Pkw-Verkehr in Baden-Württemberg Jahresfahrleistungen; 14% Anstieg 2020–2024 Jahresfahrleistungen des Straßenverkehrs Jahresfahrleistungen des Straßenverkehrs Entwicklung und Zusammensetzung während und nach der Coronapandemie Die Jahresfahrleistungen der Kraftfahrzeuge sind eine zentrale Kenngröße des Verkehrssektors, aus ihnen werden die Treibhausgasemissionen, aber auch Luftschadstoffemissionen wie Feinstaub oder Stickoxide berechnet. Die Treibhausgasemissionen aus Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) fließen in den Monitoringbericht der Landesregierung ein, der im Rahmen des Klimaschutz- und Klimawandelanpas- sungsgesetzes, kurz Klimagesetz Baden-Württemberg (KlimaG BW), zu erstellen ist. Änderungen in der Höhe der Fahrleistungen haben dabei auch immer Änderungen in der Höhe der Treibhausgasemissionen zur Folge. Die Jahresfahrleistungen in Baden-Württemberg stiegen zwischen 1990 und dem Beginn der Coronapandemie jedes Jahr um etwa 1 % von 75 Milliarden Kilometer (Mrd. km) auf 95 Mrd. km an. Zwar gab es in diesem Zeit- raum immer mal wieder Abweichungen von dieser Entwicklung, wie beim Güterverkehr beispielsweise durch die Finanzkrise 2008/2009 oder die Verschiebung von Pkw-Fahrleistungen hin zu benzingetriebenen Pkw auf- grund des Dieselskandals. Die Coronapandemie jedoch führte innerhalb eines Jahres zu einem Rückgang der Fahrleistungen um 16 %. Der Lockdown sowie weitere Einschränkungen wirkten sich sehr unterschiedlich auf die Fahrleistungen der verschiedenen Fahrzeugarten aus. Im Folgenden werden diese und weitere Verschie- bungen bei den Fahrleistungen, den Fahrzeugarten und unterschiedlichen Straßenarten untersucht. Die Ent- wicklung der Straßenverkehrsemissionen in Baden-Württemberg ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Der Verkehr auf baden-württembergischen Straßen (siehe Info-Box „Berechnung von Jahresfahrleistun- gen“) ist nach dem pandemiebedingten Einbruch 2020 bis zum Jahr 2024 schnell wieder auf eine Höhe von fast 92 Mrd. km angewachsen. Zuvor waren die Fahrleistungen von dem Höchststand des Jahres 2019 mit 95 Mrd. km um 16 % auf 80 Mrd. km im Jahr 2020 zurückgegangen. Dies entspricht etwa dem Stand zum Beginn der 1990er-Jahre. Mit den Lockerungen der Coronamaßnahmen setzte bereits im Folgejahr wieder ein starker Anstieg des Verkehrsaufkommens ein. Bis 2024 führte dies zu einer Gesamtsteigerung von 14 % innerhalb von vier Jahren, was einem durchschnitt- lichen jährlichen Anstieg von 3,3 % entspricht. Im Ver- gleich dazu betrug der jährliche Anstieg im Zeitraum 20101 bis 2019 etwa 0,8 %, was deutlich unter dem aktuellen Wachstumstempo liegt. Allerdings deutet sich in den beiden letzten Jahren eine Abschwächung des Wachstums an. Das Vor-Corona-Niveau wurde bislang noch nicht wieder erreicht, die Fahrleistun‑ gen liegen knapp 4 % unter der Höchstmarke. (Schaubild 1). Güterverkehr erholt sich zunächst schneller als der Pkw-Verkehr Die Coronamaßnahmen zeigten unterschiedliche Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen der ein‑ zelnen Fahrzeugarten. Am stärksten betroffen war der Pkw-Verkehr, der 2020, im ersten Jahr der Pan‑ demie, um 18 % (–15 Mrd. km) zurückging. Pkw-Fahr- ten dominieren mit einem Anteil von über 80 % den Straßenverkehr. Der Güterverkehr insgesamt mit leichten (<= 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse) und schweren Nutzfahrzeugen (> 3,5 Tonnen zuläs‑ sige Gesamtmasse) ging trotz des mit –5,2 % star- Verkehr | Kfz und Verkehrsbelastung 39 Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg | 4/2026 Umwelt und Verkehr Umwelt und Verkehr ken Rückgangs der Wirtschaftsleistung (Brutto- inlandsprodukt) nur gering um –0,5 Prozent zurück (Schaubild 2). Die negative Entwicklung des Bruttoin- landsprodukts (BIP) hatte jedoch innerhalb des Güter- verkehrs unmittelbar Auswirkungen auf die Fahrleis- tungen der schweren Nutzfahrzeuge, die in ähnlicher Größenordnung (–5 %) auf nun 6,2 Mrd. km zurück- gingen. Kompensiert wurde dieser Rückgang durch die leichten Nutzfahrzeuge, die mit einem Anstieg von knapp 4 % auf nun 7,2 Mrd. km sogar mehr Kilometer auf baden-württembergischen Straßen zurücklegten als je zuvor. Sie waren im ersten Coronajahr die einzige Fahrzeugart mit positiver Veränderungsrate. Ein Grund dafür ist der in diesem Zeitraum sehr stark gestiegene Onlinehandel, was sich aus dem im Vergleich zu 2019 um 10,9 % erhöhten Sendungsvolumen der Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP-Branche) ablesen lässt.2 Dieses deutliche Wachstum ist laut Branchen- verband vor allem auf Paketlieferungen zum Endver- braucher zurückzuführen, während beispielsweise Sendungen in die Branchen Fahrzeug- und Maschinen- bau deutlich zurückgingen. 