Außenminister Wadephul Rede Afrikatag 2026 Berlin; Berliner Prinzipien unterzeichnet von regionalen Akteuren
Rede von Außenminister Wadephul anlässlich des Afrikatags 2026 - Auswärtiges Amt
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Rede von Außenminister Wadephul anlässlich des Afrikatags 2026
Als die Bundesregierung vor genau einem Jahr ihren Koalitionsvertrag unterzeichnet hat, waren wir uns einig: wir werden die globale Bedeutung Afrikas in den Mittelpunkt unserer Außenpolitik stellen.
Mein Auftrag war klar: Ich würde unsere Beziehungen stärken müssen.
Innerhalb meiner ersten beiden Wochen im Amt habe ich mich daher nahezu mit der Hälfte Ihrer Außenministerinnen und Außenminister getroffen und ausgetauscht. Und dabei ist mir schon bald bewusst geworden, dass wir beides brauchen:eine „Afrikapolitik“, aber auch „Afrikapolitiken“.
Wir glauben fest an die Bestrebungen Afrikas, sich geeint und stark gegen die geopolitischen Turbulenzen unserer Zeit zu behaupten, weshalb wir immer die Afrikanische Union unterstützt haben und dies auch weiterhin tun.
Denn eine erfolgreiche „Afrikapolitik“ ist für die deutsche und europäische Außen- und Sicherheitspolitik unerlässlich.
Darüber hinaus brauchen wir einzelne „Afrikapolitiken“, denn jedes Ihrer 54 afrikanischen Länder ist einzigartig.
Jedes ist mit uns durch eine individuelle Partnerschaft verbunden, die besondere Aufmerksamkeit verdient.
Das wurde auch im April deutlich, als wir sozusagen einen „afrikanischen Monat“ in Deutschland feierten.
Hier in Berlin haben wir das 30-jährige Bestehen der Binationalen Kommission mit Südafrika begangen. Wir haben gemeinsam mit der Afrikanischen Union und anderen Partnern die internationale Sudan-Konferenz ausgerichtet. Bundeskanzler Friedrich Merz und ich haben uns mit dem Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union getroffen. Letzte Woche in New York kam ich mit den Ständigen Vertreterinnen und Vertretern der Afrikanischen Gruppe zusammen.
Und vor wenigen Tagen erst bin ich von meinem ersten Besuch in Marokko zurückgekehrt. Meine Beine schmerzen noch ein wenig von dem Fußballspiel gegen die marokkanischen Nachwuchsspielerinnen. Und ganz offensichtlich ging es nicht darum, wer gewinnt. Jedoch ist mir wieder einmal klar geworden, dass man als deutscher Außenminister immer auch Fußball-Diplomat ist.
Mein Job geht aber natürlich darüber hinaus.
Schon früh in unserer Amtszeit haben Staatsministerin Serap Güler und ich beschlossen, dass Afrika eine ihrer zentralen Prioritäten sein wird. Deshalb hat sie als erste europäische Politikerin seit Ausbruch des Krieges Sudan besucht. Staatsministerin Güler und ich wollen auf ein Ende dieses schrecklichen Kriegs hinarbeiten und die sudanesische Bevölkerung bestmöglich unterstützen.
Es ist ein vielversprechender Erfolg, dass wir im Nachgang zur Sudan-Konferenz eine politische Erklärung – die „Berliner Prinzipien“ – finalisiert haben, die von allen regionalen Akteuren mit Einfluss auf die Konfliktparteien unterzeichnet wurde.
Letzte Woche hatte ich die Ehre, im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu sprechen. Im Zusammenhang mit dem Thema maritime Sicherheit haben wir über die Auswirkungen des Kriegs in Iran debattiert. Auswirkungen, die wir alle in unseren jeweiligen Ländern zu spüren bekommen.
Die Auswirkungen der Blockade der Straße von Hormus auf die Weltwirtschaft. Die Auswirkungen der Knappheit von Öl und Düngemitteln, die verheerende Folgen für bereits jetzt gefährdete Regionen überall auf der Welt haben könnten.
Wir sind überzeugt, dass es jetzt mehr denn je der Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft bedarf, um die Folgen des Kriegs abzumildern.
Seien Sie versichert: Deutschland wird weiterhin auf internationaler Ebene für afrikanische Interessen eintreten.
Denn wir wählen den Weg der Kooperation, nicht der Konfrontation. Ein Grundsatz, der in der heutigen Welt beinahe altmodisch erscheinen mag, der aber dafür umso wesentlicher ist.
Das war mein nachhaltiger Eindruck letzte Woche in New York, wo ich mit Vertreterinnen und Vertretern vieler Ihrer Länder zusammengekommen bin.
