Oliver Schwegmann Rede bei der ordentlichen Hauptversammlung der Berentzen-Gruppe AG; Spirituosenmarkt schwächer, weniger Alkoholkonsum
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Rede von Oliver Schwegmann Vorstand der Berentzen-Gruppe Aktiengesellschaft
anlässlich der ordentlichen Hauptversammlung der Berentzen-Gruppe Aktiengesellschaft
am 7. Mai 2026
Vorabveröffentlichung Stand 30.04.2026 Es gilt das gesprochene Wort!
Seite 2 von 14 Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Aktionärinnen und Aktionäre,
ich freue mich sehr, Sie zur diesjährigen virtuellen Hauptversammlung der Berentzen-Gruppe Aktiengesellschaft begrüßen zu dürfen und heiße Sie hiermit herzlich willkommen.
Chart 2
„Durch Tradition und Innovation begeistert Berentzen die Menschen von morgens bis abends mit den vielfältigsten Getränken.“
Diese Vision, meine Damen und Herren, ist unser täglicher Antrieb. Sie motiviert uns, die Weiterentwicklung unserer Unternehmensgruppe mit Leidenschaft und Engagement voranzutreiben. Dabei können wir mit Stolz auf eine mehr als 260-jährige Geschichte zurückblicken. Als moderner Getränkekonzern verbinden wir die Stärke dieser Tradition mit einem klaren Fokus auf Innovation.
Wir begleiten Menschen von morgens bis abends mit unterschiedlichsten Getränken: vom frisch gepressten Saft als Start in den Tag über erfrischende, belebende Limonaden am Nachmittag bis hin zu Spirituosen, die am Abend gesellige Momente ermöglichen und Menschen zusammenbringen. Unsere Produkte sind dabei weit mehr als nur Getränke. Sie sind Teil von Erinnerungen und besonderen Anlässen, die das Leben prägen.
Diese Vielfalt zeigt sich in unserem breit aufgestellten Portfolio an Marken und Produkten. Wir bedienen damit zahlreiche Konsumanlässe und -orte und erreichen viele verschiedene Konsumentinnen und Konsumenten. Das macht uns besonders.
Dieses breite Angebot ist zugleich ein belastbares Fundament. Es hat uns geholfen, die Berentzen- Gruppe erfolgreich durch die vielschichtigen Krisen der vergangenen Jahre zu führen, und es bildet ebenso die stabile Basis für unsere weitere Entwicklung in einem Marktumfeld, das weit über die Getränkebranche hinaus aktuell äußerst anspruchsvoll ist.
Seite 3 von 14 Chart 3
Meine Damen und Herren, diese Schlagzeilen sind nur ein kleiner Auszug aus dem, was viele Unternehmen derzeit Tag für Tag spüren: ein Marktumfeld, das von Unsicherheit und sich überlagernden Krisen geprägt ist. Handelskonflikte und Zölle sowie geopolitische Eskalationen und ihre Folgen für Energie und Lieferketten beeinflussen branchenübergreifend unsere gesamte Wirtschaft.
Hinzu kommen Belastungen, die sich unmittelbar in Kosten niederschlagen. Steigende Energiepreise etwa erhöhen den Druck auf Produktion und Logistik. Gleichzeitig bleiben Verbraucherinnen und Verbraucher in ihrem Konsumverhalten zurückhaltend. In einem solchen Umfeld werden Kaufentscheidungen bewusster getroffen, und Ausgaben für Genuss und Premiumprodukte werden häufiger hinterfragt oder verschoben.
Diese Entwicklung ist in der gesamten Getränkebranche und vor allem im Hinblick auf den Spirituosenmarkt spürbar. Hinzu kommt hier noch ein wachsendes Bewusstsein für eine gesündere Lebensweise, das vor allem junge Menschen dazu bringt, weniger Alkohol zu trinken.
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Wie bereits dargestellt bauen wir als moderner Getränkekonzern auf ein breites Fundament an vielfältigen Produkten. Den Großteil unseres Umsatzes generieren wir jedoch nach wie vor aus dem Segment Spirituosen. Lassen Sie uns daher einen kurzen Blick auf die Entwicklung in diesem Markt werfen.
In den Jahren nach der Corona Pandemie galt die allgemeine Erwartung: Nach dem Einschnitt kommt der Rebound. Nach dem Verzicht kommt Nachholkonsum. Und damit ein Markt, der sich zügig erholt und wieder auf einen Wachstumspfad einschwenkt.
Die Realität hat sich jedoch anders entwickelt.
