Jürgen Gackstatter erklärt Ressourceneffizienz als Führungs- und Umsetzungsthema in Deutschland; EV-Gesamtwirkungsgrad bis zu 90 %. Steinbeis: „Ressourceneffizienz ist kein Technik-, sondern ein Führungs- und Umsetzungsthema“ „Ressourceneffizienz ist kein Technik-, sondern ein Führungs- und Umsetzungsthema“ Verbrenner-Aus, Elektromobilität, die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen und Ressourceneffizienz – es sind zentrale Zukunftsfragen, die den langjährigen Steinbeis-Experten Jürgen Gackstatter derzeit intensiv beschäftigen. In der „Digitainability“, also der strategischen Verbindung von digitaler Transformation und Nachhaltigkeit, sieht er einen entscheidenden Hebel, um Innovationskraft zu stärken und die Wettbewerbsposition von Unternehmen langfristig zu sichern. Die TRANSFER-Redaktion hat sich mit Jürgen Gackstatter zum Gespräch getroffen und gemeinsam einen Blick auf diese und weitere spannende Entwicklungen geworfen. Herr Gackstatter, der Schwerpunkt der aktuellen TRANSFER-Ausgabe heißt „Re:source – Innovationen für unsere Umwelt“. Warum ist es Ihnen in diesem Zusammenhang wichtig, über den Kurswechsel beim Verbrenner-Aus zu sprechen? Der sogenannte Kurswechsel beim Verbrenner-Aus ist nur eine Nebelkerze. Technologieoffenheit ist zweifellos sinnvoll und Verbote verbessern die Welt nicht zwingend. Die Fakten aus der Physik, insbesondere der Thermodynamik, sollte man jedoch nicht ausblenden. Die Entwicklung von Wärmekraftmaschinen ist weitgehend ausgeschöpft. Zwar werden Verbrennungsmotoren in Baumaschinen, Lkw, Schiffen oder Bussen auf absehbare Zeit unverzichtbar bleiben – daran besteht kein Zweifel. Dennoch sind hocheffiziente Verbrennungsmotoren jenseits von 35 bis 40 % Wirkungsgrad realistisch nicht möglich. Der Gesamtwirkungsgrad liegt derzeit bei maximal etwa 30 %. Das ist ernüchternd, aber Investitionen folgen dem Entwicklungspotenzial. Genau deshalb kommt man an der E-Mobilität mit einem Gesamtwirkungsgrad von bis zu 90 % nicht vorbei. Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung ein? Welche Technologien haben Ihrer Meinung nach die größten Chancen – und welche werden überschätzt? Der globale Markt hat sich bereits für die E-Mobilität entschieden. Europa macht nur 20 bis 30 % des weltweiten Automarktes aus. China liegt bereits bei 40 % oder mehr und der Wachstumsmarkt heißt Asien. Der nordamerikanische Marktanteil liegt mit etwa 20 bis 25 % in der Größenordnung Europas. In den USA lag der Marktanteil von Elektrofahrzeugen (EV) 2025 bei rund 10 %, der Anteil reiner Batterie-Elektrofahrzeuge (BEV) bei etwa 8 % – mit stark steigender Tendenz. Der EV-Markt umfasst dabei auch Hybridfahrzeuge, während der BEV-Markt ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge beinhaltet. Hybride gelten als Übergangstechnologie, da sie technisch komplexer und in Herstellung sowie Wartung häufig teurer sind als reine Verbrenner oder BEV. Aus meiner Sicht wird diese Technologie überschätzt. Mit welchen Strategien wird es aus Ihrer Sicht den deutschen Unternehmen gelingen, im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu bleiben? Die deutschen Automobilhersteller haben aufgrund ihrer ausgeprägten Kompetenz im Verbrennungsmotor den Wandel lange hinausgezögert. Der Übergang zu elektrischen Antrieben sowie zu stärkerer Software- und Elektronikkompetenz bedeutet einen radikalen Strukturwandel. Diese zögerliche Transformation deutet auf ein systemisches Defizit im Zusammenspiel von Politik, Markt und Industrie hin – mit entsprechenden Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Der vermeintlich pragmatische europäische Kompromiss beim Verbrenner-Aus wirkt vor diesem Hintergrund eher wie ein Feigenblatt. Stattdessen sind innovationsgetriebene und möglichst nachhaltige Mobilitätsanbieter aus Deutschland gefragt, die leistungsfähigere und kostengünstigere Batterien einsetzen, neue modulare Fahrzeugklassen entwickeln und klar positionieren. Ebenso entscheidend ist die gesellschaftliche Akzeptanz für diese notwendige Neuausrichtung. Ein möglicher Ansatz ist die „Digitainability“ – eine nachhaltige digitale Transformation, die Digitalität und Nachhaltigkeit als strategische Einheit versteht. Welche Unterstützung bieten Sie Unternehmen in diesem Bereich ganz konkret an? Wir unterstützen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Erstellung eines CCF, also eines Corporate Carbon Footprint, und damit einer Treibhausgasbilanz des Unternehmens. Der CCF ist nicht nur eine Berichtsgröße, sondern ein strategisches Steuerungsinstrument. Er schafft Transparenz über CO₂-Treiber, identifiziert Einsparpotenziale und bildet die Grundlage für Dekarbonisierungsstrategien. Stichwort Ressourceneffizienz: Was können Unternehmen kurzfristig tun, um ressourceneffizienter zu werden – auch ohne große Investitionen? Und welche Strategien empfehlen Sie langfristig? Ressourceneffizienz entsteht nicht primär durch Großinvestitionen, sondern durch systematische Transparenz, Disziplin und die Nutzung schneller Hebel. Unternehmen können innerhalb von drei bis zwölf Monaten messbare Effekte erzielen, wenn sie die richtigen Stellschrauben priorisieren. Es gilt der Merksatz: Messen → Priorisieren → Umsetzen → Stabilisieren. Ressourceneffizienz ist kein Technik-, sondern ein Führungs- und Umsetzungsthema, bei dem Mitarbeitende aktiv eingebunden werden müssen. Zudem können Förderprogramme, beispielsweise der L-Bank, genutzt werden. Im Rahmen einer solchen L-Bank-Finanzierung mit Nachhaltigkeitsbonus (Zinsvergünstigung) erhalten Unternehmen eine von uns erstellte CO₂-Bilanz für Scope 1 und 2 sowie eine Roadmap zur CO₂-Minderung kostenfrei. Im Gespräch mit dem Steinbeis-Unternehmer Jürgen Gackstatter Steinbeis-UnternehmerSteinbeis-Beratungszentrum Ressourceneffizienz und Innovation(Stuttgart)Steinbeis-UnternehmerSteinbeis-Beratungszentrum climate solutions(Stuttgart) --- Source: https://www.steinbeis.de/magazin/ressourceneffizienz-ist-kein-technik-sondern-ein-fuehrungs-und-umsetzungsthema/ sdDatePublished: 2026-04-28T12:06:00Z Topics: automotive, energy industry, business strategy and marketing, scientific innovation Locations: Stuttgart