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title: "Landesamt für Archäologie Sachsen untersucht das Gelände des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers Mangold in Leipzig; ca. 600 Befunde dokumentiert."
sdDatePublished: "2026-05-02T00:52:00Z"
source: "https://medienservice.sachsen.de/medien/news/1096778/download_pdf"
topics:
  - name: "archaeology"
    identifier: "medtop:20000744"
  - name: "war crime"
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  - name: "construction and property"
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locations:
  - "Leipzig"
  - "Germany"
  - "Dresden"
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Landesamt für Archäologie Sachsen untersucht das Gelände des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers Mangold in Leipzig; ca. 600 Befunde dokumentiert.

Medienservice Sachsen - Pressemitteilung

LANDESAMT
FÜR ARCHÄOLOGIE
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Medieninformation
Landesamt für Archäologie Sachsen
Ihre Ansprechpartnerin
Dr. Cornelia Rupp
Durchwahl
Telefon +49 351 8926 603
info@lfa.sachsen.de*
30.04.2026
Archäologische Untersuchungen auf dem Gelände des
ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers »Mangold« in
Leipzig
Medieninformation zum Pressetermin am 30.04.2026 auf der
Ausgrabung
Am heutigen Tag fand ein Pressetermin auf der archäologischen Ausgrabung
in der Diezmannstraße 12 in Leipzig Kleinzschocher statt. Das brach liegende
Grundstück soll wieder bebaut werden. Im Vorfeld der geplanten Bebauung
untersucht das Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) noch bis Mai 2026
die Fläche, denn hier befand sich ein unter der NS-Herrschaft im Oktober
1942 in Betrieb genommenes Lager für zivile Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter.
Als Ansprechpartner standen zur Verfügung:
Mirko Oehlert M.A., wissenschaftlicher Grabungsleiter (LfA)
Dr. Saskia Kretschmer, Referatsleiterin (LfA)
Dr. Michael Strobel, Referatsleiter Inventarisation/Dokumentation und
Mitglied der Arbeitsgruppe »Stätten der NS-Zwangsarbeit in Sachsen« (LfA)
Isabel Panek, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte für
Zwangsarbeit Leipzig
Hintergrund
Auf dem Areal befand sich ein unter der NS-Herrschaft im Oktober
1942 in Betrieb genommenes Lager für zivile Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter aus ganz Europa und der Sowjetunion. Sie mussten
vor allem für die Firma Rudolf Sack arbeiten. Das im Jahr 1863
gegründete Unternehmen hatte seinen Sitz in Leipzig Plagwitz und
produzierte als Landmaschinenfabrik zunächst Geräte für den Ackerbau.
Hausanschrift:
Landesamt für Archäologie
Sachsen
Zur Wetterwarte 7
01109 Dresden
www.lfa.sachsen.de
* Kein Zugang für verschlüsselte
elektronische Dokumente. Zugang
für qualiziert elektronisch signierte
Dokumente nur unter den auf
www.lsf.sachsen.de/eSignatur.html
vermerkten Voraussetzungen.

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In den 1930er Jahren stellte es zunehmend auf Rüstungsproduktion um.
Während des Zweiten Weltkrieges waren dies kriegsrelevante Produkte
wie Gespanne, Maschinengewehr-Wagen, Hülsen für Bomben und Granaten
sowie Grabenpüge.
Die
Rud.
Sack
KG
beschäftigte
ab
1941
ausländische
zivile
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene. 1943
arbeiteten 1700 deutsche und 1200 ausländische Arbeitskräfte für
das Unternehmen und bis zum Kriegsende erhöhte sich die Zahl
der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf 3000. Die Rud.
Sack KG errichtete mindestens 13 Lager für die Unterbringung der
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Das größte war das Lager
»Mangold« in der Diezmannstraße.
Das 3500 qm große Grundstück pachtete die Rud. Sack KG vom Verein
für Turnen und Bewegungsspiele Leipzig e.V. und beauftragte eine
Entwurfsplanung von dem Leipziger Architekturbüro Schmidt & Johlige. Von
den ursprünglich 20 geplanten Baracken wurden nur 16 gebaut. Geplant
war eine Unterbringung von bis zu 1300 Personen. Im Durchschnitt waren
hier 900 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern untergebracht. Im
Februar 1944 wurde das Lager bombardiert und eine Baracke zerstört.
Zum Schutz vor Luftangriffen befanden sich zwischen den Baracken
Splitterschutzgräben.
Nach Kriegsende brachte man in dem ehemaligen Zwangslager Displaced
Persons (DP), also jene Zivilpersonen, die sich durch die Kriegsereignisse
außerhalb ihrer Heimat aufhielten, unter. Im Frühjahr 1945 lebten in
den Baracken zeitweise fast 1300 Menschen. Nach deren Rückführung
richtete die sowjetische Militärregierung ein Quarantänelager für deutsche
Flüchtlinge aus dem Osten ein, das bis 1950 in Betrieb war. Danach riss man
die Baracken ab, ein Gebäude blieb weiterhin in Benutzung und wurde erst
1996 abgerissen.
Die Ausgrabung
Die Voruntersuchungen für die Ausgrabung starteten im November
letzten Jahres. Neben einem Abtrag des Oberbodens zählte dazu auch
eine Begehung des Kampfmittelräumdienstes, der das Vorhaben immer
wieder begleitet. Nach einer witterungsbedingten Unterbrechung starteten
die eigentlichen Ausgrabungen im Februar 2026. Der Abschluss der
archäologischen Untersuchung ist für Mai 2026 vorgesehen.
Die gesamte Untersuchungsäche umfasst rund 9000 qm und bislang
konnten ca. 600 Befunde erfasst werden. Dazu zählen vor allem
Fundamente, Pfosten und Holzböden der Baracken, Wege, Gruben, ein
Heizraum und die Splitterschutzgräben. Bei den Funden handelt es sich
um Objekte, die aus der Zeit der Lagernutzung stammen und zum
täglichen Leben der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gehörten,
wie beispielsweise Lederschuhe, Teller, Tassen, Löffel und Glasaschen.
Die jüngsten Funde sind DDR-zeitlich, aber nicht immer ist eine eindeutige
Zeiteinordnung der Objekte zweifelsfrei möglich.
Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik: »Mit der Ausgrabung der im Boden
verbliebenen Reste des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers »Mangold« bietet

