AWO Sachsen-Anhalt veröffentlicht Grundsatzstatement gegen AfD in Sachsen-Anhalt heute; Armutsgefährdung: über 20% der Bevölkerung, soziale Sicherheit verankern.
Grundsatzstatement – Für ein soziales, demokratisches und solidarisches Sachsen Anhalt | AWO Landesverband Sachsen-Anhalt
Grundsatzstatement – Für ein soziales, demokratisches und solidarisches Sachsen Anhalt
Menschlichkeit ist keine Verhandlungssache – das „Regierungsprogramm“ der AfD in Sachsen-Anhalt ist menschenverachtend und darf niemals Realität werden.
Sachsen‑Anhalt steht vor einer Richtungsentscheidung. Die sozialen Herausforderungen sind real: Pflege, Armut, Bildungsgerechtigkeit, Fachkräftemangel, gesellschaftlicher Zusammenhalt. Doch ebenso real ist die Chance, unser Land gerechter, solidarischer und zukunftsfähiger zu gestalten.
Die AWO in Sachsen-Anhalt, das sind 6000 Mitarbeitende und 3500 Ehrenamtliche, die in über 400 Einrichtungen - Pflegeeinrichtungen, Kitas, Krankenhäusern, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, ambulanten Hilfen, Jugend- und Familienarbeit, Beratungsstellen, Begegnungsstätten und Ortsvereinen - Menschen im Alltag unterstützen und die Daseinsvorsorge am Laufen halten.
Die Arbeiterwohlfahrt in Sachsen‑Anhalt steht für einen klaren Kompass:Ein Land, dasalle mitnimmt, niemanden zurücklässt und soziale Sicherheit als Fundament einer starken Demokratie begreift. Unsere Haltung ist eindeutig:Menschenwürde ist unteilbar. Teilhabe ist ein Grundrecht. Solidarität ist Stärke.
Wir sehen eine rechtsextreme Regierung und Politik als massive Bedrohung für Frieden und Freiheit in Sachsen-Anhalt. Einer weiteren Normalisierung von menschen- und demokratiefeindlichem Gedankengut werden wir uns mit aller Macht entgegenstellen und jegliche Formen rechtstaatlichen und zivilgesellschaftlichen Widerstands prüfen. Als AWO und als Menschen stehen wir an der Seite aller Sachsen-Anhalter*innen und setzen uns mit unseren Angeboten für Zusammenhalt und Menschlichkeit ein – frei, demokratisch und weltoffen.
Wir stehen für ein Sachsen‑Anhalt, das
Verantwortung übernimmt statt Schuld verschiebt
Menschen schützt, statt sie abzuwerten
Die AWO in Sachsen‑Anhalt wird auch künftig klare Haltung zeigen- unser Bekenntnis lautet:für Menschlichkeit, für Solidarität, für Demokratie.
Wir schauen hin, und wir handeln.Bei uns ist kein Platz für Rassismus, Diskriminierung oder Ausgrenzung.
Unsere Einrichtungen sindsichere Orte–für alle Menschen, die wir begleiten,und für alle, die hier arbeiten oder sich engagieren.
Wir stehen füreinander einund setzen uns gemeinsam für einrespektvolles, solidarischesund demokratisches Miteinanderein.
Wählen bewegt Zukunft.Eine gute Zukunft. Eine gemeinsame Zukunft. Für Alle.
Sozialstaat stärkt Demokratie – Ausgrenzung schwächt sie
Soziale Sicherheit ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für Vertrauen in Staat und Gesellschaft. Wo Armut wächst, dort wächst auch Frustration – und damit die Anfälligkeit für einfache Antworten, Schuldzuweisungen und demokratiefeindliche Ideologien, wie die der gesichert rechtsextremen AfD.
Mehr als jeder fünfte Mensch in Sachsen‑Anhalt ist von Armut bedroht. Das ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck struktureller Ungleichheit.
Wir sagen klar:Politische Konzepte, die Armut relativieren, soziale Rechte infrage stellen oder Menschen gegeneinander ausspielen, spalten, statt zu lösen – gefährden den Zusammenhalt. Deshalb fordern wir eine verbindliche Landesstrategie gegen Armut, die Ressortdenken überwindet, klare Ziele setzt und soziale Gerechtigkeit ins Zentrum politischen Handelns stellt.
Pflege und Würde gehören zusammen
Pflege ist mehr als Versorgung – sie ist Ausdruck von Respekt. Sachsen‑Anhalt braucht ein modernes Landespflegekonzept, das Prävention, gute Arbeitsbedingungen und die Verantwortung von Bund, Land, Kommunen und Trägern zusammendenkt. Pflege darf nicht arm machen. Jeder hat Anspruch auf Sicherheit und Würde im Alter.
Wir sagen klar:Das AfD Programm, das Pflege auf Eigenverantwortung reduziert und Solidarität zurückdrängt, ignoriert die Realität von hunderttausenden Betroffenen. Unsere Vision des Respektes für unsere Eltern und Großeltern lautet: eine solidarische Pflegevollversicherung für bezahlbare Pflege und eine starke öffentliche und gemeinschaftliche Verantwortung für Altenhilfe in den Städten und Gemeinden.
Jedes Kind zählt – ohne Ausnahme – keine Abstriche beim Kindeswohl!
Gerade weil es weniger Kinder gibt, muss jedes einzelne bestmögliche Chancen erhalten – unabhängig vom Einkommen der Eltern, dem Wohnort oder der Herkunft.