Seite 4 von 14 Wir sehen eine spürbare Abweichung zwischen dem, was damals prognostiziert wurde, und dem, was tatsächlich eingetreten ist. Während die Erwartungen von einer fortgesetzten positiven Marktbewegung ausgingen, hat sich der Spirituosenmarkt in Deutschland ebenso wie in ganz Europa in den letzten Jahren deutlich schwächer entwickelt. Der erhoffte Rückenwind ist ausgeblieben. Stattdessen hat sich eine neue Normalität etabliert, die von Zurückhaltung und Verzicht geprägt ist. Ein Ende dieser deutlichen Nachfrageschwäche ist auch in den aktuellsten Marktdaten nicht zu erkennen.
Für unsere Unternehmensgruppe bedeutet das: Die Menschen trinken weniger Alkohol, sie wählen gezielter, und sie verändern ihre Gewohnheiten. Dieser Trend ist spürbar, er ist strukturell, und er verlangt von uns eine klare Antwort. Die Rahmenbedingungen unseres Wirtschaftens können wir nicht steuern. Wie wir darauf reagieren hingegen schon. Dazu später mehr.
Lassen Sie uns zunächst einen genaueren Blick auf die wichtigsten Kennzahlen des Geschäftsjahres 2025 unserer Unternehmensgruppe werfen.
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Nach der Erholung und dem damit verbundenen Wachstum in den frühen Nach-Corona-Jahren haben sich die Entwicklungen im gesamten Markt und insbesondere im Spirituosenmarkt auch in unserer Umsatzentwicklung bemerkbar gemacht.
Im Geschäftsjahr 2025 lagen die Konzernumsatzerlöse bei 162,9 Mio. Euro – nach 182,5 Mio. Euro im Jahr 2024. Ein wesentlicher Grund für den Rückgang ist neben der anhaltenden Konsumzurückhaltung in Bezug auf alkoholische Getränke auch die Veräußerung unserer Betriebsstätte mit dem Mineralbrunnen in Grüneberg im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2024. Wir haben uns damals bewusst zu diesem Schritt entschieden, weil ein Weiterbetrieb des Standortes aus Profitabilitätsgründen für uns keinen Sinn mehr gemacht hätte. Damit verbunden war die Aufgabe des Mineralwassergeschäfts vor Ort, welches nun wie geplant zu Umsatzeinbußen geführt hat.
Seite 5 von 14 Auch unsere weiteren wesentlichen Steuerungskennzahlen – das Konzern-EBIT und das EBITDA – liegen dementsprechend unter den Vorjahreswerten.
Wir können jedoch auch festhalten, dass wir trotz allem auch im Geschäftsjahr 2025 anhaltend profitabel gewirtschaftet haben und sowohl ein gutes Konzernergebnis in Höhe von 2,4 Mio. Euro als auch einen positiven Free Cashflow in Höhe von 5,1 Mio. Euro erzielen konnten. Diese Werte liegen deutlich über den Vorjahreswerten und zeigen eindrucksvoll, dass wir auch in herausfordernden Zeiten widerstandfähig sind – dazu später mehr von meinem Kollegen Ralf Brühöfner.
Meine Damen und Herren, neben den Schattenseiten des Marktumfelds, die ich Ihnen jetzt ausführlich erläutert habe, gibt es innerhalb unseres breiten Portfolios auch viele Produkte, die eine positive Wachstumsdynamik verzeichnet haben und uns damit echte Freude bereiten. Einige davon möchte ich Ihnen kurz darstellen.
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Zu diesen Produkten gehören zunächst die Berentzen Minis unserer Fokusmarke Berentzen. Die Minis haben im Geschäftsjahr 2025 ihren Wachstumskurs aus den Vorjahren fortgesetzt und ein erfreuliches Umsatzwachstum von 17,4 Prozent erzielt.
Diese Entwicklung ist nicht nur eine starke Zahl. Sie ist vor allem ein Ausdruck davon, dass wir mit dem Produktformat und der Zielgruppenansprache sehr nah an aktuellen Konsumrealitäten sind. Denn wir beobachten seit einiger Zeit eine zunehmende Eventisierung des Lebens. Der Konsum konzentriert sich immer stärker auf bestimmte Momente und Anlässe. Saisonale Highlights wie Karneval, Vatertag, Festivals oder auch zahlreiche regionale und private Feierformate gewinnen an Bedeutung. Genau dort sind Berentzen Minis besonders relevant: unkompliziert, leicht und teilbar. Verstärkt wird dieser Effekt durch praktische Accessoires wie den Berentzen Partygürtel oder die Berentzen Hosenträger, welche das On-the-go Erlebnis konsequent weiterführen und damit genau den Nerv der Zeit treffen.
