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title: "Torsten Burmester, Oberbürgermeister der Stadt Köln, Rede zum 100-jährigen Bestehen der Lufthansa, Historisches Rathaus Köln; Kerosin-Engpässe belasten Luftfahrt"
sdDatePublished: "2026-04-30T10:06:00Z"
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Torsten Burmester, Oberbürgermeister der Stadt Köln, Rede zum 100-jährigen Bestehen der Lufthansa, Historisches Rathaus Köln; Kerosin-Engpässe belasten Luftfahrt

Rede von Torsten Burmester, Oberbürgermeister der Stadt Köln anlässlich Empfang und Feierstunde zum 100-jährigen Bestehen der Lufthansa am 23. April 2026 im Historischen Rathaus zu Köln

Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Dr. Kley,
sehr geehrter Herr Spohr,
sehr geehrter Herr Dr. Kownatzki,
sehr geehrter Herr Schmid,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin De Bellis-Olinger,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und
Stadtgesellschaft,
sehr geehrte Gäste,
100 Jahre Lufthansa in Köln führen uns heute hier zusammen!
Willkommen im Historischen Rathaus, Luftlinie wenige Hundert
Meter vom ehemaligen Hauptsitz der Lufthansa am Deutzer
Rheinufer entfernt – dem Hauptsitz, der eben auch kurz im Film
zu sehen war und der vielen Lufthanseaten ja auch wegen der
angeblich legendären Karnevalsfeiern in besonders guter
Erinnerung ist.
Es ist uns, den Kölnerinnen und Kölnern, eine Ehre, dass wir
hier am Lufthansa-Traditionsstandort Köln nach dem
Frankfurter Festakt nun nochmals Ihr 100. Jubiläum feiern
dürfen, lieber Herr Spohr!
Rede von Torsten Burmester, Oberbürgermeister der Stadt Köln
anlässlich Empfang und Feierstunde zum 100-jährigen Bestehen
der Lufthansa am 23. April 2026 im Historischen Rathaus zu
Köln

100 Jahre, liebe Gäste, das ist Grund zur Freude – für Sie
genau so wie für die Menschen in unserer Stadt.
Diese Stadt ist stolz, Anteil an der Unternehmensgeschichte zu
haben – und das bis zum heutigen Tage, vor allem dank des
Hauptsitzes der Tochtergesellschaft Eurowings.
Wenn wir heute hier in Köln die Lufthansa würdigen und ehren,
dann gelingt das nicht ohne den Bezug zur geschichtlichen
Entwicklung des Luftfahrtstandorts Köln insgesamt:
Im Gründungsjahr des Unternehmens wurde der Kölner
Flugplatz Butzweilerhof nach dem Ersten Weltkrieg wieder für
die zivile Luftfahrt freigegeben – die damals erste Landung
legte eine Lufthansa-Maschine hin – aus Berlin kommend – am
6. April 1926!
Seit genau diesem Tag sind die Lufthansa und Köln eng
miteinander verbunden – und ich hoffe, dass diese Beziehung
über das Jubiläumsjahr und Ihren Besuch heute hinausreicht –
und sich vielleicht sogar wieder intensiviert!
Nach dem schnellen Erfolg der Lufthansa vor dem Zweiten
Weltkrieg, brachen die dunklen Kapitel in der
Unternehmensgeschichte an: Zwangsarbeit.
Wartungsdienstleister für die Kriegsmaschinerie der Nazis. Das
ist ein schweres Erbe.
Ihnen, lieber Herr Spohr, danke ich, dass Sie souverän mit
dieser Vergangenheit umgehen, dass Sie Verantwortung

übernommen und eine entsprechende Unternehmenskultur
geprägt haben.
Liebe Gäste,
wenn wir unseren Kurzstreckenflug durch die 100-jährige
Unternehmensgeschichte fortsetzen, dann erscheint nach dem
Zweiten Weltkrieg erneut Köln auf dem Radar:
Der damalige Bundesverkehrsminister beauftragte das Kölner
Büro Bongers, mit ehemaligen Lufthanseaten Konzepte für eine
neue staatliche Airline zu erarbeiten. Die Räumlichkeiten
befanden sich in der Kölner Südstadt, in der alten Universität.
Mit Unternehmensgründung 1953 entstand hier der Hauptsitz –
und blieb es bis zum Umzug in die moderne Zentrale nach
Deutz 1970.
Der Lufthansa gelang in diesen Jahrzehnten der Start ins Jet-
Zeitalter, die Expansion, die internationale Kooperation, diese
starke Marke, die Qualität, Professionalität und Weltläufigkeit
ausstrahlt, entwickelte sich.
Und eine weitere Kompetenz haben die Lufthanseatinnen und
Lufthanseaten in all den Jahrzehnten so häufig unter Beweis
gestellt, dass sie wohl als Unternehmens-DNA gelten kann:
Nach dem Zweiten Weltkrieg,
nach dem Terror des 11. September 2001,

