Notfallverbund Jena stärkt Kulturgutschutz im Gefahrenabwehrzentrum Jena; Thüringen führt bundesweit einzigartiges Notfallkonzept für Kultureinrichtungen.

Notfallverbund Jena stärkt den Kulturgutschutz im Gefahrenabwehrzentrum

Notfallverbund Jena stärkt den Kulturgutschutz im Gefahrenabwehrzentrum

Meldung vom:28. April 2026, 10:06 Uhr| Verfasser

Im Gefahrenabwehrzentrum Jena kamen am 27. April Ansprechpartner:innen des Notfallverbundes Jena zusammen, um sich gemeinsam ein Bild von den Möglichkeiten der organisierten Kulturgutrettung zu machen. Im Mittelpunkt des Treffens standen die Besichtigung des Gerätewagens Kulturgutschutz sowie die zugehörigen Ausrüstungssätze, die der Freistaat Thüringen im Rahmen seines landesweit einzigartigen Konzepts zur Notfallvorsorge für Kultureinrichtungen bereitstellt. Ergänzt wurde das Programm durch die Vorstellung der an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) verfügbaren Notfallboxen-Sets, welche im Ernstfall unmittelbar vor Ort eingesetzt werden können.

Notfallverbünde: Wo Theorie und Praxis zusammenwachsen

Die Arbeit in Notfallverbünden bewegt sich stets auf zwei Ebenen. Theoretisch gilt es, Konzepte zu entwickeln, Zuständigkeiten zu klären und Abläufe zu planen – von der Erstellung einrichtungsspezifischer Notfallpläne bis hin zur Vernetzung mit Behörden, Feuerwehren und anderen Kulturinstitutionen. Praktisch bedeutet Kulturgutschutz hingegen: Wissen, welche Mittel verfügbar sind, wie sie bedient werden und wie im Schadensfall schnell und koordiniert gehandelt werden kann.

Das heutige Treffen vereinte genau diese beiden Dimensionen. Die Teilnehmenden – Vertreter:innen von Museen, Archiven, Bibliotheken und weiteren Kultureinrichtungen aus Jena und der Region – konnten sich nicht nur über Konzepte und Strukturen austauschen, sondern auch konkret erleben, was im Notfall zur Verfügung steht.

Frank Liebermann, Brandamtmann und zuständig für die Einsatzvorbereitung bei der Feuerwehr Jena, unterstrich dabei die unverzichtbare Rolle verbindlicher Planungsgrundlagen: »Ein gut vorbereiteter Notfallplan ist im Ernstfall kein bürokratisches Dokument, sondern die Grundlage dafür, dass wir als Einsatzkräfte schnell und gezielt handeln können – und dass das kulturelle Erbe dabei nicht zur Nebensache wird.«

Thüringen als Vorreiter im bundesweiten Vergleich

Thüringen ist bislang das einzige Bundesland, das das Thema Notfallvorsorge für Kultureinrichtungen so umfassend und systematisch angeht. Das vom Kulturrat Thüringen gemeinsam mit der Staatskanzlei, dem Innenministerium, dem Museumsverband Thüringen, dem Landesarchiv und weiteren Partnern entwickelte Konzept fußt auf drei Säulen: der Bereitstellung einer materiellen Basis durch den Freistaat, dem Aufbau eines flächendeckenden Netzes lokaler Notfallverbünde durch gezielte Fortbildungsangebote sowie der Benennung einer spezialisierten Feuerwehr als Ansprechpartnerin zum Kulturgutschutz für andere Feuerwehren im Land.

»Die Beschäftigung mit der Vorbereitung auf einen Schadensfall in Kultureinrichtungen ist nicht neu – sie wird in Deutschland und weltweit auf verschiedensten Ebenen vorangetrieben. Thüringen ist jedoch das erste Bundesland, das dieses Thema so komplex angeht. Unser Ziel ist es, die zur Verfügung stehenden Mittel und Möglichkeiten für alle Kultureinrichtungen zu verbessern, unabhängig davon, ob es sich um ein Museum, ein Archiv oder eine Bibliothek handelt. Wir wollen das Rad dabei nicht neu erfinden – Best Practice und langjährige Erfahrungen sind unsere Grundlage, die wir gezielt zusammenführen«, sagt Ralf Seeber, Fachberater Notfallverbünde im Kulturrat Thüringen, und ordnet den thüringischen Ansatz in den größeren Kontext.

Feuerwehr Jena als zuverlässiger Partner

Die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Jena machte bei dem heutigen Treffen deutlich, wie bedeutsam die institutionelle Vernetzung für den praktischen Kulturgutschutz ist. Der Gerätewagen Kulturgutschutz, der im Ernstfall an Kultureinrichtungen in der Region zum Einsatz kommen kann, sowie die zugehörigen Ausrüstungssätze – darunter Materialien zur Bergung, Stabilisierung und Erstversorgung von Kulturgütern – wurden fachkundig vorgestellt und erläutert. Die Bandbreite der Ausrüstung und das dahinterstehende Konzept verdeutlichten eindrucksvoll, wie weit das Thema Kulturgutschutz über die reine Feuerbekämpfung hinausgeht.

Als Sammlungsbeauftragter der Universität Jena verweist Tobias Mühlenbruch in diesem Zusammenhang auf die besonderen Herausforderungen, die sich aus der Vielfalt der zu schützenden Bestände ergeben: »Archive, Bibliotheken, universitäre Sammlungen und Museen beherbergen ein außerordentlich heterogenes Spektrum an Objekten – von fragilen Handschriften über naturwissenschaftliche Präparate bis hin zu großformatigen Kunstwerken. Diese Unterschiedlichkeit stellt uns vor sehr unterschiedliche Anforderungen, wenn es darum geht, im Schadensfall richtig zu priorisieren und zu handeln.«

Ebenso Interesse weckte die Vorstellung eines Notfallboxen-Sets, das speziell für den Einsatz in Bibliotheken und Archiven vorgesehen ist. Diese kompakten, einrichtungsnah gelagerten Boxen ermöglichen es dem Personal in den Einrichtungen, im Schadensfall unverzüglich erste Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen, beispielsweise bei einem Wasserschaden – noch bevor spezialisierte Einsatzkräfte eintreffen. Damit schließen die Notfallboxen eine entscheidende Lücke zwischen dem Eintreten eines Schadensereignisses und dem Beginn professioneller Bergungsmaßnahmen.

Dass Notfallvorsorge kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess ist, betont Andreas Christoph von der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek: »Wir dokumentieren unsere Bestände sowohl analog als auch digital – doch entscheidend ist, dass diese Dokumentation lebendig bleibt und regelmäßig aktualisiert wird. Nur so wissen wir im Ernstfall tatsächlich, was wo steht, in welchem Zustand es sich befindet und wie es geborgen werden muss.«

Gemeinsam für das kulturelle Erbe

Das Treffen im Gefahrenabwehrzentrum Jena stand exemplarisch für das, was Notfallverbünde leisten können: Sie schaffen Vertrauen, bauen Netzwerke auf und machen aus abstrakten Notfallplänen gelebte Praxis. Die enge Zusammenarbeit von Kultureinrichtungen, dem Kulturrat Thüringen und der Feuerwehr Jena zeigte dabei, wie fruchtbar ein ressortübergreifendes Miteinander für den Schutz des kulturellen Erbes sein kann.

Weitere Informationen zur Notfallvorsorge für Kultureinrichtungen in Thüringen, zu den Notfallverbünden sowie zu den Ausrüstungssätzen und dem Gerätewagen Kulturgutschutz finden Sie unter:www.kulturrat-thueringen.de

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