Archäologen entdecken jungsteinzeitliche Grube mit Überresten von Bibern bei Alsleben, Salzlandkreis; Pelzgewinnung statt Fleisch als Fokus

Rund 7.000 Jahre alte Grube mit Überresten von Bibern bei Alsleben entdeckt

Rund 7.000 Jahre alte Grube mit Überresten von Bibern bei Alsleben entdeckt

Archäologische Untersuchungen entlang der geplanten Stromtrasse SuedOstLink haben bei Alsleben im Salzlandkreis einen außergewöhnlichen Befund zutage gefördert. In einer jungsteinzeitlichen Grube wurden die Überreste von mindestens zwölf Bibern entdeckt, die vermutlich gezielt zur Pelzgewinnung gejagt wurden. Der Fund liefert neue Hinweise auf spezialisierte Jagdpraktiken und materielle Kultur im Neolithikum.

Im Bereich der geplanten Saalequerung bei Alsleben durch die Gleichstromtrasse SüdOstLink wurde eine bereits seit dem Neolithikum genutzte Geländemarke durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt untersucht. Neben zahlreichen Siedlungs- und Bestattungsbefunden fiel insbesondere eine unscheinbare Grube mit einem Durchmesser von etwa 80 Zentimetern auf.

Diese war dicht mit Tierknochen verfüllt. Auffällig waren vor allem die orange bis rötlich-braun gefärbten Zähne, die eindeutig Bibern zugeordnet werden konnten. Ein in den oberen Schichten entdecktes Feuersteinartefakt deutete früh auf eine jungsteinzeitliche Datierung hin.

Aufgrund der komplexen Befundsituation wurde die Grube im Block geborgen und unter Laborbedingungen weiter untersucht. Eine Radiokarbondatierung bestätigte schließlich die zeitliche Einordnung in den Zeitraum zwischen 4935 und 4787 vor Christus und damit in die Stichbandkeramische Kultur.

Zusammensetzung und Deutung des Befunds

Die Knochen in der Grube stammen ausschließlich von Bibern und sind außergewöhnlich gut erhalten. Erste Analysen zeigen, dass die Überreste von mindestens zwölf Individuen vorliegen. Dabei sind verschiedene Altersgruppen vertreten, von jungen Tieren im ersten Lebensjahr bis hin zu Exemplaren im Alter von über acht Jahren.

Auffällig ist das Fehlen anatomischer Zusammenhänge sowie einzelner Knochen. Dies weist darauf hin, dass die Tierkörper bereits skelettiert waren, als die Knochen deponiert wurden.

Die Konzentration der Funde in einer einzigen Grube spricht für ein einmaliges Ereignis. Es ist davon auszugehen, dass die Tiere gezielt gejagt, gehäutet und anschließend zwischengelagert wurden, bis sich das Gewebe zersetzt hatte. Erst danach wurden die Knochen gesammelt und entsorgt.

Der Fund von Alsleben liefert wichtige Einblicke in die Wirtschaftsweise der frühen Bauernkulturen. Die gezielte Jagd auf Biber entlang der Saale deutet auf spezialisierte Strategien hin, bei denen nicht primär die Fleischgewinnung, sondern die Nutzung des Fells im Vordergrund stand.

Damit eröffnet der Befund auch neue Perspektiven auf die Kleidung im frühen Neolithikum. Die Verarbeitung von Pelzen legt nahe, dass textile und organische Materialien eine bedeutendere Rolle spielten, als bislang angenommen.

Quelle:Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

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Blick auf den Befund mit den Biberknochen bei der Auffindung

© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Klaus Bentele

Archäologie 2026, 29.4.2026, Lesedauer: ca. 2 Minuten

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