nach dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie – in all
diesen Krisen hat die Lufthansa ihre Widerstandskraft
bewiesen.
Der Kranich – er ist immer wieder wie ein Phoenix aus der
Asche auferstanden.
Und ich bin sicher: Diese Qualität hat er weiterhin.
Im Grunde ist die deutsche Luftfahrtindustrie seit der Pandemie
in der Dauerkrise bei gleichzeitig hohem Druck: Durch den
internationalen Wettbewerb einerseits.
Durch Fragen der nachhaltigen Transformation andererseits.
Zur Unzeit kommt jetzt auch noch die Krise am Golf dazu:
Mögliche Kerosin-Engpässe ist das letzte, was die deutsche
Luftfahrtbranche jetzt noch gebrauchen kann. Am Flughafen
Köln/Bonn liegen wir bei Eurowings- und Lufthansa-Flügen
noch weit unter dem Niveau vor der Pandemie – vor allem, weil
der innerdeutsche Verkehr weggebrochen ist.
Aus meiner Sicht muss es jetzt darum gehen, die
Rahmenbedingungen insgesamt zu verbessern – denn Luftfahrt
sichert Arbeitsplätze, sichert unsere Versorgung, sichert unsere
Mobilität. Darin sehe ich einen Auftrag an die Politik.
In einer solch herausfordernden Lage, lieber Herr Spohr, muss
es möglich sein, unternehmerische Entscheidungen zu treffen,
die den langfristigen Erfolg eines Unternehmens sichern.
Übrigens auch auf die Gefahr hin, dass der eingeschlagene

Weg nicht allen gefällt. Auf der anderen Seite gilt es, die
Beschäftigten mitzunehmen – und nicht über Gebühr zu
belasten. Hier den Ausgleich zu finden, das ist anspruchsvoll –
und ich drücke der Lufthansa und den Lufthanseatinnen und
Lufthanseaten die Daumen, dass Sie einen für alle vertretbaren
Weg zwischen Zukunftssicherheit und Solidarität finden.
Liebe Gäste, als die Lufthansa 2007 entschieden hat, große
Teile der Verwaltung nach Frankfurt zu holen, da blutete den
Kölnerinnen und Kölnern das Herz.
Denn das Unternehmen gehörte zur Identität der Stadt wie
Ford, RTL, REWE oder die Deutz AG. Und nicht zuletzt hatte
die Lufthansa über Jahrzehnte fest zum Luftfahrtstandort Köln
gehört.
Ein Standort, der immer weitergewachsen ist – und es weiterhin
tut.
Mit dem Sitz der EASA, die bis mindestens 2046 Europas
Flugsicherheit von Köln aus steuert.
Mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum, einem echten
Innovationstreiber.
Mit dem Köln/Bonner Flughafen – DER Cargo-Drehscheibe in
Westeuropa und mit der Lufthansa-Tochter Eurowings als
wichtigstem Passagier-Carrier.
Und mit der Perspektive eines SpaceHubs europäischer
Dimension.

Luftfahrt und Köln – das ist eine gute Mischung. Und ich will
kein Geheimnis daraus machen, lieber Herr Spohr, dass mir
diese Mischung noch besser gefallen würde, wenn die
Lufthansa darin noch etwas stärker vertreten wäre.
Zu Ihrem 100. Unternehmensjubiläum gratuliere ich Ihnen, Herr
Spohr und Herr Dr. Kley, sowie der gesamten Belegschaft von
ganzem Herzen – und seitens der Kölnerinnen und Kölner sage
ich:
Danke dafür, dass wir Anteil an dieser Geschichte und an
diesem starken Unternehmen haben dürfen.
Ich bitte Herrn Spohr, Herrn Kley sowie die beiden
Crewmitglieder stellvertretend für alle Mitarbeitenden nun zu mir
nach vorne, um Ihren heutigen Besuch im Historischen Rathaus
im Gästebuch der Stadt Köln für die Nachwelt zu verewigen!
Liebe Gäste,
ich danke allen Mitwirkenden an dieser Feierstunde.
Vielen Dank fürs Kommen und nun freue ich mich mit Ihnen
anzustoßen auf 100 Jahre Lufthansa in Köln!