Jasmin Blanc Bärtsch hält Vortrag am Parteitag in Zürich über Entwicklungen im Iran; Regimewechsel unter Pahlavi-Führung gefordert
Aktuelles aus dem Iran und der Bezug zur Schweiz – EDU Kanton Zürich
Aktuelles aus dem Iran und der Bezug zur Schweiz
Am Parteitag vom 27. März stand neben den üblichen Traktanden ein besonderer Höhepunkt im Zentrum: In einem eindrücklichen Vortrag zeichnete Jasmin Blanc Bärtsch die Entwicklungen im Iran der letzten 50 Jahre nach – persönlich, fundiert und hochaktuell.
Eindrücke aus der Zeit vor der Revolution
Jasmin Blanc Bärtsch schilderte im Vortrag das Leben vor der islamischen Revolution aus der Perspektive einer jungen Iranerin. Unter dem Schah wurde der Iran im Rahmen der «Weissen Revolution» modernisiert. Frauen erhielten Zugang zu Bildung, konnten als Parlamentarierinnen und allen Berufen tätig sein. Sie konnten mit der Neuordnung des Familienrechts über Heirat und Scheidung selbst bestimmen. Der Staat unterstützte Frauen und Männer beim Studium.Diese Errungenschaften prägten Blanc Bärtschs Kindheit und Jugend in Teheran. Sie berichtete von relativ westlichen Lebensweisen, Modefreiheit und kultureller Vielfalt. Anders als die offizielle Propaganda es heute darstellt, war der Iran der 1960er und 70er-Jahre ein wirtschaftlich prosperierendes Land im Aufbruch, das Frauenrechte ausbaute und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichte.
Der Umbruch durch die islamische Revolution
Der marxistisch-islamistische Umsturz der konstitutionellen Monarchie im Februar 1979, der von vielen Muslimen mitgetragen wurde und auch linke Politiker mitriss, veränderte die Situation fundamental und nur kurze Zeit später wurde der Hijab wieder zur Pflicht. Das Tragen des Kopftuchs im öffentlichen Dienst und später in der gesamten Gesellschaft wurde vorgeschrieben. Mädchen und Jungen wurden an Universitäten getrennt. Das Familienrecht erlaubte jetzt wieder die Ehe mit mehreren Frauen. Mädchen wurden wieder verheiratet und die Frauen wurden im Rechtssystem stark benachteiligt.In den darauffolgenden Jahren haben die Mullahs und Revolutionsgarden das Land wirtschaftlich ruiniert und an den Abgrund getrieben.
Blanc Bärtsch erzählte, wie dieser radikale Bruch das Leben im Iran veränderte. Als junge Frau erlebte sie die Einführung der Zwangsverschleierung und die Überwachung durch Sittenpolizisten. Sie schilderte die Angst vor Verhaftungen und die Beschneidung der persönlichen Freiheiten. Der Krieg mit dem Irak brachte zusätzlich viel Leid. Aus der Schweiz beobachtete sie als Doppelbürgerin, wie ihre iranischen Landsleute indoktriniert und unterdrückt sowie hingerichtet wurden und welche Hoffnungen sie trotz alledem aufrechterhielten.
Blick aus der Schweiz und aktuelles Engagement
Blanc Bärtsch warnte vor der Unterwanderung des Westens durch den Islamismus, also dem radikalen politischen Islam. Sie beschrieb das Ziel des iranischen Regimes, Israel zu vernichten und die Welt zu islamisieren. Der Antisemitismus im Westen werde durch muslimische Bürger in den Westen importiert und habe erschreckende Ausmasse angenommen.Die Referentin gab dem Publikum Einblick in das Lebensgefühl der iranischen Diaspora. Als Schweizerin in Zürich baute sie ein neues Leben auf, engagierte sich aber weiterhin für ihre Heimat. Seit Jahrzehnten gehört sie zur Exil-Opposition. Sie analysiert die zunehmenden Proteste und die Revolution gegen das islamistische Regime und schildert die Stimmung im Land. Ihre Doppelperspektive – einerseits von der Freiheit in der Schweiz, andererseits von der Unterdrückung im Iran – ermöglichte es ihr, die dramatischen Unterschiede eindrücklich zu vermitteln. Blanc Bärtsch berichtete, dass viele Iraner jetzt politisch organisiert sind. Als Mitglied der Iran-Novin-Partei setzt sie sich für einen Regimewechsel unter der Führung von Reza Pahlavi und einen demokratischen Iran ein.
Der Vortrag von Jasmin Blanc Bärtsch war eine bewegende Zeitreise durch 70 Jahre iranischer Geschichte. Aus eigener Erfahrung schilderte sie, wie der Iran unter dem Schah modernisiert wurde und Frauen viele Rechte erhielten. Die islamische Revolution zerstörte diese Fortschritte; Zwangsverschleierung, frühe Zwangsverheiratungen und die Benachteiligungen der Frauen prägten fortan den Alltag. Als Doppelbürgerin schilderte sie eindrücklich, wie das Leben in Freiheit in der Schweiz ihr politisches Bewusstsein schärfte und sie dazu motivierte, für ein freies Iran einzutreten. Ihre heutige Arbeit als Kulturvermittlerin und Aktivistin zeigt, dass die Hoffnung auf Veränderung weiterlebt. Sie rief das Publikum dazu auf, die iranische Zivilgesellschaft zu unterstützen und die Stimmen jener zu hören, die sich gegen das Regime erheben.
(*1956, Hamburg) ist eine deutsch-iranisch-schweizerische Expertin und oppositionelle iranische Politikerin.
Sie wuchs in Teheran auf, hat einen Master in Health Administration und hat die Altersversorgung in der Schweiz mitgestaltet. Seit vielen Jahren engagiert sie sich gegen das islamistische Regime im Iran und arbeitet heute als Senior Policy Advisor for Iran sowie als Vermittlerin zwischen der deutschsprachigen und der iranischen Gesellschaft.