Die Hisbollah nutzt europäische Finanzsysteme in Europa; Europa zentrale Drehscheibe für Hisbollah-Finanzströme
Wie die Hisbollah Europas Systeme nutzt - Stiftung Zukunft CH
Wie die Hisbollah Europas Systeme nutzt
Wie ein unsichtbares Netz zieht sich ein Geflecht aus illegalen Geldströmen, Firmenkonstrukten und Schattenwirtschaft durch Europa. Es verläuft nicht offen und nicht laut, sondern quer durch Banken, Vereine, Handelswege und digitale Kanäle. Was auf den ersten Blick wie gewöhnliche, wirtschaftliche Aktivität erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Teil eines komplexen Systems.
Genau dieses System beschreibt eine neue Studie der Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI).Unter der Leitung von Lina Khatib (Chatham House) und mit Unterstützung der Terrorfinanzexpertin Anrike Visser zeigt die Analyse: Die Hisbollah ist trotz militärischer Schwächung im Libanon weiterhin als transnationale Finanzmacht in Europa präsent.
Ein hybrides Netzwerk mit globaler Reichweite
Die Hisbollah ist laut Studie weit mehr als eine Miliz. Seit ihrer Gründung hat sie eine Struktur aufgebaut, die politische Partei, bewaffnete Organisation und internationales Netzwerk zugleich ist. Dieses „semi-staatliche“ System ermöglicht es ihr, flexibel zwischen legalen und illegalen Aktivitäten zu operieren.
Ihre Verbindungen reichen dabei weit über den Libanon hinaus, insbesondere zum Iran und zu den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC). Gleichzeitig nutzt die Organisation internationale kriminelle Netzwerke, um Einnahmen zu sichern und zu verschleiern. Europa erscheint in dieser Struktur nicht als Randzone, sondern als integraler Bestandteil eines globalen Systems.
Ein zentrales Problem liegt in der uneinheitlichen, rechtlichen Behandlung innerhalb Europas. Während Staaten wie Deutschland, Grossbritannien und die Niederlande die gesamte Hisbollah als Terrororganisation einstufen, beschränken sich andere Länder – darunter Österreich – auf ihren militärischen Arm. Diese Differenz ist keineswegs nur juristisch, sondern hat konkrete Auswirkungen auf die Praxis.
Die Studie beschreibt diese Dynamik klar: „Dies ermöglicht es dem politischen Arm – trotz seiner engen Verbindungen zu den übrigen Strukturen – auf legale Weise in zahlreichen europäischen Ländern Geschäfte zu tätigen, etwa Spenden über gemeinnützige oder religiöse Organisationen zu sammeln.“ Dadurch entsteht eine Grauzone, in der legale Aktivitäten und illegale Finanzströme ineinandergreifen. Laut US-Regierungsberichten stammt rund ein Drittel der Finanzierung der Hisbollah aus kriminellen Aktivitäten weltweit – und Europa spielt dabei eine wichtige Rolle.
Studienleiterin Lina Khatib bringt diese Rolle auf den Punkt: „Europa ist für die Hisbollah eine wichtige Drehscheibe für verschiedenste Geschäftsaktivitäten, wie die aufgebauten und weitverzweigten Strukturen zeigen. Das breite Firmengeflecht, ihre Verbindungen und die nicht geschlossene Einstufung der Hisbollah als Terrororganisation ermöglichen es ihr, innerhalb der EU legal Spenden zu sammeln und Finanzgeschäfte zu tätigen.“ Ihre Forderung ist eindeutig: Nur eine einheitliche rechtliche Position innerhalb der EU und eine engere internationale Zusammenarbeit können verhindern, dass diese strukturellen Lücken weiter ausgenutzt werden.
Ein wachsender Teil der Finanzströme verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum. Kryptowährungen ermöglichen schnelle und schwer nachvollziehbare Transaktionen, die sich klassischen Kontrollmechanismen entziehen. Während staatliche Behörden weiterhin stark auf traditionelle Bankensysteme und bekannte Geldwäschekanäle fokussiert sind, nutzt die Hisbollah dezentrale Netzwerke, um Spenden, vermeintliche Investitionen und kriminelle Einnahmen miteinander zu vermischen und zu verschleiern.
Diese Entwicklung führt dazu, dass ein erheblicher Teil der Finanzströme für Steuer- und Sicherheitsbehörden kaum mehr sichtbar ist – ein strukturelles Problem, das mit den bisherigen Instrumenten nur schwer zu erfassen ist.
