Udo Markus Bentz eröffnet Pilgersaison in Kevelaer; Zahl der Individualpilger steigt

Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz eröffnet Pilgersaison in Kevelaer - Bistum Münster

01.05.2026, 13:38 Uhr , Kreisdekanat Kleve Gottesdienst Wallfahrt Kreisdekanat Kleve

Traditionell schlug Bentz mit einem goldenen Hammer drei Mal gegen die Pilgerpforte der Basilika, um diese zu öffnen. Der Erzbischof begann seine Predigt mit einer persönlichen Erfahrung: Der Umzug seines Vaters in ein Seniorenheim habe gezeigt, dass ein Raum erst durch Vertrautheit, Beziehung und Erlebtes zu einem Zuhause werde. Daran anknüpfend betonte Bentz, dass „Räume an unserer Innerlichkeit bauen“ und Menschen Orte brauchen, die nicht einengen, sondern Halt, Schutz und Würde ermöglichen. Mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen wie wachsende Polarisierung und schwindende Toleranz stellte er die Frage, welchen Raum Menschen einander noch geben. Zugleich hob er die geistliche Dimension hervor und zitierte den Psalm: „Du hast mir weiten Raum geschaffen in meiner Bedrängnis.“ Wallfahrt bedeute, aus persönlicher Enge aufzubrechen und darauf zu vertrauen, dass Gott Weite, Trost und neue Perspektiven schenke. Dabei verändere Gott nicht immer sofort die äußeren Umstände, sondern öffne vor allem das Herz und ermögliche neues Aufatmen. Vom Kreuz her entstehe selbst in größter Bedrängnis ein Raum der Beziehung und Gemeinschaft. Wer Trost erfahre, sei aufgerufen, auch anderen Räume der Hoffnung und Barmherzigkeit zu eröffnen.

Zum Wallfahrtsmotto „Raum geben“ erläutert Dr. Bastian Rütten von der Wallfahrtsleitung: „Wir wollen, dass Raum gegeben wird – Raum für Toleranz, Raum für Begegnung, Raum für Dialog, interreligiös, aber auch zwischen unseren sozialen Gesellschaftsschichten.“ Das Motto sei aus einem intensiven Austausch der Wallfahrtsrektoren Nordwestdeutschlands hervorgegangen und greife aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen auf: „Wir sehen vielerorts Verengung und Radikalisierung. Dem setzen wir bewusst ein offenes, einladendes Thema entgegen.“

Neben bewährten liturgischen Angeboten wird das Programm 2026 gezielt um Formate ergänzt, die neue Erfahrungen ermöglichen – inhaltlich wie räumlich. Kirchen und Kapellen bleiben zentrale Orte, sollen aber zugleich als offene Räume für persönliche Begegnungen erfahrbar werden. Dabei reagiert die Wallfahrt auch auf veränderte Pilgergewohnheiten: Während klassische Gruppen etwas zurückgehen, nimmt die Zahl der Individualpilger zu. „Der Platz ist weiterhin voll, unsere Gottesdienste sind gut besucht“, sagt Rütten. „Viele Menschen kommen ohne feste Planung – religiös, touristisch oder beides. Ihnen wollen wir Möglichkeiten eröffnen.“

Eine besondere Herausforderung liege darin, auf diese Entwicklung flexibel zu reagieren. „Wichtig ist, Zeiträume zu halten, in denen Begegnung möglich ist. Menschen kommen einfach – und dann müssen wir da sein“, betont Rütten. Dazu gehöre auch, neue Formen der Präsenz zu entwickeln, etwa durch ansprechbare Seelsorgende im öffentlichen Raum. Das Ziel der Pilgerinnen und Pilger ist in Kevelaer die „Trösterin der Betrübten“, als die die Gottesmutter Maria dort verehrt wird. Für Rütten bleibt deren Aktualität ungebrochen: „Trost und Tröstung – aber auch die Erfahrung von Betrübnis – gehören zu unserer Zeit. Wir laden ein, zu entdecken, ob der Glaube und dieser Ort dabei helfen können.“