Marcus Hoffmann erklärt Binnenschifferausbildung in Duisburg, NRW am Schiffer-Berufskolleg RHEIN für Jugendliche und Quereinsteiger; 1.500 Kapitäne fehlen deutschlandweit
Spannend und zukunftsfest: Berufe in der Binnenschifffahrt - Bündnis für Mobilität
Spannend und zukunftsfest: Berufe in der Binnenschifffahrt
Auf NRWs Wasserstraßen gibt es viel zu tun: Güter transportieren, Personen befördern, Schleusen und Uferbefestigungen in Ordnung halten und, und, und. Um diese vielfältigen Aufgaben zu bewältigen, braucht es Personal – zumal sich der Verkehr zunehmend von der Straße aufs Wasser verlagert.
Berufe in der Binnenschifffahrt sind nicht nur abwechslungsreich, sondern vor allem zukunftssicher. Immer mehr Güter müssen über Flüsse und Kanäle transportiert werden, um den Verkehr auf Straße und Schiene zu entlasten. „Der Personalbedarf ist groß, nicht nur für Nordrhein-Westfalen und Deutschland, sondern auch für Österreich und die Schweiz“, sagt Marcus Hoffmann, seit 25 Jahren Schulleiter amSchiffer-Berufskolleg RHEIN, einer der größten Binnenschifffahrtsschulen Europas.
Interessierte können sich an dem Duisburger Berufskolleg unter anderem zum Binnenschiffer bzw. zur Binnenschifferin oder Binnenschifffahrtskapitän bzw. -kapitänin ausbilden lassen. Bei der Ausbildung werden die Schülerinnen und Schüler in Theorie und Praxis für den Beruf vorbereitet: Hier lernen sie zum Beispiel die Funktionsweise eines Schiffsmotors kennen, erhalten Fahrtraining am Fahr- und Radarsimulator und erwerben Kenntnisse über Europas Wasserstraßen. Ein spezieller Schulabschluss wird für die Binnenschiffer-Ausbildung nicht benötigt. Es zählen vielmehr technisches Interesse, Verantwortungsbewusstsein, körperliche Fitness und Teamfähigkeit. „Teamgeist ist das Wichtigste, Einzelkämpfer haben keine Chance“, sagt Schulleiter Hoffmann. „So ein Binnenschiff zu führen oder verantwortliche Arbeiten auf dem Schiff zu übernehmen ist etwas anderes, als einen Kleinlaster durch den Stadtteil zu fahren“, fügt er hinzu. Unterstützend und wertschätzend sei die Atmosphäre während der Ausbildung, so Marcus Hoffmann. Auch als Kapitän oder Kapitänin in der Binnenschifffahrt ist Verantwortung gefragt. Wer diesen Beruf ausübt, navigiert und manövriert die Schiffe sicher durch Flüsse, Kanäle und Binnenseen. Beim Arbeitsort können Kapitäne zwischen Frachtschiffen, Fähren, Kabinen- und Ausflugsschiffen wählen.
Ich freue mich immer, welche Begeisterung die Auszubildenden für den Beruf mitbringen.
Jobs in der Binnenschifffahrt haben Perspektive: Der Branche fehlen deutschlandweit rund 1.500 Kapitäninnen und Kapitäne. Hinzu kommt, dass ca. ein Drittel der Besatzung über 55 Jahre alt ist und in den kommenden Jahren in den Ruhestand geht. Der Bedarf ist also groß, die Bedingungen gut: „Zwei Wochen arbeiten, eine Woche frei und das Gehalt ist auch nicht ganz unattraktiv“, berichtet Schulleiter Hoffmann. Außerdem sehe man viel von Deutschland und den angrenzenden Ländern. Selbstverständlich gibt es noch weitere interessante Berufe auf den Wasserstraßen – beispielsweise in der Hafenlogistik, im Boots- oder Wasserbau. Und sinnstiftend ist der Beruf ebenfalls: Hoffmann weist darauf hin, wie wichtig die Binnenschifffahrt in puncto nachhaltige Transportwege in NRW ist. „Es gibt keinen günstigeren Energieeinsatz bezogen auf transportierte Güter als die Wasserstraße. Wir haben immer Platz auf dem Rhein“, so Hoffmann.Damit der Transport auf dem Wasser möglichst klimafreundlich ist, spielen alternative, nachhaltige Antriebe und moderne Technik eine immer größere Rolle. Maschinen und KI werden den Menschen trotzdem nicht ersetzen, ist Hoffmann überzeugt: „Der Beruf wird durch Automatisierungstechnik unterstützt werden, aber an Bord werden wir immer Personal brauchen."
In der mobiliSTORY: Hightech für NRWs Wasserstraßen
Wie an Bord eines Schiffs ausgebildet wird, erfahren Sie auf der NOVA. Der Katamaran fährt autonom, vollelektrisch und dient als Forschungsplattform für die automatisierte Binnenschifffahrt. In unserer Videoreportage mobiliSTORY stellen wir die NOVA vor und zeigen einen angehenden Binnenschifffahrtskapitän bei seiner Ausbildung.
Autonome Binnenschiffe: Hightech für NRWs Wasserstraßen
Das Forschungsschiff NOVA zeigt, welche Chancen sich durch autonome, vollelektrische Schiffe für den Güterverkehr in NRW ergeben. Für unsere mobiliSTORY sind wir an Bord des rund 15 Meter langen Katamarans gegangen.
Mobilitätsbildung im Alltag: Wie Anreizsysteme Wege öffnen
Anreizsysteme und Mobilitätsbildung: So erleichtern günstige Abos, klare Regeln und aktivierende Formate den Einstieg in den ÖPNV-Alltag.