Ich war vor Ort, um für Deutschlands Kandidatur um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu werben.
Manchen mag es vielleicht widersprüchlich erscheinen, dass sich Deutschland ausgerechnet in einer Zeit, in der viel von der Erosion der regelbasierten internationalen Ordnung die Rede ist, für ein stärkeres Engagement in den Vereinten Nationen einsetzt.
Aber das ist kein Widerspruch. Es ist vielmehr eine Notwendigkeit.
Denn das Beunruhigende an dieser Erosion ist nicht allein die Tatsache, dass sie sich vollzieht, sondern dass sie eine tieferliegende Wahrheit widerspiegelt: Die regelbasierte internationale Ordnung innerhalb derVNwird der heutigen geopolitischen Realität nicht ausreichend gerecht. Für mich ist dies einer der zentralen Punkte.
Es ist einer der Gründe, warum ich mich bei meinem Besuch in Addis Abeba im Januar mit dem Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union Mahmoud Ali Youssouf auf einen strategischen Dialog verständigt habe. Wir wollen diesen Dialog nutzen, um außenpolitische Themen zu besprechen, die von beiderseitigem Interesse und Belang sind.
Afrika ist ein Gravitationszentrum und prägt die Diskussionen über globale Ordnungspolitik.
Und afrikanische Staaten und Institutionen werden auf globaler Ebene mehr Verantwortung übernehmen.
Wir unterstützen die afrikanischen Forderungen für eine Reform der globalen Ordnungspolitik.
Ein moderner Multilateralismus muss die Realität von heute widerspiegeln.
Aus diesem Grund hat sich Deutschland dafür eingesetzt, dass die Afrikanische Union Vollmitglied derG20wird, und die Rolle Südafrikas am Tisch derG20unterstützt. Und aus diesem Grund habe ich mich in New York aktiv für zwei ständige und fünf nichtständige Sitze für unsere afrikanischen Partner eingesetzt.
Eine legitime internationale Ordnung, die für alle funktioniert, ist nur gerecht, wenn alle sich darin wiederfinden können – sowohl mit ihren Pflichten als auch mit ihren Rechten.
Rund 70 Prozent der Agenda des Sicherheitsrats betreffen Afrika, und bis 2050 wird jeder fünfte Mensch auf der Welt aus Afrika stammen.
Den „Konsens von Ezulwini“ zu unterstützen, ist eine Frage der Gerechtigkeit und des Respekts.
Ein geeintes Europa und Afrika kann eine treibende Kraft sein – gemeinsam verkörpern wir mehr als 40 Prozent der Stimmen derVN-Generalversammlung.
Diese Einigkeit wurde auf dem letztenEU-AU-Gipfel in Luanda deutlich.
Deshalb ist es wichtig für uns, zusammenzuarbeiten: um Partnerschaften aufzubauen, in denen wir Seite an Seite zusammenstehen.
Und um globale Herausforderungen zu bewältigen, die Auswirkungen auf unsere beiden Kontinente haben. Das führt auch zu einer Stärkung unserer Wirtschaftspartnerschaft mit Ihren Ländern.
Wir haben ein klares Ziel: Wir wollen den Handel ankurbeln, Investitionen vorantreiben und die regionale Integration stärken. Wir wollen eine Diversifizierung der Lieferketten, lokale Wertschöpfung, eine engere Zusammenarbeit im Bereich kritische Rohstoffe und weniger Handelshemmnisse.
Denn wir sind der festen Überzeugung, dass Investitionen in regionalen Freihandel auf lange Sicht Investitionen in Frieden und Sicherheit sind.
Regionale Integration und der Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse sind von entscheidender Bedeutung. Deshalb ist Deutschland der größte bilaterale Geber für die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone und ein langjähriger Unterstützer regionaler Wirtschaftsgemeinschaften.
Deutschland ist überall auf dem afrikanischen Kontinent vertreten. Wir fördern den Austausch durch unsere 45 Auslandsvertretungen, unsere Außenhandelskammern, die Goethe-Institute, dieGIZund die Deutsche Welle, durch Stiftungen und denDAAD.
Ich habe zu Beginn gesagt, dass die Bundesregierung die globale Bedeutung Afrikas in den Mittelpunkt unserer Außenpolitik stellt.
Gemeinsam mit Ihnen heute diesen Afrikatag und den 63. Jahrestag der Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit zu begehen, fühlt sich daher fast an, als schließe sich der Kreis.
Ich freue mich besonders, dass wir diese Feierlichkeiten gemeinsam ausrichten – hier im Auswärtigen Amt, das nicht nur das Zentrum, sondern auch das Herz unserer Außenpolitik und unserer Afrikapolitiken bildet.