Deutsches Institut für Urbanistik und Hochschule Koblenz Evaluierung des Spitzensport-Förderprogramms FR Bau Deutscher Bundestag; Keine Hinweise auf Benachteiligung bestimmter Sportarten
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- April 2025
Schriftliche Stellungnahme zur Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestages am 6. Mai 2026 zum Thema „Perspektiven und Weiterentwicklung der Infrastruktur für den Spitzensport“
vorgelegt von Dr. Stefan Schneider, Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Von der Förderung zur Wirkung: Spitzensport-Infrastruktur analysiert Hintergrund und Zielstellung Effiziente und zielgerichtete Förderung ist entscheidend für den Ausbau und die Modernisierung von Sportinfrastruktur. Als Baustein des Forschungsprojekts „Öffentlichen Mitteleinsatz zielgerichtet steuern – Die optimale Gestaltung von Förderprogrammen zu Sportinfrastrukturen“ haben die Hochschule Koblenz und das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) das Förderprogramm „Baumaßnahmen für den Spitzensport“ evaluiert. Dieses (Teil-)Projekt zielte darauf ab, eine fundierte Basis für die Novellierung der Richtlinie „FR Bau“ zu schaffen. Mit Förderung des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) und des Bundesinstituts für Sportwissenschaften (BISp) wurde zunächst ein Evaluationskonzept entwickelt, um Kriterien für Zielerreichung, Wirkung und Wirtschaftlichkeit festzulegen. Dieses Konzept wurde anschließend im Rahmen der Evaluierung praktisch angewendet. Dem Ausschuss ist das vorliegende Dokument in nicht barrierefreier Form zugeleitet worden.
Ausschussdrucksache
Ausschuss für Sport und Ehrenamt 21(5)101 Deutscher Bundestag
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Vorgehensweise Das Difu hat dabei die Entwicklung eines Evaluationsansatzes, die Analyse der geförderten Projekte und die Erstellung eines zukunftsfähigen Erfolgskontrollkonzepts übernommen. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die strategische Weiterentwicklung von Förderprogrammen im Spitzensport und darüber hinaus. Das Projekt kombinierte qualitative und quantitative Methoden, um innovative Ansätze für eine nachhaltige Sportstättenförderung zu entwickeln. Die im Evaluationskonzept verankerten Kriterien werden hinsichtlich Zielerreichung, Wirkung und Wirtschaftlichkeit auf die ausgewählten Projekte - und anhand des abgestimmten vorliegenden Datenmaterials - angewendet. Damit trägt das Projekt zur Steigerung der Effizienz und Wirksamkeit öffentlicher Mittel bei. Datenquellen und -aufbereitung Das entwickelte Evaluationskonzept wurde im Rahmen des Projektes für eine Ex-post- Evaluierung der FR Bau vom Inkrafttreten der Förderrichtlinie im Jahr 2005 bis einschließlich 2024 herangezogen. Dafür wurde eine Datengrundlage verwendet, die alle über die FR Bau geförderten Maßnahmen umfasst. Diese wurden durch das BMI zur Verfügung gestellt. Die bereitgestellten Tabellen wurden einer umfangreichen Datenaufbereitung unterzogen, um sie im Hinblick auf die Durchführung der Evaluation nutzbar zu machen. Ergebnisse der Evaluierung Die Ergebnisse der Evaluierung werden hier zusammengefasst dargestellt. Die Erkenntnisse waren in erster Linie eine Grundlage für das weitergehende Projekt der Hochschule Koblenz zur optimalen Gestaltung von Förderprogrammen für Sportinfrastrukturen. Die überprüften Kriterien bestätigen, dass die Förderungen durch das BMI in weit überwiegendem Ausmaß im Einklang mit der übergeordneten Zielsetzung der FR Bau hinsichtlich Programmumsetzung und Wirkung waren. Der Großteil des Fördervolumens wurde für „sportspezifische“ Bestandsmaßnahmen an anerkannten Einrichtungen des Spitzensports aufgewendet, an denen der tägliche Trainingsbetrieb und die Wettkampfvorbereitung der Spitzenathletinnen und -athleten stattfindet; wobei auch ein großer Teil an Neubaumaßnahmen identifiziert werden konnte, welche die infrastrukturellen Rahmenbedingungen für den Trainingsbetrieb sowie die Wettkampfvorbereitung der Spitzenathletinnen und -athleten bereitstellen. Es wurde anhand der Daten untersucht, ob es eine systematische und nachteilige Priorisierung einzelner Sportarten bzw. generell von Sommer- oder Wintersportarten durch den Fördergeber gegeben haben könnte. Dafür ließen sich jedoch keine Hinweise finden. Die Daten zeigten allerdings, dass einzelne zentrale Standorte für bestimmte Sportarten in größerem Umfang berücksichtigt wurden. Die Ergebnisse des Projektes lassen jedoch keine wertenden Aussagen dahingehend zu. Dem Ausschuss ist das vorliegende Dokument in nicht barrierefreier Form zugeleitet worden.
