ver.di führt zwei Warnstreiktage im öffentlichen Nahverkehr in Niedersachsen durch; 1500 Teilnehmende bei zentraler Kundgebung in Hannover Standpunkte (KW 17-2026) _04 ver.di Landesbezirk Niedersachsen-Bremen standpunkte Informationen des ver.di-Landesbezirks Niedersachsen – Bremen Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zieht ein positives Fazit der beiden Warnstreiktage im öffentli- chen Nahverkehr in Niedersachsen. „Die Beteiligung der Kolleg*innen an allen betroffenen Standorten war sehr gut. Bei der zentralen Demonstration am heutigen Diens- tag waren rund 1500 Beschäftigte des ÖPNV auf den Straßen“, sagte Marian Drews von ver.di, der die Verhand- lungen führt. Die Auswirkungen der Arbeitsniederlegun- gen waren an beiden Warnstreiktagen in allen betroffe- nen Städten deutlich zu spüren. ver.di setzt sich in dieser Tarifrunde für bessere Arbeitsbedingun- gen für die Beschäftigten im ÖPNV ein, die unter den Tarifvertrag Nahverkehr in Niedersachsen fallen. Dazu gehören die Kolleg*innen aus folgenden Betrieben: ÜSTRA Hannover, BSVG Braunschweig, GÖVB Göttingen, SWO Mobil Osnabrück, WVG Wolfsburg, Delbus Delmenhorst, Stadtbus Goslar, Stadtverkehr Hildesheim, MOIN Lüneburg und die Stadtwerke-Verkehrsgesell- schaft Wilhelmshaven. Bislang ist insbesondere beim Thema „Arbeitszeit“ keine Bewegung der Arbeitgeberseite wahrzuneh- men. „Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Bayern haben durch ihre jüngsten Tarifabschlüsse im ÖPNV aber gezeigt, dass dort Veränderungen möglich sind. Wir appellieren an die Kommunalen Arbeitgeber in Niedersachsen, sich an diesen Abschlüssen ein Beispiel zu nehmen“, sagt Drews. KW 17 / 2026 ver.di TARIFVERHANDLUNGEN FÜR DEN ÖPNV IN NIEDERSACHSEN 1500 Teilnehmende bei zentraler Kundgebung in Hannover „Wir tragen Verantwortung für tausende Menschen und die Millionenwerte der Fahrzeuge. Der Druck bei steigenden Fahrgastzahlen wächst – und wir haben immer weniger, manch- mal auch gar keine Regenerationszeiten innerhalb einer Schicht. Darum brauchen wir auch in Niedersachsen eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit“, sagte Vertrauensleutesprecher Emanuel Gläß bei der Kundgebung in Hannover. Die Forderungen für diese Tarifrunde lauten im Einzelnen: • Arbeitszeit: 37,5 Std./Woche • Sonntagszuschlag auf 40 Prozent erhöhen • Zeitzuschläge: Bezahlung nach der jeweiligen individuellen Entgeltstufe, mindestens aber nach Stufe 3 • Urlaubsgeld: Erhöhung bis EG7 auf 650 Euro und ab EG8 auf 550 Euro • Modernisierung der Entgeltordnung • Urlaub: 33 Tage Urlaub • Weitere Zuschläge: Einführung einer Mitteldienstzulage, Beginn Nachtarbeit ab 20.00 Uhr • Laufzeit bis 31.12.2028 Die nächsten Verhandlungen sind für den 11. Mai geplant. ver.di ver.di ver.di VERNETZEN, AUSTAUSCHEN, ORGANISIEREN ver.di-Aktiventagung in Hannover mit rund 90 Teilnehmenden Rund 90 Kolleg*innen aus dem gesamten Landesbezirk sind am vergangenen Wochenende zur Aktiventagung in Hannover zusammengekommen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und neue Impulse für die gewerk- schaftliche Praxis mitzunehmen. Eingeladen hatte das Orgateam der Aktiven- und Vertrauensleute-Vernetzung des ver.di-Landesbezirks. Die Resonanz hat gezeigt: Der Bedarf an Vernetzung, politischer Einordnung und konkre- tem Handwerkszeug ist groß. Bereits beim ersten Austausch am Freitag wurde deutlich, wie