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title: "SSVG instandsetzt Ersatzlebensraum Bräägg, Kirchberg SG; Abschluss noch 2026 erwartet"
sdDatePublished: "2026-05-01T23:34:00Z"
source: "https://www.birdlife.ch/sites/default/files/documents/P129609_SSVG_Bulletin_Fruehling_2026_GzD-2.pdf"
topics:
  - name: "environmental policy"
    identifier: "medtop:20000423"
  - name: "nature"
    identifier: "medtop:20000441"
  - name: "conservation"
    identifier: "medtop:20000420"
locations:
  - "Toggenburg"
  - "Thurgau"
  - "Zürich (Kanton)"
  - "Switzerland"
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SSVG instandsetzt Ersatzlebensraum Bräägg, Kirchberg SG; Abschluss noch 2026 erwartet

P129609_SSVG_Bulletin_Fruehling_2026.indd

SSVG
Stiftung von BirdLife Schweiz
B u l l e t i n
Frühling 2026

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Liebe Gönnerinnen
und Freunde der SSVG
Titelbild: Nicht nur den Amphibien bieten
Kleingewässer Lebensraum und Nahrung.
Die Schweizer Graureiher (Ardea cinerea)
verspeisen aber sicher mehr Mäuse auf
Wiesen und Feldern wie Amphibien in den
wenigen Feuchtgebieten.
Texte und Bilder:
Andreas Schoellhorn, Bruno Schättin,
Andy Wyss, Wikimedia Commons
Druck und Gestaltung:
Galledia Print AG / SSVG
© SSVG
Mit diesem SSVG-Bulletin wollen wir Projek-
te zum Schutze von Amphibien vorstellen. In
Gebieten, in denen die SSVG schon seit vie-
len Jahren Verantwortung übernimmt.
Für den Schutz von Amphibien ist der Erhalt
und die Schaffung geeigneter Laichgewäs-
ser zentral. Die meisten Arten verbringen
den grössten Teil des Jahres oft weit ent-
fernt von Gewässern, wo Schutzmassnah-
men schwierig umzusetzen sind.
In der Schweiz finden wir 19 Amphibien­
arten: Dazu gehören 2 Salamander- und
5 Molcharten der Ordnung Schwanzlurche
sowie 12 Arten von Froschlurchen, zu de-
nen Unken, Kröten, Laubfrösche und die
sogenannten echten Frösche gehören.
Zur Unterstützung der Amphibien und de-
ren Biotopen sind weitere Projekte in Pla-
nung. Wir freuen uns, zu gegebener Zeit
wieder darüber berichten zu dürfen.
Andreas Schoellhorn
Geschäftsführung, Stiftungsrat
SSVG
Stiftung von BirdLife Schweiz
Graureiher mit Moderlieschen (Leucaspius
delineatus). Dieses gehört zu den kleinsten
einheimischen Fischarten. Aber so wie
Goldfische oder Libellenlarven fressen auch
sie junge Kaulquappen, z. B. des Grasfro-
sches. Sie können sich in Gartenteichen
über Gene­rationen vermehren und halten.

Bedeutung von
Laichgewässern
Mit guten Laichgewässern kann man auch
in kleinen Schutzgebieten eine grosse Wir-
kung erzielen, weit über das Gebiet hinaus.
Kleingewässer dienen nicht nur den Amphi-
bien, sondern auch vielen anderen Tier- und
Pflanzenarten, die auf solche Lebensräume
angewiesen sind.
Amphibien benötigen für ihre Fortpflan-
zung weitgehend stehende und fischfreie
Gewässer. Solche waren früher verbreitet in
den Auen dynamischer Fluss- und Bachtäler
oder in Mooren. Begradigungen und Drai-
nagen liessen die Fortpflanzungsmöglich-
keiten schrumpfen. Insbesondere Pionierge-
wässer mit kiesigem Untergrund und noch
wenig Pflanzen fand man in den Auen zwi-
schen Fluss und Wald. Da diese natürlichen
Landschaften weitgehend verschwanden,
sind viele Arten von Amphi­bien auf Ersatz
angewiesen.
Ersatzlebensräume erfordern aber eine re-
gelmässige Pflege anstelle der Hoch­
wasserdynamik natürlicher Fliessgewässer.
­Anderenfalls verlanden sie und verlieren
­ihren Wert für Amphibien schnell. Die Pfle-
ge ist aber wegen des nassen Bodens und
oft schwierigen Geländes anspruchsvoll
und aufwendig.
Unten: Dieser ehemalige Stauweiher einer
Mühle bei Bütschwil ist stark von Schilf und
Gehölzen überwachsen und kann kaum
noch gepflegt werden. Dies bewirkte­ ein
Schwinden der Popula­tionen von Amphibi-
en. Im nächsten Winter wird er mit ­einem
Bauprojekt für Amphibien und die zukün­
ftige Pflege wieder fit gemacht.