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Auch unsere Fokusmarke Mio Mio hat sich im vergangenen Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus von neun Prozent wieder positiv entwickelt.
Ein wesentlicher Schritt für diese Entwicklung war auch die erfolgreiche Einführung des Dosengebindes im vergangenen Jahr. Damit haben wir Mio Mio gezielt in neue Absatzkanäle gebracht und zusätzliche Kaufanlässe erschlossen. Gerade dort, wo es um spontane Entscheidungen geht und um hohe Frequenz, spielt die Dose ihre Stärken aus. Das betrifft beispielsweise Tankstellen, Drogerien oder auch das Automatengeschäft. Kurz: Kanäle, die für Reichweite und Sichtbarkeit entscheidend sind und in denen Mio Mio heute deutlich stärker präsent ist als zuvor.
Gleichzeitig ist Mio Mio eine Marke, die nicht am Konsumenten vorbei entwickelt wird, sondern gemeinsam mit der starken Community. Wir agieren sehr nah an den Bedürfnissen unserer Zielgruppe, hören zu und setzen Impulse um. Das zeigt sich auch in diesem Jahr ganz konkret – darauf komme ich später noch einmal zurück.
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Meine Damen und Herren,
lassen Sie uns zuletzt auf unsere Fokusmarke Citrocasa schauen, und zwar ganz konkret auf die Umsatzentwicklung im Bereich Technik.
Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr zurückhaltend. Lassen Sie uns hier jedoch kurz etwas genauer hinschauen: Der hell hinterlegte Anteil in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 steht für unser Geschäft in den USA. Genau dieser Markt war im vergangenen Jahr von deutlich zunehmenden Herausforderungen geprägt, insbesondere durch die handelspolitischen Rahmenbedingungen mit der verschärften Zollpolitik, die von einem ständigen Auf und Ab geprägt waren. Daraus folgte, dass unsere Saftpressen von unserem Distributionspartner in den USA nicht verlässlich gehandelt werden konnten. In der Folge brach unser Umsatz in den USA mit knapp
Seite 7 von 14 -70 Prozent spürbar ein. Dieser Effekt überlagert bedauerlicherweise die Entwicklung des Gesamtbereichs.
Wenn wir die Darstellung um den US-Anteil bereinigen, sehen wir ein klares Umsatzwachstum. Diese Entwicklung zeigt: Citrocasa schafft ein relevantes Angebot, bedient aktuelle Trends und verfügt nach wie vor über große Wachstumspotenziale.
Meine Damen und Herren, wie Sie auf den letzten Folien sehen konnten, haben wir in unseren bisherigen Kernthemen nach wie vor erfolgsversprechende Marken und Produkte. Wir wissen aber auch, dass dies nicht ausreichend sein wird, um unsere Wachstumsambitionen für die Zukunft zu erfüllen.
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Ich habe Ihnen am Anfang meiner Präsentation dargelegt, wie herausfordernd unser Marktumfeld insbesondere im Bereich Spirituosen derzeit ist. Wir sind überzeugt, dass es sich nicht nur um eine temporäre Erscheinung handelt, sondern dass die anhaltende Absatzschwäche neben einigen Sondereffekten auch ein deutliches Signal dafür ist, dass sich die Gesellschaft und damit auch die Konsumentenbedürfnisse nachhaltig verändern. Aus diesem Grund haben wir bereits im Frühsommer des vergangenen Jahres damit begonnen, unsere erst eineinhalb Jahre alte Konzernstrategie Building BERENTZEN 2028 infrage zu stellen und einem umfassenden Revisionsprozess zu unterziehen. Einige kritische Stimmen sind der Auffassung, dass es falsch sei, eine Konzernstrategie nach so kurzer Zeit bereits wieder zu überholen. Wir sehen das anders: Nichts ist im unternehmerischen Kontext gefährlicher, als die Augen vor sich ändernden Realitäten zu verschließen und trotz aller externen Disruptionen einfach ein „Weiter-so“ zu praktizieren.
Daher haben wir unsere strategischen Leitlinien umfassend überarbeitet, sie genau auf den Prüfstand gestellt und zukunftsorientiert neu ausgerichtet. Das Ergebnis ist unsere Konzernstrategie „BERENTZEN EVOLVE 2030“ unter dem Motto: „Serving the evolution of consumer behavior“.
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Lassen Sie mich Ihnen erklären, wie wir diese Reise unternommen haben. Zunächst einmal haben wir die Gesamtsituation analysiert, die Sie auf die