breit das Spektrum der Erfahrungen ist – von Kolleg*innen mit jahrelanger Praxis als Aktive/Vertrauensleute bis zu denen, die erst seit Kurzem aktiv sind und „ihre ersten Schritte gehen“. Am Abend wurden die ersten Kontakte geknüpft, gemeinsame Herausforderungen benannt und erste Ideen für die Aktivenar- beit diskutiert. Am Samstag startete die Tagung mit der ersten Workshopphase. In insgesamt zehn Arbeitsgruppen konnten sich die Kolleg*in- nen gezielt austauschen, weiterbilden und von- und miteinander lernen. Themen waren unter anderem „Erfolgreiche Aktiventref- fen“, „Gesprächsführung zur Mitgliedergewinnung“, „Modera- tion von Gruppen“ oder „kreative Öffentlichkeitsarbeit“. Auch politische Fragen standen im Fokus: Im Workshop „Kapitalismus in der Krise – in welcher Welt wollen wir leben?“ wurde intensiv über gesellschaftliche Perspektiven diskutiert, während es in der Arbeitsgruppe „Haltung zeigen – Ansprache gegen rechte Parolen im Betrieb“ um konkrete Strategien gegen rechte Hetze ging. Ein inhaltlicher Höhepunkt war der Vortrag von Claudia Bogedan von der Hans-Böckler-Stiftung mit anschließender Diskussion: Unter dem Titel „Die Mär vom aufgeblasenen Sozial- staat und andere Sozialstaatsmythen – ein Faktencheck“ ordne- te die Sozialwissenschaftlerin zentrale Debatten ein. Sie machte deutlich, dass viele gängige Narrative über einen „zu großen“ Sozialstaat einer faktenbasierten Prüfung nicht standhalten. Im Anschluss stellte Andrea Wemheuer, ver.di-Landesbezirksleite- rin, das „Bündnis starker Sozialstaat“ vor und betonte die Rolle von Gewerkschaften im Kampf für soziale Sicherheit und Gerechtigkeit. In der zweiten Workshophase am Nachmittag wurden die Themen weiter vertieft und praktisch gearbeitet. Besonders großes Interesse fanden die Runden zur Beteiligungskultur – etwa am Beispiel der Krankenhausbewegung an der Medizini- schen Hochschule Hannover – sowie zur Frage, wie Aktive und Betriebsräte strategisch zusammenarbeiten können. Auch ein niedrigschwelliger Einstieg in die Aktiven- und Vertrauensleute- arbeit wurde angeboten und rege genutzt. Zum Abschluss kamen alle Teilnehmenden noch einmal zusam- men, um die weitere gemeinsame Arbeit in den Blick zu nehmen. Vorgestellt wurde die Aktiven- und Vertrauensleutevernetzung im Landesbezirk – als zentrale Struktur, um Austausch zu stärken, Erfahrungen zu bündeln und gemeinsame Strategien weiterzuentwickeln. Deutlich wurde: Erfolgreiche Gewerk- schaftsarbeit lebt von Beteiligung, klarer Haltung und guter Organisation. Viele Kolleg*innen nahmen konkrete Ideen mit – sei es für die Ansprache neuer Mitglieder, die Planung von Aktionen oder den Umgang mit politischen Herausforderungen im Betrieb. Die Aktiventagung hat gezeigt, wie viel Kraft in gemeinsamer Organisierung steckt. Mit frischen Ideen, gestärktem Selbstbe- wusstsein und neuen Kontakten gehen die Teilnehmenden zurück in ihre Betriebe – bereit, sich weiter einzumischen und für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen. Sei dabei! Hier geht’s zur Aktiven-VL-Vernetzung ver.di Niedersachsen-Bremen Aktiv im Betrieb | Landesbezirk Niedersachsen-Bremen ver.di Jonah Bublitz Jonah Bublitz standpunkte ver.di-Kolleg*innen aus Kindertageseinrichtungen haben sich in der vergangenen Woche mit der niedersächsischen Kultusministerin Julia Hamburg zum Austausch getroffen. Es ging im Kern um