SSVG instandsetzt Ersatzlebensraum Bräägg, Kirchberg SG; Abschluss noch 2026 erwartet

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SSVG Stiftung von BirdLife Schweiz B u l l e t i n Frühling 2026

2 Liebe Gönnerinnen und Freunde der SSVG Titelbild: Nicht nur den Amphibien bieten Kleingewässer Lebensraum und Nahrung. Die Schweizer Graureiher (Ardea cinerea) verspeisen aber sicher mehr Mäuse auf Wiesen und Feldern wie Amphibien in den wenigen Feuchtgebieten. Texte und Bilder: Andreas Schoellhorn, Bruno Schättin, Andy Wyss, Wikimedia Commons Druck und Gestaltung: Galledia Print AG / SSVG © SSVG Mit diesem SSVG-Bulletin wollen wir Projek- te zum Schutze von Amphibien vorstellen. In Gebieten, in denen die SSVG schon seit vie- len Jahren Verantwortung übernimmt. Für den Schutz von Amphibien ist der Erhalt und die Schaffung geeigneter Laichgewäs- ser zentral. Die meisten Arten verbringen den grössten Teil des Jahres oft weit ent- fernt von Gewässern, wo Schutzmassnah- men schwierig umzusetzen sind. In der Schweiz finden wir 19 Amphibien­ arten: Dazu gehören 2 Salamander- und 5 Molcharten der Ordnung Schwanzlurche sowie 12 Arten von Froschlurchen, zu de- nen Unken, Kröten, Laubfrösche und die sogenannten echten Frösche gehören. Zur Unterstützung der Amphibien und de- ren Biotopen sind weitere Projekte in Pla- nung. Wir freuen uns, zu gegebener Zeit wieder darüber berichten zu dürfen. Andreas Schoellhorn Geschäftsführung, Stiftungsrat SSVG Stiftung von BirdLife Schweiz Graureiher mit Moderlieschen (Leucaspius delineatus). Dieses gehört zu den kleinsten einheimischen Fischarten. Aber so wie Goldfische oder Libellenlarven fressen auch sie junge Kaulquappen, z. B. des Grasfro- sches. Sie können sich in Gartenteichen über Gene­rationen vermehren und halten.

Bedeutung von Laichgewässern Mit guten Laichgewässern kann man auch in kleinen Schutzgebieten eine grosse Wir- kung erzielen, weit über das Gebiet hinaus. Kleingewässer dienen nicht nur den Amphi- bien, sondern auch vielen anderen Tier- und Pflanzenarten, die auf solche Lebensräume angewiesen sind. Amphibien benötigen für ihre Fortpflan- zung weitgehend stehende und fischfreie Gewässer. Solche waren früher verbreitet in den Auen dynamischer Fluss- und Bachtäler oder in Mooren. Begradigungen und Drai- nagen liessen die Fortpflanzungsmöglich- keiten schrumpfen. Insbesondere Pionierge- wässer mit kiesigem Untergrund und noch wenig Pflanzen fand man in den Auen zwi- schen Fluss und Wald. Da diese natürlichen Landschaften weitgehend verschwanden, sind viele Arten von Amphi­bien auf Ersatz angewiesen. Ersatzlebensräume erfordern aber eine re- gelmässige Pflege anstelle der Hoch­ wasserdynamik natürlicher Fliessgewässer. ­Anderenfalls verlanden sie und verlieren ­ihren Wert für Amphibien schnell. Die Pfle- ge ist aber wegen des nassen Bodens und oft schwierigen Geländes anspruchsvoll und aufwendig. Unten: Dieser ehemalige Stauweiher einer Mühle bei Bütschwil ist stark von Schilf und Gehölzen überwachsen und kann kaum noch gepflegt werden. Dies bewirkte­ ein Schwinden der Popula­tionen von Amphibi- en. Im nächsten Winter wird er mit ­einem Bauprojekt für Amphibien und die zukün­ ftige Pflege wieder fit gemacht.

Pionierstandort Bräägg, Kirchberg SG Beim Bau der Umfahrung Bazenheid ­haben die Gemeinde Kirchberg, die Dorfkorporati- on und die Schweiz. Stiftung für Vogel- schutzgebiete (SSVG) einen Naturerlebnis- raum mit vielfältigen Naturlandflächen ver- wirklicht. In diesem Rahmen erwarb die SSVG vor zwanzig Jahren die Parzelle «Bräägg» und schuf Ersatzlebensraum in Form einer Lehm­grube mit kleinem Baggersee, Tüm- peln und Pionierstandorten. Als Biotop «Lehm-/Kiesgrube» sollten hier mittels re- gelmässiger Eingriffe stets Pionierstandorte mit Roh­böden und unbewachsenen Klein- gewässern bestehen. Das Gebiet war jedoch in den letzten Jahren nur noch bedingt zugänglich für maschi­ nelle Eingriffe. Insbesondere die steilen und höckerig gestalteten Uferbereiche waren kaum zu pflegen. Die ursprünglich geplanten Eingriffe zur ­Erhaltung des Pioniercharakters – so eine Art Naturschutz-Kiesgrube – liessen sich nicht wie angedacht umsetzen. Die Gewässer ver- landeten stark, waren eingewachsen mit Schilf und Rohrkolben und viel Gehölz rund- um. Zudem wurde die dünne Lehmabde- ckung der Gewässer undicht. Rechts: Die im Jahr 2025 neu gestaltete und für die zukünftige Werterhaltung ­opti­mierte Tümpellandschaft «Bräägg» im ­April 2026.

