Prof. Dr. Josef Schrader tritt in den Ruhestand in Deutschland; ALFA-Forum ehrt ihn als Gesicht der Grundbildung Wo sehen Sie Hauptaufgaben für die nächsten Jahre, Prof. Dr. Josef Schrader? – Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. Wo sehen Sie Hauptaufgaben für die nächsten Jahre, Prof. Dr. Josef Schrader? Zum Eintritt in den Ruhestand würdigt das ALFA-Forum Prof. Dr. Josef Schrader als „Gesicht der Grundbildung“. Prof. Dr. Josef Schrader arbeitete von 2012 bis 2026 als Wissenschaftlicher Direktor im Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. Er hat die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung durch Forschungs-, Entwicklungs- und Transferprojekte begleitet. Zudem war er im Wissenschaftlichen Beirat sowie im Kuratorium der Dekade tätig. Lesen Sie hier seine ungekürzten Antworten für die Rubrik „Gesichter der Grundbildung“ aus der Sommerausgabe des ALFA-Forums, die in Kürze erscheint. Wie sind Sie zur Grundbildung und Alphabetisierung gekommen? Mit der Alphabetisierung Erwachsener bin ich schon früh in Kontakt gekommen, und zwar durch Personen in meinem Umfeld, die aufgrund von Krieg und Vertreibung die Schule früh verlassen mussten. Wenn auch die Anmeldung zum Volkshochschulkurs Überwindung kostete, so war doch schnell sichtbar, dass die Teilnahme nicht nur das Lesen und Schreiben verbesserte, sondern auch die Teilhabe am öffentlichen Leben beförderte. Was ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit? Einen ersten beruflichen Kontakt zur AuG hatte ich in den 1990er Jahren als Mitarbeiter im Institut für Erwachsenen-Bildungsforschung der Universität Bremen. Im Rahmen der Evaluation des Weiterbildungsgesetzes analysierten wir die Entwicklung des bremischen Weiterbildungsangebots. Dabei wurde deutlich, dass Alphabetisierungskurse bereits seit den 1970er Jahren ein fester Bestandteil der VHS Bremen waren, die als Pionier der Grundbildungsarbeit in Deutschland gilt. Der zweite berufliche Kontakt zur AuG folgte in den Jahren 2000-2003. Im DIE lernte ich die Grundbildungs- und Alphabetisierungsarbeit nicht nur als Beobachter kennen, sondern hatte Gelegenheit, didaktische Entwicklungsarbeit in einer außeruniversitären Forschungseinrichtung zu begleiten. Monika Tröster und Matilde Grünhage-Monetti waren Kolleginnen, die mein Wissen über die Zielgruppe und ihre Bildungsbedarfe, die Möglichkeiten ihrer Ansprache und die Gestaltung von Lehr-Lernprozessen enorm erweitert haben. Bildungspolitisch zeichnete sich eine Weltdekade der Alphabetisierung der UN (2003-2012) ab, die dann von nationalen Förderprogrammen begleitet wurde. Eindrücklich in Erinnerung geblieben sind mir ihr großes persönliches Engagement, ihre ausgezeichnete Feldkenntnis, die internationale Vernetzung, die Verbindung von Grundbildungs- und Integrationsarbeit sowie ein ausgeprägter Sinn für das Machbare; gleichzeitig leisteten sie einen Beitrag zu wegweisenden Innovationen, etwa im Blick auf das Lernen von „Deutsch am Arbeitsplatz“ in enger Kooperation mit Unternehmen, wie es heute im Rahmen des Job-Turbo „neu“ erfunden wird. Als ich 2012 ins DIE zurückkehrte, hatten sich die bildungspolitischen Rahmenbedingungen verbessert. Legitimiert durch die erste LEO-Studie von Anke Grotlüschen u.a. verständigten sich Bund und Länder auf eine Nationale Strategie zur Alphabetisierung und Grundbildung (2012-2016), an die eine Nationale Dekade (2016-2026) anschloss. Im DIE knüpften wir zum einen an bewährte didaktische Entwicklungsarbeiten an, so im Bereich der finanziellen Grundbildung, initiierten Forschungsprojekte, in denen die Wirkungen der Fortbildung von Planenden und Kursleitenden auf Teilnahme und Lernerfolge evaluiert wurden, und unterstützten die praktische Arbeit durch den Aufbau einer Produktdatenbank. In meiner Funktion als Wissenschaftlicher Direktor des DIE hatte ich Gelegenheit, die Arbeit der AlphaDekade im Wissenschaftlichen Beirat beziehungsweise im Kuratorium ebenso zu begleiten wie die zweite LEO-Studie in einem Wissenschaftlichen Beirat. Wo sehen Sie Hauptaufgaben im Bereich Grundbildung für die nächsten Jahre? Die Hauptaufgaben im Feld von AuG wurden durch die vorerst letzte größere Ausschreibung der Nationalen Dekade gut akzentuiert: die Arbeit an einem erneuerten Grundbildungsverständnis (höher – breiter – integrativer); die Entwicklung und Erprobung von Grundbildungspfaden; der Aufbau und die Verankerung regionaler Grundbildungsnetzwerke; die verbesserte Koordination von Bund, Ländern, Sozialpartnern und Verbänden. Auch dass ein Metavorhaben ausgeschrieben wurde, das durch Forschung, Transfer und Vernetzung die Einzelvorhaben unterstützt, ist ein förderpolitisch zukunftsweisendes Signal. Diesen Förderantrag und das Metavorhaben zu begleiten, gemeinsam mit der Lernenden Region – Netzwerk Köln und dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung, war ein befriedigender Abschluss meiner beruflichen Tätigkeit in diesem Bereich. Gleichwohl sind die Herausforderungen weiterhin groß. So bleibt es ein Anachronismus, dass Angebote für gering Literalisierte, die in Deutschland aufgewachsen oder zugewandert sind, politisch ganz unterschiedlich gesteuert werden: im Blick auf die Verfügbarkeit curricularer und didaktischer Materialien, die Ansprache und Gewinnung von Teilnehmenden, die Erwartungen an Qualifikationen und Fortbildung der Kursleitenden, das Monitoring von Teilnahme und Ergebnissen. Nicht zuletzt bestehen eklatante Unterschiede in der öffentlichen Finanzierung von Nationaler Strategie und Nationaler Dekade im Vergleich zum Gesamtprogramm Sprache der Bundesregierung fort. Das alles lässt sich erklären mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Entwicklungspfade. Rechtfertigen lässt es sich nicht. Eine Fortführung der Förderung von Alphabetisierung und Grundbildung durch Bund und Länder ist dringend notwendig, um mindestens zu verhindern, dass erreichte Fortschritte verkümmern. Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. dankt Prof. Dr. Josef Schrader sehr herzlich für seinen außergewöhnlichen Einsatz zugunsten einer praxisorientierten Forschung im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. ist seit Jahrzehnten ein ganz wichtiger Ort der anwendungsrelevanten und grundlagenbasierten Forschung zur Alphabetisierung und Grundbildung. Diese Tradition hat Prof. Dr. Josef Schrader unter seiner Leitung sehr ernst genommen und zu seiner Aufgabe gemacht. Er hat diesen wissenschaftlichen Schwerpunkt stets mit großer Überzeugungskraft und fundamentaler Sachkenntnis mitgeprägt und weiter vorangebracht. Im Rahmen einer feierlichen Abschiedsveranstaltung wurde der Mensch und Wissenschaftler Josef Schrader gewürdigt und aus seiner Tätigkeit alswissenschaftlicher Direktor des DIE (seit 2012) verabschiedet. Nach seinem Ausstand beim DIE kehrt Josef Schrader als Seniorprofessor für Erwachsenen- und Weiterbildung an die Universität Tübingen zurück und wird dort auch künftig wissenschaftlich aktiv bleiben.Mehr zur Abschiedsveranstaltung. Wir wünschen Herrn Schrader persönlich und für die weiteren wissenschaftlichen Aktivitäten von Herzen alles Gute! Über die Rubrik „Gesichter der Grundbildung“ In der Rubrik „Gesichter der Grundbildung“ stellt dasALFA-Forumseit 2016 Menschen vor, die sich in den verschiedenen Bereichen der Alphabetisierung und Grundbildung durch besonderes Engagement hervortun. Bisher vorgestellt wurden Prof. Dr. Cordula Löffler, Michael Nanz, Lotte Ludvikova, Jeannette Langner, Barbara Kröger, Kathleen Bleßmann, Andreas Klepp, Enrico Bakán, Hella Krusche, Peter Schmitz, Achim Scholz, Oliver Kaczmarek, Peter Hubertus, Alexandra Schewski, Urda Thiessen, Bernd Hülsmann, Brigitte van der Velde, Prof. Dr. Anke Grotlüschen und Ralf Häder. Schlagen Sie gerne Menschen vor, die in der Rubrik vorgestellt werden sollten. Das können zum Beispiel Menschen aus Politik, Forschung und Bildungsplanung, Kursleitende oder Lernbotschafterinnen und Lernbotschafter sein. Digitaler Austausch zur aktuellen Ausgabe des ALFA-Forums Lesen Sie das ALFA-Forum auch digital! Neuer Vorstand des BVAG für ein Jahr gewählt Wir sind die einzige bundesweite Fach-, Service- und Lobbyeinrichtung dieser Art in Deutschland. Mit nahezu 350 Personen und Institutionen sind wir als gemeinnützig anerkannter Verein bundesweit präsent und finanzieren diese wichtige Arbeit durch Mitgliedsbeiträge, Spenden sowie Verkaufserlöse. Die Ernst Klett Sprachen GmbH sowie zahlreiche weitere Kooperationspartner unterstützen den Verband. 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