Zentrum für Wald und Holzwirtschaft meldet Sirococcus tsugae-Nachweis im Burgholz bei Wuppertal, NRW; hohes phytosanitäres Risiko in Deutschland

Wald und Holz NRW || Zentrum für Wald und Holzwirtschaft || Team Wald- und Klimaschutz || Steinmüllerallee 13 || 51643 Gummersbach Bearbeitung: Alexander Marx ||André Lieffertz || Norbert Geisthoff || Johannes Kuhlmann || Annette Köhne-Dolcinelli|| Christin Carl 1 von 2 Tel: 02931-7866-456 || info@forstschutz.nrw.de || http://www.waldschutz.nrw.de/ Waldschutzinfo Nr.03-2026 vom 29.04.2026

Erstnachweis von potenziellem Quarantäneschadorganismus Sirococcus tsugae in NRW an Atlaszeder und Libanonzeder

Kurzüberblick In dem Waldgebiet Burgholz bei Wuppertal wurde vom Zentrum für Wald und Holzwirt- schaft ein Triebsterben an Atlaszeder (Ce- drus atlantica) und Libanonzeder (Cedrus li- bani), verursacht durch den Pilz Sirococcus tsugae nachgewiesen (Abb. 1). Sirococcus tsugae befällt neben

Hemlocktannenarten (Tsuga hetero- phylla, T. canadensis, T. mertensi- ana) ebenfalls

Zedernarten (Atlaszeder - Cedrus at- lantica, Himalyazeder - C. deodara, Libanonzeder - C. libani) und die

Hybridlärche (Larix x eurolepsis).

Mit der Krankheit assoziierte Symptome sind: • eine Vergilbung oder Verbraunung der Nadeln sowie Nadelverlust • Absterben der Triebspitzen (Abb. 2) • bei sehr starkem Befall ein Absterben der betroffenen Bäume (Abb. 3)

Abb. 2: Absterbende Triebe mit verklebten Nadeln (Atlaszeder).

Ausbreitung des Erregers Die Konidien1 des Pilzes werden durch Regenspritzer lokal verbreitet, und es ist wahrscheinlich, dass starke Winde die Sporen über größere Entfernungen transportieren können. Pflanzgut, mög- licherweise auch geschnittenes Laub und Samen von Cedrus- und Tsuga-Arten aus Ländern, in denen S. tsugae vorkommt, könnten eine Quelle des Erregers sein (PÉREZ-SIERRA ET AL. 2016).

Verbreitung Das natürliche Verbreitungsgebiet des Schaderregers liegt in Nordamerika, wo er als erstes an Hemlocktannen beschrieben wurde. Ab dem Jahr 2013 wurden infizierte Bäume an verschiedenen Orten in Europa festgestellt: Auf den Britischen Inseln, in Nordirland, in der Schweiz, in Belgien – und in Deutschland. Im Jahr

1 Konidien nennt man eine bestimmte Form von Sporen der Pilze. Sie sind die für die höheren Pilze (Asco- und Ba- sidiomyceten) charakteristischen Verbreitungsorgane der vegetativen Vermehrung. Abb. 1 Fundorte mit positivem Laborbefund in Nordrhein-Westfa- len im FBB Burgholz bei Wuppertal.

Wald und Holz NRW || Zentrum für Wald und Holzwirtschaft || Team Wald- und Klimaschutz || Steinmüllerallee 13 || 51643 Gummersbach Bearbeitung: Alexander Marx ||André Lieffertz || Norbert Geisthoff || Johannes Kuhlmann || Annette Köhne-Dolcinelli|| Christin Carl 2 von 2 Tel: 02931-7866-456 || info@forstschutz.nrw.de || http://www.waldschutz.nrw.de/ 2023 wurde S. tsugae in Deutschland als ausgerottet gemeldet, nachdem er 2014 an einer Atlas- zeder (Cedrus atlantica) in einem privaten Garten in Niedersachsen festgestellt worden war. Ein Vorkommen an anderen Standorten in Deutschland war nicht bekannt. Nun wurde S. tsugae erst- mals wieder nachgewiesen an Atlaszeder und Libanonzeder - Abb. 1. Die aktuellen labortechni- schen Nachweise im FBB Burgholz (Wuppertal) erfolgten durch das amtliche Diagnoselabor der Landwirtschaftskammer NRW sowie durch das nationale Referenzlabor des Julius-Kühn-Instituts. Abb. 3 a (links): Gruppe von Atlaszedern vor dem Befall und ohne Symptome (2016) im Echtfarben-Luftbild. b (Mitte): Dieselbe Gruppe von Atlaszedern mit sichtbaren Befallssymptomen im Echtfarben-Luftbild von 2025 c (rechts): Beispiel für eine stark geschädigte aber noch nicht abgestorbene Zeder im Bestand

Risikobewertung In der Risikoanalyse des JKI (Julius-Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) heißt es: „Wegen seines hohen Schadpotenzials für wertvolle Ziergehölze und Baumschulware stellt Sirococcus tsugae ein erhebliches phytosanitäres Risiko für Deutschland und andere EU- Mitgliedstaaten dar. Aufgrund dieser Risikoanalyse besteht Anlass zur Annahme, dass sich der Schadorganismus in Deutschland oder anderen EU-Mitgliedstaaten ansiedeln und nicht unerheb- liche Schäden verursachen kann. Es sollten daher Maßnahmen zur Abwehr der Gefahr durch diesen potenziellen Quarantäneschadorganismus, insbesondere die Verhinderung der Ein- schleppung, entsprechend Artikel 29 der VO (EU) 2016/2031 getroffen werden.“ Da der Schadorganismus nun in NRW im Wald nachgewiesen wurde, wird durch das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft, Team Wald- und Klimaschutz, eine Ausbreitungsanalyse, Untersuchun- gen und ein Monitoring durchgeführt (Abb. 2, 3). Ziel ist es, das Schadgeschehen und das Auf- treten zu lokalisieren und zu dokumentieren und gegebenenfalls Maßnahmen zu planen. Unterstützen Sie das Sirococcus Monitoring in NRW Falls Ihnen Bäume der benannten Arten mit Symptomen oder mit einem allgemein schlechtem Kronenzustand bekannt sind, teilen Sie Ihre Beobachtung bitte unter folgender E-Mail Adresse mit: info@forstschutz.nrw.de Auf diese Weise können Sie einen wichtigen Beitrag zum Monitoring von Sirocuccus tsugae leisten. Vielen Dank!

Literatur Butin H, Brand T, Meier W (2015). Sirococcus tsugae – Erreger eines Triebsterbens an Cedrus atlantica in Deutschland. JOURNAL FÜR KULTURPFLANZEN 67 (4): 124–128. ISSN 1867-0911. https://doi.org/10.5073/JFK.2015.04.02 Pérez-Sierra A, Gorton C, Joan Webber J (2016). Sirococcus blight. Forest Research, Pathology Advisory Note 17. Alice Holt Lodge, Farnham, Surrey, GU10 4LH. Schmitz A, Charlier A, Chandelier A (2018). First report of Sirococcus tsugae causing shoot blight on Cedrus atlantica in Belgium. New Disease Reports 38: 16. https://doi.org/10.5197/j.2044-0588.2018.038.016 Stroheker S, Ruffner B, Beenken L (2022). First report of Sirococcus tsugae on Atlas cedar in Switzerland. New Disease Reports 45: e12073. https://doi.org/10.1002/ndr2.12073