---
title: "Bundesstiftung LiveKultur Schriftliche Stellungnahme zur Rolle von Musikfestivals im ländlichen Raum vor dem Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages; 6 Milliarden Euro Umsatz"
sdDatePublished: "2026-04-30T12:09:00Z"
source: "https://www.bundestag.de/resource/blob/1173260/Stellungnahme-Welskop.pdf"
topics:
  - name: "tourism and leisure industry"
    identifier: "medtop:20000331"
  - name: "music industry"
    identifier: "medtop:20000308"
  - name: "cultural policy"
    identifier: "medtop:20001132"
  - name: "regional development policy"
    identifier: "medtop:20001174"
  - name: "travel and tourism"
    identifier: "medtop:20000563"
  - name: "national government"
    identifier: "medtop:20000614"
locations:
  - "Regensburg"
  - "Munich"
  - "Bavaria"
  - "Erding"
  - "Germany"
  - "Mecklenburgische Seenplatte"
---


Bundesstiftung LiveKultur Schriftliche Stellungnahme zur Rolle von Musikfestivals im ländlichen Raum vor dem Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages; 6 Milliarden Euro Umsatz

Ausschussdrucksache 21(20)65

Ausschussdrucksache 21(20)65
Ausschuss für Tourismus
27. Sitzung am 06.05.2026
Öffentliche Anhörung
Stellungnahme zum Thema
„Freizeitwirtschaft“

Nelly Welskop
Bundesstiftung LiveKultur, 3000Grad Festival

Dem Ausschuss ist das vorliegende Dokument in nicht barrierefreier Form zugeleitet worden.
21. Wahlperiode

Bundesstiftung LiveKultur . c/o Verband für Popkultur in Bayern e.V. - Schloss Alteglofsheim - Am Schlosshof 1 - 93087 Alteglofsheim
Steuer-ID: 244 / 174 / 02682 - Bankverbindung: GLS Bank Bochum - IBAN: DE 66 4306 0967 1204 6145 00 - BIC: GENODEM1GLS

Bundesstiftung Livekultur, c/o VPBy e.V., Am Schlosshof 1, 93087 Alteglofsheim

Ausschuss für Tourismus
des Deutschen Bundestages
Frau Vorsitzende Anja Karliczek
                                                Bundesstiftung Livekultur
c/o Verband für Popkultur in Bayern e.V.
 Schloss Alteglofsheim
  Am Schlosshof 1
 93087 Alteglofsheim
post@bundesstiftung-livekultur.org
www.bundesstiftung-livekultur.org

Geschäftsführender Vorstand:
Karsten Schölermann, Anna Blaich,
 Felix Grädler, Bernd Strieder
Schriftliche Stellungnahme
für den Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages
Zur Rolle von Musikfestivals im ländlichen Raum als Faktor für Tourismus, regionale
Wertschöpfung und kulturelle Infrastruktur
Ich nehme Stellung aus der Perspektive langjähriger praktischer Arbeit mit Musikfestivals und
Musikclubs, kultureller Infrastruktur sowie regionalen Entwicklungsprozessen. Mein Schwerpunkt
liegt insbesondere auf kleinen und mittleren Festivals sowie auf Chancen und Herausforderungen im
ländlichen Raum. Darüber hinaus war ich im Rahmen der bundesweiten Festivalstudie 2025 in den
Bereichen Koordination, Berichtswesen und redaktionelle Aufbereitung maßgeblich beteiligt.
Mein zentraler Befund lautet:
Musikfestivals im ländlichen Raum sind weit mehr als Freizeitveranstaltungen. Sie sind Kulturorte,
wirtschaftliche Impulsgeber, touristische Anziehungspunkte, soziale Begegnungsräume und
sichtbare Zeichen regionaler Zukunftsfähigkeit zugleich. Sie tragen zur Lebensqualität, Attraktivität
und Identität ländlicher Räume bei. Dieses Potenzial ist hoch – die strukturellen
Rahmenbedingungen bleiben bislang jedoch hinter ihrer tatsächlichen Bedeutung zurück.
Die Live‑Entertainment‑Branche ist eine der stärksten Säulen der deutschen Musikwirtschaft. Sie
erzielt jährlich rund 6 Milliarden Euro Umsatz, zählt über 115 Millionen verkaufte Tickets und
.. A ..
3000GRAD
.LIVEKOMM
LiveMusikKommission
~erband der Musikspielstätten
in Deutschland e.V.
0
BUNDES
STIFTUNG
LIVEKULTUR

