Erzbischof Stefan Heße warnt vor Abkehr von Menschlichkeit in der Asylpolitik Würzburg; Rückgang internationaler Hilfsgelder verschärft Erstaufnahme

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Erzbischof Heße warnt vor Abkehr von Menschlichkeit in Asylfrage

Würzburg‐ Gesellschaftskritik vom Flüchtlingsbischof: Stefan Heße warnt vor zunehmenden nationalen Interessen und beklagt einen Mangel an Menschlichkeit in der Asylpolitik. Er spricht dabei auch über Papst Leo XIV.

Eine größer werdende Lücke zwischen theoretischen Grundlagen der Flüchtlingsarbeit und ihrer praktischen Umsetzung sieht der Flüchtlingsbischof der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), StefanHeße. Vielerorts sei eine “einseitige Politisierung nationaler Interessen” statt der Menschenwürde maßgebend, kritisierte er am Dienstag in Würzburg.Heßeäußerte sich beim 10. Katholischen Flüchtlingsgipfel.

Anstatt gemeinsame Lösungen für weltweite Herausforderungen zu suchen, werde Verantwortung ausgelagert, so derErzbischofvon Hamburg weiter. So rücke das Ideal einer EU als gemeinsamer Raum für Schutz und Solidarität in den Hintergrund.

Es sei zwar wichtig gewesen, dasGemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS)zu reformieren. Allerdings sei danach Ernüchterung eingetreten, da mehr Humanität anscheinend nicht mehr auf der Agenda stehe. Zudem kritisierteHeßeeinen “dramatischen Rückgang” internationaler Hilfsgelder. Dadurch verschärfe sich die Lage in den Erstaufnahmeländern.

Heßemonierte zudem, dass für Betroffene die Möglichkeit eingeschränkt werde, in einem Drittstaat aufgenommen zu werden. Auch Deutschland habe humanitäre Aufnahmeprogramme bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Bundesregierung wolle irreguläre Migration zurückdrängen, schließe aber zugleich die wenigen sicheren und legalen Fluchtwege.

“Das kann nach meinem Dafürhalten nicht sinnvoll sein”, betonte derErzbischof. Überdies dürfe ein gutes Ankommen Geflüchteter nicht erschwert werden, etwa durch die Abschaffung der behördenunabhängigen Asylberatung oder einen erschwerten Zugang zuIntegrationskursen.

Die Bundesregierung schließe die wenigen sicheren und legalen Fluchtwege, so Heße.

Heßemahnte an, dass menschenrechtliche Standards in der Gesellschaft nicht zur Disposition gestellt werden dürften. Hier brauche es die Stimme der Kirche. Die Geschichte habe gezeigt, dass es gefährlich sei, dieMenschenrechteeiner Gruppe zu beschneiden. Denn dann drohten bald auch in anderen Bereichen Einschränkungen bis hin zu Rechtsverletzungen.

Die Achtung der Menschenwürde sei Grundlage für jede Gesellschaft, die sich auf Freiheit gründe–und nicht auf Macht. Papst Franziskus habe immer wieder gefordert, Gleichgültigkeit gegenüber Geflüchteten zu überwinden. AuchPapst Leo XIV.stehe in dieser Tradition.

Fast 84 Millionen Euro von der Kirche

Beim Katholischen Flüchtlingsgipfel beraten rund 150 Praktiker, Fachleute und Ehrenamtliche aus ganz Deutschland über aktuelle Herausforderungen. Nach Angaben vonErzbischofHeßestellte die katholische Kirche in Deutschland im vergangenen Jahr rund 83,3 Millionen Euro für Projekte in der Flüchtlingsarbeit bereit, dafür 36,2 Millionen für Initiativen im Inland und 47,6 Millionen für internationale Projekte. In Deutschland habe man damit mindestens 430.000 Menschen erreicht. (KNA)

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