Jannis Barrelet von Thervio erklärt THERVIO S1 in Hamburg; COP-Steigerung durch integrierte Luftkanäle

Nachhaltige Wärmedämmung - Erneuerbare Energien Hamburg | EEHH

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Nachhaltige WärmedämmungInterview mit Start-Up Thervio

Im Gespräch erklärt Jannis Barrelet von Thervio, wie seine Kollegen auf die Gründungsidee kamen.

EEHH: Wie ist die Idee zu THERVIO entstanden?

THERVIO (Jannis): “Die Idee kommt von meinen beiden Mitgründern, einem Architekten und einem Malermeister, beide mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Fassadenbranche. Die kannten sich durch ein gemeinsames Projekt. Ein großes Problem von Fassaden ist ihre Vergrünung durch Feuchtigkeit. Beim gemeinsamen Abendessen kam die Idee auf, wie man Feuchtigkeit aus der Fassade abtragen könnte und so Vergrünung reduziert. Nach der klassischen Startup-Skizze auf einer Serviette ging die Sache ihren Weg: Wir haben einen Anhänger mit verschiedenen Varianten und Kombinationen gebaut, um die Idee erstmals in der Praxis zu testen, Messdaten zu sammeln und zu schauen, was wirklich funktioniert. Dabei fiel auf, dass unser System mehr kann als nur Feuchtigkeit zu reduzieren. Die Frage war: Was, wenn unser System mehr kann als nur dämmen. Dämmen und dabei Energie liefern? Ich bin als Wirtschaftsingenieur dazugekommen, ebenso ein Anwalt mit langjähriger Erfahrung aus der Windkraftbranche. Diese Kombination aus Handwerk, Architektur, unternehmerischem und rechtlichem Know-how macht unser Team aus.”

EEHH: Was macht euer Produkt konkret anders als herkömmliche Dämmung?

THERVIO (Jannis): “Konventionelle Dämmung ist passiv. Sie hält Wärme im Haus, macht aber selbst nichts. Unser System THERVIO S1 integriert Luftkanäle direkt in die Dämmplatte. Diese Kanäle fangen Solarstrahlung und Umgebungswärme ein und leiten vorgewärmte Luft direkt zur Wärmepumpe -statt der sonst üblichen kalten Außenluft. Das Ergebnis ist eine höhere Quelltemperatur für die Wärmepumpe, was deren Effizienz (COP) direkt steigert. Wer also mit THERVIO dämmt, heizt mit seiner Wärmepumpe gleichzeitig effizienter. Das System ist für Neubau und Sanierung geeignet und lässt sich wie ein herkömmliches WDVS ohne Spezialwerkzeug montieren. Das war uns wichtig, damit Handwerker es problemlos einsetzen können ohne große Weiterbildung.”

EEHH: Wo steht ihr gerade?

THERVIO (Jannis): “Wir befinden uns in der Entwicklungs- und Markteintrittsphase. Wir haben ein erstes Pilotprojekt in Oldenburg realisiert, das Patent für unser System ist angemeldet, und wir arbeiten aktiv an der baurechtlichen Zulassung, ohne die darf das System in Deutschland nicht verbaut werden. Das ist der entscheidende Flaschenhals: nicht die Technologie, sondern das Zulassungsverfahren. Parallel bauen wir erste Partnerschaften mit Fassadenbauern und Anlagentechnikern in Deutschland auf, die unsere Vision einer neuartigen und innovativen Energiefassade inklusive Wärmeversorgung teilen.”

EEHH: Was sind eure größten Herausforderungen gerade?

THERVIO (Jannis): “Drei Dinge gleichzeitig: Erstens die Zulassung: Das Verfahren dauert aufgrund von aufwendigen Prüfungen wie etwa der Brandschutzprüfung bis zu einem Jahr. Zweitens die Zeit: Jeder Tag Verzögerung schiebt den Markteintritt nach hinten, deshalb ist es so wichtig, viele Themen gleichzeitig zu betreiben, was natürlich eine große Herausforderung ist. Und drittens das klassische Startup-Dilemma: Man muss mit einem neuartigen System erst Vertrauen aufbauen, bevor man die ersten Projekte gewinnt, und braucht gleichzeitig diese Projekte, um Vertrauen zu schaffen.”

EEHH: Was ist eure Vision für die Zukunft in Bezug auf euer Startup?

THERVIO (Jannis): “Wir wollen, dass klassische WDVS zur Vergangenheit angehören. Jedes Gebäude, das gedämmt wird, sollte in der Lage sein, aktiv Energie beizutragen, nicht nur zu isolieren. Konkret: Wir sehen THERVIO als Teil einer vollständigen und effizienten Wärmeversorgung für Mehrfamilienhäuser, kombiniert mit modernen Wärmepumpen-Systemen. Das Potenzial ist riesig. Allein in Deutschland gibt es 12 Mio. m² Fassadenfläche und Millionen unsanierter Gebäudefassaden. Wenn wir einen neuen Standard setzen, haben wir etwas Grundlegendes verändert.”

EEHH: Was braucht ihr jetzt, damit ihr der Vision einen Schritt näher kommt?

THERVIO (Jannis): “Konkret: Wir suchen Fassadenbauer und Anlagentechniker, die bereit sind, gemeinsam mit uns die nächsten Pilotprojekte zu realisieren, idealerweise im norddeutschen und westdeutschen Raum, wo wir bereits verwurzelt sind. Und wir suchen Zugang zu Wohnungsgesellschaften und Bauträgern, für die Energieeffizienz und Betriebskosten ein zentrales Thema sind.”

EEHH: Profitiert ihr als Startup vom Cluster EEHH?

THERVIO (Jannis): “Ja, auf jeden Fall. Als norddeutsche Gründer war es uns wichtig, auch regional verankert zu sein und mit den richtigen Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen. Das Cluster EEHH schafft genau das: Sichtbarkeit in einem Umfeld, in dem die richtigen Menschen sind, und eine Heimat für Startups, die erneuerbare Energien nicht nur als Markt, sondern als Überzeugung verstehen. Wir freuen uns, Teil dieser Community zu sein, und sind gespannt auf den Austausch.”

Vielen Dank für das spannende Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes. Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.