Ein Bildungssystem, das ausgrenzt oder selektiert, widerspricht unserem Verständnis von Chancengerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit. Die von der AfD geforderte Abschaffung der Schulpflicht und deren Ersatz durch Wahlfreiheit zwischen Schul- und „Hausunterricht“ gefährdet das Kindeswohl und entwertet Kinderrechte auf Bildung. Diese Programmatik ist zudem zutiefst frauenfeindlich, denn sie zwingt Frauen in die Care-Arbeit und drängt sie aus dem Berufsleben zurück in die Abhängigkeit ihrer Ehemänner.
Kinder mit Fluchterfahrungen in Sonderklassen abzuschieben, verhindert das frühzeitige Erlernen von Sprache und damit den Grundstein von Integration, schafft damit Ausgrenzung auf Kosten der Schwächsten.
Starke Kitas und Schulen, verlässliche Schulsozialarbeit und lebensnahe Jugendarbeit sind Kinder-, Familien- und Wirtschaftsförderung. Wer hier kürzt, spart nicht – er zahlt später den Preis in Form von Bildungsarmut, sozialer Spaltung, Radikalisierung. Zulasten des Lebens- und Wirtschaftsstandorts Sachsen-Anhalt. Zu Lasten der hart erkämpften Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von Frauen.
Wir sagen klar:Als Verband, in dem in Pflege, Kitas und Sozialdiensten überwiegend Frauen arbeiten, verteidigen wir Frauen- und Familienrechte kompromisslos gegen jeden Angriff.
Inklusion, Vielfalt und Gleichstellung sind Grundrechte
Inklusion ist kein Sonderthema – sie ist Maßstab für Demokratie. Menschen mit Behinderung, Frauen, Kinder, Zugewanderte oder queere Menschen brauchen keine Sonderrechte, sondern den konsequenten Schutz ihrer Grundrechte.
Wer mit lächerlichen Babyprämien lockt, die Hauptrolle der Frauen auf mehrgebärende Mütter reduziert und sie auf traditionelle Sorgearbeit am Herd eingrenzt, greift frontal das Recht auf Selbstbestimmung jeder einzelnen Frau in Sachsen-Anhalt an. Hart erkämpfte Frauenrechte werden mit Füßen getreten. Niemand braucht in Sachsen-Anhalt eine Politik, die reale Familienkonstellationen negiert und einzelne Lebensweisen besserstellt als andere.
Gesellschaftliche Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern Realität – und sie macht Sachsen‑Anhalt lebendig. Politische Strategien, die Teilhaberechte von Kindern mit Beeinträchtigungen abschaffen, Vielfalt abwerten, Gleichstellung zurückdrehen oder Menschenrechte relativieren, stehen im offenen Widerspruch zu den grundlegenden Prinzipien einer demokratischen, rechtstaatlichen Ordnung
den ethischen Leitlinien einer Gesellschaft, die auf Respekt und Gleichwertigkeit aller Menschen beruht.
Die AWO sagt klar: Sachsen-Anhalt istkein Platz für Hass, kein Platz für Diskriminierung. Wir alle sind Teil von Sachsen-Anhalt und jede*r gehört dazu!
Migration ist Realität. Integration ist Zukunft für Alle.
In Sachsen-Anhalt leben Menschen aus ca. 150 Nationen der Erde. Migration ist längst gesamtgesellschaftliche Realität, Flucht in Zeiten von Kriegen und Krisen für Viele eine schmerzliche Notwendigkeit.
Wer den Flüchtlingsschutz abschaffen oder Menschen, die hier leben – darunter viele Kinder und Jugendliche - aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Kultur zwangsweise deportieren will, der greift uns Alle an. Migrantinnen sind als Nachbarn, Mitschülerinnen, Arbeitskolleg*innen, Gewerbetreibende, Auszubildende - schlicht als Menschen Teil unserer Gesellschaft und werden es auch bleiben!
Außerdem ignorieren solche absurden Positionen die sozialen und wirtschaftlichen Ziele unseres Landes. Sachsen‑Anhalt verliert in den kommenden 15 Jahren rund ein Fünftel seiner Erwerbsbevölkerung. Ohne Zuwanderung wird es weder gelingen, Fachkräfte zu gewinnen, noch soziale Versorgung, Pflege, Bildung oder öffentliche Infrastruktur zu sichern. Menschen bleiben jedoch nicht allein durch Arbeitsverträge – sie bleiben durch gesellschaftliche Einbindung, durch Teilhabe, durch ein Umfeld, das sie willkommen heißt.
Sprachkurse, Migrationsfachdienste, Integrationsbegleitung, Begegnungsorte und engagierte Menschen vor Ort sind bewährte Unterstützungsstrukturen, die wir auch in Zukunft brauchen.
Wir sagen klar: Integration ist kein einseitiger Gnadenakt, sondern eine strategische Zukunftsfrage für Standortattraktivität und soziale Sicherheit in Sachsen-Anhalt.
Demokratie lebt von Beteiligung – nicht von Verachtung
Demokratie ist mehr als Wahlen. Sie braucht Beteiligung, Begegnung und Respekt. Vereine, Ehrenamt, Jugendclubs – sie alle sind kritische Infrastruktur für den sozialen Zusammenhalt.
Politische Kräfte, die Institutionen verächtlich machen, Minderheiten delegitimieren oder Medien und Zivilgesellschaft diskreditieren, untergraben genau diese Grundlagen. Wer mit Leitfäden Demokratieprogramme als „Sumpf“ austrocknen will, greift direkt unsere Zivilgesellschaft an.
Wir sagen:Eine starke Demokratie braucht eine starke, kritische und unbequeme Zivilgesellschaft – und verlässliche politische Unterstützung. Vereine mit Herz und Haltung lassen sich niemals austrocknen oder wegregieren!
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