Pionierstandort Bräägg,
Kirchberg SG
Beim Bau der Umfahrung Bazenheid ­haben
die Gemeinde Kirchberg, die Dorfkorporati-
on und die Schweiz. Stiftung für Vogel-
schutzgebiete (SSVG) einen Naturerlebnis-
raum mit vielfältigen Naturlandflächen ver-
wirklicht.
In diesem Rahmen erwarb die SSVG vor
zwanzig Jahren die Parzelle «Bräägg»
und schuf Ersatzlebensraum in Form einer
Lehm­grube mit kleinem Baggersee, Tüm-
peln und Pionierstandorten. Als Biotop
«Lehm-/Kiesgrube» sollten hier mittels re-
gelmässiger Eingriffe stets Pionierstandorte
mit Roh­böden und unbewachsenen Klein-
gewässern bestehen.
Das Gebiet war jedoch in den letzten Jahren
nur noch bedingt zugänglich für maschi­
nelle Eingriffe. Insbesondere die steilen und
höckerig gestalteten Uferbereiche waren
kaum zu pflegen.
Die ursprünglich geplanten Eingriffe zur
­Erhaltung des Pioniercharakters – so eine Art
Naturschutz-Kiesgrube – liessen sich nicht
wie angedacht umsetzen. Die Gewässer ver-
landeten stark, waren eingewachsen mit
Schilf und Rohrkolben und viel Gehölz rund-
um. Zudem wurde die dünne Lehmabde-
ckung der Gewässer undicht.
Rechts: Die im Jahr 2025 neu gestaltete und
für die zukünftige Werterhaltung ­opti­mierte
Tümpellandschaft «Bräägg» im ­April 2026.

2024 begann die SSVG in Zusammenarbeit
mit dem auf Amphibien spezialisierten Öko-
büro «kreuzkroete.ch» die Planung für eine
umfassende Instandstellung und Ertüchti-
gung für die zukünftige Bewirtschaftung.
Der sorgfältig ausgearbeitete Projektplan
überzeugte das kantonale Amt für Natur,
zwei Stiftungen und den Projektverbund
«Na-thur» (vgl. S. 10).
Das Projekt konnte im Winterhalbjahr
2025/26 schon weitgehend umgesetzt wer-
den und wird voraussichtlich noch dieses­
Jahr abgeschlossen.
Unten: Eine sorgfältige Planung und eine
erfahrene Bauleitung sind entscheidend für
ökologische und wirtschaftliche Qualität.

