DBU fördert Förderinitiative Speicher und Netze in Deutschland; 14 Projekte und 10 Ideen gefördert
„Wir unterstützen gute Ideen zur Flexibilisierung industrieller Lasten“ – Interview zur DBU-Förderinitiative Speicher und Netze - DBU
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„Wir unterstützen gute Ideen zur Flexibilisierung industrieller Lasten“ – Interview zur DBU-Förderinitiative Speicher und Netze
Seit September 2024 schreibt die DBU die Förderinitiative „Speicher und Netze – Dezentrale saisonale Stromspeicher und netzdienliche Innovationen“ aus und möchte damit einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Inzwischen sind 14 Projekte und 10 Ideen aus einem Ideenwettbewerb gefördert worden. Dr. Katrin Anneser ist eine der Ansprechpartnerinnen für die Förderinitiative. Im Interview erzählt sie, warum es gerade jetzt bei der Energiewende spannend wird, wie zukünftige Stromnetze aussehen und warum man sich den 16. Juni im Kalender eintragen sollte.
DBUaktuell:Warum ist das Thema „Speicher und Netze“ nach wie vor ein Schwerpunktthema, das durch eine explizite Förderinitiative vorangebracht wird?
Dr. Katrin Anneser:Gerade die aktuelle Weltlage zeigt, wie relevant die Energiewende ist. Zum einen geht es nach wie vor um die Eindämmung der CO2-Emissionen. Aber es geht immer deutlicher auch um die geopolitische Unabhängigkeit Deutschlands und Europas sowie die Strompreise. Außerdem befinden wir uns geraden an einem spannenden Punkt der Energiewende: Wir müssen unser Stromsystem fit machen für mehr und mehr fluktuierende erneuerbare Energie – das heißt, für das wechselnde Angebot insbesondere aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Darauf müssen wir auf der Seite des Energieverbrauchs flexibel reagieren, um das Abregeln von einzelnen Anlagen und „Blackouts“ zu vermeiden. Lösungsansätze hierfür suchen wir mit der Ausschreibung „Netzdienliche Innovationen“. Ein weiterer Ansatzpunkt ist es, Energie aus dem Sommer für den Winter zu speichern. Darum unterstützen wir dieEntwicklung innovativer Saisonalspeicherkonzeptemit dem zweiten Teil der Förderinitiative.
DBUaktuell:Welche Erkenntnisse gibt es aus der bisherigen Förderung?
Anneser:Zum einen sehen wir die netzdienliche, aber dennoch wirtschaftliche Systemeinbindung von Großbatterien. Aber wir verfolgen auch noch einen weiteren Ansatz: Wir unterstützen insbesondere den Mittelstand dabei, gute Ideen zur Flexibilisierung industrieller Lasten zu entwickeln – also dafür, den Strombedarf von Produktionsanlagen flexibel zu regeln und beispielsweise Energieüberschüsse zu speichern. Hier fördern wir bereits wir mehrere Projekte und Geschäftsmodelle. Das Flexibilisierungspotential der Industrie ist riesig!
Bei den saisonalen Speichern favorisieren andere Förderprogramme vorrangig Wasserstoff. Für Alternativen wie Ammoniak oder das Redoxpotenzial von Metallen oder klassische Ansätze wie Zink-Mangan zeigen sich wenig Fördermöglichkeiten. Hier setzt unsere Förderinitiative an, indem sie Ideen evaluiert und sich so als Ausgangspunkt für konkrete Weiterentwicklungen in und außerhalb der DBU-Förderung zeigt.
DBUaktuell:Wie sehen die genannten Ideen und Projekte konkret aus?
Anneser:EinProjekt zusammen mit der ZINQ GmbH & Co. KGaus Gelsenkirchen zeigt, was sich hinter dem genannten Flexibilisierungspotenzial verbirgt: Es wurde ein Konzept untersucht, bei dem flexibel erneuerbarer Überschussstrom oder Gas – in Zukunft: grüner Wasserstoff – zum Erzeugen von Prozesswärme genutzt wird. Würde dieses Konzept auf die gesamte industrielle Prozesswärmeerzeugung übertragen, sind bis zu 115 Terawattstunden Überschussstrom nutzbar, was einer CO₂-Minderung von bis zu 30 Mio. Tonnen pro Jahr entsprechen würde. Zudem sind diese Lösungen vier- bis fünfmal günstiger als Batteriespeicher. EinZukunftsszenario für das Jahr 2035zu entwickeln, ist eine Idee der Promovendin Catherine Adelmann an der Technischen Hochschule Ulm. Sie berücksichtigt dabei die zunehmende Photovoltaik-Erzeugung sowie den steigenden Strombedarf durch Elektromobilität und Wärmepumpen und bindet bestehende Anlagen mit ein. Und dasStart-up idylaus Hamburg arbeitet an einem Speicher, der nicht nur elektrische Energie, sondern auch Wärme bereitstellen kann und als Speichermedien Wasser und Sand nutzt(Link zum Text einfügen). Weitere Ideen und Lösungen lassen sich auf unserer Webseitewww.dbu.de
DBUaktuell:Wie geht es mit diesen Entwicklungen in Zukunft weiter?
Anneser:Derzeit lässt sich mit dem Zur-Verfügung-Stellen von Flexibilitäten, also dem Handeln mit Strom, Gewinn erzielen, weil die Preise an der Strombörse stark schwanken. Zukünftig werden zwei Dinge passieren:
Es wird lokale finanzielle Anreize geben müssen, um Flexibilitäten netzdienlich zu betreiben, beispielsweise dynamische Netzentgelte. Nach aktuellem Stand kann ein süddeutscher Großbatteriespeicher Geld verdienen, wenn die Windräder in der Nordsee viel Strom liefern. Das belastet das Stromnetz. Besser wäre es, wenn dieser Speicher auf die nahe gelegenen Solaranlagen reagieren würde. Das kann durch lokale Preissignale erreicht werden.
Je mehr Flexibilitäten wie zum Beispiel zeitlich steuerbare industrielle Lasten oder Stromspeicher am Netz sind, desto kleiner wird der Preishub für netzausgleichende Maßnahmen. Dieser Lösungsweg zur Netzstabilität kannibalisiert sich durch das abnehmende Gewinnversprechen daher mit der Zeit selbst. Dadurch kommen wir aber zu genau dem Stromsystem, das wir in Zukunft benötigen: Die Lasten folgen der Erzeugung. Wie sich dann die Geschäftsmodelle weiterentwickeln, bleibt spannend.
DBUaktuell:Und wie geht es mit der Förderinitiative weiter?
Anneser:Für alle, die sich vertieft mit dem Thema beschäftigen wollen, Anregungen suchen oder Vorschläge diskutieren möchten, bieten wir am 16. Juni 2026 die Gelegenheit, sich zu vernetzen. Bei derFachtagung Speicher und Netzein Osnabrück wird über die Projektergebnisse der Förderinitiative und weiterführende Ideen berichtet und Raum für den vertieften Austausch geschaffen. Außerdem freuen wir uns nach wie vor über innovative Projektideen – solange es die gibt, läuft die Förderinitiative weiter.
Mehr zur Förderinitiative Speicher und Netze unter:www.dbu.de
Programm und Anmeldemöglichkeit zur Fachtagung finden sich hier:www.dbu.de