Jens-Christian Wagner erhält Erich-Mühsam-Preis 2026 in Lübeck; Über 200 Gäste versammelten sich

Bodo Ramelow | Mitglied des Bundestages | Tagebuch | Erich Mühsam war noch nie so aktuell wie heute

  1. Mai 2026 9:00 – 19:00 Uhr Tag der offenen Tür im Bundestag

Erich Mühsam war noch nie so aktuell wie heute

Am Wochenende durfte ich an der Verleihung des Erich Mühsam Preises 2026 an Jens-Christian Wagner, Leiter derStiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Doraund Professor an der Universität Jena, teilnehmen und die Laudatio auf den Preisträger halten. Es war eine beeindruckende Veranstaltung der LübeckerErich-Mühsam Gesellschaft, die angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen Kraft und Zuversicht gegeben hat. Immerhin hatten sich über 200 Personen aus der Stadtgesellschaft versammelt, um die Arbeit von Jens-Christian Wagner zu würdigen und an den anarchistischen Schriftsteller und PublizistenErich Mühsam(1878-1934) zu erinnern, der in Lübeck in einem jüdischen Elternhaus aufwuchs und im KZ Oranienburg von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Nicht nur als thüringischer Ministerpräsident habe ich die Arbeit von Jens-Christian Wagner langjährig verfolgen könnten. Sein konsequentes Eintreten für eine aufklärerische und demokratische Erinnerungskultur und gegen jede Form von Geschichtsrevisionismus hat mich dabei immer wieder beeindruckt. Das betrifft auch seine klare Haltung gegen alle Versuche einer politischen Instrumentalisierung des Gedenkens und der Relativierung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Trotz massiver Angriffe ist es Jens-Christian Wagner erfolgreich gelungen, eine Brandmauer vor allem gegenüber rechtsextremen Akteuren und rechtspopulistischen Positionen in den Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora aufrechtzuerhalten. In diesem Sinne ist er ein Vorbild nicht nur für den „Aufstand der Anständigen” sondern auch für ein „Handeln der Zuständigen“, das in diesem Land so dringend benötigt wird, um unsere Demokratie insbesondere vor den Angriffen von rechts zu schützen.

Auch angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen lohnt sich mehr denn je die Lektüre der literarischen Werke von Erich Mühsam, der unbeugsam und unter Einsatz seines Lebens nicht aufhörte vor Autoritarismus, Militarisierung und Faschismus zu warnen und seine Stimme stets auf der Seite der Schwachen und Unterdrückten erhob. Seine Texte und Reden sind so aktuell wie nie. Wie es die Vorsitzende der Erich-Mühsam Gesellschaft, Rosemarie Bouteiller, so treffend herausstellte, ist Erich Mühsam ein mahnendes Vorbild, niemals vorschnell klein beizugeben, wenn es um Menschlichkeit und Menschenwürde geht. In einer Zeit, die erneut von autoritären Versuchungen und sozialer Spaltung geprägt ist, in der die Demokratie unmittelbar gefährdet ist, wirkt der Appell von Erich Mühsam an Vernunft, Solidarität und radikale Mitmenschlichkeit wie ein dringlicher, notwendiger Weckruf. Genau in diesem Sinne von Erich Mühsam als Mahnender und Unbeugsamer wirkt auch Jens-Christian Wagner, dem ich zum Erich-Mühsam Preis 2026 herzlich gratuliere.

Auf dem Weg über Berlin nach Erfurt musste ich noch lange an ein Zitat von Erich Mühsam aus dem Jahr 1931 denken: “An dem Tag, an dem die Hakenkreuzfahne über öffentlichen Gebäuden erscheint, lässt sich nicht mehr das Geringste organisieren ….“

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