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Auch in der Betrachtung der einzelnen Jahre im Kontext der Evaluationskriterien zeigt sich eine weitgehend konstante und zur Zielerreichung geeignete Förderlogik, wenngleich Abweichungen in einzelnen Jahren auszumachen sind. Zumindest im Hinblick auf die Förderung des Trainingsbetriebs bzw. der Wettkampfvorbereitung im Spitzensport als Kernbestandteil der übergeordneten Zielsetzung der FR Bau ist das Gesamtergebnis der bisherigen Förderungen über die FR Bau somit plausibel. Empfehlungen zur Gestaltung von Förderrichtlinien Die folgenden Handlungsempfehlungen basieren auf den Evaluationsergebnissen und beziehen darüber hinaus alle weiteren Erkenntnisse mit ein, die im Verlauf des Projekts gesammelt wurden, jedoch nicht direkt Bestandteil der Betrachtung der Evaluationskriterien waren. Die Empfehlungen beziehen sich auf die FR Bau, liefern aber darüber hinaus Ansatzpunkte für die Gestaltung von Förderprogrammen generell. Anreize für die Erfassung von Daten für Evaluationen formulieren Um perspektivisch noch aussagekräftigere Evaluationen der FR Bau zu gewährleisten, könnten Anreize in der Förderrichtlinie hinsichtlich der Übermittlung zentraler Daten (z.B. Nutzerzahlen) durch die Fördernehmer formuliert werden, um diese für Evaluationen verfügbar zu machen. Förderquoten für Maßnahmen der Bauunterhaltung verankern In einer auf Infrastruktur ausgerichteten Förderrichtlinie sollten sowohl der Aspekt der Förderquoten für Maßnahmen der Bauunterhaltung als auch deren minimaler Größenordnung berücksichtigt werden. Derzeit werden die Förderquoten für die förderfähigen Standorte/Stützpunkte in der FR Bau lediglich für Baumaßnahmen explizit ausgewiesen. Das „sportfachliche Votum“ des DOSB verankern Die Relevanz und Notwendigkeit des „sportfachlichen Votums“ des DOSB sollten bei einer Neuauflage der FR Bau verankert werden bzw. es wäre zumindest darauf zu verweisen. Dieses sportfachliche Votum ist von zentraler Bedeutung bei der Förderentscheidung. Der DOSB stimmt sein Votum zunächst mit den Sportverbänden ab und diskutiert es in einem Jahresbauplanungsgespräch mit dem Ministerium. Eine Förderrichtlinie muss nicht zwingend die internen Entscheidungsprozesse regeln, sollte aber die (mindestens) einzubeziehenden Stellungnahmen benennen. Berücksichtigung der Belange von Personen mit Behinderung präzisieren Die Förderrichtlinie will die Belange von Sportlerinnen und Sportlern mit Behinderung im Rahmen von Fördermaßnahmen berücksichtigen, bleibt diesbezüglich aber vergleichsweise unpräzise. Falls Einrichtungen zukünftig barrierefreier gestaltet werden sollen, müsste klarer formuliert werden, welche Belange eine Rolle spielen und in welcher Form diese Belange bei der Auswahl der Projekte berücksichtigt werden sollen. Anreize oder Bestrebungen zur Konzentration der Spitzensportförderung formulieren Im Rahmen des Projektes wurde die Präferenz des Bundes für eine Konzentration der Spitzensportförderung auf wenige, aber sehr umfangreich geförderte zentrale Einrichtungen des Spitzensports erkennbar. Gleichwohl sollen Winter- und Sommersportarten „ungefähr gleich“ behandelt werden. Für eine derartige Prioritätensetzung könnten in der FR Bau Anreize Dem Ausschuss ist das vorliegende Dokument in nicht barrierefreier Form zugeleitet worden.
