich anzupassen und gegenseitiges Vertrauen zu entwickeln, um langfristige künstlerische Verbindungen zu ermöglichen.»

Mit derUnterstützungvon Pro Helvetia Kairo nahm der Musiker Sami Galbi am«Amman Jazz Festival»in Jordanien teil. Dies bot dem Schweiz-marokkanischen Musiker die Gelegenheit, seine Arbeit einem internationalen Publikum zu präsentieren. © Taher Otaibi

Pro Helvetia führt regelmässig Evaluationen von wichtigen Engagements und Massnahmen durch. 2025 evaluierte die Stiftung das Residenzformat «Connect» und führte einen umfassenden Reflexionsprozess für den Bereich Innovation & Gesellschaft durch.

Im Rahmen des Schwerpunkts «Kunst, Wissenschaft und Technologie» 2021–2024 lancierte Pro Helvetia eine Kooperation mit dem CERN und entwickelte gemeinsam mit Arts at CERN das Residenzformat «Connect». Die Kooperation umfasste jährlich zwei Residenzformate: «Connect Switzerland», eine dreimonatige Residenz am CERN für Schweizer Kunstschaffende, und «Connect International», eine sechswöchige Rechercheresidenz mit wechselnden internationalen Partnerorganisationen.

Die Evaluation im Jahr 2025 ergab, dass «Connect» als Katalysator für künstlerische Forschung wirkt, neue Beziehungen zwischen Kunst und Wissenschaft fördert und zur Entwicklung neuer innovativer Methoden an dieser Schnittstelle beiträgt. Eine erfahrene, gut strukturierte Betreuung erleichtert Kunstschaffenden die Orientierung im wissenschaftlichen Umfeld. Die frühzeitige Kommunikation über eine potenzielle Anschlussfinanzierung ist entscheidend für die Projektentwicklung und die nachhaltige Promotion der Ergebnisse. Die Evaluation hat gezeigt, dass «Connect International» sich positiv auf die Karriereentwicklung der Kunstschaffenden auswirkt. Auf dieser Grundlage wurde ein Vertrag mit Arts at CERN für den Zeitraum 2025–2028 unterzeichnet mit dem Fokus auf den Ausbau des Residenzformats «Connect International».

Zur Weiterentwicklung des Bereichs Innovation & Gesellschaft (I&G) wurde im Jahr 2025 ein umfassender Reflexionsprozess durchgeführt, um Rolle, Zusammenarbeit und strategische Ausrichtung zu klären. Grundlage waren Umfragen mit Mitarbeitenden, Interviews, Workshops und eine Retraite mit der Geschäftsleitung. Die Ergebnisse zeigen: I&G wird als transversales Labor und Impulsgeber geschätzt, gleichzeitig wurden Ansatzpunkte für mehr Klarheit in Rolle, Prozessen und Integration identifiziert. Die Handlungsfelder wurden geschärft sowie konsolidiert und fokussieren ab 2026 auf drei Dimensionen: neue Kollaborationsformen, Digitalität und nachhaltige Entwicklung. Ziel bleibt es, Impulse für Transformation im Kultursektor zu setzen. Dazu wurden spezifische Fördermassnahmen und Partnerschaften entwickelt, die strukturelle Herausforderungen adressieren und Innovation im Kultursektor stärken. Eine wirkungsorientierte Förderlogik (Input–Output–Outcome–Impact, IOOI-Modell) bildet die Grundlage, um den Beitrag von Kunst und Kultur systematisch abzubilden.

Pro Helvetia stärkt die nachhaltige Entwicklung im Schweizer Kultursektor

Mit dem«Sustainable Impact Tool»wurde in Zusammenarbeit mit dem Migros-Kulturprozent ein praxisorientiertes Instrument kofinanziert, das es Schweizer Kulturorganisationen ermöglicht, ihre eigenen Aktivitäten im Hinblick auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit systematisch zu analysieren sowie ihre Nachhaltigkeitsziele wirkungsvoll umzusetzen und nachzuverfolgen. Erkenntnisse aus dem abgeschlossenen Forschungsprojekt«Gender- und Diversitätsmonitoring in Kulturbetrieben»fliessen ebenfalls in die Weiterentwicklung des Tools ein. In Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern und dem Swiss Center for Social Research wurden praxistaugliche Ansätze entwickelt, die Kulturbetriebe dabei unterstützen, ihre Strukturen hinsichtlich sozialer Nachhaltigkeit zu evaluieren. Gemeinsam mit der Stiftung Mercator Schweiz unterstützte Pro Helvetia zudem das Fortbildungs- und Netzwerkprogramm«Creative Climate Changemakers». Darüber hinaus ist Pro Helvetia Mitglied der globalen Allianz«Culture for the Planet», die Kulturinstitutionen und -organisationen weltweit vernetzt und den Austausch zu nachhaltigen Praktiken fördert.

