29 Pilger aus dem Pfarrverband Straßkirchen; Pilgerreise zu Marien-Wallfahrt in Pesaro, Urbino, Loreto, Italien Höhepunkt: Santa Casa in Loreto
Pilgerreise zu den Wurzeln der Marien-Wallfahrt | Bistum Passau
Pilgerreise zu den Wurzeln der Marien-Wallfahrt
Wenn eine Reise die Seele berührt, den Geist durch Kunst beflügelt und den Gaumen verzaubert, dann kann das Ziel nur das Herz Italiens sein: die Marken.
Eine Gruppe von29Pilgern aus dem Pfarrverband Straßkirchen unter der geistlichen Leitung von Pfarrer Andreas Erndl kehrte kürzlich von einer Exkursion dorthin zurück, die den perfekten Bogen zwischen tiefer Spiritualität und der sprichwörtlichen italienischen Lebensfreude spannte.(Abb.1)
Ausgangspunkt für das Besichtigungsprogramm war die Küstenstadt Pesaro. Die Adria-Metropole zieht als Geburtsstadt des berühmten Komponisten Gioachino Rossini weltweit Musikliebhaber an und offenbart bei einem Blick hinter die Fassaden der Altstadt einen beeindruckenden Reichtum an sakraler Kunst und Geschichte.
Der Stadtrundgang begann im spirituellen Herzen der Stadt, der Kathedralbasilika Mariä Himmelfahrt, wo sich die Teilnehmer bei einem Gottesdienst in der Kapelle des Stadtpatrons St. Terenz auf die Wallfahrt einstimmen ließen. Der Dom Pesaros ist im Inneren eine archäologische Sensation. Unter dem gläsernen Boden der Kathedrale erstrecken sich kunstvolle Mosaike aus dem4. und6. Jahrhundert mit Darstellungen von Fabelwesen, floralen Mustern und christlichen Symbolen (Abb.2). Nur wenige Schritte entfernt, im imposanten Palazzo Lazzarini, befindet sich das Diözesanmuseum. In den prächtigen Sälen bewunderten die Pilger bedeutende archäologische Funde, darunter Fragmente der antiken Kathedralmosaike, die hier aus nächster Nähe studiert werden konnten.
Den glanzvollen Abschluss der Stadtführung bildete der Besuch des Oratoriums Nome di Dio. Der prunkvolle Innenraum, der im17. Jahrhundert von der gleichnamigen Bruderschaft gestaltet wurde, überwältigte die Besucher mit seiner vergoldeten Holzdecke und einem beeindruckenden Gemäldezyklus.
Urbino: Wo die Renaissance lebendig bleibt
Als nächstes stand das UNESCO-Welterbe Urbino auf dem Programm. Die Stadt in den Hügeln der Marken präsentiert sich als ein perfekt erhaltenes Gesamtkunstwerk der Renaissance. Der Rundgang startete mit einem Besuch des Oratoriums San Giovanni Battista. Hinter der unscheinbaren Fassade verbirgt sich einer der bedeutendsten Freskenzyklen der internationalen Gotik, einer„Bilderbibel“ von unglaublicher Detailtiefe. (Abb.3) Auf ihrem Streifzug durch die steilen Gassen der Renaissancestadt lernten die Besucher auch die herrschaftliche Pracht des Palazzo Ducale und das Geburtshaus von Raffael kennen. Vor diesem bescheidenen, aber würdevollen Haus spürten die Pilger etwas von der Atmosphäre, in der einer der bedeutendsten Maler aller Zeiten seine Kindheit verbrachte.
Dass die Marken auch kulinarisch Weltklasse sind, bewies ein Abstecher nach Acqualagna. Bei einer Trüffelverkostung erfuhren die Reisenden, warum das„schwarze Gold“ der Region so begehrt ist. Einen Moment der inneren Einkehr bot anschließend die idyllisch gelegene Klosterkirche San Vincenzo al Furlo, wo in der kühlen Stille des romanischen Baus eine gemeinsame Andacht mit Gebet der lauretanischen Litanei gefeiert wurde.
Der Höhepunkt der Reise: Die Santa Casa von Loreto
Der emotionale Höhepunkt der Reise war die imposante Basilica Pontificia della Santa Casa in Loreto (Abb.4). Sie beherbergt eines der größten Heiligtümer der Christenheit: das„Heilige Haus“ von Nazareth. Die Geschichte, wonach im späten13. Jahrhundert die Wände des Wohnhauses der Jungfrau Maria durch die Familie Angeli oder, wie die Legende besagt, durch Engelshände über das Meer nach Loreto in Italien gebracht wurden, faszinierte die Pilger sichtlich.
