Sebastian Scheel und Branchenvertreter diskutieren Lage der Gießereien in Pirna; Produktion droht ins Ausland abzuwandern

Sachsens Gießereien unter Druck: Warum faire Wettbewerbsbedingungen jetzt entscheidend sind - #ZUKUNFTblog - sachsen.de

Sachsens Gießereien unter Druck: Warum faire Wettbewerbsbedingungen jetzt entscheidend sind

Wenn in Pirna flüssiger Edelstahl in Form gegossen wird, geht es um weit mehr als industrielle Präzision. Es geht um ein Stück sächsischer Industriegeschichte – und um die Zukunft eines ganzen Wirtschaftszweigs. Beim Besuch der Edelstahlgießerei SCHMEES cast in Pirna wurde genau das deutlich.

Rund 20 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Verbänden und Politik kamen zusammen, um über die Lage der Branche zu sprechen. Mit dabei: Wirtschaftsstaatssekretär Sebastian Scheel. Die Botschaft des Treffens war klar – Sachsens Gießerei-Industrie steht unter massivem Druck.

Dabei ist die Branche ein echtes Schwergewicht: 22 Betriebe, rund 6.300 Beschäftigte und etwa eine Milliarde Euro Jahresumsatz. Vor allem aber ist sie ein unverzichtbarer Zulieferer für Schlüsselindustrien – vom Maschinenbau über die Energiebranche bis hin zu Zukunftstechnologien wie Wasserstoff.

Doch genau diese Industrie gerät zunehmend ins Wanken. Hohe Energiepreise, wachsender internationaler Wettbewerb und neue regulatorische Anforderungen setzen die Unternehmen unter Stress. Hinzu kommen protektionistische Maßnahmen etwa in den USA und ambitionierte Transformationsziele, die Investitionen erfordern, aber gleichzeitig Spielräume einengen.

»Dreh- und Angelpunkt sind international wettbewerbsfähige Standortbedingungen«, machte Staatssekretär Scheel (Bildmitte) deutlich. Ohne verlässlichen Zugang zu bezahlbarer Energie und ohne praxistaugliche Regeln droht die Produktion ins Ausland abzuwandern – mit niedrigeren Standards und negativen Folgen für Wertschöpfung und Klimaschutz gleichermaßen.

Was das konkret bedeutet, zeigt ein Blick in die Produktion von SCHMEES: In Pirna entstehen hochkomplexe Gussteile, unter anderem für Anlagen zur Herstellung von grünem Wasserstoff. Also genau jene Technologien, die für die klimaneutrale Zukunft gebraucht werden. Doch ausgerechnet hier bremsen hohe Kosten und Bürokratie die Entwicklung.

Gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie hat das SMWA deshalb zentrale Forderungen formuliert. Im Kern geht es um fünf Punkte: wettbewerbsfähige Energiepreise, wirksamen Schutz vor Produktionsverlagerung ins Ausland, eine praxisnahe Umsetzung europäischer Vorgaben, bessere Förderbedingungen für die Transformation und fairen Welthandel.

Ein Beispiel zeigt, wie konkret diese Herausforderungen sind: Beim CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) setzt sich Sachsen im Bundesrat dafür ein, dass energieintensive Branchen wie Gießereien besser berücksichtigt werden. Denn Klimaschutz funktioniert nur, wenn er global gedacht wird – und nicht zur Verlagerung von Emissionen führt.

Das Branchengespräch in Pirna hat vor allem eines gezeigt: Industriepolitik ist kein abstraktes Konzept, sondern entscheidet ganz konkret über Arbeitsplätze, Innovationen und regionale Wertschöpfung. Oder anders gesagt: darüber, ob Sachsen auch in Zukunft ein starker Industriestandort bleibt.

Der Dialog zwischen Politik und Wirtschaft wird deshalb fortgesetzt – mit einem klaren Ziel: die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Tradition und Transformation Hand in Hand gehen können.

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