Flughafenfeuerwehr BER kooperiert mit Bundeswehr; VR-Ausbildung deutschlandweit einzigartig

Zivil-Militärische Zusammenarbeit am BER in rot und grün - Reservistenverband

Zivil-Militärische Zusammenarbeit am BER in rot und grün

Zivil-Militärische Zusammenarbeit ist mehr als Katastrophenschutz und Amtshilfe, sie ist Teil der gesamtstaatlichen Verteidigung. Nicht nur bei der Übung „MEDIC QUADRIGA“ arbeitet die Flughafenfeuerwehr des Berlin-Brandenburger Flughafens mit der Bundeswehr zusammen. Ein Feuerwehrmann unterstützt zudem als Reservist im Landeskommando Berlin.

Helge S. ist Sachgebietsleiter Aus- und Fortbildung bei der Flughafenfeuerwehr am BER. Sein „Blaulicht-Wissen“ setzt er u.a. als Reservist im Landeskommando Berlin ein.

Mit bis zu 160 km

h kann der Panther über das Flughafengelände des BER rasen. 12.500 Liter Wasser umfasst der Tank des roten Fahrzeuges. Rot? Ja, denn es handelt sich um eines der Löschfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr des Berlin-Brandenburger Flughafens Willy Brandt. Nicht nur wie zuletzt bei der international angelegten Übung „MEDIC QUADRIGA“ arbeitet die Flughafenfeuerwehr eng mit der Bundeswehr zusammen. Einer der Feuerwehrmänner ist zudem Reservist im Berliner Landeskommando.

Insbesondere bei der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit profitieren beide Seiten vom regelmäßigen Wissensaustausch. Denn es gibt nicht nur Parallelen bei großen Fahrzeugen. Die Kameradinnen und Kameraden von der Flughafenfeuerwehr am BER sind verantwortlich für eine Fläche von rund 1.470 Hektar, das entspricht etwa 2.000 Fußballfeldern. Innerhalb von nur drei Minuten müssen die Feuerwehrleute am Einsatzort sein, um Luftfahrzeug-Brände zu löschen, erste Hilfe zu leisten oder bei Unfällen helfen. Um dies zu gewährleisten, sind die rund 300 Feuerwehrleute am BER auf drei Feuerwachen verteilt und arbeiten in 24-Stunden-Schichten oder sind in der Grundausbildung.

Für den Brandschutz stehen diverse Flugfeldlöschfahrzeuge zur Verfügung, von denen im Regelbetrieb jeweils acht Fahrzeuge im Dienst sind. Zusätzlich verfügt die Werkfeuerwehr über fünf Hilfeleistungslöschfahrzeuge sowie verschiedene Spezialfahrzeuge und Anhänger, um für jede Art von Einsatz bestens gerüstet zu sein. Denn: Wie alle Flughäfen ist auch der BER auf störungsfreie Abläufe und schnelle Problembeseitigung angewiesen. Mit 25,5 Millionen Passagieren war der BER 2024 der drittgrößte deutsche Flughafen gemessen am Fluggastaufkommen.

Immer einen Schritt voraus sein

Bei so einem hohen Anspruch gehört es auch zu den Aufgaben der Flughafenfeuerwehr, möglichst immer einen Schritt voraus zu sein, um möglichen Szenarien vorzubeugen. Als Sachgebietsleiter der Aus- und Fortbildung bei der Flughafenfeuerwehr am BER gilt dies auch für Helge S. Er setzt generell bei der Weiterbildung ‚seiner‘ Feuerwehrkräfte auf regelmäßigen Kontakt mit den Wachabteilungen sowie den Austausch mit anderen Feuerwehren. „Wir verknüpfen uns auch in diesem Jahr mit der Bundeswehr-Feuerwehr, tauschen uns beispielsweise mit Jever zur Ausbildung aus.“ Hintergrund: In Jever werden u.a. die militärischen Brandschutzkräfte der Luftwaffe ausgebildet. Zusätzlich haben auch Soldatinnen und Soldaten während ihrer Ausbildung die Möglichkeit, zum Praktikum bei der Flughafenfeuerwehr zu kommen.