2024 begann die SSVG in Zusammenarbeit mit dem auf Amphibien spezialisierten Öko- büro «kreuzkroete.ch» die Planung für eine umfassende Instandstellung und Ertüchti- gung für die zukünftige Bewirtschaftung. Der sorgfältig ausgearbeitete Projektplan überzeugte das kantonale Amt für Natur, zwei Stiftungen und den Projektverbund «Na-thur» (vgl. S. 10). Das Projekt konnte im Winterhalbjahr 2025/26 schon weitgehend umgesetzt wer- den und wird voraussichtlich noch dieses­ Jahr abgeschlossen. Unten: Eine sorgfältige Planung und eine erfahrene Bauleitung sind entscheidend für ökologische und wirtschaftliche Qualität.

6 Liegenschaft Vogelherd, Lichtensteig Wie bei «Bräägg» ist die SSVG auch im Gebiet Vogelherd schon lange engagiert. Sie übernahm die ökologische Verantwor- tung für 18 ha Wiesen, Weiden, Moore und Wald von der Erbengemeinschaft des ursprünglichen Besitzers. Darauf realisierte die SSVG verschiedene Aufwertungen und liess die Wiesen fortan von lokalen Bau- ernfamilien pflegen. Das Elternhaus der Erben wurde ausparzel- liert und verkauft an die naturverbundenen heutigen Bewohner. Die Erbengemein- schaft wollte die landwirtschaftliche Nutz- fläche zukünftig ökologisch gepflegt wis- sen. Da solches Land nur an einen bäuerli- chen Betrieb verkauft werden kann, ent- schieden sich die Erben vor 20 Jahren für eine Dienstbarkeit zugunsten der ­SSVG und der Biodiversität, ohne es aus der Hand zu geben. Per 2026 erneuerten Erbengemein- schaft und SSVG ihre Zusammenarbeit für weitere 20 Jahre. Mit einem benachbarten Biobetrieb wurde ein neuer Unterpachtvertrag abgeschlos- sen mit verschiedenen ökologischen Auf- lagen. Zusammen mit den angrenzenden Waldungen der Ortsgemeinde und der exponierten Parzelle «Känzeli»­ des Städt- chens Lichtensteig bleibt so diese Insel in einer intensiv bewirtschafteten Landschaft als Schutzgebiet erhalten. Oben: Blick über die Liegenschaft Vogel­herd gegen Westen in Richtung Schnebelhorn im Tössbergland, der höchsten Erhebung des Kantons Zürich. Im Vordergrund ein Laichgewässer der Ge- burtshelferkröte.

7 Im Rahmen des Aufwertungsprojektes wur- den vor 20 Jahren verschiedene Kleinge- wässer geschaffen, insbesondere zur Förde- rung der im Gebiet noch heimischen, stark gefährdeten Geburtshelferkröte. Die Verbindung extensiver Landwirtschaft mit natürlichen Waldrändern, Hecken, klei- nem Fliessgewässer und mehreren Tümpeln zeichnet das Gebiet aus. 2025 wurden verschiedene dieser Gewässer intensiv gepflegt. Dazu wird oft auch schwe- res Gerät benötigt und Ausführende mit viel Verständnis für die angestrebten Ziele. Die Lebensweise der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) ist einzigartig unter den einheimischen Amphibien: Sie paaren sich an Land, das Männchen übernimmt die Eier und betreibt Brutpflege in einem feuchtwarmen Versteck. Erst mit den reifen Eiern begibt es sich ans Wasser, wo die Lar- ven gleich schlüpfen. Oben: Die gewässernahen Landlebensräu- me sind für die Geburtshelferkröte von be- sonderer Bedeutung. Es ist deshalb ange- dacht, hier den Lebensraum gezielt für die Bedürfnisse dieser besonderen kleinen Krö- tenart weiter zu verbessern. Zu diesen Her- ausforderungen gehört auch der Adlerfarn in der nahen steilen Weide.

