Goldenstein-Schwestern reisen nach Rom; Dikasterium verweigerte Genehmigung

Sprecher: Goldenstein-Schwestern werden instrumentalisiert - katholisch.de

Wien‐ Sie sind glücklich in Rom gelandet und haben den Papst gesehen. Ein Lebenstraum der Goldenstein-Schwestern hat sich erfüllt. Doch ihr Ordensoberer sieht das anders. Sein Sprecher erklärt im katholisch.de-Interview, warum.

Die drei Augustiner-Chorfrauen ausGoldensteinsind wieder “ausgebüchst”. Dieses Mal zum Papst nachRom.Erneut mit Hilfe ihres Helferkreises, aberohne Erlaubnis ihres Ordensoberen, Propst Markus Grasl. Sein offizieller Sprecher,der WienerKommunikationsexperte HaraldSchiffl, erklärt die Situation im Interview mit katholisch.de und was ihn dabei ärgert.

Frage: Herr Schiffl, der Vatikan-Journalist Andreas Englisch hat es geschafft: Er berichtet, dass er die drei Nonnen aus Goldenstein nach Rom geholt hat und sie sogar den Papst sehen konnten – mit Tränen in den Augen. Rührt Sie das?

Schiffl:Das freut mich für Herrn Englisch und es freut mich selbstverständlich für die Schwestern. Ich finde aber, die Schwestern werden hier ein Stück weit für Eigeneinteressen unterschiedlicher Personen instrumentalisiert. Außerdem ist eine Reise in dem Alter eine extreme Belastung. Alle drei sind über 80 Jahre alt und benötigen medizinische Betreuung. Propst Markus Grasl und sein Assistent, Erzabt Jakob Auer, sind wirklich in großer Sorge und hoffen, dass die drei wieder gesund zurück kommen.

Frage: Eine der Schwestern soll sogar in einem Rollstuhl auf den Petersplatz gefahren worden sein, in dem schon Papst Franziskus saß…

Schiffl:Ich freue mich für die Schwestern, wenn sie in Rom eine schöne Zeit haben. Aber es geht uns auch um die Menschen, die die Schwestern für ihre Zwecke benutzen und sich damit profilieren wollen. Abgesprochen war diese Reise nach Rom jedenfalls nicht. Es gab auch kein grünes Licht für diese Reise. Vor zwei Wochen haben die Schwestern persönlich in einem Schreiben festgehalten, dass sie die Rom-Reise nicht antreten werden. Alle drei hatten es unterschrieben. Da stand eindeutig: “Leider entspricht diese Reise nicht unserer klösterlichen Lebensordnung, die in den Konstitutionen unseres Ordens festgelegt ist”. Die Schwestern haben noch vergangenen Samstag dem Erzabt per Telefon mitgeteilt, dass sie nicht abreisen werden. Am Dienstag in der Früh erreichte uns dann noch eine Pressemitteilung des Priesters Wolfgang Rothe, dem selbsternannten Sprecher des Helferkreises.Darin stand, dass die Reise der Schwestern nach Rom abgesagt wurde.Und gleichzeitig sind die Schwestern schon am Flughafen. Wie geht das? Wir wissen es nicht. Vor allem aber stellt sich die Frage nach dem Warum dieser Vorgangsweise.

Frage: Wer hätte den Schwestern diese Reise nach Rom erlauben sollen?

Schiffl:Die Schwestern hätten dazu eine Genehmigung des Dikasteriums für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens in Rom gebraucht. Das ist so in den Konstitutionen der Augustiner-Chorfrauen festgelegt. Aber so eine Genehmigung aus Rom gab es zu keinem Zeitpunkt. Das Dikasterium hat gestern selbst bestätigt, dass es keine Genehmigung für die Reise gibt.

Der deutsche Vatikan-Experte und Journalist Andreas Englisch hat die Reise der drei Goldenstein-Schwestern nach Rom mitorganisiert. Ein Rollstuhl, in dem die Ordensfrauen auf den Petersplatz gebracht wurden, soll angeblich schon Papst Franziskus genutzt haben.

Frage: Hätten Sie den Schwestern diese Reise gegönnt oder ihnen erlauben wollen?

Schiffl:Jeder versteht den Wunsch einer Reise nach Rom, einer Reise in den Vatikan, eine Reise zum Heiligen Vater, sehr gut. Es ist ein besonderes Erlebnis. Und ich freue mich, wenn die Schwestern eine tolle Zeit in Rom haben. Völlig unabhängig davon ist, dass es keine Genehmigung von Rom dafür gab. Und, um es nochmals klar zu sagen, weder Erzabt Jakob Auer noch Propst Markus Grasl könnten so eine Reise erlauben, weil das eben nur das zuständige Dikasterium in Rom kann. Aber Rom hat es nicht genehmigt.

