Ich und Lieni treffen uns nach rund 15 Jahren in Chur, beim Stadtfest; tiefe Freundschaft bleibt stark
Mein Freund Lieni | Surprise
Lienhard heisst mein Freund, aber alle sagen ihm «Lieni». Vor rund 15 Jahren haben wir uns kennengelernt, in Chur, an einem Stadtfest. Wir haben uns nachher noch ein paar Mal getroffen, aber dann einige Jahre aus den Augen verloren, wir hatten unsere Nummern verloren.
Eines Tages sind wir uns wieder begegnet, also haben wir die Nummern wieder ausgetauscht, und seither sind wir wieder verbunden.
Lieni lebt in einer WG mit Betreuung. Im Sommerlager von Pro Infirmis im Engadin waren wir zusammen, auch im Wintersportlager in Villars. Ich habe dort in der Halle Unihockey gespielt, Lieni war Skifahren. Der Sport verbindet uns.
Wir nehmen uns oft gegenseitig hoch, was die Medaillen angeht, die wir beide schon gewonnen haben. Er hat ein paar im Skifahren, Schweizer Meisterschaften. Ich habe meine internationalen Medaillen im Eiskunstlauf und von früher im Schwimmen.
Wenn ich ihn beim Fussball frage, ob er mit mir spielen wolle, dann sagt er nein, er spiele lieber gegen mich. Einfach so, aus Spass an der Herausforderung. Nachher trinken wir eins zusammen und necken uns liebevoll.
Kurzum: Wir ergänzen uns prima, und wir helfen uns gegenseitig. Ein paar Mal waren wir auch zusammen in einem Massage-Kurs der Pro Infirmis in Andeer.
Meistens rufen wir uns am Donnerstag an und machen ab für Freitagabend, dann gehen wir zusammen in den Ausgang.
Kürzlich war Lieni aber krank und konnte freitags nicht. Ich habe ihn dann am Montag wieder angerufen, um zu fragen, wie es ihm geht. Was soll ich sagen, es ist einfach schön, einen Freund wie Lieni zu haben.
Ferien im Stau am Gotthard
Text: HEINI HASSLER, ILLUSTRATION: STELLA HÄNSENBERGER