Giada De Filippo Wie hält sich Misogynie so nachhaltig? Zürich; Ikkimel-Fall zeigt Widerstand gegen öffentliche Kritik
Wie hält sich Misogynie so nachhaltig? - Frauenzentrale Zuerich
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Wie hält sich Misogynie so nachhaltig?
Ein Artikel von Giada De Filippo
Mit dieser Frage beschäftigt sich meine Maturitätsarbeit. Dabei bin ich den historischen Gründen auf die Spur gegangen und habe die Bezüge zur Gegenwart untersucht. In diesem Beitrag beleuchte ich die Situation heute, anhand eines Konzepts der Philosophin Kate Manne und des Beispiels Ikkimels.
Misogynie setzt sich aus dem altgriechischen «misos» für Hass und «gyne» für Frau zusammen. Sie zeigt sich als krankhafter Hass von Männern auf Frauen, Verachtung und Geringschätzung von Frauen oder als verinnerlichte Abwertung von allem, was als weiblich gilt. Misogynie entsteht durch Prägung: Wir übernehmen beim Aufwachsen die Werte unseres Umfeldes. Bei sechs- bis siebenjährigen Mädchen verschwindet dann der Glaube an weibliche Brillanz, also dass Mädchen «wirklich, wirklich schlau sind», während Jungen ihren Glauben an ihr eigenes Geschlecht und sich selbst behalten.
Im Buch «Down Girl» hat Kate Manne ein Konzept entwickelt, das die Gesellschaft in «Gebende und Nehmende» teilt. Sie beschreibt, dass Frauen weiblich kodierte Dienstleistungen und Gütergebenmüssen. Dazu gehören emotionale, soziale und reproduktive Arbeit, also Liebe, Mitgefühl, Fürsorge, Bewunderung und Kinder.
«Hingegen stehen Männern gewisse Privilegien und Güter einfach zu. Sie dürfen sich Macht, öffentliche Anerkennung, Geld, sowie die Loyalität und Liebe einer Fraunehmen.»
Hört eine Frau auf zugebenodernimmtsie sich, was einem Mann zusteht,wird sie von uns als Gesellschaft als herzlos, machthungrig, schrill und aggressiv wahrgenommen. Dies betrifft besonders Frauen in öffentlichen Funktionen und Machtpositionen, wie Lehrerinnen, Politikerinnen oder Frauen in Führungspositionen. Hört eine Frau auf, einem Mann etwas zugeben, das ihm seiner Meinung nach zusteht, kann dies im extremen Fall in einem Femizid enden.
Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel der Rapperin Ikkimel. Sie scheut sich nicht vor expliziten und provokanten Texten:
«Ich bin offiziell die allergrösste Fotze der Stadt» (BIKINI GRELL).«Ermorde den Hurensohn, wenn er gerade nicht hinschaut»(GIFTMORD).
Diese vulgäre und sexualisierte Sprache ist in der Szene des Deutschraps normal. Im Unterschied zu männlichen Rappern wird Ikkimel aber deutlich stärker kritisiert.
«Sie nutzt diese Sprache, um abwertende Begriffe wie Fotze, Schlampe oder Bitch zu reclaimen.»
Ikkimelnimmtsich das Recht, diese Begriffe zur Ermächtigung der Frau zu benutzen. Zudemnimmtsie sich Raum, Gleichberechtigung, Macht und sie ist laut, alles männlich kodierte Eigenschaften. Sie hat aufgehört, Männern etwas zugeben.Dadurch hat Ikkimel gesellschaftliche Grenzen überschritten und wird als aggressiv und beleidigend wahrgenommen. Gleichberechtigung bedeutet auch, das gleiche Recht darauf zu haben, Grenzen zu sprengen, ohne dafür bestraft zu werden.
Ikkimel ist zudem ein gutes Beispiel dafür, dass Frauen viel öfter auf Feindseligkeit und Unverständnis treffen, wenn sie öffentlich auf das misogyne Verhalten eines Mannes aufmerksam machen. Da die Loyalität der Gesellschaft grundsätzlich eher einem Mann zusteht als einer Frau, werden Frauen nicht ernst genommen und ausgelacht, wenn sie einen Mann kritisieren. Manne vergleicht dies mit einer Kellnerin, die verlangt, bedient zu werden.
«Internalisierte Misogynie ist die verinnerlichte Abwertung von allem, was als weiblich gilt.»
Auch Frauen verhalten sich misogyn. Tara-Louise Wittwer beschreibt dies in ihrem Buch «Dramaqueen» treffend. Wenn man lieber mit Männern befreundet ist, weil Frauen solche Dramaqueens sind, ist dies Misogynie. Genauso ist es Misogynie, wenn die weiblich konnotierte Farbe Pink mit Dummheit und Schwäche verbunden wird oder Emotionen wie Weinen als weiblich gelten. Das Frauenbild kann auch immer als Spiegel für das Männerbild verwendet werden. Da viele Emotionen eher weiblich konnotiert sind, gilt ein Mann, der diese Emotionen zeigt als «unmännlich» oder «Weichei».
Internalisierte Misogynie kann sich aber auch anders äussern. Viele Frauen entwickeln eine (unbewusste) Loyalität gegenüber ihrem männlichen Partner. Dies führt dazu, dass misogynes Verhalten sowie männliche Dominanz geleugnet oder heruntergespielt werden. Es ist ein Ausdruck der Fürsorge, welcher von einer Frau erwartet wird.
Misogynie hält sich so nachhaltig, weil sie von denen getragen wird, die von ihr profitieren, und auch (unbewusst) von denen, die von ihr benachteiligt werden. Die herrschende Gesellschaftsschicht, die zum grössten Teil aus Männern besteht, ist unmittelbar daran interessiert, die angebliche Minderwertigkeit der Frauen aufrechtzuerhalten. Gerade deswegen braucht es Widerstand, von Frauen und Männern. Auch sind Figuren wie Ikkimel wichtig, die weibliche Macht, Wissen und Sexualität sichtbar machen, welche über Jahrhunderte gezielt vernichtet und verhindert wurden.
Dieser Beitrag wurde von Giada De Filippo im Rahmen ihrer Maturaabschlussarbeit verfasst. Die Inhalte basieren auf ihrer eigenen Recherche und ordnen das Thema aus ihrer Perspektive ein.
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