Eine Delegation von Kinderbuchillustrierenden besuchte 2025 dieInternationale Kinderbuchmesse in Shanghai. Das von Pro Helvetia initiierte Programm «Masterclass Illustration» fördert den professionellen Austausch und stärkt das Wissen über internationale Märkte. © Pro Helvetia Shanghai

«Die Teilnahme an jazzahead! stellte eine wichtige Plattform für meine Arbeit dar. Ich durfte den Abend des Grand Opening kuratieren, gemeinsam mit meiner Band auftreten und Musikerinnen und Musiker einladen, die mir sehr am Herzen liegen. Zudem folgte am nächsten Tag ein Showcase. Meine Agentin begleitete mich im Rahmen der gesamten Plattform, wodurch ich die Möglichkeit hatte, zahlreiche Fachleute aus der Branche kennenzulernen. Dass wir die Schweiz vor einem internationalen Publikum vertreten durften, hat uns neue Wege eröffnet und wird uns helfen, unsere Präsenz im europäischen Netzwerk weiter auszubauen.»

Mit«Synergies»unterstützte Pro Helvetia den transdisziplinären Wissensaustausch und künstlerische Kooperationen zwischen Organisationen aus der Schweiz und der Welt. Im Bild: Das Forschungsprojekt «Mangrove Ecologies», eine Zusammenarbeit zwischen Institutionen in Kenia und der Schweiz. © Freddie Odede

Die mit Präsenz Schweiz organisierte Gemeinschaftsausstellung «Collaboration» im«House of Switzerland Milano»an der Milano Design Week präsentierte das innovative Schaffen der Schweizer Designszene und zeigte die Bedeutung von Kollaborationen im Designprozess. © Agnese Bedini

Der Stiftungsrat, unter dem Präsidium von Michael Brändle, ist verantwortlich für die Strategie der Stiftung und deren Governance. Die Geschäftsstelle, unter Leitung des Direktors Michael Kinzer (seit Juli 2025), entwickelt die strategischen Leitlinien und die Fördermassnahmen von Pro Helvetia und sorgt mit ihren 116 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im In- und Ausland dafür, dass die Aktivitäten der Stiftung wirkungsvoll und effizient umgesetzt werden. Die Stiftung stützt sich dabei auf die Beratung durch die Fachkommission, zahlreiche Jurys sowie externe Expertinnen und Experten.

Die neun Mitglieder des Stiftungsrats repräsentieren die unterschiedlichen Perspektiven des kulturellen Lebens und die vier Sprachregionen der Schweiz. Er trägt die Verantwortung für die strategische Ausrichtung und die Wahrung der Governance der Stiftung.

Der Stiftungsrat hat anlässlich seiner Sitzung vom 19. November 2025 das Thema der Interessenbindungen und Mandate seiner Mitglieder ausserhalb der Stiftung diskutiert und sich mit den geltenden Regeln befasst. Diese verpflichten die Mitglieder des Stiftungsrates, vor der Annahme neuer Mandate die Genehmigung des Stiftungsratspräsidenten einzuholen. Weiter ist das neunköpfige Gremium angehalten, persönliche und geschäftliche Angelegenheiten so zu regeln, dass Interessenkonflikte vermieden werden. Dauerhafte Interessenkonflikte schliessen eine Mitgliedschaft im Stiftungsrat aus. Per Ende 2025 haben alle Mitglieder des Stiftungsrates eine Aktualisierung ihrer Interessenbindungen vorgenommen. Die Angaben sindöffentlich einsehbar. Der Präsident des Stiftungsrates ist zuständig für die Kontrolle der Interessenbindungen.

Der Direktor leitet die Geschäftsstelle und steht der Geschäftsleitung vor. Diese verantwortet die Umsetzung der Strategien und der Förderaktivitäten der Stiftung.

Die Bereiche sowie die Abteilungen und Aussenstellen bearbeiten die Anträge um finanzielle Unterstützung, entwickeln Förderkonzepte und -massnahmen und sind für Vorhaben der Verbreitung und Promotion zuständig. Sie beraten Veranstaltende und Kunstschaffende und setzen eigene Initiativen um.

Die Fachkommission umfasste im Berichtsjahr zehn Mitglieder mit besonderen Kenntnissen in ihren Fachgebieten. Sie begutachtet mehrjährige Leistungsvereinbarungen, Eigenvorhaben sowie Gesuche Dritter über 50 000 Franken, die nicht von einer Jury beurteilt werden.

Pro Helvetia kann zur Begutachtung von Unterstützungsanfragen und Vorhaben Jurys einsetzen.

Externe Expertinnen und Experten beraten die Geschäftsstelle auf deren Wunsch bei ihren Entscheiden.

Die beiden Designstudios Carolien Niebling und Gini Moynier verbrachten im Rahmen von«Design with Japan»drei Wochenim japanischen Tajimiund traten in einen produktiven Austausch mit lokalen Manufakturen und Designschaffenden. Im Bild: Workshop mit Tajimi Custom Tiles. © Jonas Marguet

Das von Pro HelvetiaunterstützteFestivalAlpentönein Altdorf, Uri, vereint traditionelle Volksmusik und experimentelle Klangkunst und versammelte 2025 unter dem Thema «Sprachen & Stimmen» 40 Ensembles aus verschiedenen Landesteilen der Schweiz und der Welt. Im Bild: Auftritt der Toggenburger Meitle. © alpentöne internationales musikfestival 2025. Matteo Gisler