DIHK veröffentlicht Positionspapier ‘Informations- und Medienvielfalt in Deutschland sichern’ in Deutschland; Sechs zentrale Impulse formuliert.
Informations- und Medienvielfalt in Deutschland sichern: DIHK-Position
Informations- und Medienvielfalt in Deutschland sichern
Ein vielfältiges Informations- und Medienangebot ist eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Um faktenbasierte Entscheidungen treffen, Risiken bewerten und Märkte einschätzen zu können, sind Unternehmen auf unabhängige und verlässliche Informationen angewiesen.
Das Ende 2025 von der DIHK-Vollversammlung verabschiedete Positionspapier “Informations- und Medienvielfalt in Deutschland sichern” analysiert die tiefgreifenden Veränderungen der Medienmärkte, benennt wachsende Risiken für private Medienunternehmen und zeigt auf, welche medienpolitischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um einen vielfältigen, unabhängigen und zukunftsfähigen Informationsraum zu erhalten.
Das Wichtigste in Kürze: Medienvielfalt und Wirtschaft
Medienvielfalt sichert EntscheidungenUnternehmen sind auf unabhängige, überprüfbare Informationen angewiesen – für Investitionen, Marktanalysen und Standortentscheidungen.
Regionale Berichterstattung ist StandortfaktorIn fast jedem zweiten Landkreis gibt es nur noch eine wirtschaftlich eigenständige Lokalzeitung. Das erschwert Standortmarketing und Fachkräftesicherung, vor allem in ländlichen Regionen.
Digitale Plattformen verschieben MärkteWenige globale Plattformanbieter bündeln einen Großteil der Werbeumsätze und Informationsströme. Das gefährdet die Geschäftsmodelle privater Medienunternehmen.
Kultur- und Kreativwirtschaft als InnovationsmotorMit rund 123 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und einem Anteil von 3,3 Prozent an der Gesamtwirtschaft ist die Kultur- und Kreativwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftssektor – und Treiber für digitale Innovation.
Ziel der DIHKVerlässliche, praxisnahe medienpolitische Rahmenbedingungen, die Wettbewerb ermöglichen, Medienvielfalt sichern und Unternehmen einen fairen Zugang zu Informationen bieten.
Die Medienangebote der Region haben für Unternehmen eine große Bedeutung. Sie spiegeln lokale Marktbedingungen, berichten über relevante Infrastrukturprojekte, begleiten Standortentscheidungen und verstärken die Sichtbarkeit von Betrieben vor Ort. In vielen Regionen ist die Medienvielfalt jedoch geschrumpft. Wo nur noch eine Lokalzeitung präsent ist oder journalistische Anbieter sich ganz zurückziehen, entstehen Informationslücken. Diese Entwicklungen verstärken Abkopplungstendenzen in strukturschwachen ländlichen Räumen und erschweren es, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen oder den Standort gegenüber Investoren zu positionieren.
“Unternehmen benötigen belastbare, unabhängige Informationen, um Investitionen zu planen, Risiken zu bewerten und Innovationen voranzutreiben.”
Welche Inhalte sichtbar sind und welche Informationsquellen genutzt werden, bestimmen zunehmend digitale Plattformen. Für eine wachsende Zahl von Unternehmerinnen und Unternehmern sind soziale Medien die am häufigsten genutzte Informationsquelle, gefolgt von lokalen Tageszeitungen und Fachmedien. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit der Medienunternehmen von den Reichweiten und Algorithmen weniger großer Plattformanbieter. Die Plattform- und Aufmerksamkeitsökonomie verschiebt Werbebudgets und Einnahmenströme hin zu globalen Akteuren, die große Teile des digitalen Werbemarktes kontrollieren.
Durch den Rundfunkbeitrag verfügen öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten über vergleichsweise stabile Finanzierungsstrukturen. Private Medienhäuser sind dagegen in hohem Maße von Werbeeinnahmen abhängig, die sich zunehmend in den digitalen Raum und auf internationale Plattformen verlagern. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine digitalen Angebote ausweitet, verschärft die Konkurrenzsituation im Netz weiter. Die DIHK fordert einen fairen Ausgleich, der den besonderen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schützt und zugleich private Medienunternehmen in ihren Geschäftsmodellen nicht unverhältnismäßig einschränkt.
Viele Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft sind mittelständisch geprägt und arbeiten mit dynamischen Projektzyklen. Komplexe Förderanträge, starre arbeitsrechtliche Vorgaben und unklare Regelungen zur Scheinselbstständigkeit erschweren es ihnen, schnell auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Auch die Ausgestaltung der Künstlersozialabgabe ist aus Sicht vieler Unternehmen nicht ausreichend trennscharf und verursacht zusätzlichen bürokratischen Aufwand.
Wie lässt sich nun die Informations- und Medienvielfalt sichern und gleichzeitig die wirtschaftliche Basis der Kultur- und Kreativwirtschaft stärken? Die DIHK-Vollversammlung hat sechs zentrale Impulse formuliert. Sie zielen auf einen medienpolitischen Rahmen, der Wettbewerb ermöglicht, Innovation fördert und Planungssicherheit für Unternehmen schafft.