Bundesstiftung LiveKultur . c/o Verband für Popkultur in Bayern e.V. - Schloss Alteglofsheim - Am Schlosshof 1 - 93087 Alteglofsheim
Steuer-ID: 244 / 174 / 02682 - Bankverbindung: GLS Bank Bochum - IBAN: DE 66 4306 0967 1204 6145 00 - BIC: GENODEM1GLS

beschäftigt etwa 70.000 Menschen. Mit mehr als 300.000 Veranstaltungen pro Jahr ist sie nicht nur
kulturell prägend, sie ist ein elementarer Wirtschaftsfaktor für Regionen.
Der Musiktourismus allein generiert 11,7 Milliarden Euro Umsatz. Nach Zahlen des Deutsches
Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr e.V. entfallen 31,2 Millionen
Hotelübernachtungen rein auf Konzert‑ und Festivalbesuche. Hinzu kommen Ausgaben für
Gastronomie, Einzelhandel und Mobilität. Besuchende geben bei Musikreisen im Durchschnitt sogar
zwölf Prozent mehr für Übernachtungen aus als bei anderen Reisen.
Gerade für ländliche Räume ist das von besonderer Bedeutung. Festivals schaffen Sichtbarkeit,
zusätzliche Nachfrage, saisonale Impulse und neue Gästegruppen. Sie wirken damit in Politikfelder
hinein, die weit über den Bereich “Kultur” hinausgehen.
1. Einordnung: Rolle von Festivals im ländlichen Raum
1.1 Ländliche Räume sind unterschiedlich – Festivals auch
Für eine sachgerechte Bewertung ist zunächst wichtig: Der ländliche Raum ist keine einheitliche
Kategorie. Zu unterscheiden sind unter anderem:
● touristisch geprägte Regionen mit vorhandener Infrastruktur,
● strukturschwächere Räume mit begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen,
● periurbane Regionen im Umfeld größerer Städte.
Diese Unterschiede bestimmen maßgeblich, unter welchen Bedingungen Festivals entstehen und
welche Wirkungen sie entfalten können.
1.2 Mikroebene: Das Beispiel 3000Grad Festival
Das 3000Grad Festival in der Mecklenburgischen Seenplatte zeigt beispielhaft, welche Rolle Festivals
im ländlichen Raum einnehmen können. Es verbindet Musikprogramm, kulturelle Angebote und
Naturerlebnis mit mehrtägigem Aufenthalt sowie touristischer Infrastruktur. Jährlich reisen rund
4.000 bis 5.000 Besucher:innen an und verbringen häufig mehrere Tage in der Region. Unterkünfte
im Umfeld sind vielfach Monate im Voraus ausgebucht.
Daraus entstehen unmittelbare regionale Effekte: zusätzliche Übernachtungen, höhere Umsätze in
Gastronomie und Einzelhandel, Aufträge für regionale Dienstleister, saisonverlängernde Nachfrage
"*"
3000GRAD
.LIVEKOMM
LiveMusikKommission
yerband der Musikspielstätten
in Deutschland e.V.
0
BUNDES
STIFTUNG
LIVE KULTUR