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formuliert werden, die auf eine Konzentration hinarbeiten, z. B. höhere Förderquoten unter bestimmten Voraussetzungen. Präzisierung der übergeordneten Zielstellung der FR Bau In der übergeordneten Zielstellung der FR Bau sind Formulierungen aufgeführt, welche sich auf die Leistung der Athletinnen und Athleten beziehen. Diese können nicht Bestandteil eines Evaluationskonzepts sein, da die Herstellung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen zu komplex/unklar oder nicht möglich ist. Konkreter: Der Einfluss von Sportinfrastrukturen für sportlichen Erfolg im Spitzensport kann nicht quantifiziert werden, da es sich um ein hochkomplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren (z.B. Trainerinnen und Trainer, Management, individuelle leistungsbestimmende Faktoren) handelt. Eine qualitativ und quantitativ hochwertige und verfügbare Infrastruktur ist somit eine notwendige Bedingung für sportlichen Erfolg, allein jedoch nicht hinreichend. Es wird deshalb empfohlen, vor allem auf die Verbesserung der anerkannten Einrichtungen für den Spitzensport hinsichtlich der Trainingsbedingungen sowie der Wettkampfvorbereitung für Athletinnen und Athleten abzuzielen. Implementierung eines Monitorings und nachhaltige Dokumentation von Daten Die zentrale Empfehlung für zukünftige Evaluationen der FR Bau ist die Implementierung eines regelmäßigen Monitorings der geförderten Vorhaben. Nur so können mit vertretbarem Aufwand aussagekräftige Evaluationen durchgeführt werden. Dabei könnte beispielsweise die tatsächliche Nutzung der anerkannten Einrichtungen durch Spitzenathletinnen und -athleten sowie ggf. nicht-intendierte Auswirkungen der durchgeführten Fördermaßnahmen in den Blick genommen werden. Fazit Im Rahmen eines partizipativen Evaluationsansatzes wurde ein Evaluationskonzept für eine Evaluierung der FR Bau entwickelt, sowie eine erstmalige Evaluierung der Förderrichtlinie seit deren Formulierung in 2005 durchgeführt. Die FR Bau ist hinsichtlich ihrer Zielsetzungen sehr breit formuliert. Innerhalb dieses Rahmens ist die bisherige Fördermittelallokation nachvollziehbar. Es existieren jedoch Limitationen bei der Evaluation (Datenlage) und einige „blinde Flecken“, die die Aussage der Evaluation, insbesondere im Hinblick auf den Zielbereich Wirtschaftlichkeit, einschränken und in zukünftigen Evaluationen berücksichtigt werden sollten. Die Ergebnisse geben insbesondere Hinweise auf Anpassungsbedarfe und -möglichkeiten der Förderungen über die FR Bau. Entwicklungen wie eine steigende Inflation oder steigende Baupreise zeigen, wie dynamisch die Rahmenbedingungen der geförderten Maßnahmen sind. Damit entsprechend auch künftig eine wirksame und zielgerichtete Förderung sichergestellt werden kann, sollte fortan eine regelmäßige Evaluation der Förderrichtlinie erfolgen, um auf Entwicklung reagieren und ggf. Förderentscheidungen so beeinflussen zu können, dass auch weiterhin auf die Erreichung der übergeordneten Zielstellung der FR Bau hingewirkt werden kann.
Dem Ausschuss ist das vorliegende Dokument in nicht barrierefreier Form zugeleitet worden.
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Quellenhinweis: Der vorliegende Text fasst wesentliche Inhalte des Abschlussberichts zur „Evaluierung der FR Bau“ zusammen. Die Evaluierung erfolgte im Rahmen eines eigenen Arbeitsbausteins als Teil des Forschungsprojektes „Öffentlichen Mitteleinsatz zielgerichtet steuern – Die optimale Gestaltung von Förderprogrammen zu Sportinfrastruktur“ (AZ: 071402/24-15) Der Hauptauftragnehmer des Projektes war: Hochschule Koblenz, RheinAhrCampus Joseph-Rovan-Allee 2 53424 Remagen Autorinnen und Autoren des o.a. Abschlussberichts waren: Prof. Dr. Lutz Thieme, Hochschule Koblenz, thieme@hs-koblenz.de Matthias Weinfurter, Hochschule Koblenz, weinfurter@hs-koblenz.de Dr. Stefan Schneider, Difu, schneider@difu.de Levke Sönksen, Difu, soenksen@difu.de Das Projekt wurde gefördert vom Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISp) sowie dem Bundesministerium des Innern (BMI).
Dem Ausschuss ist das vorliegende Dokument in nicht barrierefreier Form zugeleitet worden.