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title: "Stefan Wagegg DAV Leutkirch pflegt 60 Kilometer Wegenetz um Leutkircher Hütte und Kaiserjochhaus in den Lechtaler Alpen; Über 50.000 Stunden/Jahr, 1 Mio Euro"
sdDatePublished: "2026-05-06T10:10:00Z"
source: "https://www.alpenverein.de/artikel/ehrenamt-pflege-alpine-infrastruktur_7e5ffe49-d298-44bf-8297-9c4140b90bbd"
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Stefan Wagegg DAV Leutkirch pflegt 60 Kilometer Wegenetz um Leutkircher Hütte und Kaiserjochhaus in den Lechtaler Alpen; Über 50.000 Stunden/Jahr, 1 Mio Euro

Ehrenamt im DAV: Pflege von Hütten & Wegen

„Der schönste Arbeitsplatz der Welt“

250 Hütten in den Alpen gehören den DAV-Sektionen, die 189 Arbeitsgebiete mit fast hundert Quadratkilometern Fläche in Bayern und im westlichen Österreich betreuen. Als Wegehalter kümmern sie sich damit um ein weit verzweigtes Netz aus Bergwegen und alpinen Steigen. Viele ehrenamtlich Engagierte sorgen dafür, dass wir alle sicher und naturverträglich in den Bergen unterwegs sein können.

Warum steht die Berliner Hütte eigentlich mitten in den Zillertaler Alpen? Wer das zum ersten Mal hört, fragt sich vielleicht: Was hat Berlin mit Tirol zu tun? Tatsächlich ziehen sich die Namen vieler deutscher Städte und Regionen durch die Ostalpen. Sie stehen für DAV-Sektionen und ihre Arbeitsgebiete, in denen Mitglieder Hütten und Wege pflegen. Jeder Steig erzählt seine eigene Geschichte von den Menschen, die hier ehrenamtlich aktiv sind.

Menschen wie Stefan Wagegg. Wenn er in den Bergen unterwegs ist, wandert sein Blick über die Wege: Steht das Schild richtig? Ist die Sicherung noch intakt? Während viele den Gipfel anvisieren, achtet er auf Markierungen, Stufen und Drahtseile. Seit Jahren ist er Geschäftsführender Vorstand Wege & Hütten bei der Sektion Leutkirch. Mit über vierzig weiteren Ehrenamtlichen pflegt er ein sechzig Kilometer umfassendes Wegenetz rund um die Leutkircher Hütte und das Kaiserjochhaus in den Lechtaler Alpen.

Als Wegereferent entfernt Stefan (DAV Leutkirch) manchmal defekte Seile statt sie zu reparieren – ganz bewusst. So können die Menschen wieder lernen, Felsstruckturen zu nutzen, die bereits natürlich vorhanden ist.

Insgesamt 446 solcher Arbeitsgebiete verteilen sich über den deutschen und österreichischen Alpenraum. 189 betreut der DAV, zu ihnen gehört ein Wegenetz von etwa 30.000 Kilometern. Ehrenamtliche markieren und beschildern Routen, reparieren Sturm- oder Lawinenschäden, kontrollieren Drahtseilsicherungen und renaturieren Abkürzungen. Der Einsatz ist notwendig, damit die Wege begehbar bleiben und um zu verhindern, dass Wander*innen in ungesichertes Gelände geraten. Mehr als 50.000 Stunden unentgeltlicher Arbeit fließen jedes Jahr in dieses Netz; zusätzlich investiert der DAV rund eine Million Euro in die Pflege und den Ausbau der Wege. Das Ergebnis: ein Wegenetz, das allen offensteht, gleichzeitig die Besucher*innen lenkt und die Sicherheit erhöht.

Für Stefan Wagegg beginnt die ehrenamtliche Arbeit oft lange bevor andere den ersten Schritt auf den Weg setzen. Im vergangenen Jahr verlegte er einen drei Kilometer langen Steig, nachdem wiederkehrende Hangrutsche einen Abschnitt zerstört hatten. Stundenlang prüfte Stefan mögliche Routen: unterhalb zu steil, oberhalb zunächst aussichtslos. Ganz oben wurde er schließlich fündig: „Da habe ich einen alten Weg entdeckt, mit hundert Jahre alten, intakten Steinstufen.“ Das war die ideale Grundlage, den neuen Abschnitt hierhin zu verlegen.

„Berge geben so viel Energie zurück“, schwärmt die Hüttenwartin der Gufferthütte. Seit 2024 organisiert die Bauingenieurin Arbeitseinsätze und Baumaßnahmen. Durch eine Kooperation mit der Stiftung Ecksberg, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, erhält die Sektion tatkräftige Hilfe. Annikas Highlight: „Nach getaner Arbeit sehen, was wir gemeinsam für die Berge geschaffen haben.“

Wegewart*innen wie Stefan gibt es seit über 150 Jahren. Der 1869 gegründete DAV bot Bergbegeisterten die Möglichkeit, ihre Leidenschaft zu teilen. Schnell entstanden selbstständige Sektionen, die Hütten bauten und Wege anlegten, oft in Regionen, die ihnen bereits vertraut waren. Die meisten Sektionen trugen die Namen deutscher Städte – und benannten danach ihre Hütten. Ab 1879 gab es die erste Hüttenbauordnung, 1895 die erste Arbeitsgebietseinteilung. In dieser Pionierzeit arbeiteten die Alpenvereine eng mit der dankbaren, lokalen Bevölkerung zusammen; Hütten und Wege trugen entscheidend zur Erschließung der Alpen bei. Heute sorgt ein gemeinsames Wegekonzept von DAV und ÖAV für einheitliche Beschilderung.