Der Oberfeldwebel der Reserve hat dazu noch zwei Schwerpunktthemen, für die er inzwischen als Experte gilt. Das eine Thema sind Tunnel bzw. unterirdische Bahnanlagen. Hier hat er früh den Austausch mit der Schweiz gesucht, den Tunnelexperten schlechthin. Denn der Flughafen Berlin-Brandenburg hat ein besonderes Alleinstellungsmerkmal: Einen unterirdischen sechsgleisigen Bahnhof direkt unterhalb des Terminals und den dazugehörigen ca. drei Kilometer langen Tunnel. Die Herausforderung für die Feuerwehr liegt hierbei nicht nur schnellen Einsatz, sondern zudem müssen auch hier die Sicherheitsanforderungen eines internationalen Flughafens beachtet werden.

Den ‚Schritt voraus‘ merkt man vor allem seinem zweiten Thema an: Virtuelle Realität (VR) in der Ausbildung. Eine Halle wurde so ausgestattet, dass mit dem Einsatz von VR der Innenraum eines Flugzeuges simuliert werden kann. Die Feuerwehrleute trainieren hier virtuell die Brandbekämpfung unter diesen erschwerten Bedingungen. Damit sind sie die einzige Flughafenfeuerwehr deutschlandweit, die so eine Ausbildung durchführt. Dies kam durch die Partnerschaft mit Athen zustande, die diese Technik ebenfalls nutzen.

Gegenseitigen Austausch pflegt der ehemalige Fallschirmjäger auch mit den Kameradinnen und Kameraden bei der Bundeswehr. Zunächst engagierte er sich im Heimatschutz, jetzt zunehmend in der sogenannten Zivil-Militärischen Zusammenarbeit (ZMZ).

Was viele nicht wissen: ZMZ ist mehr als Katastrophenschutz und Amtshilfe, sie ist Teil der gesamtstaatlichen Verteidigung. Denn gleichwohl die Amtshilfe der Bundeswehr unbestreitbar einen wichtigen Beitrag leistet, darf dabei nicht vergessen werden, dass ZMZ im engeren Sinne ebenfalls der Sicherstellung des eigentlichen Verteidigungsauftrages dient. Spätestens mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und die veränderte Bedrohungslage für Deutschland und Europa dürfen der eigentliche Auftrag der Bundeswehr und die dazu notwendigen Ausbildungen und Übungen nicht beeinträchtigt werden.

Die bei den Landeskommandos angegliederten Kreis- und Bezirksverbindungskommandos (KVK bzw. BVK) stellen hier deutschlandweit das vertraute Gegenüber der zivilen Behörden dar. In jedem Landkreis bzw. kreisfreien Städten und in den Bezirken oder Dienststellen mit vergleichbaren Aufgaben gibt es damit direkte militärische Ansprechpartner, um die staatlichen Entscheidungsträger zu beraten und mit ihnen Verbindung zu halten. Durch ihre lokale Verankerung kennen sie nicht nur ‚ihren Kiez‘ mit seinen Besonderheiten, sondern auch die richtigen Personen in den Blaulicht- und Hilfsorganisationen, dem lokalen Katastrophenschutz und zuständigen Behörden. ‚In der Krise Köpfe kennen‘ ist nicht umsonst einer der Leitsprüche in der ZMZ.

Für Andreas K., Leiter der Flughafenfeuerwehr, ist es selbstverständlich, dass er seine Mitarbeitenden für Reservedienstleistungen bei der Bundeswehr oder Dienste bei THW, DRK und anderen Organisationen freistellt. Er findet es wichtig, dass sie ihre Fachexpertise dort einbringen und andersherum neue Anregungen zurück in die Feuerwehr mitnehmen. Insbesondere mit Themen wie beispielsweise dem Operationsplan ergäben sich auch neue Felder der Zusammenarbeit. Die fehlende Arbeitskraft kompensieren sie mit Stellvertretenden, Kollegen und Kolleginnen vertreten und es werden viele entsprechende Absprachen getroffen. Denn „Feuerwehr ist ‚Leben in der Lage‘“, so Andreas K. Ein Spruch, der vielen Soldatinnen und Soldaten bekannt vorkommen dürfte.

Mit seiner langjährigen Erfahrung bei Bundeswehr und Feuerwehr ist Helge S. also die Idealbesetzung für die Arbeit im BVK und mit dem Landeskommando Berlin. Er bringt nicht nur Wissen ein, sondern kennt auch die richtigen Ansprechpartner. „Ich möchte was tun für mein Land, für meine Familie, meine Freunde, wenn es drauf ankommt.“, sagt er.

Mehr Informationen zum Landeskommando Berlin:LKdo-BE.Bundeswehr.de.

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