Bundesstiftung LiveKultur . c/o Verband für Popkultur in Bayern e.V. - Schloss Alteglofsheim - Am Schlosshof 1 - 93087 Alteglofsheim
Steuer-ID: 244 / 174 / 02682 - Bankverbindung: GLS Bank Bochum - IBAN: DE 66 4306 0967 1204 6145 00 - BIC: GENODEM1GLS

und erhöhte Sichtbarkeit der Region. Aus praktischer Erfahrung zeigt sich zudem: Viele Gäste lernen
den Ort erstmals über das Festival kennen und kehren später als Urlaubsgäste zurück.
1.3 Bundesweite Bedeutung von Festivals
Das 3000Grad Festival ist kein Einzelfall. Es steht exemplarisch für eine bundesweite Festivalstruktur,
deren wirtschaftliche, kulturelle und regionale Bedeutung häufig unterschätzt wird.
Die Festivalstudie 2025 erfasst 1.764 regelmäßig stattfindende Musikfestivals in Deutschland. Davon
finden 35 Prozent im ländlichen bzw. dörflichen Raum statt – das entspricht rund 617 Festivals.
Weitere große Teile der Festivallandschaft liegen in Klein- und Mittelstädten. Insgesamt finden 60
Prozent aller Festivals in Gemeinden unter 100.000 Einwohner:innen statt.
Die kulturelle Festivalstruktur Deutschlands wird somit maßgeblich von kleineren Kommunen
getragen. Festivals sind kein überwiegend großstädtisches Phänomen, sondern ein
flächendeckendes kulturelles Ökosystem mit erheblicher regionaler Wirkung.
Die Studie liefert zudem belastbare Hinweise auf regionale Einbindung und Wirtschaftseffekte:
● 80 Prozent aller Festivals kooperieren mit regionalen Dienstleistungsunternehmen.
● Im ländlichen Raum arbeiten 86 Prozent mit regionalen Dienstleistern.
● 72 Prozent aller Festivals kooperieren mit gemeinnützigen oder karitativen Organisationen.
● 74 Prozent aller Festivals binden Menschen aus der Region unmittelbar ein.
● 79 Prozent aller Festivals arbeiten wesentlich mit ehrenamtlichem Engagement.
Diese Zahlen zeigen: Festivals agieren nicht isoliert, sondern als lokale Kooperationsplattformen. Sie
stärken Wirtschaftskreisläufe, fördern zivilgesellschaftliche Beteiligung und schaffen öffentliche
Räume der Begegnung.
Der Befund ist eindeutig: Musikfestivals im ländlichen Raum sind keine Randerscheinung. Sie sind ein
relevanter Teil regionaler Infrastruktur – wirtschaftlich wirksam, gesellschaftlich verankert und
zugleich strukturell verletzlich. In vielen Regionen übernehmen sie Funktionen, die über klassische
Veranstaltungslogiken hinausgehen: Sie schaffen kulturelle Teilhabe, stiften lokale Identität und
sichern öffentliche Begegnungsräume dort, wo dauerhafte Kulturangebote begrenzter sind. Fällt ein
Festival weg, existieren im ländlichen Raum häufig keine gleichwertigen Alternativen.

"*"
3000GRAD
.LIVEKOMM
LiveMusikKommission
yerband der Musikspielstätten
in Deutschland e.V.
0
BUNDES
STIFTUNG
LIVE KULTUR

Bundesstiftung LiveKultur . c/o Verband für Popkultur in Bayern e.V. - Schloss Alteglofsheim - Am Schlosshof 1 - 93087 Alteglofsheim
Steuer-ID: 244 / 174 / 02682 - Bankverbindung: GLS Bank Bochum - IBAN: DE 66 4306 0967 1204 6145 00 - BIC: GENODEM1GLS

