IPI-Forscherinnen laden acht Schülerinnen aus örtlichen Schulen in Kempten zum Girls’ Day ein; CAR-T-Zellen-Produktion durch KI beschleunigt

Girls‘ Day am IPI

Entdecken, tüfteln und Spaß haben – Wir öffneten anlässlich des bundesweiten Girls‘ Days am 23. April unsere Türen und boten acht jungen Frauen aus örtlichen Schulen die Chance, Technik ganz nah zu erleben und selbst auszuprobieren!

Die Spannung und Vorfreude sind groß – nicht nur bei den 15 bis 17 Jahre alten Schülerinnen, auch bei den Organisatorinnen dieses Tages, den Forscherinnen Tatjana Krau, Katja Mandelmaier und Saskia Glück vom IPI. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde geht’s auch schon in die Praxis und mitten hinein in die Welt der Additive Fertigung und datengestützten, selbstlernenden Produktionsverfahren.

Die Gruppe wird in zwei Teams aufgeteilt. Team 1 darf mit Tatjana in die Halle, wo sie einige spannende Projekte des IPIs kennenlernen. Zum Auftakt darf jeder einmal versuchen, das selbstbalancierende Furuta-Pendel aus dem Gleichgewicht zu bringen. Eine schier unmögliche Aufgabe, wie sich schnell zeigt. Beim ProjektiCARuskommt echte Begeisterung auf: Hier wird erforscht, wie ein selbstlernender Kultivierungsprozess mithilfe von Automatisierung und KI die Herstellung von CAR-T-Zellen schneller und kostengünstiger machen und damit die Chancen auf eine erfolgreiche Krebsimmuntherapie verbessern soll.

Damit die Mädchen nicht nur zuschauen, hat sich Tatjana etwas Besonderes überlegt: Der Roboterarm mit dem medienfreien Greifer soll für eine Runde TicTacToe herhalten. Je zwei Mädchen steuern gemeinsam den Arm. Doch zuerst braucht der Roboter einen Namen. Die Wahl fällt auf Bernie. Gemeinsam mit Bernie bewegen sie den ersten Ball zum Zielort. Obwohl sie eigentlich gegeneinander spielen, stecken sie die Köpfe zusammen, um den Arm so präzise wie möglich zu steuern.

Als Bernie plötzlich kurz streikt, werden die Schülerinnen selbst zu Forscherinnen. Gemeinsam überlegen sie, mit dem Wissen, das sie von Tatjana gelernt haben, wo das Problem liegen könnte. Tatjana lacht: „So sieht der Arbeitsalltag hier oft aus!“

Am Ende spielt es keine Rolle, wer das Spiel gewonnen hat. Die Aufgabe war ein Teamerfolg.

Metallpulver, Laser und ein bisschen Handarbeit

Schon am Anfang wird deutlich, dass der 3D-Druck-Aspekt für viele der Mädchen besonders faszinierend ist. Die Vorfreude auf das AM-Labor ist besonders groß. Nach einer kurzen Pause mit Brezen und Getränken geht es direkt weiter. Im Labor stellen Saskia und Katja nach einer kurzen Sicherheitseinweisung das Metalldruckverfahren vor. Anschließend dürfen die Mädchen die Maschine unter Saskias Anleitung sogar selbst bedienen und dabei beobachten, wie Schicht für Schicht aus feinen Pulverschichten eine Form entsteht.

Forschung ist aber nicht nur Kopfarbeit. An einer weiteren Station darf jeder einmal einen eigenen, metallgedruckten Flaschenöffner bearbeiten. Stützstrukturen entfernen und kleine Unebenheiten wegfeilen, hier trifft Handwerk auf Wissenschaft.

Die letzte Station entpuppt sich als besonderes Highlight: Am Sandstrahler bearbeiten die Mädchen nach einer kurzen Einführung ihre Flaschenöffner und lernen dabei, dass Sandstrahlen die Stabilität von Bauteilen erhöht. Den Unterschied dürfen sie buchstäblich anhand eines bearbeiteten und eines nicht bearbeiteten Flaschenöffners erfühlen.

Viele Wege führen zum Ziel

Den Abschluss des Tages gestalten die drei Forscherinnen mit persönlichen Erzählungen von ihrem eigenen Weg in die Wissenschaft. Dabei wird deutlich, dass dieser selten einer geraden Linie folgt. „Als ich in eurem Alter war, wollte ich Modedesignerin werden!“ erklärt Katja, die heute Sandstrahler und Metalldrucker bedient. Die Botschaft dahinter ist einfach und ehrlich. Das Leben besteht aus Ausprobieren, Anpassen und Weitermachen. Wichtig ist, die Augen offen zu halten und zu erkennen, was einem Spaß macht - und was nicht. Katja betont „Ich musste auch erst herausfinden, was ich nicht kann, um meinen Weg zu finden.“

Die Bilanz des Tages fällt eindeutig positiv aus. Die Mädchen freuen sich, dass sie so viel selbst anfassen und ausprobieren durften. Besonders spannend war es, auch andere Materialien in der additiven Fertigung zu sehen, erklärt eines der Mädchen. „Man kennt eigentlich nur 3D-Druck mit Kunststoff!“.

Der Tag endet mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen, echten Einblicken in den Forschungsalltag und einem selbstgedruckten Flaschenöffner als kleines Andenken für jede stolze Teilnehmerin.

TicTacToe mit dem Roboterarm ‚Bernie‘. Foto: HS Kempten, Ronja Tennigkeit

Die Schülerinnen dürfen die gedruckten Flaschenöffner selbst bearbeiten. Foto: HS Kempten, Ronja Tennigkeit