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sich letztmalig die Chance, Einblicke in Struktur und Geschichte des Lagers
zu erhalten und dies für die Nachwelt zu dokumentieren. Mit der geplanten
Neubebauung werden die im Boden verbliebenen Reste unwiederbringlich
zerstört. Eine bestehende Bebauung des südlichen Lagerareals erfolgte
bereits unkontrolliert, ohne dass Rücksicht auf die Vergangenheit des
Standortes genommen wurde.«
Fragestellungen
Auf Luftbildern der Alliierten aus den Jahren 1944 und 1945 ist deutlich
erkennbar, dass das Lager nicht genau der Entwurfsplanung des Leipziger
Architekturbüros Schmidt & Johlige entsprach. Im Zentrum der Anlage
befand sich 1944 eine noch unbebaute Fläche, auf der scheinbar
Bodeneingriffe vorgenommen worden sind. Bis zum Frühjahr 1945 wurden
dort zwei weitere Baracken errichtet. Deren Fundamentgräben konnten
aufgedeckt werden und anhand der hellen Dachdeckung, die auch
auf den Luftbildern erkennbar ist, kann eines der Gebäude, das in
Massivbauweise errichtet wurde, auch auf einem Foto aus den ersten
Tagen nach der Befreiung identiziert werden. Die Ausgrabung bietet
nun die Chance, bauliche Abfolgen und Veränderungen zu dokumentieren
und mit überlieferten Quellen abzugleichen. Alle Veränderungen zeichnen
sich deutlich im archäologischen Befund ab. Das bedeutet für die
Archäologen, dass Überschneidungen und Überlagerungen von Befunden
horizontalstratigrasch entschlüsselt und in Abfolge gebracht werden
müssen, um sie dann mit den Planungsunterlagen und Luftaufnahmen zu
vergleichen.
Natürlich erwarten wir auch Erkenntnisse zur Versorgung und zu
den Lebensumständen der Zwangsarbeiterinnen Zwangsarbeiter. Aus
brandenburgischen Lagern, die archäologisch untersucht wurden, wissen
wir, dass die Lebensbedingungen in Lagern je nach Herkunft der
Menschen unterschiedlich waren. Menschen aus Osteuropa und sowjetische
Kriegsgefangene lebten hier unter deutlich schlechteren Bedingungen als
deutsche und westeuropäische Zivilarbeiterinnen und -arbeiter. Es bleibt zu
prüfen, ob und wie sich auch im Lager »Mangold« eine nationalsozialistisch-
rassistisch geprägte Lagerhierarchie widerspiegelt.
Auf dem Lagerareal soll auch eine »Entbindungs- und Kinderstube«
für schwangere Zwangsarbeiterinnen und Mütter mit Kindern sowie ein
Quarantänelager für Flüchtlinge gewesen sein. Spuren, die auf diese
Nutzungen hinweisen, wurden bisher noch nicht angetroffen.
Zeitgeschichtliche Archäologie
Archäologische Untersuchungen der jüngeren Zeitgeschichte, werden unter
dem Begriff »Zeitgeschichtliche Archäologie« – auch Archäologie der
Moderne – zusammengefasst.
Zunächst
konzentrierten
sich
zeitgeschichtliche
archäologische
Untersuchungen vor allem auf NS-zeitliche Konzentrationslager. Seit
Mitte der 2010er Jahre werden Kampfplätzen und Stätten der NS-Zeit
regelmäßig archäologisch untersucht und teilweise auch unter Schutz

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gestellt. Besonders in Brandenburg und in der Umgebung von Berlin
wurden ehemalige NS-Lager (Konzentrationslager, Kriegsgefangenenlager,
Zwangsarbeiterlager) seit etwa 2000 systematisch untersucht.
Die Archäologie der Moderne erstreckt sich aber auch auf die Nachkriegszeit
und DDR als abgeschlossene Epoche: Dazu gehört z. B. die Innerdeutsche
Grenze (»Grünes Band«).
In
Sachsen
begann
die
zeitgeschichtliche
Archäologie
2003
mit
Untersuchungen im Kriegsgefangenenlager Zeithain, und ist inzwischen
selbstverständlicher Teil der Arbeit des LfA. Die archäologische
Untersuchung des ehemaligen Lagers in Kleinzschocher ist in Leipzig nicht
die erste Maßnahme der zeitgeschichtlichen Archäologie. Bereits 2023
wurden an der Capastraße Zwangslager durch den wissenschaftlichen
Grabungsleiter Mirco Oehlert untersucht.
Medien:
Dokument: Medieninformation_Zwangsarbeiterlager
Links:
Bildmaterial (Über SiDaS bis 10.5.26 verfügbar)
Zwangsarbeit in Leipzig