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Liegenschaft Vogelherd,
Lichtensteig
Wie bei «Bräägg» ist die SSVG auch im
Gebiet Vogelherd schon lange engagiert.
Sie übernahm die ökologische Verantwor-
tung für 18 ha Wiesen, Weiden, Moore
und Wald von der Erbengemeinschaft des
ursprünglichen Besitzers. Darauf realisierte
die SSVG verschiedene Aufwertungen und
liess die Wiesen fortan von lokalen Bau-
ernfamilien pflegen.
Das Elternhaus der Erben wurde ausparzel-
liert und verkauft an die naturverbundenen
heutigen Bewohner. Die Erbengemein-
schaft wollte die landwirtschaftliche Nutz-
fläche zukünftig ökologisch gepflegt wis-
sen. Da solches Land nur an einen bäuerli-
chen Betrieb verkauft werden kann, ent-
schieden sich die Erben vor 20 Jahren für
eine Dienstbarkeit zugunsten der ­SSVG und
der Biodiversität, ohne es aus der Hand zu
geben. Per 2026 erneuerten Erbengemein-
schaft und SSVG ihre Zusammenarbeit für
weitere 20 Jahre.
Mit einem benachbarten Biobetrieb wurde
ein neuer Unterpachtvertrag abgeschlos-
sen mit verschiedenen ökologischen Auf-
lagen. Zusammen mit den angrenzenden
Waldungen der Ortsgemeinde und der
exponierten Parzelle «Känzeli»­ des Städt-
chens Lichtensteig bleibt so diese Insel in
einer intensiv bewirtschafteten Landschaft
als Schutzgebiet erhalten.
Oben: Blick über die Liegenschaft Vogel­herd
gegen Westen in Richtung Schnebelhorn im
Tössbergland, der höchsten Erhebung des
Kantons Zürich.
Im Vordergrund ein Laichgewässer der Ge-
burtshelferkröte.

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Im Rahmen des Aufwertungsprojektes wur-
den vor 20 Jahren verschiedene Kleinge-
wässer geschaffen, insbesondere zur Förde-
rung der im Gebiet noch heimischen, stark
gefährdeten Geburtshelferkröte.
Die Verbindung extensiver Landwirtschaft
mit natürlichen Waldrändern, Hecken, klei-
nem Fliessgewässer und mehreren Tümpeln
zeichnet das Gebiet aus.
2025 wurden verschiedene dieser Gewässer
intensiv gepflegt. Dazu wird oft auch schwe-
res Gerät benötigt und Ausführende mit viel
Verständnis für die angestrebten Ziele.
Die Lebensweise der Geburtshelferkröte
(Alytes obstetricans) ist einzigartig unter
den einheimischen Amphibien: Sie paaren
sich an Land, das Männchen übernimmt die
Eier und betreibt Brutpflege in einem
feuchtwarmen Versteck. Erst mit den reifen
Eiern begibt es sich ans Wasser, wo die Lar-
ven gleich schlüpfen.
Oben: Die gewässernahen Landlebensräu-
me sind für die Geburtshelferkröte von be-
sonderer Bedeutung. Es ist deshalb ange-
dacht, hier den Lebensraum gezielt für die
Bedürfnisse dieser besonderen kleinen Krö-
tenart weiter zu verbessern. Zu diesen Her-
ausforderungen gehört auch der Adlerfarn
in der nahen steilen Weide.

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Bruederwald, Mosnang
Das Projekt auf diesem Kleinbetrieb mit stei-
len Wiesen, Weiden, Mooren und Waldpar-
tien ging im Jahr 2025 nach 10 Jahren for-
mell zu Ende. Nicht aber die Bemühungen
der SSVG, das Erreichte für die Zukunft zu
erhalten.
Das Gebiet liegt im oberen Murgtal im Wes-
ten des Kantons St. Gallen, am Fusse des
«Groot», der höchsten Erhebung des Kan-
tons Thurgau, gleich hinter dem bekannten
Zürcher «Hörnli». Der «Bruederwald» er-
hielt seinen Namen wohl aus seiner Nähe
zum Kloster Fischingen.
Zentrales Ziel und Anliegen der Besitzer war
neben der weiteren Ökologisierung der
landwirtschaftlichen Nutzung, der Auflich-
tung der Wälder und der Förderung der Or-
chideen auch die Verbesserung des Ange-
botes an Laichgewässern.
Es wurden mehrere durch Hangwasser ge-
spiesene Kleingewässer geschaffen sowie
das «Bruederwaldseeli» nahe der Murg.