Schutz journalistischer und kreativer Arbeit im Zeitalter künstlicher Intelligenz
Die DIHK fordert eine stabile, rechtssichere urheberrechtliche Regulierung für journalistische und kreative Inhalte über nationale Grenzen hinweg. Inhalte aus Medienhäusern und der Kultur- und Kreativwirtschaft bilden einen wichtigen Teil der Datengrundlage für Werkzeuge mit künstlicher Intelligenz (KI). Gleichzeitig können KI-generierte Kurzfassungen journalistischer Beiträge dazu führen, dass Nutzerinnen und Nutzer in den Angeboten großer Technologieunternehmen verbleiben, anstatt die ursprünglichen Quellen zu besuchen. Das schwächt die Refinanzierung journalistischer Angebote und untergräbt die wirtschaftliche Basis der Medienunternehmen. Ziel ist ein Ausgleich, der Innovation mit KI ermöglicht, ohne die Wertschöpfung aus kreativer und journalistischer Arbeit zu entwerten.
Private Medienunternehmen benötigen flexible und praxistaugliche Rahmenbedingungen, um in einem dynamischen Medienmarkt bestehen zu können. Dazu gehören:
flexible Regelungen zur Arbeitszeit, die auf Produktionsspitzen und aktuelle Nachrichtenlagen reagieren lassen,
klare, praxisgerechte Vorgaben zur Abgrenzung von selbstständiger Tätigkeit und Scheinselbstständigkeit,
eine Künstlersozialabgabe, die kohärent, bürokratiearm und unternehmerfreundlich ausgestaltet ist:
Aus Sicht der DIHK sollte die Abgabe nur dann anfallen, wenn die betreffende Person tatsächlich in der Künstlersozialversicherung versichert ist. Die Kriterien für eine “nicht nur gelegentliche” Auftragsvergabe, die zur Abgabepflicht führt, sollten rechtssicher präzisiert werden.
Faire Regeln für eine moderne Medienpolitik und ein zukunftsfähiges duales System
Die DIHK setzt sich für ein zukunftssicheres duales Mediensystem aus öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern ein. Der besondere Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks soll gesichert bleiben, darf Märkte privater Anbieter aber nicht stärker als notwendig beeinträchtigen. Entscheidende Punkte sind:
eine Medienpolitik, die technische und gesellschaftliche Entwicklungen laufend berücksichtigt,
ein “Level Playing Field”, alsofaire Wettbewerbsbedingungen,für private Medienunternehmen, insbesondere im digitalen Raum,
eine konsequente Ausrichtung öffentlich-rechtlicher Angebote am verfassungsrechtlich definierten Auftrag.
Der Reformstaatsvertrag der Länder – mit der geplanten Verringerung presseähnlicher Online-Texte – muss konsequent umgesetzt werden. Wirtschaftliche Akteure sollten in Rundfunkräten und Medienanstalten weiterhin angemessen vertreten sein, um wirtschaftliche Perspektiven in die Aufsicht über den Sendeauftrag einzubringen.
Offene und bestreitbare digitale Märkte
Die DIHK misst offenen Standards und wirksamer Wettbewerbsaufsicht in digitalen Märkten eine große Bedeutung bei. Geschlossene technische Ökosysteme können Markt- und Kommunikationsmacht konzentrieren und den Zugang neuer Anbieter erschweren. Wichtig sind daher:
eine konsequente Anwendung des Digital Markets Act auf europäischer Ebene,
offene Standards und Interoperabilität, etwa bei Messenger-Diensten,
transparente Regeln für Outlinks, die Nutzerinnen und Nutzer aus geschlossenen Plattformumgebungen zu externen Informationsangeboten führen können.
Ziel ist es, den Zugang zum Markt für journalistische, kreative und mittelständische Anbieter zu sichern und Innovation zu ermöglichen.
Förderzugang vereinfachen und zielgerichtet gestalten
Förderprogramme für Medien-, Film- und Kreativwirtschaft sollten konsequent auf Bürokratieabbau und Praxistauglichkeit ausgerichtet sein. Die DIHK empfiehlt insbesondere:
kurze Bearbeitungszeiten und klare Förderziele,
eine Konzentration auf Infrastruktur, digitale Produktionsmittel und marktwirksame Projekte statt inhaltlicher Steuerung.
Von vereinfachten Förderstrukturen profitieren insbesondere Soloselbstständige, Start-ups und kleine Produktionsfirmen, die nur begrenzte Ressourcen für administrative Prozesse haben.
Digitale Souveränität der Kultur- und Kreativwirtschaft stärken
Die Kultur- und Kreativwirtschaft kann eine zentrale Rolle bei der Entwicklung alternativer Plattformmodelle spielen – etwa auf Basis freier Software, föderaler Architekturen und offener Quellcodes. Die DIHK sieht hier Potenzial für:
interoperable Systeme, die Marktzugang für neue Anbieter erleichtern,
europäische Lösungen, die digitale Souveränität stärken.
Staatliche Digitalförderung sollte diese Innovationsprojekte gezielt adressieren. So entsteht eine vielfältigere, resilientere digitale Öffentlichkeit, die von Unternehmen ebenso genutzt werden kann wie von Bürgerinnen und Bürgern.
Das komplette Papier ist hier im PDF-Format abrufbar:
Sicherung der Informations- und Medienvielfalt in Deutschland (PDF, 275 KB)
Referatsleiter für interne und digitale Kommunikation
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