Bundeswehr Blue Team mit Reserve nahm teil bei Locked Shields 2026 am Niederrhein; 2. Platz Gesamtwertung
Platz 2 bei “Locked Shields 2026” – und die Reserve war dabei - Reservistenverband
Platz 2 bei „Locked Shields 2026“ – und die Reserve war dabei
Die Verteidigung im Cyberraum gehört zum Aufgabenspektrum der Bundeswehr. Seit 2010 wird dies auf der NATO-Übung Locked Shields trainiert. Das Besondere an der Übung: Die Soldatinnen und Soldaten werden mit „Live Fire“ konfrontiert. Das bedeutet, dass die Teilnehmenden in Echtzeit Cyberangriffe erkennen und abwehren müssen.
Volle Konzentration am Niederrhein. Locked Shields ist die weltweit größte und komplexeste multinationale Cyberabwehrübung.
Stellen Sie sich vor: Sie wachen morgens auf – und nichts funktioniert mehr. Ihr Smartphone bleibt schwarz, kein Netz, keine Nachrichten. Das Licht lässt sich nicht einschalten, aus dem Wasserhahn kommt nur noch ein Rinnsal. Auf den Straßen herrscht Chaos, Ampeln sind ausgefallen. Und schließlich die Nachricht, die alles verändert: Die nationale Wahl wurde abgesagt – das digitale Wahlsystem ist kompromittiert.
Was wie ein dystopischer Thriller klingt, ist ein realistisches Szenario moderner hybrider Kriegsführung. Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen können unsere hochvernetzte Gesellschaft innerhalb kürzester Zeit lahmlegen. Genau solche Szenarien standen im Fokus der internationalen Großübung „Locked Shields 2026“.
Vom 20. bis 24. April trainierten IT-Expertinnen und -Experten der Bundeswehr gemeinsam mit zivilen Spezialisten unter realistischen „Live-Fire“-Bedingungen. „Locked Shields“ gilt als weltweit größte und komplexeste Cyberverteidigungsübung und wird seit 2010 jährlich vom NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence (CCDCOE) in Tallinn (Estland) ausgerichtet. In diesem Jahr nahmen rund 4.000 Fachkräfte aus 40 Nationen teil.
Drei Wochen Hochbetrieb am Niederrhein
Für das unter deutscher Führung stehende Blue Team mit über 200 Teilnehmenden bedeutete dies einen intensiven Einsatz. Bereits drei Wochen vor Übungsbeginn wurde in den Messehallen Kalkar die Infrastruktur aufgebaut und das Szenario vorbereitet. Gemeinsam mit Partnern aus Österreich, der Schweiz und Luxemburg trat Deutschland als DACHL-Team an.
Ein starkes Rückgrat bildete dabei die Reserve: Mehr als zehn deutsche Reservisten waren vor Ort im Einsatz und brachten ihre zivile IT-Expertise gezielt in die militärische Cyberabwehr ein. Die gemeinsame Mission: den fiktiven Inselstaat „Berylia“ gegen koordinierte Angriffe des Gegners „Crimsonia“ zu verteidigen. Eine Schlüsselrolle kam dabei dem Webapplikationsteam zu.
Webteam als feste Größe der Cyberabwehr
Geleitet wurde das Webteam bereits zum fünften Mal von Major d.R. Tobias Scholz. Er hatte diesen Bereich maßgeblich aufgebaut und als festen Bestandteil der Übung etabliert. Mit 23 Spezialistinnen und Spezialisten verantwortete das Team die Absicherung, Überwachung und Verteidigung von mehr als 50 kritischen Webanwendungen und Diensten.
Das Szenario stellte höchste Anforderungen: Neben der Absicherung einer nationalen Wahl mussten auch zentrale Versorgungsinfrastrukturen geschützt werden. Dabei galt es, klare Prioritäten zu setzen:
Energieversorgung: Grundlage aller weiteren Systeme – ein Ausfall hätte sämtliche Operationen beendet.
Wasserversorgung: Kritisch für die öffentliche Sicherheit und das Vertrauen der Bevölkerung.
Digitales Wahlsystem: Kern des Szenarios und von zentraler politischer Bedeutung.
Weitere Schlüsselbereiche: u. a. behördenübergreifende Kommunikation, logistische Systeme, Luftverteidigung und 5G-Netze.
Kommunikation und Recht im Fokus
Cyberverteidigung bedeutet weit mehr als Technik. Parallel zu den Angriffen auf IT-Systeme liefen umfassende Desinformationskampagnen über fiktive soziale Netzwerke und Behördenportale. Ziel war es, die Bevölkerung zu verunsichern und demokratische Prozesse zu untergraben.
Die Expertinnen und Experten für Strategische Kommunikation (StratKom) mussten diesen Kampagnen in Echtzeit begegnen, Vertrauen schaffen und Krisenkommunikation leisten. Gleichzeitig prüften Juristinnen und Juristen im Bereich Legal alle Maßnahmen auf ihre Vereinbarkeit mit Völker- und Cyberrecht.
Starker Erfolg auf internationalem Parkett
Der ganzheitliche Ansatz zahlte sich aus: Das DACHL-Team erreichte einen hervorragenden 2. Platz in der Gesamtwertung. In den Kategorien Strategische Kommunikation und technische Cyberabwehr belegte das Team jeweils den 1. Platz. Den Gesamtsieg sicherte sich knapp ein Team aus Singapur und Litauen.
Für zusätzliche Motivation sorgte auch das diesjährige Team-Patch: ein Dackel – als augenzwinkernde Anspielung auf das Akronym D-A-CH-L. Das Webteam entwickelte daraus seinen eigenen Schlachtruf: „Team Web, WAF, WAF!“ – ein humorvoller Insider, der das Bellen des Maskottchens mit der Arbeit an Web Application Firewalls verbindet.
Werden Sie Teil der Cyber-Reserve
Die Bedrohung im Cyberraum wächst stetig. Die Reservistenkameradschaft (RK) 01 Cyber-Sicherheit in Bremen sowie weitere Cyber-Reservistennetzwerke suchen engagierte Verstärkung.
Bringen Sie Ihre zivile Expertise ein, trainieren Sie auf internationalem Spitzenniveau und leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Resilienz. Interesse geweckt? Kontaktieren Sie die RK 01 Cyber-Sicherheit per E-Mail:bremen@reservistenverband.de.
Mehr zum Thema gibt eshier auf der Seite der Bundeswehr.
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