Rechts: Neben Grasfrosch, Erdkröte und
Bergmolch fand das Monitoring in den ver-
schiedenen Gewässern auch eine grosse
Anzahl Larven des Feuersalamanders. Eine
erfreuliche Überraschung war der Fund
mehrerer Individuen des schweizweit als
verletzlich eingestuften Fadenmolches
(Lissotriton helveticus).
Links: Das «Bruederwaldseeli» erforderte im
Laufe des Projektes Verbesserungen, da es
in einem der ersten Sommer ganz austrock-
nete, der Lehm Risse bekam und fortan das
Wasser im früher aufgeschütteten Unter-
grund versickerte.
Der sanierte Weiher bewährt sich seither
bestens, auch bei den Amphibien, solange
niemand Fische aussetzt.
In diesem Projekt wurden auch die Libellen
systematisch erfasst. 15 Arten wurden ge-
funden, deren Auftreten und Entwicklung
ein Schlussbericht detailliert festhält. Deut-
lich zeigt sich dort die Bedeutung des gröss-
ten Gewässers «Bruederwaldseeli» und wie
wichtig dessen Sanierung war.
Rechts: Eine Zweigestreifte Quelljungfer
(Cordulegaster boltonii) während des Moni-
torings.

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«Na-thur»
2011 wurde das Projekt «Natur pur an
Necker und Thur» im unteren Toggenburg
von den Ökoberatungen Reto Zingg ins
­Leben gerufen. Es wurde von den Standort-
gemeinden und dem Regionalwerk Toggen-
burg (rwt) unterstützt. Das Projekt umfasste
primär ein Arten- und Gebietsmonitoring
der für Amphibien relevanten Schutzge­
biete der SSVG, der Stiftung von BirdLife
Schweiz.
2024 wurde das Projekt unter dem Kürzel
«Na-thur» neu strukturiert als Zusammen-
arbeit der Gemeinden Kirchberg, Bütschwil-
Ganterschwil, Lütisburg und der rwt, geführt
von einer Kommission mit Gemeindevertre-
tern und der SSVG als institutioneller Partne-
rin. Es wird angestrebt, den Perimeter um
benachbarte Gemeinden zu erweitern.
Der Schwerpunkt liegt auf dem Bewahren,
Vernetzen und Aufwerten von Amphibien-
laichgebieten und der zugehörigen Flora
und Fauna. Ein Monitoring dient der Pro-
jektplanung und Erfolgskontrolle. Im Peri-
meter liegen wertvolle Lebensräume im
unteren Neckertal bis zur Mündung in die
Thur, entlang der Thur von Dietfurt bis Ba-
zenheid sowie weitere Amphibienlaichge-
biete in den Standortgemeinden.
Projekte können in dieser Struktur schneller
und einfacher geplant, finanziert und um-
gesetzt werden, zum Vorteil von Natur und
Behörden.
Oben: Die Kreuzkröte (Epidalea calamita)
ist eine der sehr selten gewordenen Arten
der Schweiz. Eine Restpopulation wurde im
Amphibienförderprojekt Kirchberg in der
gros­sen Kiesgrube von Holcim erfolgreich
vergrössert und weitet ihren Lebensraum
wieder aus. «Na-thur» sollte dazu beitra-
gen, dass dies zu­nehmend gelingt.

Jahresrechnung SSVG per 31.12.2025
Kommentar: Im Bulletin veröffentlichen
wir eine vereinfachte Rechnung. Gerne stel-
len wir den Revisionsbericht zur Verfügung.
Nicht ausgewiesen ist der erhebliche ehren-
amtliche Aufwand. Grundsätzlich arbeitet
die SSVG mit ausgeglichenen Projektplänen
und investiert Unterhaltsbeiträge vollum-
fänglich in die Förderung der Biodiversität.
Gönnerbeiträge und Legate sind von gro-
sser Bedeutung als Eigenleistung zur Be-
schaffung weiterer Mittel. Die Bulletins be-
richten jeweils exemplarisch darüber.
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!
Grosse Heidelibelle (Sympetrum striolatum)
2024
2025
Gönnerbeiträge
50’259
49’270
Legate
128’899
0
Beiträge an Projekte
19’000
192’072
Beiträge an Unterhalt
40’263
39’462
Weitere Gebietserträge
10’8