79 26 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 1) Änderung in der Methodik, Umstellung auf Verkehrsmonitoring. Datenquellen: Verkehrszählungsergebnisse des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg und eigene Modellrechnungen. Jahresfahrleistungen in Baden-Württemberg 1990 bis 2024 nach Fahrzeugkategorie Schaubild 1 in Mrd. km 100 80 60 40 20 0 2024 2020 2015 20101) 2005 2000 1995 1990 Schwere Nutzfahrzeuge Krafträder Leichte Nutzfahrzeuge Otto-Pkw Busse Diesel-Pkw 40 Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg | 4/2026 Umwelt und Verkehr Bereits im zweiten Coronajahr 2021 nahmen die Fahrleistungen insgesamt sehr stark um 5,1 % zu (+4,1 Mrd. km). Auch das BIP in Baden-Württemberg stieg in diesem Zeitraum in gleicher Größenordnung an (+5,6 %). Bei den einzelnen Fahrzeugarten waren die Zuwächse unterschiedlich stark ausgeprägt. Den größten Anstieg erzielte der Güterverkehr (+11 %) und dies in annähernd gleicher Größenordnung sowohl bei den schweren als auch bei den leichten Nutzfahrzeu- gen. Die KEP-Branche transportierte fast eine Milliarde Sendungen mehr als vor Corona und erreichte in dem Jahr beim Liefervolumen ihren Höchststand (4,5 Mrd. Sendungen). In den Folgejahren schwächte sich das Wirtschaftswachstum zusehends ab, was spürbare Auswirkungen vor allem auf den Güterverkehr nach sich zog. 2022 betrug das Wirtschaftswachstum im Land noch 2,1 %, während der Güterverkehr insge- samt nur noch um 1 % anstieg. Getragen wurde dieser Anstieg erneut von den leichten Nutzfahrzeugen, deren Fahrleistungen um fast 3 % zunahmen, während die der schweren Nutzfahrzeuge bereits ein Minus von 1,3 % verzeichneten. Diese negative Entwicklung ver- stärkte sich in den Jahren 2023 und 2024 noch weiter, dort betrugen die jährlichen Rückgänge jeweils –2 %. Das BIP stieg in Baden-Württemberg 2023 zwar noch um 0,2 %, 2024 wurde jedoch ein Minuswachstum von –0,4 % verzeichnet (Deutschland –0,3 % und –0,2 %). Vor allem das Verarbeitende Gewerbe und die Bau- branche waren stark betroffen.3 Damit gingen die Fahr- leistungen der schweren Lkw deutlich stärker zurück als die Wirtschaftsleistung. Die leichten Nutzfahrzeuge mit Anstiegen von 0,9 % (2023) und 1,7 % (2024) konnten diese Rückgänge noch kompensieren, sodass die Fahrleistungen des Güterverkehrs insgesamt nur stagnierten. 80 26 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 1) Ab 2010 Änderung in der Methodik, Umstellung auf Verkehrsmonitoring. – 2) Bruttoinlandsprodukt (preisbereinigt, verkettet). – 3) Leichte und schwere Nutzfahrzeuge. – 4) Bis 2000: Stichtag 01.07. des Jahres. Ab 2001: Stichtag 01.01. des Jahres. Ab 2008: Nur noch angemeldete Fahrzeuge ohne vorübergehende Stilllegungen/Außerbetriebsetzungen. Datenquellen: Verkehrszählungsergebnisse des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg, Arbeitskreis VGR der Länder und eigene Modell- rechnungen. Berechnungsstand Herbst 2025. Jahresfahrleistungen, Pkw-Bestand, Bevölkerung und Bruttoinlandsprodukt in Baden-Württemberg 1995 bis 2024 Schaubild 2 1995 = 100 200 140 160 120 100 80 0 2024 2020 2015 2010 2005 2000 1995 180 Pkw-Bestand4) Jahresfahrleistungen Pkw-Verkehr1) Jahresfahrleistungen Güterverkehr3) BIP2) Bevölkerung im Jahresmittel 41 Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg | 4/2026 Umwelt und Verkehr Der berufliche Pkw-Verkehr wächst zunächst langsamer Im Pkw-Verkehr fiel der Zuwachs bei den Fahrleistun- gen 2021 trotz des mit +4 % höchsten Anstiegs seit 1995 deutlich verhaltener als im Güterverkehr aus. Von den insgesamt 4,1 Mrd. km, um die die Fahrleis‑ tungen 2021 anstiegen, entfielen etwa zwei Drittel auf den Pkw- und ein Drittel auf den Güterverkehr. Der Zuwachs an Pkw-Fahrten erfolgte ausschließlich auf Autobahnen und Außerortsstraßen, auf den Inner- ortsstraßen ging der Pkw-Verkehr um 3,1 % zurück (Schaubild 3). Im Gegensatz dazu fand beim Güter- verkehr der stärkste Anstieg auf den Innerortsstraßen statt. Er lag um fast 20 Prozentpunkte über dem Pkw- Verkehr. Aber auch auf den anderen Straßenkategorien entwickelte sich der Pkw-Verkehr schwächer. 