Österreich als Fallbeispiel für europäische Verflechtungen
Wie konkret diese Netzwerke funktionieren, zeigt die Studie anhand von Fällen aus Österreich. So wurde ein Libanese, der 2020
2021 in Klagenfurt zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde, vom Gericht als langjähriges Mitglied der Hisbollah eingestuft. Seit 2006 soll er rund 250 Personen rekrutiert sowie an ideologischen Schulungen und militärischen Ausbildungen teilgenommen haben. Gleichzeitig war er über Jahre hinweg an der Finanzierung der Organisation beteiligt, was die enge Verbindung zwischen lokaler Aktivität und globaler Struktur verdeutlicht.
Ein weiterer Fall betrifft die 2021 aufgedeckte „Operation El Capta“. Dabei wurde ein Drogennetzwerk zerschlagen, das Captagon und Kokain aus dem Libanon über Belgien und Österreich nach Italien transportierte. Die Drogen wurden in Pizzaöfen und Waschmaschinen versteckt, während eine Pizzeria als Tarnung diente. Die Wahl dieser Route war strategisch: Waren aus Europa werden in Saudi-Arabien „in der Regel weniger streng kontrolliert“. Damit wird sichtbar, wie Europa nicht nur als Finanzraum, sondern auch als logistischer Korridor genutzt wird.
Kriminelle Geschäftsmodelle ohne klare Grenzen
Die Studie beschreibt ein breites Spektrum an Aktivitäten, die sich nicht klar voneinander trennen lassen. Neben dem dominanten Captagon-Handel im Libanon ist die Hisbollah auch in internationale Kokainrouten eingebunden, die von Lateinamerika über Westafrika nach Europa führen. Gleichzeitig nutzt sie den Kunst- und Diamantenhandel sowieScheinfirmenund Offshore-Strukturen, um Geld zu waschen und Einnahmen zu verschleiern.
Gerade diese Vermischung macht die Kontrolle so schwierig: Legitime wirtschaftliche Aktivitäten und kriminelle Geschäftsmodelle greifen ineinander, wodurch die Grenze zwischen „normaler Wirtschaft“ und Terrorfinanzierung zunehmend verschwimmt.
Politische Lücken mit strategischen Folgen
Die uneinheitliche Einstufung der Hisbollah hat direkte politische Konsequenzen. In Ländern, in denen nur der militärische Arm als terroristisch gilt, können politische und soziale Strukturen weiterhin Spenden sammeln, Vereine betreiben und Veranstaltungen organisieren – oft in unmittelbarer Nähe zu religiösen oder gemeinnützigen Einrichtungen. Gleichzeitig sind Unternehmen, Banken und Behörden nicht verpflichtet, sämtliche Verbindungen zum gesamten Netzwerk zu überprüfen, was die Aufsicht zusätzlich erschwert.
Aus Sicht der Studienautorinnen ergibt sich daraus ein klarer Handlungsbedarf: eine EU-weit einheitliche Einstufung der Hisbollah, strengere Regeln zur Überwachung von Finanzströmen – insbesondere im Banken-, Krypto- und NGO-Bereich – sowie eine intensivere internationale Zusammenarbeit.
Die Studie legt einen Befund offen, der über den konkreten Fall der Hisbollah hinausweist. Es geht nicht nur um eine Organisation, sondern um die strukturelle Verwundbarkeit offener Gesellschaften. Europa bietet stabile Märkte, rechtliche Sicherheit und hohe Bewegungsfreiheit – Eigenschaften, die eigentlich Stärke bedeuten, aber gleichzeitig gezielt ausgenutzt werden können.
Das zentrale Problem liegt dabei in der Kombination mehrerer Faktoren: rechtliche Uneinheitlichkeit, institutionelle Fragmentierung und eine zunehmende technologische Entkopplung von Kontrolle und Realität. Solange einzelne Staaten unterschiedliche Massstäbe anlegen, entstehen zwangsläufig Räume, in denen Akteure wie die Hisbollah zwischen Legalität und Illegalität navigieren können.
Hinzu kommt, dass sich die Finanzströme zunehmend von klassischen Kontrollmechanismen lösen. Kryptowährungen, globale Handelsketten und komplexe Firmenkonstrukte schaffen eine neue Form von Unsichtbarkeit, auf die staatliche Systeme bislang nur unzureichend reagieren.
Die eigentliche Herausforderung ist daher grundlegender: Europa steht vor der Frage, ob es seine Offenheit mit wirksamen Schutzmechanismen verbinden kann. Ohne eine klare politische Linie, ohne koordinierte Aufsicht und ohne die Bereitschaft, strukturelle Schwächen zu benennen, bleibt das System anfällig.
Oder zugespitzt formuliert: Die Hisbollah nutzt nicht nur Europas Freiheiten – sie profitiert auch von seinen blinden Flecken.
Zukunft CH plädiert schon seit langem für ein Hisbollah-Verbot – unter anderem hier:Offener Brief: Hisbollah verbieten
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