Bayerisches Wirtschaftsministerium initiiert Offensive Unternehmensnachfolge in Bayern, unterstützt von HWK und DIHK; 52.500 Unternehmen, 668.000 Arbeitsplätze, 2027–2031 erwartete Übergaben

Offensive_Unternehmensnachfolge

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie

ECKPUNKTE DER OFFENSIVE 6 STUDIE UNTERNEHMENS- NACHFOLGE IN BAYERN 8 ERFOLGSFAKTOREN DER NACHFOLGE 12 INITIATOREN UND PARTNER 18

Hubert Aiwanger Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Tobias Gotthardt Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie In Bayern stehen zwischen 2027 und 2031 nahezu 52.500 Unternehmen mit einem Mindestgewinn von 50.000 Euro und knapp über 668.000 Mitarbeitern vor einem Generationenwechsel. Das sind circa 16.000 Unter­ nehmen und 50.000 Beschäftigte mehr als zwischen 2022 und 2026. Die rasante Dynamik und die volkswirtschaftliche Bedeutung des Generationenwechsels machen das Thema Unternehmensnachfolge zu einem zentralen Baustein unse­ rer bayerischen Wirtschafts- und Mittelstandspolitik. Zahl­ reiche Förderprogramme und Unterstützungsmaßnahmen des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Kammern und anderer Einrichtungen begleiten den Nachfolgeprozess. Mit der Offensive »Unternehmensnachfolge.Bayern« wollen wir die Aufmerksamkeit unserer Familienunternehmer noch stärker auf die Nachfolgefrage richten, auf die bereitste­ henden Informations-, Beratungs- und Förderangebote hin­ weisen und zu einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit dem Thema anregen. Hierbei unterstützen uns die Arbeits- gemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern und der Bayerische Industrie- und Handelskammertag als Mit- initiatoren sowie viele Partner aus der Wirtschaft. Die Offensive umfasst zahlreiche Veranstaltungen und wei­ tere öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zur Unterneh­ mensnachfolge. Den Ausgangspunkt bildet eine umfas­ sende Studie über die Unternehmensnachfolge in Bayern. Eine erfolgreiche Unternehmensübergabe ist die Krönung einer Unternehmerbiografie. Wir möchten dazu beitragen, dass eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge möglichst vielen Familienunternehmen gut gelingt. 3

»Die Unternehmensnachfolge stellt den bayerischen Mittelstand vor zunehmende Herausforderungen. Für Viele ist soziale Sicherheit attraktiver als Unternehmertum. Anstelle neuer gesetzlicher Regulatorik brauchen Unter­ nehmensnachfolger Planungssicherheit für Investitionen in die Zukunft.« »In rund 22.300 bayerischen Handwerksunternehmen steht in den kommenden Jahren die Betriebsübergabe an. Als Partner unterstützen die Handwerkskammern Betriebsinhaber und deren Nachfolger in allen Phasen des Übergabeprozesses.« Franz Xaver Peteranderl Präsident der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern Prof. Klaus Josef Lutz Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages 5

ECKPUNKTE DER OFFENSIVE 6

NACHFOLGE PLANEN – ERFOLG SICHERN

` Die Offensive „Unternehmensnachfolge.Bayern“ wurde vom Bayerischen Wirtschaftsministerium zusammen mit der Arbeits- gemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern und dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag initiiert. Sie wird von zahlreichen Partnern aus der Wirtschaft unterstützt.

` Die Offensive zielt darauf ab, das Nachfolgethema noch stärker im Bewusstsein der bayerischen Familienunternehmer zu ver­ ankern. Nach dem Motto: »Nachfolge planen – Erfolg sichern« sollen sie mit zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Maßnah­ men für eine frühzeitige Beschäftigung mit der Frage des Ge­ nerationenwechsels sensibilisiert und über das breit gefächerte Unterstützungsangebot in Bayern informiert werden.

` Gleichzeitig wollen die Partner der Offensive ihre Maßnahmen zur Unterstützung des Generationenwechsels im bayerischen Mittelstand mit Nachdruck weiterverfolgen und Vernetzungs­ potentiale nutzen.

` Kristallisationspunkt der Offensive ist die Nachfolgewebseite des Bayerischen Wirtschaftsministeriums (www.stmwi.bay­ ern.de/wirtschaft/mittelstand/unternehmensnachfolge). Sie enthält wichtige Tipps für eine erfolgreiche Unternehmens­ nachfolge, Erläuterungen zur breiten Palette an Unterstüt­ zungsangeboten, Hinweise zu Expertenkontakten, Veranstal­ tungen und Informationsmaterialien sowie anschauliche Er­ folgsgeschichten.

