Bundes-CDU und die Unternehmerverbände Niedersachsen fordern Abschaffung des 1. Mai als Feiertag in Niedersachsen; Gewerkschaften planen Großdemonstration am Tag der Arbeit
Tag der Arbeit 2026: Erst unsere Jobs, dann eure Profite | DGB Niedersachsen - Bremen - Sachsen-Anhalt
Tag der Arbeit 2026: Erst unsere Jobs, dann eure Profite
Glückwunsch an die Bundes-CDU und die Unternehmerverbände Niedersachsen! Ihr habt euch bereits den Titel für den absurdesten Vorschlag des Jahres gesichert. Alle Achtung. Vertreter*innen beider Organisationen haben jüngst dieAbschaffung des 1. Mai als Feiertaggefordert. Wie damit bestehenden Herausforderungen begegnet werden soll? Nebulös. Es geht auch nicht darum, dass dieses Vorhaben wenig realistisch ist, weil gesetzliche Feiertage fast ausschließlich Ländersache sind. Vielmehr verblüfft die schiere Respektlosigkeit gegenüber den Beschäftigten und ihrem Tag.
Für sich allein steht Vorschlag jedoch nicht, er ist kein Zufall. Ob nun bei derRente, imGesundheitssystemoder bei derArbeitszeit– überall werden zurzeit von Wirtschaftslobby und konservativen Kräften mit neoliberalem Zungenschlag hart erkämpfte Errungenschaften angegriffen. Unterdessen geraten Arbeitsplätze stark unter Druck, es kommt zu Standortverlagerungen. Die Beschäftigten und soziale Standards sollen offenbar für die Krise herhalten, obwohl sie diese nicht verursacht haben. Dagegen gilt es sich zu wehren. Vor allem am bevorstehenden Tag der Arbeit.
Beispiel Krankenversicherung: Auch wenn es gelungen ist, Kürzungen beim Krankengeld zu verhindern, hat die angekündigte Reform erhebliche Schlagseite und die Versicherten werden erneut zur Kasse gebeten. Stattdessen wäre eine solidarische Finanzierung des Gesundheitssystems angebracht gewesen. Laut dem neuensozialstaatsradarsprechen sich fast vier Fünftel der Menschen bei Gesundheit (und Pflege) für eine Bürgerversicherung aus (siehe Grafik). Eine mutige Reform würde genau da ansetzen, anstatt bei denen zu kürzen, die ohnehin schon schwer belastet sind.
Von fehlendem Mut sind insbesondere auch die Arbeitgeber befallen. Seit Monaten werden die Beschäftigten von ihnen als zu faul, zu krank, zu teuer diffamiert. Wunderbare Motivation. Die Wahrheit ist: Viele Arbeitgeber drücken sich vor ihrer Verantwortung und lenken ab von eigenen Fehlern. Statt alles schlechtzureden, müssen sie sich jetzt zum Standort bekennen, in Zukunftstechnologien investieren, Arbeitsplätze sichern und Belegschaften qualifizieren. Nur das bringt dauerhaften Erfolg. Zuerst geht es um Jobs, dann um Profite.
Gleichzeitig muss wieder mehr Gerechtigkeit Einzug halten. Nach deraktuellen Umfrage von infratest dimapempfinden über 80 Prozent der Bevölkerung die Wohlstandsverteilung hierzulande als ungerecht. Durch eineBesteuerung großer Vermögen und hoher Erbschaftenmüssen die Superreichen daher endlich mehr zum Gemeinwesen beitragen. Denn mit einer gerechteren Steuerpolitik lässt sich in Infrastruktur, Industrie, Bildung und sozialen Zusammenhalt investieren.
Jetzt gilt es, öffentlich die Pflöcke einzuschlagen. Die Solidargemeinschaft der Gewerkschaften und ihrer Mitglieder wird am Tag der Arbeit auf die Straße gehen, um zu zeigen, dass die Beschäftigten eine laute Stimme haben. Gemeinsam werden sie den Sozialstaat, gute Arbeitsplätze und ihre Schutzrechte verteidigen und mehr Gerechtigkeit einfordern. Je mehr sich anschließen, desto besser. Genau deshalb:Heraus zum 1. Mai!
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