die Arbeitsbedingungen der Kita-Be- schäftigten unter den aktuellen erschwerten Rahmenbe- dingungen. Die Beschäftigten haben die Gelegenheit genutzt, beispielhaft aus ihrer Praxis zu berichten und damit ein eindrückliches Plädoyer für zusätzliches, gut qualifiziertes Personal zu halten. Nur so können in den Einrichtungen verlässlich die Qualitätsstandards umge- setzt werden und das Beste für das Wohlbefinden der Kinder, die pädagogischen Ansprüche und die Gesundheit der Kitabeschäftigten und die Verlässlichkeit für die Fami- lien erreicht werden. In angenehmer Gesprächsatmosphäre haben sich die Kita-Kol- leg*innen über die verschiedenen Perspektiven mit Julia Hamburg ausgetauscht und gemeinsam um den besten Weg gerungen. Die eindeutige Forderung unserer Kita-Kolleg*innen bleibt: Besser heute als morgen muss die dritte Kraft nicht nur in der Krippe, sondern auch in der Kita eingeführt werden. Eine gute und bezahlte Ausbildung ist die beste Strategie für die Zukunft der niedersächsischen Kindertagesstätten. Dazu gehört die Anerkennung und Bezahlung der Schulzeiten als Arbeitszeit, sowie Zeit und Fachkräfte für die Praxisanleitung. Deshalb fordert ver.di seit Langem die Einführung der Praxisorientierten Ausbildung (PiA). HISTORISCHE CHANCE ODER VERPASSTE WENDE FÜR DIE KITAS? ver.di im Gespräch mit Niedersachsens Kultusministerin Julia Hamburg Die Kolleg*innen haben sehr deutlich gemacht, dass mit weniger oder nichtqualifizierten Kräften die Wende nicht gelingen wird - im Gegenteil. Darum ist es völlig unverständlich und ein fatales Signal an unsere Kita-Kolleg*innen, dass mit dem aktuellen Fraktionsgesetzesentwurf von SPD & Bündnis 90/Die Grünen die befristeten Absenkungen der Mindeststan- dards im niedersächsischen Kita-Gesetz (NKiTaG) um zwei Jahre verlängert werden sollen. Die zentrale erfahrungs- und wissenschaftsbasierte ver.di-Forde- rung für mehr sozialpädagogische Fachkräfte ist Dreh- und Angelpunkt für gute Arbeitsbedingungen und für die Sicherung und Verbesserung der pädagogischen Qualität. „Wir befinden uns an einem historischen Wendepunkt und wollen jetzt DIE Chance nutzen: in vielen Regionen gehen die Anmeldezahlen in den Einrichtungen zurück. Diese freiwerdenden Kapazitäten müssen qualitätssteigernd genutzt werden“, sagt Sylvia Milsch von der Gewerkschaft ver.di. Denkbar sind folgende Schritte: Verkleinerung der Gruppen, Umwandlung in integrative Gruppen, Einrichtung weiterer Familienzentren oder die Verbes- serung des Fachkraft-Kind-Schlüssel. Dafür sollen im niedersäch- sischen Kita-Gesetz (NKiTaG) Anreize und Voraussetzungen geschaffen werden. Deshalb braucht es eine Novellierung des NKiTaG noch vor der nächsten Landtagswahl. V.i.S.d.P.: ver.di-LBZ Niedersachsen-Bremen, Andrea Wemheuer, Tel. 0511 / 12400 101, Mail: pressestelle.nds-hb@verdi.de Disclaimer: Wer den Newsletter nicht mehr bekommen möchte, schreibt eine Mail mit dem Betreff „abbestellen“ an die Mail-Adresse pressestelle.nds-hb@verdi.de. ver.di --- Source: https://nds-bremen.verdi.de/++file++69f0c72095fa727bbc7ff029/download/Standpunkte_ver.di_17-2026_Bericht_Aktivenkonferenz.pdf sdDatePublished: 2026-04-29T14:03:00Z Topics: labour relations, labour dispute, public transport Locations: Lower Saxony, Hildesheim, Delmenhorst, Braunschweig, Wilhelmshaven, Goslar, Lüneburg, Hannover, Osnabrück, Göttingen, Bremen, Wolfsburg, Germany