Bei der Sektion Leutkirch gibt es für jeden Weg Pat*innen, die ihre Abschnitte ein- bis zweimal jährlich kontrollieren. Entlang der Pfade stehen Schilder, die zeigen, wer sich hier engagiert. Stefan koordiniert die anstehenden Aufgaben: Treppen bauen, Entwässerungsrinnen anlegen, Markierungen erneuern oder Sicherungen setzen. Meist gibt es drei gemeinsame Arbeitseinsätze pro Jahr, bei denen er selbst immer dabei ist. Damit all diese Aufgaben reibungslos ablaufen, regelt die Arbeitsgebietsordnung, welche Verantwortung die Sektionen in ihren Gebieten tragen – von der Instandhaltung der Wege über den Schutz der Natur bis zur Abstimmung mit den Menschen vor Ort. Der DAV sieht die Erschließung der Alpen als grundsätzlich abgeschlossen. Hütten werden bei Bedarf saniert, die Sektionen konzentrieren sich damit auf die Pflege vorhandener Infrastruktur.

„Die Kinder sind erwachsen, da bleibt Zeit für Neues“, dachte Jens 2018 – und wurde bei der Sektion Kiel Hütten- und Wegewart sowie Naturschutzreferent. Für sein Arbeitsgebiet im Verwall reist er jedes Jahr aus dem Norden in seine alpine Heimat. Dort pflegt er Wege, betreut die Kieler Wetterhütte und unterstützt Bauprojekte. „Der Wechsel von Meereshöhe auf über 2800 Meter ist jedes Mal beeindruckend.“

Stefan Wageggs Ehrenamt ist vielseitig, beansprucht aber auch viel Zeit. Auf die Frage nach dem Warum antwortet er: „Seit Jahrzehnten bin ich in den Bergen unterwegs, das ist einfach meine Leidenschaft. Besonders schön ist, wenn Wandernde vorbeikommen, sehen, dass wir die Wege pflegen, und sich bedanken. Viele denken ja, das erledigt der Tourismusverband oder es bezahlt jemand dafür.“ Für Stefan ist dort oben „der allerschönste Arbeitsplatz der Welt“.

Ein bisschen Berlin in den Zillertaler Alpen, ein wenig Duisburg in den Hohen Tauern – die Arbeitsgebiete des DAV spiegeln jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit wider. Beim nächsten Aufstieg lohnt es sich, daran zu denken: Wege und Hütten sind keine Selbstverständlichkeit. Menschen investieren ihre Freizeit, damit die Berge zugänglich bleiben, Sicherheit gewährleistet ist und sensible Naturräume durch gezielte Lenkung bewahrt werden.

Respekt und Verantwortung in den Bergen

Wie viel Berg gehört mir?

Wir betreten die Berge wie selbstverständlich. Dabei denken wir wenig darüber nach, was dahintersteckt. Und wie sich unser Tun auf die Berge auswirkt. Zeit für einen „Deep Dive“.

Community-getriebene Tourenportale bieten einen umfassenden Zugriff auf den alpinen Raum: Wie gelingt die Übertragung der digitalen Informationen in die reale Bergwelt?

Die DAV-Sektion Mühldorf feiert 2026 ein besonderes Jubiläum: 100 Jahre Gufferthütte.

In den Bergen folgen wir meist gut markierten Pfaden. Doch selten denken wir an die Wege selbst: an ihre Herkunft, ihre Namen, an die Personen, die sie angelegt haben.

Der DAV erhält für den Unterhalt der alpinen Wege finanzielle Unterstützung vom Freistaat Bayern, von den österreichischen Bundesländern Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg sowie von derVersicherungskammer Bayern.

Klettersteig - Abenteuer für alle?

Klettersteige sind beliebt – und gefährlich? Immer wieder kommt es zu Unfällen. Doch wie häufig passiert wirklich was? Die Sicherheitsforschung hat das Unfallgeschehen analysiert.

Klettersteige ermöglichen einem breiten Publikum Erlebnisse in der Vertikalen. Mangelnde Ausrüstung sorgt auch bei dieser Spielform des Bergsports häufig für Notfälle.

Wegearbeiten im Arbeitsgebiet vom DAV-Leutkirch.

Alpine Infrastruktur pflegen und bewahren

Stefan Wagegg während eines Arbeitseinsatzes.

Annika Haak ist Hüttenwartin der Gufferthütte, welche dieses Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert.

Die Arbeitsgebiete der DAV-Sektionen in den Ostalpen, erstellt von der DAV-Kartographie.

Jens Keen während eines Arbeitseinsatzes in seiner Alpinen Heimat.

Lernen aus Unfällen an Klettersteigen

Zuletzt geändert: 06. Mai 2026