` Der Ausgangspunkt der Offensive bildete 2017 eine groß an­ gelegte empirische Studie zur Unternehmensnachfolge, die auch eine wissenschaftliche Prognose zum Nachfolgegesche­ hen für den Zeitraum 2017 – 2021 enthielt und für den Zeitraum 2022 – 2026 aktualisiert wurde. Eine aktuelle Untersuchung erfasst das Nachfolgegeschehen für den Fünfjahreszeitraum 2027 – 2031. 7

STUDIE UNTERNEHMENSNACHFOLGE IN BAYERN 8

KERNAUSSAGEN DER STUDIEN Der Generationenwechsel in bayerischen Familien- unternehmen wird sich beschleunigen Im Freistaat Bayern sind rund 556.840 Familienunternehmen aktiv. Im Zeitraum 2027 – 2031 stehen davon rund 52.500 ausreichend attraktive Unternehmen mit ca. 668.000 Arbeitsplätzen zur Über­ gabe an. Erfolgsfaktoren sind frühzeitiges und rechtzeitiges Handeln Erfolgreiche Unternehmensübergaben werden – so der Befund aus den Befragungen – »frühzeitig« und »rechtzeitig« eingeleitet. Die Sensibilisierung der zukünftigen Übergeber ist und bleibt daher ein wichtiges Thema. Die familieninterne Nachfolge wird bevorzugt Familieninterne Nachfolgen stellen in allen Regierungsbezirken die bevorzugte Nachfolgelösung dar. Der Übergabeprozess kann sowohl bei einer familieninternen als auch -externen Nachfolge i.d.R. mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Finanzierung durch Eigenkapital bevorzugt, Bank- und Förderkredite wichtig Unternehmensnachfolgen werden größtenteils mit Eigenkapital und Bankdarlehen finanziert. Förderkredite mit Haftungsfreistel­ lungen bzw. Bürgschaften sind ebenfalls wichtig – gerade auch aus Expertensicht. Sie spielen bei familienexternen Übernahmen eine größere Rolle als bei familieninternen Nachfolgen. 9

284.000 55.800 52.100 45.700 60.900 80.300 89.200 21.750 4.800 4.100 3.550 4.750 6.350 7.200 Unterfranken Oberfranken Mittelfranken Oberpfalz Niederbayern Oberbayern Arbeits- plätze Unternehmen Schwaben GENERATIONENWECHSEL IN BAYERNS FAMILIENUNTERNEHMEN | 2022 – 2026 NACH REGIERUNGSBEZIRKEN 10

Hoher Beratungsbedarf für individuelle Lösungen in jedem Nachfolgeprozess Keine Unternehmensnachfolge ist wie die andere. Musterlösun­ gen gibt es nicht. Es besteht hoher Beratungsbedarf insbeson­ dere zum Steuerrecht und zur Vertragsgestaltung. Quantität, Qualität, Praxisbezug und Transparenz von Information, Beratung und Förderung des Generationenwechsels sind kontinuierlich ver­ bessert worden. Viele der existierenden Informations- und Bera­ tungsangebote zur Unternehmensnachfolge sind bei Übergebern und Übernehmern aber noch nicht bekannt genug. Guter Neustart setzt Veränderungsbereitschaft voraus Die Unternehmen, bei denen der Neustart gelingt, haben u. a. im Marketing und Vertrieb Änderungen vorgenommen. Ebenso wur­ den neue Produkte bzw. Dienstleistungen und Produktionspro­ zesse zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit eingeführt. Die Digi­ talisierung stellt für Übergeber und Übernehmer eine der größten unternehmerischen Herausforderungen dar. Vernetzung der Nachfolgeberater ist wichtig Die Initiativen der vergangenen Jahrzehnte haben zu einer guten, regionalen Vernetzung der Akteure geführt. Die Vernetzung sollte weiter ausgebaut werden, auch im Zusammenspiel zwischen öffentlichen und privaten Beratern. Auch sollte das Ziel sein, die Beratung noch stärker auf Kleinstunternehmen auszudehnen. Diese Unternehmensgruppe, die in den nächsten Jahren drei von vier Unternehmensnachfolgen auf sich vereinen wird, ist derzeit bei der Inanspruchnahme von Informations- und Beratungsleis­ tungen unterrepräsentiert. Produzierendes Gewerbe Handel, Verkehr, Gastgewerbe Unternehmensbezogene Dienstleistungen Personenbezogene Dienstleistungen UNTERNEHMEN BETROFFENE ARBEITSPLÄTZE 13.150 16.150 17.250 5.950 209.400 176.800 162.000 NACH HAUPTWIRT- SCHAFTSABSCHNITTEN 119.800 11