8 Bruederwald, Mosnang Das Projekt auf diesem Kleinbetrieb mit stei- len Wiesen, Weiden, Mooren und Waldpar- tien ging im Jahr 2025 nach 10 Jahren for- mell zu Ende. Nicht aber die Bemühungen der SSVG, das Erreichte für die Zukunft zu erhalten. Das Gebiet liegt im oberen Murgtal im Wes- ten des Kantons St. Gallen, am Fusse des «Groot», der höchsten Erhebung des Kan- tons Thurgau, gleich hinter dem bekannten Zürcher «Hörnli». Der «Bruederwald» er- hielt seinen Namen wohl aus seiner Nähe zum Kloster Fischingen. Zentrales Ziel und Anliegen der Besitzer war neben der weiteren Ökologisierung der landwirtschaftlichen Nutzung, der Auflich- tung der Wälder und der Förderung der Or- chideen auch die Verbesserung des Ange- botes an Laichgewässern. Es wurden mehrere durch Hangwasser ge- spiesene Kleingewässer geschaffen sowie das «Bruederwaldseeli» nahe der Murg.

Rechts: Neben Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch fand das Monitoring in den ver- schiedenen Gewässern auch eine grosse Anzahl Larven des Feuersalamanders. Eine erfreuliche Überraschung war der Fund mehrerer Individuen des schweizweit als verletzlich eingestuften Fadenmolches (Lissotriton helveticus). Links: Das «Bruederwaldseeli» erforderte im Laufe des Projektes Verbesserungen, da es in einem der ersten Sommer ganz austrock- nete, der Lehm Risse bekam und fortan das Wasser im früher aufgeschütteten Unter- grund versickerte. Der sanierte Weiher bewährt sich seither bestens, auch bei den Amphibien, solange niemand Fische aussetzt. In diesem Projekt wurden auch die Libellen systematisch erfasst. 15 Arten wurden ge- funden, deren Auftreten und Entwicklung ein Schlussbericht detailliert festhält. Deut- lich zeigt sich dort die Bedeutung des gröss- ten Gewässers «Bruederwaldseeli» und wie wichtig dessen Sanierung war. Rechts: Eine Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) während des Moni- torings.

10 «Na-thur» 2011 wurde das Projekt «Natur pur an Necker und Thur» im unteren Toggenburg von den Ökoberatungen Reto Zingg ins ­Leben gerufen. Es wurde von den Standort- gemeinden und dem Regionalwerk Toggen- burg (rwt) unterstützt. Das Projekt umfasste primär ein Arten- und Gebietsmonitoring der für Amphibien relevanten Schutzge­ biete der SSVG, der Stiftung von BirdLife Schweiz. 2024 wurde das Projekt unter dem Kürzel «Na-thur» neu strukturiert als Zusammen- arbeit der Gemeinden Kirchberg, Bütschwil- Ganterschwil, Lütisburg und der rwt, geführt von einer Kommission mit Gemeindevertre- tern und der SSVG als institutioneller Partne- rin. Es wird angestrebt, den Perimeter um benachbarte Gemeinden zu erweitern. Der Schwerpunkt liegt auf dem Bewahren, Vernetzen und Aufwerten von Amphibien- laichgebieten und der zugehörigen Flora und Fauna. Ein Monitoring dient der Pro- jektplanung und Erfolgskontrolle. Im Peri- meter liegen wertvolle Lebensräume im unteren Neckertal bis zur Mündung in die Thur, entlang der Thur von Dietfurt bis Ba- zenheid sowie weitere Amphibienlaichge- biete in den Standortgemeinden. Projekte können in dieser Struktur schneller und einfacher geplant, finanziert und um- gesetzt werden, zum Vorteil von Natur und Behörden. Oben: Die Kreuzkröte (Epidalea calamita) ist eine der sehr selten gewordenen Arten der Schweiz. Eine Restpopulation wurde im Amphibienförderprojekt Kirchberg in der gros­sen Kiesgrube von Holcim erfolgreich vergrössert und weitet ihren Lebensraum wieder aus. «Na-thur» sollte dazu beitra- gen, dass dies zu­nehmend gelingt.

Jahresrechnung SSVG per 31.12.2025 Kommentar: Im Bulletin veröffentlichen wir eine vereinfachte Rechnung. Gerne stel- len wir den Revisionsbericht zur Verfügung. Nicht ausgewiesen ist der erhebliche ehren- amtliche Aufwand. Grundsätzlich arbeitet die SSVG mit ausgeglichenen Projektplänen und investiert Unterhaltsbeiträge vollum- fänglich in die Förderung der Biodiversität. Gönnerbeiträge und Legate sind von gro- sser Bedeutung als Eigenleistung zur Be- schaffung weiterer Mittel. Die Bulletins be- richten jeweils exemplarisch darüber. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung! Grosse Heidelibelle (Sympetrum striolatum) 2024 2025 Gönnerbeiträge 50’259 49’270 Legate 128’899 0 Beiträge an Projekte 19’000 192’072 Beiträge an Unterhalt 40’263 39’462 Weitere Gebietserträge 10’8