Frage: Es war nach Aussagen der Helferder Lebenstraum der Schwestern, einmal in ihrem Leben noch den Papst zu sehen…

Schiffl:Wie gesagt, es geht überhaupt nicht darum, ob die Schwestern reisen und den Papst sehen dürfen oder nicht. Es geht darum, dass die Helferinnen und Helfer alles dafür tun, um die Kommunikation zwischen den Schwestern und den zuständigen Oberen kaputt zu machen. Propst Grasl und Erzabt Auer sind sehr bemüht, den Schwestern einen guten Lebensabend zu ermöglichen. Die chaotischen Umstände dieser Reise machen das nur noch unnötig schwerer. Die Schwestern haben von sich aus zugesichert, dass sie diese Reise nicht antreten werden. Ich frage mich, wie die Helferinnen und Helfer sie dazu bekommen haben, gegen ihre eigene Absicht, diese Reise dennoch anzutreten. Und warum das nicht wahrhaftig von der Gruppe der Helferinnen und Helfer kommuniziert wurde. Die Experten, Herr Englisch und Herr Rothe, kennen die Gepflogenheiten und Abläufe in der Kirche ganz genau. Warum haben sie sich nicht daran gehalten? Das ist uns schleierhaft. Um es nochmals klar zu sagen: Dem Propst und dem Erzabt liegt eine gute Lösung für die Schwestern sehr am Herzen. Deshalb wurde in den letzten Monaten, gemeinsam mit den Schwestern, der Vertrag sehr freundlich ausgearbeitet. Wir sind sehr dankbar, dass über vertrauensvolle Gespräche die gemeinsame Zukunft fast geklärt werden konnte. Sie waren kurz vor dem gemeinsamen Abschluss. Deshalb die Sorge,dass die Aktivitäten einer Gruppe von Helferinnen und Helferndas alles torpedieren und die Schwestern für eigene Zwecke instrumentalisieren.

Frage: Haben Sie denn versucht, die Schwestern nach ihrem Verschwinden aus Goldenstein zu erreichen?

Schiffl:Natürlich hat Erzabt Auer das versucht, mehrfach. Die Schwestern sind für ihn seit Dienstag nicht mehr auf ihren Mobiltelefonen erreichbar. Dass der Erzabt und der Propst deshalb in Sorge sind, ist selbstverständlich.

Frage: Vielleicht haben die Schwestern vergessen ihre Handys an das Datenroaming im Ausland anzupassen?

Schiffl:Sie haben doch Helfer dabei, die ihnen dabei helfen könnten, mit uns zu kommunizieren. Das ist sichtlich nicht geschehen. Bisher war Erzabt Jakob Auer mit ihnen im engen und guten, ja vertrauensvollen Kontakt. Sie haben oft miteinander telefoniert. Und auch er hat nur über einen Anwalt, der ihm am Dienstagabend eine E-Mail geschickt hat, erfahren, dass die Schwestern nach Rom reisen. Das ist keine gute Kommunikation und macht vieles kaputt, was davor schon auf einem besseren Weg war.

Die drei Goldenstein-Schwestern winken Papst Leo auf dem Petersplatz in Rom zu. Sie hatten dabei wohl Tränen in den Augen. Ein Lebenstraum hat sich für sie erfüllt. Aber unter welchen Voraussetzungen?

Frage: Kamen die Schwestern mitErzabt Auer von Salzburgbesser zurecht als mit ihrem Ordensoberen?

Schiffl:Rom hatte die Idee eingebracht, dass auf Grundlage des schriftlichen Vorschlags ihres Ordensoberen Propst Markus Grasl vom November des Vorjahresgemeinsam mit dem nun neu beauftragten Assistenten, dem Erzabt von Salzburg, Jakob Auer, eine Lösung für und mit den Schwestern gefunden werden soll. Der Erzabt hat da nochmals eine neue und gute Gesprächsbasis reingebracht. Seitdem gab es viele persönliche Gespräche. Sie saßen mit den Schwestern mehrmals an einem Tisch, um miteinander die Zukunft in Goldenstein zu klären, deren größter Wunsch es ist, im Kloster bleiben zu können. Und ich kann sagen, dass die Gespräche kurz vor einem guten Abschluss standen. Es ging bei der möglichen Lösung darum, dass die Schwestern auf Schloss Goldenstein angemessen medizinisch versorgt werden und ihnen dort ein geistlich-spirituelles Leben ermöglicht wird. Alle Beteiligten waren guten Mutes, dass miteinander eine zukunftsfähige Lösung hinbekommen wird. Bei den Gesprächen waren allerdings immer auch Helferinnen dabei.

Frage: Wird es nun Sanktionen für die Schwestern geben?

Schiffl:Das ist derzeit kein Thema. Jetzt müssen die Schwestern wieder gesund zurückkehren. Dann muss man sehen, ob das Dikasterium in Rom sich zu den aktuellen Vorgängen äußert. Es wird auf jeden Fall in der Kommunikation nicht einfacher werden.

Frage: Wie kann es nun für die Schwestern weitergehen, nach dieser Romreise?

Schiffl:Wir wissen nicht, wann die Schwestern aus Rom zurückkommen. Es gibt keine Informationen dazu an uns. Ebenso wissen wir nicht mehr, wem man in dem Helferkreis noch glauben kann. Diese Aktion hat vieles kaputt gemacht. Wann immer sie zurückkehren, wird man mit ihnen reden müssen. Die Situation muss geklärt und bereinigt werden. Wir brauchen einen langen Atem und hoffen, dass sie gut und gesund zurückkommen.

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