ERFOLGSFAKTOREN DER NACHFOLGE 12

Die Unternehmensnach­ folge ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Eine pauschale Vorgehens­ weise gibt es nicht, denn kein Betrieb ist wie der andere. Für Unternehmer, Übergeber und Nachfolger stehen Orientierungshilfen zur Verfügung. WORAUF ES ANKOMMT Frühzeitige und aktive Planung Unternehmer befassen sich häufig viel zu spät mit der Nachfol­ gefrage und unterschätzen die Vielschichtigkeit des Nachfolge­ prozesses. Das kann nicht selten die nach­haltige Sicherung des eigenen Lebenswerkes samt der damit verbundenen Arbeits­ plätze gefährden. Je früher der Übergeber die Nachfolge anpackt, umso mehr Zeit bleibt für die notwendige Informationsbeschaffung, eine ausführ­ liche Beratung durch Experten, eine systematische Planung so­ wie die erfolgreiche Übergabe. Unterstützung von Experten Die Übergabe eines Unternehmens wirft viele unterschiedliche Fragen auf. Passgenaue Lösungen fordern einen neutralen Blick von außen. Kompetente und individuelle Beratung sind beim Übergabeprozess eine große Hilfe. In Bayern stehen hierzu vielfältige Angebote zur Verfügung. Auswahl und Qualifikation des geeigneten Nachfolgers Eine wichtige Frage bei der Übergabe eines Unternehmens lautet: Passen das Unternehmen und der potentielle Nachfolger auch wirklich zusammen? Das Anforderungsprofil muss selbstver­ ständlich für beide Seiten stimmen. Für den Nachfolger muss das Unternehmen das »Richtige« sein. Für das Unternehmen wieder­ rum müssen die persönlichen Voraussetzungen des potentiellen Nachfolgers wie fachliche Qualifikation, kaufmännisches Wissen, Sozialkompetenz sowie Führungsstil passen. 13

Ermittlung des Unternehmenswertes In der Praxis zeigt sich: Der Unternehmenswert ist einer der häu­ figsten Streitpunkte zwischen Übergeber und Übernehmer. Die Erwartungen gehen hier oft weit auseinander. Dies liegt unter anderem auch daran, dass der Übergeber mit seinem Unterneh­ men einen hohen emotionalen Wert verbindet. Die Ermittlung des Unter­nehmens­wertes als Basis für Kaufpreisverhandlun­ gen muss daher sehr sorgfältig geschehen und auf eine Art und Weise, die für alle Beteiligten nachvollziehbar ist. Hier ist in jedem Fall Beratung erforderlich. Businessplan mit Unternehmensstrategie Ein sorgfältig ausgearbeiteter Businessplan ist eine wichtige Voraussetzung für den Unternehmenserfolg nach der Übernahme. Was steckt dahinter? Der Businessplan:

` basiert auf dem Istzustand des zur Übernahme anstehenden Unternehmens

` enthält wichtige Aussagen zur derzeitigen Lage und künftigen Ausrichtung

` bildet die Grundlage für Bankengespräche und die Finanzierung der Übernahme

` bietet (nochmals) die Möglichkeit eines qualifizierten, kritischen und ehrlichen Selbstchecks, auf Basis der festgestellten Rah­ menbedingungen. 14

Passgenaue Finanzierung der Unternehmensübernahme Die Finanzierung der Übernahme wird häufig unterschätzt und das, obwohl gerade diese einen der wichtigsten Punkte darstellt. Das gilt für beide Seiten: Die Übertragung trägt zum einen zur Sicherung der Altersversorgung des Übergebers bei. Zum ande- ren muss der Übernehmer den benötigten Kapitalbedarf zur Übernahme und Weiterführung des Betriebs, einschließlich sei­ ner eigenen Lebenshaltungskosten, finanzieren und sichern. Auch zur Fi­nan­zie­rung sollten sich beide Seiten frühzeitig ausführlich beraten lassen, um beispielsweise Fördermittel in Anspruch neh­ men zu können. Gestaltung der Übernahme und Klärung der steuerlichen und rechtlichen Folgen Die Rechtsform und Art der Übernahmegestaltung betrifft die Beziehung zwischen Übergeber und Übernehmer. Sie bestimmt den gesetzlichen Handlungsrahmen des Unternehmens. Alle in diesem Zusammenhang getroffenen Entscheidungen haben eine Vielzahl rechtlicher, finanzieller, struktureller und persönlicher Konsequenzen für beide Parteien. Dazu gehören beispielsweise Haftungsfragen, steuerliche Auswirkungen, unternehmensbezo­ gene Schutzrechte und Verbindlichkeiten. Unterstützung