Weltgesundheitsorganisation meldet 1.348 Angriffe auf medizinische Einrichtungen weltweit; 1.981 Todesfälle 2025
Angriffe auf medizinische Hilfe auf Rekordhoch: Es braucht mehr als leere Worte | Ärzte ohne Grenzen (MSF)
Angriffe auf medizinische Hilfe auf Rekordhoch: Es braucht mehr als leere Worte
Allein für das Jahr 2025 meldete die Weltgesundheitsorganisation 1.348 Angriffe auf medizinische Einrichtungen, bei denen 1.981 Menschen getötet wurden. Das ist eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres.
Insgesamt 21 Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen wurden bei 15 Angriffen in den vergangenen zehn Jahren getötet. Im gleichen Zeitraum wurden von Ärzte ohne Grenzen 255 Sicherheitsvorfälle verzeichnet. 107-mal waren medizinische Einrichtungen betroffen, in 75 Fällen Krankenwagen. 73-mal wurde gewaltsam versucht, in Einrichtungen oder Transportmittel einzudringen. Die Zahl der Vorfälle erreichte in den vergangenen zwei Kalenderjahren ihren Höhepunkt und machte über ein Drittel der Gesamtzahl im vergangenen Jahrzehnt aus. Vorläufige Daten für 2026 deuten auf ein ähnliches Niveau wie in den beiden Vorjahren hin.
Was einst als Ausnahme galt, ist heute zur Normalität geworden. Wir beobachten, dass der Schutz von medizinischer Hilfe in Ländern, die sich im Krieg befinden, eklatant missachtet wird. Staaten, die sich bereits 2016 zum Schutz der medizinischen Versorgung verpflichtet haben, müssen aufhören, sich hinter Ausreden und Schuldzuweisungen zu verstecken, und handeln.
In den vergangenen zehn Jahren wurden tausendfach medizinische Einrichtungen und Helfende in vielen Ländern der Welt attackiert. Besonders alarmierend ist, dass Staaten immer häufiger selbst für diese Gewalt verantwortlich sind. 2024 gingen laut der Safeguarding Health in Conflict Coalition mehr als 80 Prozent der dokumentierten Angriffe auf medizinische Versorgung auf staatliche Akteure zurück. Im vergangenen Jahrzehnt wurden etwa Krankenhäuser in Syrien und Jemen, in der Ukraine und in den besetzten palästinensischen Gebieten bombardiert oder beschossen.
Es gab Drohnenangriffe auf ein Krankenhaus in Myanmar sowie Angriffe auf deutlich gekennzeichnete Krankenwagen in Kamerun, Haiti und im Libanon. Verantwortliche Staaten wiesen Vorwürfe häufig zurück, sprachen von Irrtümern oder erklärten den Schutzstatus der Ziele ohne Beweise für erloschen. Medizinisches Personal wird insgesamt zunehmend diskreditiert, anstatt Schutz zu genießen.
Neben dem Leid, das durch die Angriffe selbst entsteht, wenn Helfende und Patient*innen verletzt oder getötet werden, führen diese dazu, dass Gemeinden oft keine lebensrettende Versorgung mehr erhalten, wenn die Gesundheitsinfrastruktur nicht wieder aufgebaut wird oder humanitäre Organisationen ihre Aktivitäten aus Sicherheitsgründen einstellen.
Die medizinische Versorgung in Konflikten ist extrem gefährdet. Angriffe auf medizinisches Personal und funktionierende Gesundheitsinfrastruktur waren in fast jedem Konflikt der vergangenen zehn Jahre zu beobachten. Ärzte ohne Grenzen fordert, dass die Staaten dringend ihren Verpflichtungen und Zusagen gemäß Resolution 2286 für mehr Schutz und Rechenschaftspflicht nachkommen. Der Schutz, der Organisationen wie uns und unseren Patient*innen nach dem humanitären Völkerrecht gewährt wird, muss durch Taten und nicht nur durch Worte gewährleistet werden.
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