Landesamt für Denkmalpflege Sachsen präsentiert Abschlusskolloquium des DBU-Projekts Klimabedingte Schäden an historischen Holzbalkendecken in Glauchau; Praxisorientierte Handreichung angekündigt

Abschlusskolloquium des DBU Forschungsprojekts - Denkmalpflege in Sachsen - sachsen.de

16.und 17. April 2026 | Abschlusskolloquium des DBU-Projekts »Klimabedingte strukturelle Schäden an historischen Holzbalkendecken« | Glauchau, Schloss Forder- und Hinterglauchau

Am Vorabend des Internationalen Denkmaltages präsentierte das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (LfD) im Schloss Glauchau die Ergebnisse seines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Forschungsprojektes zur Erhaltung historischer Holzbalkendecken. In dem Projekt, das sich derzeit in der Abschlussphase befindet, untersuchte das LfD historische Holzbalkendecken in sächsischen Kirchen und Schlössern auf klimabedingte Schäden. Ziel ist es, Auswirkungen heißer und trockener Sommer zu verstehen und Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Zum Projektabschluss wird eine praxisorientierte Handreichung erscheinen. Sie soll Denkmaleigentümern und Fachleuten helfen, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um Schäden und hohe Sanierungskosten zu vermeiden.

Über 100 Expertinnen und Experten aus Denkmalpflege, Wissenschaft und Baupraxis diskutierten auf der Abschlusstagung Fragen zum sommerlichen Wärmeschutz der in Sachsen vielerorts noch erhaltenen raumprägenden Deckengestaltungen.

Der Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung, Sören Trillenberg, würdigte die Relevanz des Projekts:

»Was das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen hier angestoßen hat, hat bundesweite Relevanz. Das freut mich als Vertreter des Freistaates. Das Projekt hat konkretes Handlungswissen für Eigentümer, für Planer und Nutzer hervorgebracht, es ist Forschung, die man versteht und Forschung, die man braucht. Was mich an diesem Vorhaben besonders beeindruckt, ist die Bedeutung für den ländlichen Raum. Die 22 Messobjekte stehen für Dorf- und Stadtstrukturen, für gewachsene Identität, für Orte, die Menschen verbinden. Wer Kulturdenkmale im ländlichen Raum erhält, stärkt Heimat.«

Vorträge und Praxisbeispiele zeigten Schadensbilder, historische Konstruktionen sowie moderne Dämm- und Instandsetzungsmöglichkeiten wurden vorgestellt. Das Projektteam präsentierte Klimamessdaten, Simulationsmodelle und konkrete Sanierungsansätze. Eine Podiumsdiskussion verdeutlichte die Bedeutung nachhaltiger und materialgerechter Lösungen für die langfristige Erhaltung historischer Bausubstanz.

Landeskonservator Alf Furkert betonte:»Dies ist unser erstes Forschungsprojekt als alleiniger Träger. Wir danken der Deutschen Bundesstiftung Umwelt – DBU für ihre Unterstützung. Das Thema ist komplex und erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Es besteht weiterer Forschungsbedarf, da dieses Thema nicht nur in Sachsen, sondern deutschlandweit relevant ist.«

Anlass für das Projekt waren zunehmende Schäden wie Risse, herabfallender Putz- und Stuck sowie Lockerungen und Verluste von Farbschichten. Die betroffenen Decken liegen unter »Kaltdächern« – ungenutzten, ungedämmten Dachräumen. Zunehmend heiße, trockene Sommer setzen diesen Decken als Grenzbereich zwischen kühlem Innenraum und aufgeheiztem Dachboden zu. Bisher lag der Fokus auf dem Wärmeschutz im Winter. Angesichts der klimatischen Veränderungen müssen auch die Sommermonate stärker berücksichtigt werden.

Von Sommer 2023 bis Sommer 2025 wurden sachsenweit Messungen in 16 Kirchen und 4 Schlössern durchgeführt. In Sayda und im Schloss Nossen wurden Reallabore eingerichtet, in denen thermisch voneinander getrennte Raumzellen mit Klimasensoren errichtet wurden, um historische Deckenaufbauten unter vergleichbaren Bedingungen nachzustellen und verschiedene Dämmstoffe zu testen.

Das Projekt startete am 1. Februar 2023 und wird am 30. Juni 2026 abgeschlossen sein. Das Projektteam besteht aus Experten der sächsischen Denkmallandschaft, darunter Vertreter des LfD, des Staatsbetriebs SIB, der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen, der Ev. Kirche Mitteldeutschland, des Instituts für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e.V. (IDK), eines regionalen mittelständischen Unternehmens für ökologische Dämmstoffsysteme sowie Ingenieure, Handwerker und Restauratoren.

Weitere Informationen zum DBU-Forschungsprojekt finden Sie unter den folgenden Links:

Landesamt für Denkmalpflege - Forschungen und KooperationenDeutsche Bundesstiftung Umwelt

16.-17. April 2026 | Programm des Abschlusskolloquiums | Schloss Glauchau (*.pdf, 1,55 MB)