Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt erhalten Hinweise zur Barrierefreiheit der Wahllokale bei der Landtagswahl 2026; 67 % der Wahllokale barrierefrei Zeitschrift des Behindertenbeirates des Landes Sachsen-Anhalt Inhalt Demokratie braucht alle! * bei alten Handymodellen den QR Code Scanner nutzen Am 6. September 2026 ist es wieder so- weit: wir alle haben die Wahl. Wir können mit unserer Stimme direkten Einfluss darauf nehmen, wer unsere Interessen hier in Sachsen-Anhalt vertreten soll. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe mit der Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben von Menschen mit Behinderungen. Wir lassen uns erklären, wie die Barrierefrei- heit bei der Landtagswahl umgesetzt werden wird, bekommen einen Einblick in die politische Arbeit von Menschen mit Behinderungen hier in Sachsen-An- halt und fragen bei den zur Wahl ste- henden Parteien nach, welche Ziele sie in Sachen Inklusion verfolgen. In der ersten Ausgabe der normal! in 2026 finden Sie wichtige Informatio- nen zur anstehenden Landtagswahl. Wer sich in Sachen Parteienwahl noch nicht sicher ist, kann neben den Wahl- normal! wird finanziert vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt programmen der Parteien auch den Wahl-O-Mat (https://www.bpb.de/the- men/wahl-o-mat/) nutzen. 2021 lag die Wahlbeteiligung an der Landtagswahl bei 60,3%. Das ist im Bundesvergleich eher wenig. Daher ist am 6. September 2026 eine Sache ganz besonders wich- tig: Gehen Sie wählen! 1/2026 03 Auf ein Wort Nicht zu ihren Lasten! 07 Wahlprüfsteine Politische Positionen der Parteien 11 Engagement lohnt sich Preis Pro Engagement 02 Landtagswahl 2026 Teilhabe für alle 04 Her mit Perspektiven Politisches Engagement 10 Landtagswahl 2026 Politische Teilhabe 12 Zukunft der Inklusion? Interview mit Grit Scholz und Daniela Eisewicht 16 Ankündigung Veranstaltungen und Landesbehindertenbeirat 14 Zusammen geht’s! Inklusive Tanzshow 2 Teilhabe für alle Im Landeswahlrecht sind bereits zahlreiche Regelungen zum Abbau von Barrieren im Wahlrecht verankert. Bei- spielsweise ermöglicht der Versand der Wahlbenach- richtigungen im Briefformat, statt im Kartenformat, eine deutlich bessere Lesbarkeit. Des Weiteren gibt es erläuternde Regelungen, die die Inanspruchnahme von Hilfspersonen bei der Stellung von Anträgen und die In- anspruchnahme einer Assistenz bei der Stimmabgabe erleichtern sollen. In der Landeswahlordnung wurde zur Gestaltung der Stimmzettel zudem neu aufgenommen, dass Schriftart, Schriftgröße und Kontrast so gewählt werden sollen, dass die Lesbarkeit erleichtert wird. Weiterhin wurde im Bereich der Briefwahl die Farbe der Stimmzettel- umschläge (bisher blau) an die Farbe der Stimmzettel (weiß/weißlich) angepasst. Dies soll zu einer intuitive- ren Handhabung beitragen. Von großer Bedeutung ist erneut die Barrierefreiheit der Wahlräume. Die Geschäftsstelle der Landeswahl- leiterin erhebt regelmäßig nach den Wahlen die Anzahl der barrierefreien Wahllokale. So waren zur Europa- und Kommunalwahl 2024 sowie zur Bundestagswahl 2025 jeweils rund 67 % der eingerichteten Wahllokale in Sachsen-Anhalt barrierefrei. Auch zur diesjährigen Landtagswahl sollen wieder mög- lichst viele Wahllokale barrierefrei erreichbar sein. Die Gemeinden sind daher aufgerufen, Wahllokale nach den örtlichen Verhältnissen so auszuwählen und ein- zurichten, dass allen Wahlberechtigten, insbesondere Menschen mit Behinderungen und anderen Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen, die Teilnahme an der Wahl möglichst erleichtert wird. 6. September 2026: Wahl des 9. Landtags Bereits mit der Wahlbenachrichtigung werden Wahl- berechtigte informiert, ob ihr Wahllokal barrierefrei ist. Gleichzeitig enthält die Wahlbenachrichtigung eine Te- lefonnummer der Gemeinde, unter der eine Auskunft zu barrierefreien Wahllokalen eingeholt werden kann. Soll- ten Wahlberechtigte das für sie vorgesehene Wahllokal nicht nutzen können, besteht die Möglichkeit, einen Wahlschein zu beantragen und in einem anderen Wahl- lokal des Wahlkreises zu wählen. Darüber hinaus enthält bereits die Wahlbenachrichti- gung einen Hinweis zu weitergehenden Informationen zur Wahl in Leichter Sprache und in Gebärdensprache. Auch zur bevorstehenden Landtagswahl wird wieder eine kostenlose Broschüre „Einfach wählen gehen!