2. Potenziale für Tourismus und Standortentwicklung
2.1 Wirtschaftliche Effekte
Musikfestivals erzeugen direkte und indirekte wirtschaftliche Wirkungen. Direkt profitieren
insbesondere Beherbergung, Gastronomie, Mobilität und Einzelhandel. Indirekte Effekte entstehen
durch Nachfrage nach Veranstaltungstechnik, Sicherheitsdiensten, Logistik, Reinigung,
Handwerksleistungen sowie regionalen Zuliefer- und Dienstleistungsstrukturen. Gerade kleine und
mittlere Festivals verteilen diese Wertschöpfung häufig breit in die regionale Wirtschaft.
2.2 Touristische Strahlkraft, Aufenthaltsverlängerung und Wiederkehr
Festivals schaffen Reiseanlässe. Das ist tourismuspolitisch bedeutsam.
Besonders relevant sind drei Effekte:
1. zusätzliche Nachfrage auch außerhalb der klassischen Hochsaison,
2. längere Aufenthaltsdauer,
3. Wiederkehr als reguläre Urlaubsgäste nach einem positiven Festivalerlebnis.
Ein Festivalbesuch kann damit zum Einstieg in eine langfristige touristische Bindung an einen Ort
werden.
2.3 Imagebildung und Standortattraktivität
Ländliche Räume stehen zunehmend im Wettbewerb um Gäste, Fachkräfte, junge Menschen und
Investitionen. In diesem Kontext übernehmen Festivals eine wichtige Sichtbarkeits- und
Standortfunktion. Sie machen Orte erlebbar, vermitteln ein zeitgemäßes und lebendiges Bild der
Region und können das Außenbild eines Standorts positiv prägen.
Festivals senden Signale von Offenheit, Lebensqualität, Kreativität und gesellschaftlicher Aktivität.
Damit tragen sie zur Attraktivität ländlicher Räume als Wohn-, Arbeits- und Reiseziel bei. Gerade in
Regionen mit begrenzten dauerhaften Kulturangeboten stärken sie zudem Identifikation, Begegnung
und gesellschaftliche Teilhabe.

"*"
3000GRAD
.LIVEKOMM
LiveMusikKommission
yerband der Musikspielstätten
in Deutschland e.V.
0
BUNDES
STIFTUNG
LIVE KULTUR

Bundesstiftung LiveKultur . c/o Verband für Popkultur in Bayern e.V. - Schloss Alteglofsheim - Am Schlosshof 1 - 93087 Alteglofsheim
Steuer-ID: 244 / 174 / 02682 - Bankverbindung: GLS Bank Bochum - IBAN: DE 66 4306 0967 1204 6145 00 - BIC: GENODEM1GLS

2.4 Netzwerkeffekte
Festivals bringen regelmäßig unterschiedliche Akteursgruppen zusammen, etwa Kommunen,
Tourismusorganisationen, Vereine, Ehrenamtliche, Unternehmen, Gastronomie und Kulturakteure.
Dadurch entstehen Kooperationen und belastbare Netzwerke, die häufig über das eigentliche
Festival hinaus fortwirken und regionale Strukturen nachhaltig stärken.
2.5 Grenzen und Herausforderungen
Die genannten Potenziale entstehen nicht automatisch. Viele Festivals stehen derzeit unter
erheblichem strukturellem Druck.
Erstens: Die ökonomische Lage ist angespannt.
30 Prozent der Festivals arbeiteten 2024 defizitär, lediglich 15 Prozent erzielten Gewinne.
Gleichzeitig berichten zahlreiche Veranstalter seit 2022 von Kostensteigerungen zwischen 25 und 35
Prozent, insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Energie, Technik und Infrastruktur. 62 Prozent
der Festivals können ohne Förderung nicht mehr kostendeckend wirtschaften. Ticketpreise lassen
sich dabei nur begrenzt erhöhen, während Vorfinanzierungsrisiken wachsen.
Zweitens: Das Publikumsverhalten verändert sich.
Die Festivalstudie 2025 zeigt, dass 40 Prozent der Veranstalter:innen eine schlechtere Planbarkeit
durch unvorhersehbare Ticketverkäufe als zentrale Herausforderung benennen. Spätere
Kaufentscheidungen erschweren Liquiditäts-, Personal- sowie Sicherheitsplanung erheblich.
Gleichzeitig berichten große, etablierte Festivals teils wieder von stabilen Vorverkäufen. Dadurch
verschärft