2021 war noch geprägt von diversen Corona-Beschränkungen beispielsweise für Schulen und Kitas, aber auch in der Gastronomie und Beherbergungseinrichtungen. Aus Sicht der Arbeitnehmenden wurde mit der Pflicht zum Homeoffice dieser Anteil an der Erwerbsarbeit stark ausgeweitet.4 Die Homeofficequote (abhängig Beschäftigte mit mindestens einem Tag Homeoffice in der Woche) betrug in Baden-Württemberg 24,1 % (1,27 Mio. Beschäftigte). Der Anteil der Beschäftig- ten, die jeden Tag zu Hause arbeiteten, lag bei 9,2 % (484 Tsd.). Dies führte in der Folge zu reduzierten Pendlerbewegungen, was sich indirekt auch aus den Ergebnissen der Dauerzählstellen ablesen lässt.5 Diese erfassen den Verkehr permanent, sodass daraus Entwicklungen im zeitlichen Verlauf abgeleitet werden 81 26 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 1) Leichte und schwere Nutzfahrzeuge. Datenquellen: Verkehrszählungsergebnisse des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg und eigene Modellrechnungen. Fahrleistungen des Pkw- und Güterverkehrs in Baden-Württemberg 2020 bis 2024 nach Straßenkategorie Schaubild 3 Veränderung gegenüber Vorjahr in % 20 0 10 2024 2023 2022 2021 2020 15 5 –5 –25 –20 –10 –15 Güterverkehr1) Pkw AB AO IO AB AO IO AB AO IO AB AO IO AB AO IO AB = Autobahnen AO = Außerortsstraßen (Bundes-, Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen außerorts) IO = Innerortsstraßen (Ortsdurchfahrten, Gemeindestraßen innerorts) 42 Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg | 4/2026 Umwelt und Verkehr können (Schaubild 4). Während 2021 der Kfz-Verkehr an Werktagen mit +4 % lediglich auf den Autobahnen zunahm, fiel der Anstieg des Verkehrs an Sonn- und Feiertagen auf allen betrachteten Straßenarten zum Teil um ein Vielfaches höher aus. Die Fernstraßen zeig- ten hier die stärksten Zuwächse (Autobahnen +11 %, Bundesstraßen +4 %). Aufgrund des Sonntagsfahr- verbots für Lastkraftwagen6 sind an diesen Tagen zum überwiegenden Teil nur privat genutzte Kraftfahrzeuge auf den Straßen unterwegs. Diese Fahrten waren 2020 stärker eingeschränkt als der beruflichen Zwecken dienende Werktagsverkehr. An Sonn- und Feiertagen betrug die Abnahme der Verkehrsleistung auf Auto- bahnen und Außerortsstraßen ca. 25 %, während das Minus zwischen Montag und Freitag mit ungefähr 14 % weitaus geringer ausfiel. Hingegen stiegen mit begin- nenden Lockerungen im Folgejahr die privaten Fahrten wieder stärker an, wie die um mehrere Prozentpunkte höheren Veränderungsraten des Kfz-Verkehrs an Sonn- und Feiertagen zeigen. Dagegen entwickelte sich der Werktagsverkehr aller Kfz schwächer und lag zwischen ein und drei Prozentpunkten unter den Steigerungsraten des Schwerverkehrs (schwere Nutz- fahrzeuge und Busse). 82 26 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 1) Motorräder, Pkw, Busse, leichte Nutzfahrzeuge, schwere Nutzfahrzeuge. – 2) Schwere Nutzfahrzeuge und Busse. Datenquelle: Ergebnisse und Ganglinien der Dauerzählstellen des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg. Ergebnisse der Dauerzählstellen: Kfz-Verkehr an Werk- bzw. Sonn- und Feiertagen in Baden-Württemberg 2020 bis 2024 nach Straßenkategorie Schaubild 4 Veränderung gegenüber Vorjahr in % 40 0 10 2024 2023 2022 2021 2020 15 5 –5 –25 –30 –20 –10 –15 Schwerverkehr an Werktagen2) Kfz-Verkehr an Sonn- und Feiertagen Kfz-Verkehr --- Source: https://www.statistik-bw.de/fileadmin/user_upload/Service/Veroeff/Statistisches_Monatsheft/Beitrag_26_04_04.pdf sdDatePublished: 2026-04-30T19:35:00Z Topics: transport, environment, economy, government policy Locations: Baden-Württemberg