“ in Leichter Sprache mit Informationen rund um die Land- tagswahl herausgegeben. Diese wird als Druckexem- plar unter anderem bei den Wahlbehörden vor Ort er- hältlich sein und wird als barrierefreies E-Book unter wahlen.sachsen-anhalt.de veröffentlicht. Außerdem werden für gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen drei kurze Gebärdensprachvideos mit Infor- mationen zur Landtagswahl und der Stimmabgabe er- stellt, die voraussichtlich ab Mitte Juni 2026 unter www. wahlen.sachsen-anhalt.de abrufbar sein werden. Für Blinde und Wähler mit Sehbehinderung werden er- neut Stimmzettelschablonen hergestellt, die vom Blin- den- und Sehbehindertenverband Sachsen-Anhalt e. V. (BSVSA) an alle interessierten Wählerinnen und Wähler kostenlos versandt werden. Mit jeder Schablone wer- den Begleitinformationen zum Aufbau und deren Nut- zung sowie zum Stimmzettel als Audio-CD ausgegeben. Die aufgelesenen Informationen zu den Stimmzetteln können zudem auch Wählerinnen und Wähler mit einer Leseschwäche nutzen. Sofern Fragen zur Landtagswahl bestehen oder Hilfe beim Wählen benötigt wird, kann sich jeder an seine Ge- meinde wenden. Die Mitarbeitenden dort unterstützen gern. von Christa Dieckmann, Landeswahlleiterin Art der Wahl Wahllokale insgesamt davon barrierefrei in % Landtagswahl 2011 Bundestagswahl 2013 Europa- und Kommunalwahlen 2014 Landtagswahl 2016 Bundestagswahl 2017 Europa- und Kommunalwahlen 2019 Landtagswahl 2021 Bundestagswahl 2021 Europa- und Kommunalwahlen 2024 Bundestagswahl 2025 2.350 2.316 2.332 2.260 2.290 2.254 2.246 2.256 2.191 2.152 970 1.032 1.166 1.178 1.238 1.283 1.385 1.374 1.475 1.443 41,28 % 44,56 % 50,00 % 52,12 % 54,06 % 56,92 % 61,67 % 60,90 % 67,32 % 67,05 % 3 Nicht zu ihren Lasten! Auf ein Wort Nicht zu ihren Lasten! von Dr. Christian Walbrach, Landesbehindertenbeauftragter zwänge in den öffentlichen und kommunalen Kassen dürfen nicht auf dem Rücken von Menschen mit Behin- derungen ausgetragen werden. Die Menschen werden mit verkürzten Parolen des Sparzwangs ansonsten zum Teil des Problems gemacht. Als hätten sie ein Stück weit Schuld daran, dass der Zenit der Wohlstandsmeh- rung überschritten und die Existenz des Sozialstaats be- droht wären. Sie geraten in der Folge, mehr als ohnehin schon, in soziale Randpositionen und Rechtfertigungs- zwänge, in die Rolle des Bittstellers oder Nutzers von Vorteilen und Extras. Neue Barrieren drohen zu entste- hen und das einrichtungsbezogene Denken wird wieder verstärkt. Bevölkerungsgruppen, mit ihren jeweils eige- nen Bedarfen, drohen gegeneinander ausgespielt zu werden. Das ist demokratiegefährdend und es sei daran erinnert, dass Behinderungen vor allem erst anhand von Teilhabeeinschränkungen und Barrieren erkennbar wer- den. Wer an der stets leicht lodernden Flamme des Sozial- neids zündelt, ignoriert das Benachteiligungsverbot und hat sein Mandat verwirkt. Wer gegenüber Menschen mit Behinderungen mit unabgewogenen, populistischen Äußerungen verbal entgleist, muss sich die Frage ge- fallen lassen, ob sein eigener Teilhabeanspruch an ge- sellschaftspolitischen Debatten noch gerechtfertigt werden kann. Beim Sprechen zu denken und das eigene Denken systemisch und nicht monokausal auszurich- ten, hat sich, so meine Empfehlung, in vielen Lebens- lagen bisher bewährt. Es wäre ohnehin angezeigt, den engen Zusammenhang zwischen Denken und Spre- chen verantwortungsbewusst und vermehrt ins alltäg- liche Gewissen zu rücken. Denn die deutsche Sprache schlägt so manches Mal, und vor allem auch für Men- schen mit Teilhabeansprüchen, eine harte Vorhand. Der auf Leistungen zur Teilhabe und der Eingliederungshil- fe angewiesene behinderte Mensch wird begrifflich als Kostenfaktor oder gar Kostenproblem eingestuft. Ein- gliederungshilfe – ein Begriff aus Zeiten fürsorglicher Ansprüche. Warum muss ich jemandem helfen sich ein- zugliedern? Weil er vorher ausgegliedert war? Was ist mit dem verbrieften