Nach einem gemeinsamen Gottesdienst in der Krypta der Kirche (Abb.5) hatten die Wallfahrer Gelegenheit, die beeindruckende Papstbasilika mit dem„Heiligen Haus“ zu bewundern. Von außen ist das Haus von einer prachtvollen Marmorverkleidung aus der Renaissance umschlossen mit feinsten Reliefs, die Geschichten aus dem Leben Mariens erzählen. (Abb.6) Im Inneren strahlt schlichtes Mauerwerk aus Ziegelsteinen eine archaische Ruhe aus (Abb.7), die den meisten Wallfahrern der Gruppe wohlvertraut war: Haben sie doch in ihrer Heimatgemeinde Thyrnau auch eine Loretokapelle, die in ihren Abmessungen und der Innenraumgestaltung große Ähnlichkeit mit der originalen Santa Casa in Loreto aufweist. Im Halbdunkel vor der Statue der Schwarzen Madonna verdichtet sich hier wie dort die Geschichte von Jahrhunderten zu einem Moment absoluter Stille. Anders als in Thyrnau macht aber in Loreto insbesondere der Kontrast zwischen der gewaltigen Kathedrale außen und der schlichten Enge der drei Wände innen den Besuch zu einer Grenzerfahrung zwischen Geschichte und Mysterium.
Wein und Lebensfreude in Angeli di Varano
Einen herrlich weltlichen Kontrapunkt setzte der Besuch bei Ettore und Lorenzo in Angeli di Varano bei Ancona. Die humorvolle Weinprobe der beiden Winzer-Originale sorgte für Tränen vor Lachen und beste Stimmung. Zwischen vollmundigen Weinen, kulinarischen Spezialitäten aus der Region und italienischen Geschichten wuchs die Reisegruppe noch enger zusammen.
Fano: Ein Streifzug durch die„Stadt des Glücks“
Den feierlichen Schlusspunkt setzte ein Besuch der Stadt Fano, das antike„Fanum Fortunae“ (übersetzt Heiligtum der Glücksgöttin Fortuna). Beginnend am Augustusbogen, einem monumentalen Stadttor aus dem Jahr9nach Christus und heutigen Wahrzeichen der Stadt erkundete die Gruppe die sakrale Vielfalt des Ortes.
Nur wenige Gehminuten entfernt führte der Weg zur Cattedrale di Santa Maria Assunta. Hinter der romanischen Fassade verbirgt sich ein Innenraum von schlichter Eleganz, in dem besonders die Nolfi-Kapelle mit ihren prächtigen Fresken von Domenichino die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Entdeckungstour setzte sich in der Chiesa San Silvestro fort. Diese kleine Kirche ist ein Juwel des Manierismus und beherbergt einen kunstvollen Freskenzyklus. Einen atmosphärischen Höhepunkt bildete die Chiesa di San Francesco. Was heute als Ruine unter freiem Himmel steht, wirkt wie eine filmreife Kulisse. Der Blick in den offenen Himmel zwischen den hohen Mauern war ein Moment des Innehaltens, der den Stadtrundgang perfekt abrundete (Abb.8).
Müde, aber beseelt und mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck, verabschiedete sich die Gruppe von einer Region, die als gelungene Symbiose aus prächtiger Renaissance, tiefer Spiritualität bedeutender Wallfahrtsorte und italienischer Lebensart den Wallfahrern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ein großes Lob gab es daher von den Teilnehmern bei der Heimfahrt für Pfarrer Andreas Erndl sowie Gerda und Manfred Eichberger sen. vom gleichnamigen Busunternehmen für die hervorragend organisierte Reise.
Text und Bilder: Norbert Sterl
Abb.1: Die Pilgergruppe aus dem Pfarrverband Straßkirchen vor der Basilica Pontificia della Santa Casa in Loreto.Abb.2: In den Mosaiken im Dom von Pesaro findet man auch eine Darstellung der bekannten Geschichte von Jona, der vom Wal verschluckt wird.Abb.3: Im Oratorium San Giovanni Battista beeindruckte die Wallfahrer besonders die Darstellung der Kreuzigung Christi durch ihre dramatische Ausdruckskraft und die leuchtenden Farben, die über die Jahrhunderte nichts von ihrer Brillanz verloren haben.Abb.4: Die imposante Basilica Pontificia della Santa Casa in Loreto.Abb.5: In der Krypta unter der Santa Casa di Loreto feierte Pfarrer Andreas Erndl mit den Wallfahrern Gottesdienst.Abb.6: Von außen ist das„Heilige Haus“ mit prachtvollen Marmorreliefs bekleidet.Abb.7: Im Inneren des„Heiligen Hauses“ überraschte die Pilger die große Ähnlichkeit mit der Loretokapelle in Thyrnau.Abb.8: Die Ruine der ehem. Chiesa di San Francesco.
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