Kardinal Reinhard Marx erklärt Welttag der Pressefreiheit weltweit; Übergriffe auf Medienschaffende nehmen weltweit zu
Vielfältige und freie Presselandschaft unerlässlich: Deutsche Bischofskonferenz
Vielfältige und freie Presselandschaft unerlässlich
Kardinal Marx zum Welttag der Pressefreiheit
Zum bevorstehenden Welttag der Pressefreiheit am 3. Mai 2026 erklärt der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx:
„Der Welttag der Pressefreiheit macht deutlich: Freie und unabhängige Berichterstattung ist unverzichtbar für unsere Demokratie. Journalistinnen und Journalisten decken Missstände auf, ordnen Entwicklungen ein und schaffen die Grundlage für öffentliche Meinungsbildung. Weltweit sind sie dabei erheblichen Gefahren ausgesetzt – besonders dort, wo sie für ihre Arbeit ihr Leben riskieren. In vielen Ländern wird freie und kritische Berichterstattung gezielt unterdrückt, etwa durch Gewalt gegen Medienschaffende oder durch staatliche Repression gegenüber kritischen Stimmen.
Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeichnen ein zunehmend düsteres Bild von der Lage der Pressefreiheit: Die Zahl der Übergriffe gegen Journalistinnen und Journalisten nimmt zu. Zu oft bezahlen sie ihren Einsatz mit dem Leben. Kriege und bewaffnete Konflikte haben die Situation zusätzlich verschärft. Diesen existenziellen Bedrohungen muss entschieden entgegengetreten werden. Auch in demokratischen Gesellschaften gerät die Pressefreiheit unter Druck, sie ist nicht nur bedroht, wo offene Gewalt herrscht. Oft weniger sichtbar, aber nicht weniger wirksam, sind politische Einflussnahme, wirtschaftliche Abhängigkeiten und technologische Herausforderungen.
Besonders die digitale Transformation prägt heute alle Bereiche der öffentlichen Kommunikation. Digitale Plattformen sind zu zentralen Vermittlerinnen von Informationen geworden und beeinflussen maßgeblich, welche Themen präsent sind. Damit wächst auch die Verantwortung der dahinterstehenden Unternehmen, wirksam gegen Desinformation, manipulative Verkürzungen und Hassrede vorzugehen und zugleich Transparenz über ihre Entscheidungen herzustellen. Zudem sehen sich Journalistinnen und Journalisten immer häufiger gezielten Anfeindungen und Kampagnen ausgesetzt, die darauf abzielen, ihre Arbeit zu diskreditieren und sie persönlich einzuschüchtern. Umso wichtiger sind klare rechtliche Rahmenbedingungen, die Medienschaffende und ihre Quellen schützen sowie illegale Überwachung unterbinden.
Ein drängendes Problem ist die wachsende Konzentration von Macht: Ein Großteil der globalen Informationskanäle und Plattformen befindet sich im Besitz weniger globaler Akteure. Hier sind die einzigen ‚Währungen‘ Aufmerksamkeit und finanzieller Erfolg. Diese Entwicklung stellt eine ernsthafte Herausforderung für Meinungsvielfalt und freie Meinungsbildung dar. Hinzu kommt der rasante Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Inhalte können mithilfe von KI in bislang ungekanntem Tempo erzeugt und verbreitet werden – auch für politisch motivierte Desinformationskampagnen. Die Dynamik und die Masse von Informationen lassen einem gründlich arbeitenden Qualitätsjournalismus kaum Zeit, kursierende Inhalte zu prüfen und einzuordnen, und erschweren das Unterscheiden von verlässlichen und manipulierten Inhalten. Gleichzeitig geraten journalistische Angebote unter wirtschaftlichen Druck durch den Einsatz von KI-Systemen, die Nachrichten und Zusammenfassungen generieren. Besonders kleinere und unabhängige Medien geraten in eine schwierige Lage, was langfristig zu einem Verlust an Perspektiven und Vielfalt führen kann.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Bedeutung einer freien und vielfältigen Presse- und Medienlandschaft immer wieder zu betonen. Denn sie ist eine zentrale Voraussetzung für individuelle Meinungsfreiheit ebenso wie für das Funktionieren demokratischer Prozesse. Technologische Entwicklungen kann und soll man vielleicht nicht aufhalten, aber sie brauchen Regeln und verantwortliche Gestaltung und Menschen müssen zu einem souveränen Umgang mit ihnen befähigt werden. Auch Künstliche Intelligenz kann dabei ein wertvolles Instrument sein. In einer zunehmend digitalen und technologischen Welt sind technologische Entwicklungen sogar unabdingbar. Entscheidend ist jedoch, sie nicht isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenspiel mit anderen Faktoren: der Förderung von Medienkompetenz und gesellschaftlicher Teilhabe, der Stärkung eines unabhängigen Medienangebots sowie dem Schutz von Meinungsvielfalt.
Besonderer Dank gilt deshalb allen Journalistinnen und Journalisten weltweit. Ihr Einsatz für Wahrheit, Transparenz und öffentliche Verantwortung ist unverzichtbar! Eine freie Presse ist kein Gegenüber, das es zu fürchten gilt, sondern ein notwendiger Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft.
Eine freie und unabhängige Presse dient dem Weltgemeinwohl und wurzelt im christlichen Menschenbild, also in der Würde des Menschen, dem gegenseitigen Respekt und der Freiheit aller Menschen. Deshalb ist auch der Einsatz der katholischen Kirche für die Pressefreiheit nicht nur geboten, sondern geradezu unerlässlich.“