Recht auf Eigenständigkeit, Gleich- berechtigung und Selbstbestimmung? Beispiele des Wortschatzes aus unserem Alltag, der selten genug Ästhetik und Wertschätzung bewahrt, lassen sich ungehindert fortsetzen. Heimat ist mittler- weile nur noch ein Wirtschaftsstandort, Siedlungsraum oder Hauptwohnsitz. Menschen wie du und ich finden sich als Otto-Normalverbraucher, Endverbraucher oder Konsumenten wieder. Arbeitsplätze werden bei Bedarf leidensgerecht ausgestattet und die Arbeitswelt ist hie- rarchisch unterteilt in Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Sprechen wir anhand solch entfremdeter Kategorien folglich aus, was wir wirklich denken? Vielleicht soll- ten wir wieder stärker darüber nachdenken, was uns so leichtfertig über die Lippen kommt und was wir damit zwischen uns, mit uns selbst und unserem Denken an- richten! Die öffentlichen und kommunalen Kassen sind aus vielerlei Gründen und in krisenhaften Zeiten sicher arg belastet. Der Kostendruck erhebt Sparsamkeit und Wirt- schaftlichkeit mehr denn je zu wichtigen haushalteri- schen Grundsätzen. Aber die Leichtfertigkeit, mit der populistische Positionen zur Kürzung sozialstaatlicher Leistungen ohne Folgenbewusstsein in die Welt gesetzt werden, ist erschütternd. Darf es denn ernsthaft unkommentiert bleiben, wenn wiederholt und ohne konkrete Untersetzung in den Raum gestellt wird, dass die Kosten für soziale Leis- tungen in ihrer Dynamik gebremst werden müssten? Wer belegt denn das Wechselspiel zwischen den Ursa- chen und den Auswirkungen der ungehinderten Kos- tenspirale? Wer steht für den Nachweis belastbarer Hintergründe (Tarifsteigerungen, Personalkosten, Preisentwicklung, demografische Verwerfungen, ineffizientes Verwal- tungshandeln) ein, wenn es zum Beispiel um die Kos- tensteigerungen in der Eingliederungshilfe geht? Wer verantwortet die sprachlichen Fehltritte und verba- len Schrotschüsse politischer Verantwortungsträger, die den gesetzlich und menschenrechtlich verankerten Teilhabeanspruch von Menschen mit Behinderungen fahrlässig ignorieren? Dass gelebte gesellschaftliche Teilhabe, Selbstbestim- mung und Assistenzsicherung letztlich kostendämp- fend wirken und wirtschaftlich sinnvoll sind, hat die Bewusstseinsebene von manchem Populisten offen- sichtlich noch nicht erreicht. Mehr Inklusion und Barrie- refreiheit, dann hätten wir auch gesenkte Bedarfe im Be- reich der Eingliederungshilfe und Einsparungen in den Sozialhaushalten. Fakt ist, die viel diskutierten Spar- Dr. Christian Walbrach Gesellschaftliches und politisches Engagement lebt von Vielfalt – und doch stoßen Menschen, die eine Be- hinderung haben, auf besondere Hürden, wenn sie sich aktiv einbringen möchten. Dabei möchten sich Viele en- gagieren, weil sie eigene Erfahrungen mit Ausgrenzung und Nachteilen gemacht haben und den Wunsch ver- spüren, Veränderungen anzustoßen und Solidarität mit Leben zu füllen. Die Redaktion normal! hat mit engagierten Menschen gesprochen. Die Menschen haben ihre eigene Geschichte. Wir haben allen gemeinsam Fragen gestellt. Hier sind die Antworten von Marcus Graubner, Katrin Gensecke und Lars Lippek. 4 Politisches Engagement 1. Wie beurteilen Sie die politische Beteiligung von Menschen mit Behinderungen in unserem Bundesland? Klare Antwort: hier gibt es sehr viel Luft nach oben. Das Beispiel Landesrahmenvertrag: Hier flossen viel zu wenige Informationen und Men- schen mit Behinderungen wurden kaum beteiligt. Der Rahmenvertrag regelt die Leistungen für Menschen mit Behinderungen und war ja in Sachsen-Anhalt aufgekün- digt worden. Dadurch ist Schaden entstanden, weil die Finanzierung unklar war. Beispielsweise musste ein Wohnheim in Vin- zelberg s --- Source: https://behindertenbeauftragter.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/Geteilte_Ordner/Corona_Verordnungen/Bilder/normal_Ausgabe01_2026_web.pdf sdDatePublished: 2026-04-29T05:16:00Z Topics: political process, election, voting, disabilities, civil rights, local authority, public officials, political parties and movements Locations: Halberstadt, Germany, Hannover, Tangerhütte, Magdeburg, Gardelegen, Stendal (Landkreis)