Jannes Llull gewinnt Prototypen-Klasse bei der Roma per Due; Nur Llulls MR. BRIGHTSIDE ins Ziel Jannes Llull gewinnt Prototypen-Klasse bei der Roma per Due NRV Segler Jannes Llull hat bei der Roma per Due im Tyrrhenischen Meer den ersten Platz in der Prototypen-Klasse belegt. Die Offshore-Regatta gilt als eine der härtesten im Mittelmeer. Scirocco mit Böen bis 40 Knoten, Wellen bis viereinhalb Meter und Gewitter zwangen die Regattaleitung zur Kursänderung – von den zwei gestarteten Prototypen kam nur Llulls MR. BRIGHTSIDE ins Ziel. Für den 20-Jährigen war es die erste Regatta auf seinem neuen Mini 650 Prototypen. Gemeinsam mit Co-Skipperin Juliane Hausmann startete er am 11. April von Riva di Traiano. Zuvor hatte er das Boot solo über 380 Seemeilen von Marseille nach Rom überführt. Die Roma per Due ist Teil der Qualifikation für sein großes Ziel: die Mini Transat 2027, eine Solo-Atlantiküberquerung von La Rochelle nach Salvador de Bahia auf nur 6,50 Metern – ohne Internet, ohne Wetterbericht, ohne Unterstützung. Ein Bericht von Jannes Llull. Ich bin Jannes Llull, 20 Jahre alt, und seit anderthalb Jahren arbeite ich daran, meinen Traum Realität werden zu lassen: die Mini Transat 2027. Seitdem suche ich Sponsoren, finanziere die Kampagne und lerne die Szene kennen. Vor eineinhalb Monaten habe ich meinen Mini 650 Prototypen Nr. 419 gekauft – das Boot, mit dem ich die nächsten zwei Jahre die Qualifikation angehe. Um mich zu qualifizieren, muss ich diese Saison 1.500 Seemeilen in Regatten und 1.000 Seemeilen in einer Nonstop-Qualifikationsfahrt vorweisen. Dazu kommt die Vorbereitung auf 4.500 Seemeilen alleine auf dem Atlantik, ohne Internet, ohne Handy, mit nur luftgetrockneter Nahrung und möglichen Extremsituationen. Den Auftakt in diese Qualifikationsphase machte die Roma per Due – 540 Seemeilen, doublehanded. Nach einem Monat Training in Marseille habe ich das Boot zunächst solo 380 Seemeilen nach Rom überführt. Am 11. April bin ich dann gemeinsam mit meiner Co-Skipperin Juliane Hausmann in die Regatta gestartet. Schon vor dem Start war klar, dass es kein normales Rennen werden würde. Die Wettermodelle sagten eine lange Kreuz mit starken Böen und einer kurzen, hohen Welle voraus, die Regattaleitung änderte kurzfristig den Kurs und gab uns eine halbe Stunde zum Umrouten. Die Strategie war simpel: weit nach Westen, sicher bleiben, das Boot heil ins Ziel bringen und Qualimeilen sammeln. Statt von Rom nach Lipari ging es nun um Ustica, im Nordwesten Siziliens. An der Startlinie gab die Hälfte des Feldes allein wegen der Vorhersage auf – bis zu 50 Knoten, fünf Meter Wellen. Wir starteten trotzdem. Der Beginn war schön: Delfine begleiteten uns zur ersten Tonne und wir konnten uns auf der Kreuz gut durchsetzen. In der zweiten Nacht drückte sich der Wind nicht wie vorhergesagt zwischen Sizilien und Sardinien durch und wir konnten ihn umfahren, sondern es entstand eine Düse zwischen Sardinien und Sizilien – mit Wellen bis viereinhalb Meter, Böen um 35 Knoten und nächtlichen Gewittern. Da in der Classe Mini jeglicher Kontakt ans Festland untersagt ist – kein Handy, kein Internet, kein Wetterbericht –, hatten wir keine Ahnung, was auf uns zukommt. Im Nachhinein sahen wir auf den Wettermodellen, dass wir recht treffsicher die Mitte der Starkwindzone getroffen hatten. Das Begleitboot war früh ausgefallen, damit auch der Kontakt zur Rennleitung. Drei bis vier Tage lang kein anderes Boot in Sicht. Nach 35 Stunden Kreuz bei 25 bis 35 Knoten und Wellen zwischen zweieinhalb und viereinhalb Metern rundeten wir Ustica. Die letzten 100 Kilometer hatten es noch einmal in sich. Zweimal Wind auf null, zweimal mitten im Herz eines Mittelmeergewitters. Der Masttop summte vor statischer Spannung, Blitze schlugen keine 50 Meter neben uns ein. Die Bordelektronik musste komplett abgeschaltet werden und spielte bis ins Ziel verrückt – inzwischen läuft wieder alles. Wir kamen als Erste in der Klassenwertung ins Ziel, im Mittelfeld der Gesamtwertung. Das Boot ist heil, die Meilen sind gesegelt und dazu noch ein erster Platz. Als einziger Prototyp, der nicht aufgegeben hat, war der Klassensieg etwas eigenartig – aber rausfahren, durchhalten und heil ankommen war die richtige Entscheidung. Für eine erste Regatta auf dem neuen Boot unter diesen Bedingungen bin ich mehr als zufrieden. Die Lernkurve, besonders beim Wetterrouting und der Regattavorbereitung, war steil. Auch mit Juliane hat das Team von Anfang an funktioniert. Ohne gute Stimmung an Bord wäre es unter diesen Bedingungen schnell zur Qual geworden. Weiter geht es nach Genua, zur ersten Soloregatta. Der Weg zur Mini Transat 2027 geht weiter. Llulls nächste Station ist der Gran Premio d'Italia, der am 17. Mai in Genua gestartet wird – rund 540 Seemeilen, erstmals solo. Im aktuellen Ranking der Classe Mini steht er auf Platz zwei. Jannes Llull gewinnt Prototypen-Klasse bei der Roma per Due 30.04.2026 , Erstellt von SinaWolf Der 20-Jährige NRV Offshore Segler besteht seine erste Bewährungsprobe auf dem Weg zur Mini Transat 2027 Der NRV Newsletter erscheint immer mittwochs und informiert über aktuelle Ereignisse aus Clubleben, berichtet von den Regattaerfolgen unserer Mitglieder und enthält Unterhaltsames und Informatives rund um den Segelsport und den NRV. --- Source: https://www.nrv.de/news/jannes-llull-gewinnt-prototypen-klasse-bei-der-roma-per-due sdDatePublished: 2026-04-30T11:04:00Z Topics: sport event, sailing, weather warning, sport achievement Locations: Trapani, Sardinia, Affile, Messina, Salvador, La Rochelle, Sicily, Genoa, Marseille, Italy